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Die großen 12 aus 2018

Auch 2018 hatte wieder jede Menge zu bieten – die Zahl der verlockenden Reiseziele ist einfach zu groß!

Und wir haben wieder ein paar Dinge von unserer Bucket-List erledigt, aber eben auch wieder völlig unverhoffte Orte und Gegenden gefunden, die wir vorher so noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Und auf eine Weise sind das dann sogar die noch größeren Schätze.

Vorhang auf für unsere Lieblingsziele aus dem Jahr 2018! In bewährter Manier als Countdown von 12 bis 1. Und ein Klick auf die jeweilige Überschrift bringt euch direkt zum Blogeintrag.

Aareschlucht

Bei der Schweiz denkt man sofort an Berge. Und das natürlich zurecht. Aber was natürlich genau so großartig ist, ist das, was das Wasser mit den Felsen veranstaltet. Denn wenn man ihm nur lange genug Zeit lässt, frisst es sich durch diese unzerstörbar scheinenden Felsmassen durch und schafft so ein Wunder wie die Aareschlucht.

An den spektakulärsten Stellen nur wenige Meter breit, aber dafür bis zu 200m tief. Und das ist dann genau so beeindruckend, wie es sich liest. Wenn das ganze dann noch schweizerisch-perfekt in Schuss gehalten und inszeniert wird, hat man ein absolutes Highlight vor sich.

Kleiner Pro-Tipp: Den Weg durch die Schlucht kann man von Osten oder Westen machen. Im Westen gibt es deutlich mehr Parkmöglichkeiten, aber der Weg vom Osteingang in Richtung Westen ist dramaturgisch sicherlich spannender. Zunächst noch vergleichsweise breit wird die Schlucht mit jedem Meter ein bisschen schmaler und wilder.

Grinsby

Grinsby haben wir schon 2015 entdeckt. Und seitdem haben wir es geschafft, diesen schnuckeligen Campingplatz am Stora Bör auf jeder Skandinavientour mit einzubauen. Einfach weil er so herrlich entspannt langweilig ist. Und das meinen wir im absolut positivsten Sinne!

Der Kracher sind dann aber die Abendstunden. Und wenn man, so wie wir in diesem Jahr, an einem lauschigen Sommerabend mit dem Kanu auf den See hinausfährt, kann man etwas absolut sensationelles erleben, was es so nicht all zu oft gibt: Absolute Stille! Also: ab-so-lut. Kein Gezwitscher, kein Summen und Brummen und erst recht nichts menschengemachtes. Ein Wahnsinnserlebnis!

Børsmose

Die dänische Nordseeküste ist mit feinen Stränden ja wahrlich gesegnet. Warum schafft es also der von Børsmose in unsere Großen 12?

Wahrscheinlich weil wir einfach das Glück hatten, in der sonnigen Nachpfingstwoche einen großzügigen Campingplatz direkt hinter den Dünen mehr oder weniger für uns alleine zu haben.

Nicht besonders aufregend, aber besonders entspannend. Mehr Seele baumeln lassen geht kaum!

Flower Fields

Eigentlich sehe ich mich ein bisschen dagegen an, eine kommerzielle Touristenattraktion in die Großen 12 aufzunehmen. Aber für die Flower Fields bei Carlsbad in Kalifornien mache ich dann doch gerne eine Ausnahme.

Denn sie sind halt nicht vergleichbar mit dem durchschnittlichen schön angelegtem Garten. Auf einem großzügigen Areal wie es das vielleicht nur den USA geben kann, blüht es auf Teufel komm raus. Es ist wirklich ein Overkill für die Sinne, diese ganze Farbenpracht auf dem großen Areal wahrzunehmen.

Und es hat schon einen Grund, warum man dort so viele von den unsäglichen Instagram-Influencergirls sehen kann: Es lassen sich einfach so schöne Fotos machen…

Hyppeln

Fast schon traditionell haben wir einen kleinen Ort in unserer Liste, der nicht in jedem Reiseführer als die Top-Attraktion verkauft wird. Uns ist er aber trotzdem ans Herz gewachsen.

Hyppeln ist eine Schäreninsel vor Göteborg. Natürlich mit den tollen kostenlosen gelben Fähren zu erreichen. Und dann vor allem: klein. Und dadurch gemütlich. Quasi der Inbegriff für unaufgeregtes Insulanerdasein. Und trotzdem mit allem, was man gerne so um sich hat. Hafen, Restaurant (angeblich mit der besten Fischsuppe der Welt, was wir aber leider noch nicht testen konnten), Klippen und Strand. Wir kommen definitiv wieder.

Müritz-Nationalpark

Ein ganz besonderes Fleckchen Erde in Deutschland. Denn hier darf sich die Natur nach ihren eigenen Regeln entwickeln. Vom Ziel, einen richtigen „Urwald“ in Deutschland zu schaffen, ist man zwar so weit entfernt, dass wir das nicht mehr erleben werden, aber es ist fast genau so aufregend, der Natur dabei zuzugucken, wie sie sich Stück für Stück von Monokultur und menschlichem Einfluss verabschiedet.

Und dass es dabei dann trotzdem noch tolle Rad- und Wanderwege gibt und abends die Kraniche trompetend zu ihren Schlafplätzen zurückkehren, macht den Reiz dieser Landschaft aus. Wir müssen auf jeden Fall wieder kommen!

Hardangerfjord

Den Begriff Hardanger verbindet man in Norwegen vielleicht eher mit der Hardangervidda. Jenem unwirtlichen, meist trüben Hochplateaufjell, auf dem nichts wächst.

Nun, der Hardangerfjord ist dazu praktisch das Gegenstück. Zwar auch gerne mal regnerisch-trüb (Norwegen halt…), aber dafür auch mit dem Obstgarten Norwegens gesegnet, durch den man an der Südseite des Fjords quasi mitten hindurchfährt.

Auch der „begehbare“ Wasserfall Steinsdalsfossen ist trotz der wirklich für norwegische Verhältnisse heftigeren touristischen Erschließung ein Muss.

Und wenn man dann noch das Glück hat, an einem der besonders schönen Parkplätze wie Hereiane zu übernachten und in ein ebenso friedliches wie spektakuläres Abendlicht getaucht zu sein, dann ist das Womoreiseglück perfekt.

Thuner See

Man muss die Schweizer einfach beneiden. So eine perfekt-idyllische Landschaft wie am Thuner See findet man vielleicht sonst nirgends.

Das fängt mit dem Klischee-Berg Niesen an, den jeder Dreijährige genau so malen würde. Und hört natürlich mit den anderen Bergketten rund ums Stockhorn, den Sigriswiler Grat oder den Bergriesen Eiger, Mönch und Jungfrau noch nicht auf. Denn der stille Star der Landfschaft sind die Wiesen an den Berghängen über dem See und die kleinen Dörfer, in denen man sich einfach wohl fühlen muss. Und Wandern fühlt sich in dieser Bilderbuchlandschaft nie anstrengend, sondern immer wie ein Privileg an.

Utladalen

Vielleicht könnte man einen Preis für möglichst viel Norwegenklischee auf engstem Raum vergeben. Dann wäre das Utladalen ein heißer Anwärter dafür. Und das Beste: Man kann/muss sie alle auf meistens einfachen Wegen erwandern.

Das tiefste Tal Norwegens ist umgeben von 50 Gipfeln, die alle über 2000m liegen, hat natürlich einen reißenden Fluss und mit dem Vettisfossen den höchsten unregulierten Wasserfall Norwegens zu bieten. Und zu den Fjorden und Gletschern ist es auch nicht weit. Ach ja, und die tolle Passstraße Tindevegen fängt natürlich auch hier an…

Alabama Hills

Man kann ja über die Filmstudios in Hollywood sagen, was man will, aber die wissen schon, was eine gute Location ist! Hunderte Hollywoodfilme wurden in dieser unwirklichen Kulisse aus Felsen und Arches vor dem Hintergrund der mächtigen Berge der Sierra gedreht.

Und man fühlt sich sofort selbst in den wilden Westen versetzt. Nur mit dem Vorteil, dass es unzählige Stellen gibt, wo man frei mit dem Womo stehen kann und dann trotz der Vielzahl von Besuchern in dieser Wildnis mehr oder weniger alleine ist.

Jostedal

Was haben wir für ein Glück gehabt!

Sicherlich ist das Jostedal mit seiner breiten, teilweise wild schäumenden Jostedøla schon ein Erlebnis für sich. Und auch die vielen Gletscher oder der mächtige Stausee Styggevatnet sind in jedem Fall eine Reise wert.

Was für uns aber der besondere Glücksfall war? Das Wetter! Bei strahlendem Sonnenschein ist der Nigardsbreen einfach die Wucht in Tüten und auch die anderen Gletscherzungen haben alle ihren jeweils eigenen Reiz.

Und wenn man dann noch den fantastischen Campingplatz in Gjerde als Basisstation zur Verfügung hat, mit der wirklich unfassbar freundlichen und deutsch sprechenden Astrid als Gastgeberin, kann es kaum besser laufen.

Joshua Tree-Nationalpark

Ein dicker Eintrag auf meiner Bucketlist, seit ich die großartigen Fotos von Anton Corbijn für U2s „The Joshua Tree“-Album lieben gelernt habe.

Und der Park ist dann in jeder Hinsicht noch besser als das, was man ohnehin schon von einem US-Nationalpark erwarten kann. Denn neben den wirklich unvergleichlich besonderen Bäumen ist die Landschaft hier der Star. Wüste und skurrile Felsformationen wechseln sich ab, so dass es nicht so schnell langweilig wird.

Aber das beste ist der vielleicht tollste Campingplatz der Welt. Zumindest für uns. Jumbo Rocks punktet nicht mit Animation (obwohl der abendliche Rangervortrag im Amphitheater lohnenswert ist). Und erst recht nicht mit Strom, Wasser, Duschen oder Dumpingstation.

Aber so liebevoll, wie dieser Campground in die umgebenden Felsen (die das Wort Jumbo wirklich verdienen!) integriert ist, das ist schon Weltklasse. Und wenn man dann nach einem Barbecue auf der Bank an seiner Feuerstelle sitzt, kann man mit dem Staunen über diese unfassbare Natur einfach nicht aufhören.

Pro-Tipp: Mindestens 2 Nächte buchen. Lange im Voraus! Denn ohne Reservierung kommen euch garantiert die Tränen, wenn ihr mit einem Womo an diesem Platz einfach vorbeiziehen müsst…

Ab aufs Wasser

Es ist warm. Schwülwarm. Und bedeckt. Ein komisches Wetter, was wir so eher von Zuhause gewohnt sind, aber in Skandinavien noch nicht erlebt haben.

Aber andererseits ist es auch deutlich freundlicher als es die dunkle Wolken in der Wetter-App vermitteln. Also beschließen wir, endlich mal ein Kanu zu mieten. Wollten wir schon bei unserem ersten Aufenthalt in Grinsby eigentlich machen, haben es aber irgendwie nie auf die Kette gekriegt.

Beim Mieten werde ich dann noch unangenehm überrascht: Ein Teil unseres „alten“ Geldes von vor 2 Jahren ist mittlerweile ungültig. Und die Bank würde das auch nicht mehr annehmen oder umtauschen. Gut, dass wir keine Unmengen Geldreste hatten!

Unserer alten, blinden und wasserscheuen Mia (und uns) wollen wir das Spektakel der Kanutour ersparen. Sie bleibt gerne auf ihrem Kuschelplatz im MoMo zurück. Aber Elli ist aufgeregt: Was ziehen sich die beiden da für lustige Westen an? Was für ein langes zigarrenförmiges Ding legen die da ins Wasser? Da soll ich rein? Na gut, aber nur wenn Frauchen ganz nah bei mir bleibt.

Also stechen wir mit Galleonsfigur Elli in See und erkunden den Stora Bör von See aus. Herrlich!

Das Wasser ist so klar, dass man im Uferbereich bis zum Boden gucken kann und es geht so sanft ins Wasser, dass man beim aktuellen Niedrigwasser sogar ein bisschen aufpassen muss, dass man nicht an einem Felsen vorbeischrammt, der knapp unter der Wasseroberfläche liegt. Wir stellen uns aber als gutes Team heraus und meistern das erste Mal paddeln im Kanu ganz ordentlich. Gut, unser Kurs sieht mit seinen Schlangenlinien wahrscheinlich nach Volltrunkenheit aus. Aber ansonsten…

Nach einer halben Stunde machen wir Station auf einer kleinen Insel in Ufernähe. Beim Anlanden muss man aufpassen, dass man nicht auf den algigen Steinen ausrutscht. Elli hüpft aus dem Kanu und ist begeistert, dass sie wieder festen Boden unter den Füßen hat. Sie flitzt erst mal herum und guckt sich das Ganze an.

Wir nutzen die Gelegenheit zu einer Abkühlung im See. Es geht doch nichts darüber, wenn sich das Gefühl von „Boah ist das kalt!“ in „Och, ich glaub ich bleib noch ein bisschen!“ verwandelt, weil es so herrlich erfrischend ist.

Aber das Wetter ist heute, wie erwähnt, komisch. Mittlerweile hat es sich stärker zugezogen und in weiter Ferne hört man es sogar donnern. Also tun wir das Vernünftige und steigen wieder ins Kanu – Gewitter auf dem See müssen wir nicht haben.

Schade, eigentlich sind wir gerade auf den Geschmack gekommen und wären gerne noch ein bisschen länger gepaddelt. Aber wir sind uns sicher: Das war nicht das letzte Mal in einem Kanu in diesem Urlaub!

Den Nachmittag über hören wir immer mal wieder ein Grummeln, es sind auch die schon angekündigten dunklen Wolken zu sehen. Aber es bleibt zunächst noch trocken.

So können wir dann einen gemütlichen Mittagssnack mit Potatissalad, Knäckebröd, Rohkost und Räkost zu uns nehmen.

Und nachdem wir den Nachmittag noch mit Klönen mit den netten Nachbarn verbracht haben geht dann doch ein kurzer leichter Schauer über uns nieder. Für die ausgetrocknete Natur hier aber nur ein Tropfen auf den buchstäblich heißen Stein.

Abends wagen wir uns dann noch mal aufs Wasser. Und es ist schon ein echtes frühes Highlight des Urlaubs, an das wir uns noch lange erinnern werden. Nicht, weil so viel passiert ist, sondern genau im Gegenteil, weil gar nichts passiert ist.

Wir paddeln auf dem stillen See am Ufer entlang, bis wir an einer kleinen Minibucht problemlos anlegen können. Dort genießen wir etwas, das es so nur noch selten gibt: absolute Stille. Und passend zu dieser irgendwie feierlichen Stimmung kommt abends auch noch einmal die Sonne hinter den Wolken hervor.

Im grandiosen Abendlicht paddeln wir wieder los, genießen das Licht, was die Landschaft in die wärmsten Farben taucht.

Und mitten auf dem See stellen wir dann einfach das Paddeln ein, legen die Paddel quer und sitzen für ein paar Minuten auf dem stillen Wasser.

Sensationell!

Und mir kommt der Spruch vom Stellplatz in Greven in den Sinn:

Der Lärm verbraucht.

Die Stille ernährt.

Und weil sich die Natur selten lumpen lässt, gibt’s zum Abschluss am MoMo noch einen zarten Regenbogen zu sehen. Schön.

Hopsende Bretter

Welch ein schöner Stellplatz für eine erste Nacht in Schweden. Entspannte Leute, ruhige Atmosphäre, Ankommen. Genau so, wie wir es lieben.

Bereits früh am Morgen ist es T-Shirt-warm und wir können sofort mit einem Draußen-Frühstück beginnen.

Lange aufhalten wollen wir uns aber trotzdem nicht, da diesmal der Norden ruft: Wir wollen Strecke machen und am Ende des Tages an unserem Lieblingscampingplatz in Grinsby sein.

Trotzdem brauchen wir ganz gemütlich bis 10 Uhr bis wir dann Richtung Göteborg weiterfahren.

Abgesehen von einem mal wieder aus unerklärlichen Gründen aufploppenden Alkoven-Heki und dem obligatorischen Stau in Göteborg ist die Strecke unspektakulär, auch wenn es nördlich von Kungsbacka dann immer mehr nach dem klassischen Schweden und weniger nach der Kornkammer Skane aussieht.

Unser Zwischenziel ist Trollhättan, da Annette gestern bei der Routenplanung die leckeren Zimtschnecken eingefallen sind, die es im Strandgatan, direkt am Kanal, gibt.

Der Parkplatz am Folkets Park in der Nähe der Hebebrücke, an den wir uns noch vom letzten Besuch erinnern, ist kostenpflichtig, kann aber mit einer wirklich genial einfachen Park-App bezahlt werden. Und dadurch stellt sich heraus: Die ersten 4 Stunden sind ohnehin kostenlos! Naja, in der nächsten Großstadt sind wir dann gewappnet. Ach so: Es kommt ja gar keine Großstadt mehr auf der weiteren Reise…

In Trollhättan ist es warm. Also: Mittelmeerwarm. Nicht skandinavisch warm. Also heiß. Lockere 31° zeigt das Thermometer und entsprechend geraten wir auf dem übersichtlichen Weg trotzdem ins Schwitzen.

Aber das Strandgatan hat feinerweise einen überdachten Promenadenpavillon, an dem wir sogar noch einen Tisch in der ersten Reihe am Wasser kriegen und Zimtschnecke und Cappucino lassen wir uns schmecken. Wobei wir beide in Erinnerung haben, dass die Kaneelbullar vor 3 Jahren aufgewärmt serviert wurden. Aber wer will bei 31° schon warme Süßspeisen essen…?

Außerdem müssen wir uns an dieser Stelle entschieden vom Fäkalhumor der Schweden distanzieren. Wir erinnern uns schon mit Grausen an das leckere Kakbuffet in Annorlunda. Aber man kann doch seine leckeren Süßigkeiten nicht so benennen:

Schnell suchen wir also das Weite und erledigen den ersten Großeinkauf in ICA und Systembolaget, in welchem ich zu meinem Entzücken sogar das feine Sculpin IPA von Ballast Point aus San Diego entdecke. Herrlich!

Auf dem Weg nach Norden wird der Inlandsvägen nun etwas stiller und schmaler. Öfter einspurig als mehrspurig, obwohl wir uns immer noch auf der E45 befinden. Sah auf der Karte irgendwie größer aus. Und als wir schließlich auf die Landstraße abbiegen, sieht es schon sehr so aus, wie wir es lieben: immer mal wieder ein See, mal links mal rechts, Inselchen, Wäldchen.

20 km vor dem Ziel ereilt uns aber in Svanskog ein übles Schicksal. An einem Geschwindkeitsberuhigungshubbel machen wir, trotz nicht wirklich übertriebener Geschwindigkeit, einen kleinen Hopser und hören ein Rrrabong aus dem Schrank, was nichts Gutes bedeuten kann. Annette checkt und tatsächlich sind 2 Regalböden aus der Halterung gesprungen und liegen jetzt eine Etage tiefer. Aua! Es stellt sich heraus, dass gleich mehrere Plastikhalterungen das nicht überlebt haben und gebrochen sind und auch die Löcher sind ausgeleiert. Wir versuchen, das ganze so gut es geht wieder zu installieren, aber wirklich zuversichtlich sind wir nicht. Und als wir auf die Schotterpiste nach Grinsby abbiegen hören wir erneut das üble Geräusch. Rrrabong! Da müssen wir uns wohl eine bessere Reparatur überlegen.

Aber der Ärger ist schnell verraucht, als wir unseren Platz auf dem Gelände gefunden haben, alles aufgebaut haben und endlich angekommen sind. Immer noch schön hier!

Mit dem eigentlich geplanten Grillen ist es allerdings Essig. Denn was wir hier gerade als schönstes Sommerwetter erleben ist in Schweden eine ausgesprochene Dürreperiode. Es hat in den vergangenen Wochen so gut wie gar nicht geregnet und viele Gebiete sind schon mit der höchsten Waldbrandgefahrenstufe gekennzeichnet. Und daher gilt auch hier: Keine Lagerfeuer erlaubt und nur Elektrogrills sind zugelassen.

Auf unserer abendlichen Runde auf die nahegelegene kleine Halbinsel sehen wir dann auch schon die Folgen der Dürre: Auf den Steinen am Ufer sieht man, ähnlich wie am Lake Mead bei Las Vegas, deutlich die Streifen, die den normalen Wasserstand anzeigen.

Und der trockene Sommer schlägt sich dann natürlich auch bei den Pflanzen nieder: Die Blaubeeren sind klein und mickrig und auch die Birken sehen mit ihren gelben Blättern schon reichlich herbstlich aus. Nicht schön.

Aber trotzdem hält uns das alles nicht davon ab, auf den See hinauszugucken und es hier immer noch herrlich schön zu finden.

Umstellungen

Man könnte es glatt persönlich nehmen. Auch heute morgen ist es wieder grau und trüb. Naja, dann fallen die Entscheidung zum Weiterfahren und der Abschied nicht so schwer. Trotz Landstraße kommen wir hier in Schweden einfach schneller und stressfreier voran. Tempomat an, Spur halten und fertig.

In Karlstad, der nächstgelegenen Großstadt, schnuppern wir das erste Mal seit langem richtige Großstadtluft. Mit Fuzo, Shopping Mall, Bettlern und Systembolaget. In ersterer stöbert Annette in ihrem Lieblingsklamottengeschäft und schafft es, trotz 50-70%-Sale nichts zu kaufen. Respekt! In zweiterer erledige ich das Simkartenkaufen in einem Bruchteil der Zeit und mit einem Bruchteil des Stresses von Norwegen. Dritte fallen mir das erste Mal seit gefühlten Ewigkeiten überhaupt auf und vierteres füllt unsere Biervorräte für einen Bruchteil der Kosten in Norwegen auf.

Jetzt aber auf nach Degerfors, wo Annette eine Wanderung für uns ausfindig gemacht hat. Denn wirklich viel Bewegung haben wir seit unserem Besuch des Brixdalsbreen nicht mehr gehabt.

In Degerfors gibt es das Sveafallens Naturreservat, wo eiszeitliche Felsklötze und Wasserlöcher zu sehen sind. Das Ganze wird garniert mit Blaubeersträuchern, Wurzeln, Moos und Kiefern. Also genau das, was man von Schweden erwartet.

Und, zugegeben, mir reicht die 17m hohe Felswand, von der wir von oben runtergucken, um Höhenangst zu kriegen. Gleichzeitig ist man aber versucht, nach all der Norwegen-Monumentalität ein “Oh wie süß!” auszurufen…. Ist halt alles eine Nummer kleiner in Schweden. Dafür hat es andere Qualitäten!

Pacman lebt!  Pacman lebt!

Und die kriegen wir zu spüren, als wir nach Karlskoga fahren, wo es einen wahrhaft paradiesischen Stellplatz fur Umme geben soll: Strom, Wasserver- und entsorgung, Internet, asphaltierte Stellplätze direkt am See. Aber irgendwo ist da bestimmt ein Haken, oder?

Ja, der Haken ist schlicht und einfach, dass wir zu spät sind. Alle Plätze auf dem anscheinend ganz neu angelegten und wirklich perfekt realisierten Platz sind schon belegt. Aber das gute an Schweden: Direkt daneben gibt es noch einen geschotterten Platz, der natürlich nicht so chic ist, aber wo am Abend dann noch einmal so viele Womos Platz finden wie eigentlich geplant. Und alles ist entspannt und easy.

Ach so. Noch ein Vorteil von Schweden: Wir konnten tatsächlich den Großteil des Tages im T-Shirt rumlaufen…

Urlaub vom Urlaub

Komischerweise wachen wir heute ungewöhnlich früh auf. Leider hat das Wetter nicht das gehalten, was wir uns gestern erhofft hatten und stattdessen brav gemacht, was der Wetterbericht angekündigt hat. Es ist trüb und grau. Die Wolken hängen tief. Und wir haben den Vassenden-Blues. Denn bei dieser grauen Suppe sind wir nicht sonderlich motiviert, die Bahnfahrt und Wanderung im Flåmtal zu machen und den teuren Trip in den Næroyfjord finden wir mit eingeschränkter Sicht auch nicht so pralle.

Trotzdem machen wir nach dem Frühstück einen morgendlichen Weg zum Anleger, denn eine alte Freundin will begrüßt werden: Die Koningsdam ist wieder da! Und mit ihr naturgemäß Unmengen an Leuten. Das sind wir einfach nicht mehr gewöhnt – Lange Schlangen an den Schaltern für Bahnfahrt und Fjordfähre. Ein Gewimmel wie in Grindelwald…

Und in uns reift eine Entscheidung, mit der wir seit ein paar Tagen schwanger gehen: Ist es jetzt einfach mal genug mit grandios, großartig und genial? Und mit trüb, graugrün und kühl? Wir haben in den letzten Wochen so viele tolle Sachen gesehen und haben den Eindruck, dass wir satt sind. Satt im Sinne von voll, nicht im Sinne von satt haben. Dieses Festmahl an Eindrücken will jetzt einfach mal verdaut werden.

Und da wir für die Rückfähre ohnehin noch den Weg nach Trelleborg vor uns haben, können wir den Rückweg doch auch etwas früher in Angriff nehmen und dafür noch ein bisschen Sonne, Ruhe, Seen und Meer genießen. Wie verlockend das auf einmal klingt: Einfach nur in Shorts und T-Shirt rumlaufen! Ins Wasser springen, weil einem so warm geworden ist! Und als wir uns das ausmalen, sind wir auf einmal Feuer und Flamme. Los geht’s!

Vor der Abfahrt müssen wir aber noch das Entsorgen erledigen. Und gut, dass wir heute etwas früher dran sind: Vor uns warten schon 4 Fahrzeuge und als wir endlich dran sind, reicht die Schlange an Fahrzeugen schon einmal um den Block…

Auf dem Rückweg nehmen wir sogar noch eine Attraktion mit, die ich schon abgeschrieben hatte. Der 24,5km(!) lange Laerdal-Tunnel mit seinen cool beleuchteten Zwischeninseln fährt sich wirklich sehr entspannt. Und diese Inseln sorgen dafür, dass es ein bisschen Abwechslung gibt. Annette hätte zwar immer noch lieber auf einen so langen Tunnel verzichtet, macht aber zum Ausgleich tolle Fotos während ich die Spur halte.

Der Weg führt uns nun Richtung Oslo. Wir kriegen quasi noch einmal alles geboten, was an Norwegen toll ist. Breite geschwungene Talstraßen, eine Passfahrt durch eine halbe Mondlandschaft, Wasserfälle, später fast schon liebliche Seenlandschaften und zunehmend Kulturlandschaften.

Und als wir den Osloer Ring mit nur einem kleinen Stau hinter uns lassen, werden wir fast ein bisschen wehmütig: Das war er jetzt also, der Norwegenteil des Sommers 2016. Gleichzeitig freuen wir uns aber bei der immer flacher und waldreicher werdenden Landschaft mit jedem Kilometer mehr auf Schweden. Wir haben uns die Gegend um Årjäng als Zielgebiet ausgesucht, weil wir sie letztes Jahr von unserem tollen Campingplatz in Grinsby so gut in Erinnerung haben.

Da wir gerade von einem Campingplatz kommen, wollen wir eigentlich mal wieder eine Nacht frei stehen. Aber ein No-Thrillls-Platz in Sanda würde auch Geld kosten. Und warum sollen wir uns eigentlich nicht unseren Lieblingscampingplatz nach einem langen Fahrtag gönnen? Manchmal hat man echt einen Pin im Kopf!

Also steuern wir voller Vorfreude “unser” Camp Grinsby an und beim Anblick der vertrauten Anlage strahlen wir beide wie die Honigkuchenpferde.

Ein Stellplatz ist für unsere Verhältnisse recht schnell gefunden. Und als wir dann in der friedlichen Abendstimmung auf den See hinaus gucken, stellt sich ein ganz, ganz warmes Zuhause-Gefühl ein. Alles richtig gemacht!

Für alle, die sich den “Norwegen-Link” für den Blog abgespeichert haben und weiter mitreisen wollen: Ab jetzt geht es dann weiter unter “Schweden2016”. Oder einfach die Startseite http://www.unser-womo-blog.com aufrufen…

Heiß und kalt

Heute wird die Nichtstuerei mit Seeblick wenigstens durch etwas Aktivität unterbrochen.

Den ursprünglichen Plan, heute mit einem Kanu über den Stora Bör zu paddeln, geben wir auf. Obwohl ich noch zuversichtlich bin, als ich sehe, dass es auch Kajaks zu mieten gibt, die wir ja vom Paddeln auf der Krutinna schon kennen. Aber die Lady an der Rezeption guckt mich erstaunt an und fragt, ob ich das bei dem Wind wirklich wolle. Sie fügt noch geschäftstüchtig hinzu: Naja, in Ufernähe könne man das sicher machen. Nach kurzem Kriegsrat verzichten wir dankend. Und sind im weiteren Tagesverlauf sehr froh darüber!

Am späten Mittag machen wir uns in die Blåbären auf. Wir pflücken aus dem unerschöpflichen Vorrat (“aber nur die Großen!”) soviel, dass es für einen Blåbär-Schoko-Kuchen reicht. Und für die Dickmilch auch noch, die wir mal wieder anstelle der Vollmilch gekauft haben…

Annette schmeisst den Omnia an und als Kuchen und Schokoguss abgekühlt sind, genießen wir ein luxuriöses Kaffetrinken mit Kuchen, Seeblick, Pulli und Decke.

Ja, heute müssen wir uns tatsächlich etwas wärmer anziehen, denn das sonnige, nahezu wolkenlose Wetter von gestern ist entgegen der Vorhersage des Handys vorbei. Es ist zwar weit von unfreundlich entfernt, aber 17° mit Wind ist ungemütlich. 17° mit Sonne dagegen ausgesprochen schön.

So wechseln wir also den Tag über immer brav zwischen T-Shirt und Pulli und Jacke mit T-Shirt und Jacke mit Pulli hin und her. Die schwedische Lady aus dem Womo nebenan ist da wesentlich entspannter. Sie legt sich mit dem Bikini auf die Decke…

Nachmittags müssen wir uns für eine wahre Herausforderung regelrecht motivieren, da das Rungammeln so verlockend ist. Wir wagen uns tatsächlich auf den unfassbare 3km langen Grinsby-Weg. Während wir am Anfang noch verächtlich über die avisierte Stunde für lächerliche 3km geschmunzelt haben, wird uns nach dem ersten Stück klar, dass es wohl stimmt. Denn der Weg ist wirklich sehr abenteuerlich zugewachsen. Und im ersten Teil auch wenig attraktiv, weil man eigentlich nur auf den Boden guckt, um nicht zu stolpern. Aber irgendwie auch egal, denn ein Blick rundum lässt einen auch nur auf kopfhohe junge Bäume blicken.

Immerhin gibt es am See schöne Ausblicke und wir entdecken sogar Vögel auf dem Wasser, die rufen können wie ein Hund, dem man auf den Schwanz getreten ist. Beeindruckend!

Auf dem Rückweg kommen wir wieder an den kleinen Herzhäuschen vorbei, die über den ganzen Campingplatz verteilt sind und wohl für das kleine (oder große) Geschäft zwischendurch gedacht sind. Eines davon ist irgendwie leicht unpassend mit Bildern der Kronprinzessin Victoria samt Mann und Baby dekoriert. Wir grübeln sehr darüber nach, was DAS wohl zu bedeuten hat…

Ansonsten stehen die Zeichen dann aber auf Abschied, da es morgen dann doch mal weiter gehen soll. Der Wetterbericht sagt nichts gutes für das Wochenende voraus, so dass wir sicherlich auch nicht all zu traurig sein werden, den Platz morgen zu verlassen. Was wir aber jetzt schon wissen: Bei einer erneuten Tour in die Gegend werden wir wieder hier Station machen!

Ambitioniertes Nichtstun

Der heutige Tag ist mit akuter Faulenzeritis so ziemlich exakt beschrieben und weggebloggt…

Lediglich abends mache ich mich in der Hoffnung auf einen weiteren spektakulären Sonnenuntergang auf den Weg runter an den See. Aber: Da war nichts. Keine leuchtenden Farben am Himmel und auch die Ideen, die mir bei einer nachmittäglichen Hunderunde mit Annette und Mia in den Kopf gekommen waren, stellten sich in der konkreten Situation als nicht so ganz einfach machbar dar. Mit ein paar Bildern bin ich dann so mittelzufrieden und weil der Tag sonst kein Fotos hergab, heute also mal ein paar Bilder am Ende.

Angekommen

Heute gibt es in der Tat nicht viel zu berichten. Wir haben das Gefühl, angekommen zu sein. Die Lage des Platzes am See ist wirklich ideal, wir sitzen auf unserer “Aussichtsterrasse” und frühstücken zunächst im Sommeroutfit, wegen des böigen Windes später aber dann auch gerne mit Jacke, wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet. Was aber nichts daran ändert, dass wir gar keine große Lust auf Veränderung verspüren und einfach nur genießen wollen, dass wir an so einem schönen Ort sind.

Außerdem kann man so mal ein bisschen die bisherigen Erlebnisse sacken lassen. Und während ich mich ein bisschen in Instagram einfinde (ja, ich weiß, dass das spät ist), gehe ich noch einmal die Bilder der letzten Wochen durch und sofort kommen Erinnerungen an all die anderen tollen Orte hoch. Ein echter Urlaub zum Genießen!

Und das mit dem Genießen nehmen wir dann einfach mal richtig ernst. Das eigentlich geplante Kanufahren wird auf die kommenden Tage verschoben, weil wir einfach mal nur hier sein wollen.

Das höchste der Gefühle ist da schon ein kleiner Spaziergang mit dem Hund und selbst den unterbrechen wir nach ein paar Metern, weil Annette in einem riesigen Blaubeerfeld die Zutaten für den heutigen Nachtisch organisiert.

Und zu dem unverschämt faulen Rumsitzen passt dann das abendliche Grillen wie Pott auf Deckel. Würstchen und Datteln im Speckmantel. Couscoussalat. Bierchen.

Und noch ein kleiner Nachtrag, weil der Sonnenuntergang eben so prächtig war:

Lohnende Umwege

Pünktlich um 8 Uhr setzt der vorhergesagte Ganztagsregen ein. Logische Konsequenz: Wir drehen uns noch einmal im kuscheligen Alkoven um und verpennen den Anfang des Tages.

Das ganze folgt natürlich einem ausgetüftelten Masterplan. Denn unser Frühstück besteht heute nur aus Kaffee und ein bisschen Müsli, damit wir Mittags überhaupt schon wieder Hunger für ein Mittagessen haben. Denn im Dalsland-Prospekt habe ich das Steneby Grytan gefunden, wo es Älgburgare, zu deutsch: Elchburger, geben soll. Könnte man doch mal ausprobieren!

Wir fahren also mittags bei absolutem Pisswetter (und damit in 3 Wochen auch dem allerersten!) los und folgen dem “Sonderziel” was ich im Navi gefunden habe.

Kurz vor dem Ziel werden wir über eine Brücke gelotst und kriegen noch eine Liveschleusung der Dalslandia mit, komplett mit Bilderbuch-Schleusenwärter im Gelbmann. Und das ganze in der ersten Reihe im gemütlich warmen MoMo während die bedauernswerten Touristen an Bord doch alle etwas verfroren aussehen.

Was mir nur komisch vorkommt: Als ich gestern das Restaurant gegoogelt habe, war eigentlich kein See oder Kanal in unmittelbarer Nähe. Und so stehen wir auch bei der Durchsage “Sie haben ihr Ziel erreicht” in der absoluten Pampa. Ups! Also noch mal geguckt und festgestellt, dass wir aus unerklärlichen Gründen im 11km entfernten Dals Langed angekommen sind. Aber für das Schleusenspektakel hat sich das doch mal richtig gelohnt!

Im zweiten Anlauf werden wir dann richtig gelotst und kommen im Dalsland Aktiviteter an, wo man bei Lust und besserem Wetter auch Klettern oder Reiten könnte. Das Restaurant erinnert uns in seiner Aufmachung kollossal an Amerika: riesiges Gebäude, ein großer Saal und halt alles eine Nummer zu groß. Aber halt irgendwie auch ausgesprochen cool.

Da passt es auch, dass es eine Art Doppelburger gibt, den man kostenlos bekommt, wenn man den Teller innerhalb einer Stunde geleert hat. Wir entscheiden uns trotzdem für die normale Variante und können uns nicht beklagen. Satt wird man auch so! Wie ein Elchburger schmeckt? Schon lecker, aber auch etwas trocken, so ein Elch. Dabei steht der doch die meiste Zeit im See rum…

In der angeschlossenen Geschenkboutique werfen wir das erste Mal einen Blick auf das, was uns die Andenkenindustrie als Souvenir andrehen will, schütteln den Kopf und fahren weiter.

Denn jetzt müssen wichtige Einkäufe getätigt werden: Systembolaget, wir kommen! Und nach einer Ehrenrunde durch Bengtsfors, weil bei diesem Wetter natürlich Shoppen immer geht und das anscheinend auch alle tun, sind wir dann nur mittelzufrieden, weil der Laden zwei von unserem Lieblingssorten leider nicht führt. Und wer ist denn auf die Irrsinnsidee gekommen, in einem Extrageschäft für Alkohol, wo man sich immer fühlt, als würde man einen Sexshop betreten (“Die wissen jetzt alle, was ich da mache!”), **alkoholfreies** Bier zu verkaufen?

Unser nächstes Ziel führt uns jetzt nach Norden, denn in einem Reiseführer haben wir den Hinweis auf einen deutschen Bäcker gefunden, der “in the middle of nowhere” seine Bäckerei hat. Und da es nur ein kleiner Abstecher auf der Route zum Tagesziel ist, machen wir den kleinen Schlenker. Und erfreulicherweise hat der Regen mittlerweise aufgehört und es herrscht eine tolle verwunschene Lichtstimmung.

Die Bäckerei in Gustavsfors kann man unmöglich übersehen. Wir kaufen also Brot und Zimtstangen und halten noch einen kleinen Schwatz mit dem sehr sympathischen Bäcker Sven, der alles in seiner Bäckerei alleine macht. Und da er vor allem vom Geschäft im Sommer lebt, hat er dann durchgängig eine 7-Tage-Woche. Dafür aber im Winter frei. Auch ein Geschäftsmodell…!

Frohgemut peilen wir nun endgültig unser Tagesziel an: Den Campingplatz in Grinsby. Alles, was wir bisher darüber herausfinden konnten, liest sich so, als wäre das was für uns. Auf dem Weg dorthin klart es sogar etwas auf und bei einer Überfahrt über den Dalsland-Kanal (den wir heute nun schon mehrfach überquert haben), bieten sich wunderschöne, sonnige Aussichten, so dass wir spontan für einen Fotostop aussteigen.

Was man überhaupt nicht mitkriegt, wenn man gemütlich mit schöner Musik im MoMo durch die Landschaft cruist, ist die faszinierende Stille, wenn man auf freier Strecke einfach mal aussteigt. Auch Vogelgezwitscher hört man so gut wie gar nicht. Toll!

Wir genießen die Fahrt über die stellenweise komplett rote Straße, was mich an unsere tolle Fahrt durch den Ostteil des Zion-Nationalparks in den USA erinnert.

Die Straße windet sich mal elegant kurvend, dann wieder für ein Stück schnurgerade, so dass es nicht langweilig wird. Und als uns schließlich ein Straßenschild ankündigt, dass wir Värmland erreicht haben, wissen wir, dass es nicht mehr weit sein kann.

Der Campingplatz liegt direkt am Stora Bör, einem mittelgroßen See, auf dem es sich natürlich auch gut paddeln lässt. Und es gibt neue, wirklich schöne und saubere Sanitärräume. Und Stellplätze, die nicht festgelegt sind, sondern die man sich einfach selbst aussucht. Was natürlich toll ist, aber auch ungeahnte Schwierigkeiten mit sich bringt. Denn wenn “alles” erlaubt ist, was ist dann ein blöder Platz? Was ist schon zu nah am Nachbarn, was ist okay? Wir finden schließlich einen Platz auf dem zentralen Hügel des Platzes und nachdem ich mich bei unserem freundlichen schwedischen Nachbarn versichert habe, dass wir nicht stören, ist auch Annette überzeugt. Und da der Hügel unterhalb unseres Stellplatzes dann schon abfällt, würde sich nur ein Vollidiot dort hinstellen. Was bedeutet: Panoramablick über Platz und See!

Und wenn ein Platz schon bei schwächelndem Wetter so schön aussieht, können wir uns auf die kommenden Tage wirklich freuen. Denn es soll wieder sonniger und wärmer werden!