Beiträge

Das Reisejahr ist vorüber. Und mit ihm jede Menge Eindrücke, Erlebnisse und Landschaften. Wir haben jeden Tag unserer Reisen genossen und deutlich mehr als 12 schöne Tage oder Etappen erlebt. Es gibt aber doch immer diese besonderen Tage auf einer Reise, wo einfach alles stimmt oder an die man sich in der Rückschau aus den unterschiedlichsten Gründen besonders gerne erinnert.

Hier also die Ziele, die es uns besonders angetan haben und zu denen wir sicher noch einmal zurückkehren wollen. Alle die dort schon waren, werden verstehen, warum ein Ort in dieser Liste auftaucht. Und allen, die vielleicht noch eine Reise planen, seien diese Ziele dann besonders ans Herz gelegt. Ein Klick auf die jeweilige Überschrift bringt euch zum entsprechenden Blogeintrag. Und um die Spannung zu steigern, machen wir das ganze in guter Countdownmanier von 12-1. Viel Spaß beim Gucken und Lesen!

Peer-Gynt-Weg


Diese schöne Passstraße westlich von Lillehammer ist im Prinzip Norwegen im Kleinformat. Einsame unbefestigte Straße? Ja. Tolles Gipfelpanorama? Ja. Seen und Wasserfälle? Ja.

Im Detail gibt es das zwar alles irgendwo anders auch noch spektakulärer und noch beeindruckender. Aber es kann auch ganz gut sein, wenn man das ganze noch halbwegs mit seinen Sinnen erfassen kann und noch nicht erschlagen ist.

Sognefjellet

Die Norweger wissen schon, warum sie “Nationale Touristveger” angelegt haben. Weil es einfach Strecken gibt, auf denen man an jeder Haltebucht anhalten möchte, weil der Ausblick hier doch noch etwas schöner ist als der vor 2 Minuten… Kein Wunder, denn Täler, Wasserfälle, Gletscher, Seen und Fjell wechseln sich in immer neuen Kombinationen genial ab, so dass es einfach nicht langweilig werden will.

Côte de Granit Rose

Auf diesen Küstenabschnitt der Bretagne waren wir sehr gespannt. Und wurden nicht enttäuscht – man kann sich regelrecht in den Gesichtern, Gegenständen und Tieren verlieren, die man in den Gesteinsformationen zu erkennen glaubt. Zum Fotografieren ein Traum!

Den Streit, ob die Steine bei Ploumanac’h oder in Tregastel beeindruckender sind, möchten wir auch nicht entscheiden. Aber eines meiner Lieblingsbilder des Jahres stammt aus Tregastel…

Trollstigen

Eigentlich war der Trollstigen bei der Reiseplanung für uns nur ein kann-muss-aber-nicht. Ein totfotografiertes Ziel, dass jeder schon mal gesehen hat. Gut, dass wir uns anders entschieden haben!

Denn auch wenn man die Aussicht natürlich “kennt”: in echt ist es trotzdem beeindruckend. Und vor allem das Treiben auf der Straße zu beobachten ist wirklich spannend. Wie auf einer Modellanlage staut es sich mal hier mal da, um dann doch wieder irgendwann weiterzufließen. Faszinierend!

Und als Bonus kriegt man auf der Weiterfahrt im Meiadal tatsächlich frische Erdbeeren, die man dann am Fjord und beim Ausblick auf die winzig wirkenden Kreuzfahrtriesen verspeisen kann.

Rondane

Zwei Dinge werden wir immer mit dem Rondane verknüpfen: Die sich steil nach oben windende Serpentinenstraße, die wir gerne hinter dem Linienbus her gefahren sind und diese perfekte Radtour zum Rondvassbu. Denn obwohl man die gleiche Strecke hin und zurück fährt, ist das Erlebnis doch so, als würde man noch einmal eine komplett neue Landschaft erfahren.

Stensjö By/Hammarglo

Eigentlich nicht ganz fair, dass ich hier 2 Orte zu einem zusammenfasse. Da sie aber recht nah beieinander liegen und für uns quasi zu einem Reiseerlebnis gehören, nehme ich mir die Freiheit.

Wer ein Astrid-Lindgren-Schweden aus dem buchstäblichen Bilderbuch aber gänzlich ohne Trubel erleben will, muss (muss!) nach Stensjö Byn. Diese Siedlung aus vereinzelten roten Schwedenhäusern ist ein ehemaliges Dorf, dass pittoresker gar nicht angelegt werden könnte. Mehr Klischee und gleichzeitig mehr Authentizität geht nicht!
Und in Hammarglo hat man das ganze dann in der Naturvariante. Weiter Himmel, weiter See, himmlisch friedliche Abendstimmung. Auch hier gilt: Schwedischer geht’s nicht!

Molde

Molde als Stadt ist eigentlich nicht der Rede wert (wie eigentlich fast alle norwegischen Städte). Der Star ist die Landschaft. Und hier insbesondere der Aussichtspunkt Varden, weit oberhalb der Stadt.

Das Panorama, was sich einem hier auftut ist mit grandios eher unzureichend beschrieben. Und für uns war es einer der Orte, wo wir es mal wieder genossen, dass wir per Womo unterwegs sind. Denn als wir mittags dort waren, war uns klar, dass es das für den Rest des Tages gewesen ist. Und die sich durch das Licht ständig ändernde Landschaft hat uns für diese Entscheidung mehr als belohnt!

Öland

Es gibt so Orte, wo man sich quasi von Anfang an wohl fühlt. Öland gehört für uns dazu. Man hat sofort nach Überfahren der langen Brücke das Inselfeeling – von keinem Ort aus ist es wirklich weit bis zum Meer.

Die gechillte Atmosphäre ist überall auf der Insel zu spüren. Und wenn man dann mit netten Leute in Carlas Cafe-Scheune eine richtig gute Neil-Young-Coverband erleben darf, kann es viel besser nicht werden.

Wir kommen wieder, denn den Nordteil der Insel haben wir noch nicht einmal gesehen!

Aursjøvegen

Es sagt viel über unsere Top3, dass der Aursjøvegen es nicht unter die besten drei geschafft hat…

Denn auf dieser irrsinnigen Passstraße zum Stausee Osvatnet und hinunter ins Eikesdal haben wir wirklich alles gesehen, was Norwegen so unglaublich macht.

Und vor allem haben es buchstäblich erfahren. Auf der Fahrt mit dem MoMo durch Unwetter und den unbefestigten einspurigen Tunnel bei Steigungen und Gefällen jenseits des Normalen hat Annette einen Crashkurs in Coolness genommen und konnte bei allen Passfahrten, die danach kamen, nur noch mitleidig lächeln, wenn dem Gegenverkehr die nackte Angst ins Gesicht geschrieben war.

Isle de Bréhat

Gibt es eigentlich jemanden, der von dieser Insel wegfährt und nicht darüber nachdenkt, dass es eine richtig gute Idee ist, auf diesem Fleckchen Erde ein kleines Häuschen zu haben?

Zumindest ging es uns so. Die ganze Insel strahlt irgendwie Ruhe und Gelassenheit aus.

Hektik? Ach, lohnt sich nicht.

Schöne, adrette Häuschen mit netten Vorgärten? Gehören quasi zum guten Ton.

Das ganze verbunden mit der Großartigkeit der Felslandschaft rund um den Phare du Paon und dem Wechsel der Gezeiten macht es zu einem definitiven Ziel zum Wiederkommen.

Briksdalsbreen

Nach ein paar Wochen Norwegen denkt man ja, dass man schon alles gesehen habe. Und dann fährt man ins Oldental und ist sofort gefangen von der Farbe des Sees, den steilen Wänden und dem blaugrün schimmernden Gletscher.

Wenn dann noch eine tolle Strecke hinauf zum Briksdalsbreen mit fantastischen Aussichten, strahlendem Wetter und immer wieder diesem Gletscherblau hinzu kommt, hat man etwas erlebt, dass einen tief berührt.

Runde

Was soll man zu diesem traumhaften Erlebnis groß schreiben? Dass sich einfach alles zu einem grandiosen Naturerlebnis zusammengefügt hat? Mit atemberaubenden Aussichten, der steilsten Steigung beim Wandern, dem dramatischstem gerade-noch-nicht-schlechtem Wetter inklusive Regenbogen, einem majestätisch schwebenden Adler und natürlich vor allem den unfassbar fotogenen Papageientauchern, denen man wirklich so nah kommt, wie es in den Berichten beschrieben ist.

Bein manchen Platzierungen in diesen Top12 kann man sicher nochmal überlegen, ob sie nicht 1-10 Plätze höher oder tiefer eingeordnet sein müssten. Aber hierbei waren wir uns sofort und eindeutig einig. Und wenn wir mal eine Top10 des Jahrzehnts machen, stehen die Chancen auf den Spitzenplatz auch schon mal verdammt gut…

Hatte ich mich über den Platz beim SuperU gefreut? Nach dieser Nacht muss ich das noch mal überdenken… Denn mehrfach in der Nacht(!) sind wir hochgeschreckt, weil es sich anfühlte, als würde ein LKW mitten durchs MoMo fahren. Und zwar nicht gerade langsam…! Wieder was gelernt: Ich wusste bisher nicht, dass Supermärkte schon des Nachts beliefert werden.

Später als gedacht brechen wir heute auf und fahren die kurze Strecke zum Parkplatz in Tregastel, da wir heute auch noch die Felsen auf der Halbinsel Ile Renote bewundern wollen.

Das Wetter meint es besser als gestern mit uns. Blumenkohlwolken, Sonnenschein. Aber auch eine bedrohlich schwarze Wand, hinter der die Sonne manchmal eine Auszeit nimmt.

Auch heute sind wir wieder begeistert von der Vielzahl der Formen und Gesichter, die man in den Felsen zu erkennen glaubt.

Es macht einfach einen Riesenspaß, durch diesen gigantischen Skulpturenpark zu wandeln und eine Idee nach der anderen für ein Foto zu haben. Und dass heute ein deutlich höherer Wasserstand herrscht, lässt die Landschaft ohnehin wieder komplett anders aussehen.

Wir nehmen also mit einem lachenden und einem weinenden Auge Abschied vom Meer: Heute werden wir die ersten Kilometer Richtung Heimat antreten. Vorher allerdings wollen wir als letzten “Programmpunkt” in der Bretagne noch dem Wochenmarkt in Lannion einen Besuch abstatten. Aber unser gechillter Start in den Tag und das ausgiebige Fotografieren haben ihren Preis.

Denn wir haben gestern zwar gelernt, dass Märkte durchaus zu zivilen Zeiten beginnen, aber das Ende ist wie bei uns gegen 13 Uhr. Als wir also gegen 13,30 Uhr in Lannion eintreffen, wird schon fleißig abgebaut und nur die wenigsten Stände, vorwiegend Kleidung und Nippes, haben gerne auch noch länger geöffnet. An leckere Spezialitäten der französischen Küche ist aber nicht mehr zu denken. Dumm gelaufen…

Wir halten aber fest, dass Lannion eine nette Stadt ist, in die es sich lohnt, noch einmal wiederzukommen. Ist für unsere nächste Bretagne-Tour fest eingeplant.

Jetzt heißt es aber endgültig in Richtung Westen fahren. Und da es a) auf halber Strecke unserer für heute angepeilten Route liegt, b) wir noch einmal ver- und entsorgen wollen und c) sich so der Kreis schließt, fahren wir nach Dol-de-Bretagne, was ja auch unsere erste Station in der Bretagne war.

Dort ist bereits ein älteres französisches Paar am Verentsorgen. Plötzlich kommt die Frau auf uns zu und redet freundlich auf uns ein. Bei Annette fällt zuerst der Groschen: Ob wir noch Wasser brauchen? Sie hätten doch ohnehin die 2€ bezahlt… Also kriegen wir unser Frischwasser zum Nulltarif und bedanken uns artig für die Freundlichkeit.

Unser Tagesziel soll eine France-Passion-Ferme hinter Caen in der Normandie sein, wo es hoffentlich leckeren Cidre zu kaufen geben wird. Und da der Tag schon fortgeschritten ist, wird das ein bisschen ein Wettlauf mit der Zeit, ob wir dort noch vor Einbruch der Dunkelheit eintreffen. Ein Wettlauf, den wir mit Pauken und Trompeten verlieren. Irre, wie früh es jetzt schon dunkel wird! Und so erleben wir noch ein bisschen Abenteuer beim Fahren auf engsten Sträßchen durch die provinziellste Normandie bei völliger Dunkelheit.

Als wir auf dem Bauernhof ankommen, begrüsst uns die Bäuerin freundlich, wir erfahren, wo wir stehen dürfen und man wünscht sich eine “Bonne Soirée”. Geschafft!

Heute ist Markttag in Tréguier. Also wollen wir den morgendlichen Einkauf in der Boulangerie mit einem Marktbesuch verbinden. Aber obwohl wir zur sehr zivilen Zeit von 8.30 Uhr dort sind, ist alles noch im Aufbau begriffen. Anscheinend machen die Franzosen es genau richtig und sind völlig zu Recht der Auffassung, dass niemand so früh schon so zurechnungsfähig ist, dass er weiß, was er auf dem Markt kaufen will. Denn wir stellen fest: Wir auch nicht… Also geht es nur mit den Backwaren zurück zum Frühstück ins MoMo. Übrigens hatten wir bei der Auswahl der Bäckerei die Qual der Wahl. Am zentralen Kirchplatz gibt es nämlich zwei. Wie also entscheiden? Ganz einfach: Nicht nach Optik, sondern genau wie bei Restaurants danach, wo die meisten Leute hingehen. Und so landen wir in der kleinen, unscheinbaren Boulangerie, wo es aber die üppigsten Croissants und die leckersten Zitronen-Tarteletts gibt. Mjam! Wer demnächst in Tréguier ist: Es ist von der Kirche aus gesehen die linke der beiden!

Wir starten heute ansonsten eher seeehr gemächlich in den Tag. Und staunen wieder mal über den Unterschied, den die Gezeiten hier ausmachen. So sah der “Fluß” gestern bei unserer Ankunft aus:

Und so sah es heute Vormittag aus:

Unser Weg führt uns wieder zurück an die Küste. Als Highlight der Reise haben wir uns heute die Côte de Granit Rose bei Ploumanac’h aufgehoben. Der Plan ist es, einen Parkplatz in Ploumanac’h anzusteuern und dann den natürlich auch hier vorhandenen Zöllnerpfad entlang zu laufen, um die rosa Granitfelsen zu bestaunen.

Aber Pustekuchen: Auf der Aussichtskanzel über der Bucht von Perros-Guirec ist Womo-Parkverbot und ein sehr dringliches “Benutzen sie nur den offiziellen Parkplatz” weist uns den Weg auf einen fußballfeldgroßen Parkplatz. Bis auf 2 Womos gähnend leer. Könnte es daran liegen, dass man am Parkautomaten ohnehin einen Strafzettel kassiert? Oder an dem happigen Preis von 6€ ohne Übernachtung?

Wir kaufen uns auf jeden Fall keinen Strafzettel sondern fahren weiter nach Tregastel, wo es zumindest schon mal einen Stellplatz für den gleichen Preis geben soll. Und, heißer Tipp von anderen Womofahrern: Am gegenüberliegenden SuperU gibt es kostenlose Stellplätze für Kunden. Auch über Nacht. Bingo!

Wir machen uns bei frischen Temperaturen auf den Küstenweg und das Meer ist mal wieder unterwegs. Also irgendwo anders, nicht hier bei uns. Aber irgendwie hat ja auch diese entwässerte Landschaft ihren Reiz.

Wir machen uns auf einen Trip, der, dramaturgisch geschickt aufgebaut, immer spektakulärere Felsformationen und Aussichten bietet. Und weil sich das in Worten nur schwer vermitteln lässt, gibt es diesmal wieder eine Bildergalerie mit ein paar Eindrücken von dieser schrägen Landschaft. Geradezu unglaublich, wie doll das bei Sonnenschein sein muss, wenn wir jetzt schon so begeistert sind! Wir kommen garantiert wieder.

Ziemlich erschöpft kommen wir am MoMo an, stärken uns mit unseren Patisserie-Feinbackwaren vom morgendlichen Bäckereibesuch und belohnen dann noch den SuperU für den feinen Stellplatz mit einem Einkauf von diversen Leckereien.

Da unsere Brotvorräte erschöpft sind fahre ich mit dem Rad zur Boulangerie und versorge uns mit Baguette und Croissants. Zum Glück komme ich noch im Trockenen zurück, denn schon während wir frühstücken geht ein kräftiger Schauer nieder. Nach all den Schönwettertagen kann man da aber nun wirklich nicht meckern.

Wir fahren vom Campingplatz nur wenige hundert Meter zum Parkplatz an der Bucht von Porz Hir. Von hier wollen wir die Küstenwanderung Richtung “Le gouffre” machen, zu der Felsformation die “der Schlund” genannt wird.

Schon als wir losgehen sehen wir von Nordwesten her eine schwarze Wand aufziehen. Naja, wir haben ja wetterfeste Kleidung…

Unterwegs fängt es dann aber an stürmisch zu regnen. Nur sehr fein, aber trotzdem ungemütlich. Wir stellen uns auf halber Strecke kurz unter einer imposanten windgebeugten Strandkiefer unter, bevor wir den restlichen Weg in Angriff nehmen.

Kurz vor dem “gouffre” liegt noch das von vielen Fotos bekannte “Haus zwischen den Steinen”, das es einem auch wirklich schwer macht, es nicht zu fotografieren. Ist halt fotogen…

Am eigentlichen “Schlund” ist mehr oder weniger tote Hose, aber an den Felsen rundherum  gibt es trotzdem genug Brandung. Das hat auch ohne blauen Himmel seinen Reiz!

Aber wir stellen auch hier fest, dass wohl offensichtlich starke Ebbe angesagt ist. Denn auf dem Rückweg sehen wir am Strand, dass das Meer in den knapp 2 Stunden schon sehr weit zurückgezogen hat.

Aufgrund des heute doch eher bescheidenen Wetters beschließen wir, den Nachmittag zu vergammeln. Auf dem Hinweg war uns schon der Stellplatz in Tréguier am Fluss aufgefallen, der unterhalb eines Parks am Flussufer ziemlich nett aussah. Also steuern wir ihn nach einem kurzen Shop-Stop im SuperU an, befinden ihn für gut und machen es uns erst mal gemütlich.

Am Nachmittag erkunden wir dann doch noch ein bisschen die Stadt. Oder besser: Das Städtchen. Auch Tréguier gefällt uns wieder richtig gut – im Vergleich mit Moncontour schon eine Hausnummer größer.

Annettes Trüffelnase für gute Entdeckungen führt uns dann zu einem absoluten Volltreffer. Nämlich zu Madame Mouss’tache 

Schon von der originellen Einrichtung mit ollen Möbeln und der liebevollen Dekoration sind wir angetan. Bei der Lektüre der Karte fällt dann der Groschen, dass es sich um einen Bierspezialisten handelt, der Dutzende exotische Sorten auf Lager hat und auch zwei bretonische Biersorten vom Faß anbietet. Sowohl das Philomenn als auch das Skumenn Wheat India Pale Ale schmecken uns ausgezeichnet.

Und den eigentlichen Plan, heute noch mal in eine Creperie zu gehen, geben wir beim Anblick der Planche Apero gerne auf. Die üppige Aufschnittplatte mit Wurst, Käse und Brot schmeckt dann auch genau so lecker wie sie aussieht. Nur dem herzerweichenden Blick des Kneipenhundes muss man schon sehr beherzt ausweichen, damit man für ihn nicht doch etwas abfallen lässt…

Durch das abendliche Tréguier spazieren wir schließlich zum MoMo zurück und machen uns mit unserem 4G-Netz hier in der Stadt (ha!) einen Fernsehabend auf dem iPhone mit den verpassten heute-shows der letzten 2 Wochen.

Den grandiosen Tag gestern müssen wir erst mal sacken lassen. Gelingt auch richtig gut, da wir im Gegensatz zu gestern heute einfach mal ‘ne Stunde später aufstehen. Und da unsere Brotvorräte aufgebraucht sind, gibt es nur eine Schale Müsli bevor wir nach Paimpol aufbrechen. Dort wollen wir in der Patisserie, in der es die köstlichen Zitronentartelettes gab, noch einmal zuschlagen und auch Brot für ein zweites Spätstück kaufen. Aber leider ist heute Montag – der fleißige Blog-Leser weiß also, was das bedeutet: Boulangerie zu. Immerhin gibt es aber um die Ecke am Hafen eine geöffnete Bäckerei, so dass wir noch zu Croissants, Baguette und sogar einem Zitronentörtchen kommen.

Nachdem wir uns im MoMo das Spätstück haben munden lassen, mache ich fleißiges Bienchen die Blogbeiträge der vergangenen Tage veröffentlichungsfertig. Denn unsere SIM-Karte von “free” ist leider nicht so frei, wie der Name verspricht. In der Werbung werden die fetten 50GB hervorgehoben, die man natürlich in einer Woche fast unmöglich aufbrauchen kann. Was aber nur im kleingedruckten steht: Dieses riesige Datenvolumen gilt nur für das 4G-Netz. Dumm nur, dass wir die 3GB, die für das 3G-Netz zur Verfügung stehen, bereits aufgebraucht haben… Jetzt heißt es entweder auf 4G hoffen, oder aber im 3G-Netz gedrosselt zu surfen. Bei weitem nicht so doll wie ich mir das vorgestellt habe…

Unser Weg führt uns weiter Richtung Westen auf die Halbinsel mit dem klangvollen Namen Presqu’île Sauvage. Auf der Karte sieht die 3km lange Landzunge Sillon de Talbert sehr bizarr und sehenswert aus.

In der Realität haben wir wohl mal wieder Ebbe. Man ahnt zwar, wo der schmale Streifen bei Flut verlaufen wird. So aber steht man vor einer sandigen Steinwüste, die sich zwar beeindruckend weit vor einem erstreckt, aber so richtig sexy sieht das dann doch nicht aus.

Auch an dem Stellplatz “Port “Beni” an der Westküste sieht es völlig anders aus als auf dem Foto, was wir davon gesehen haben. An die krassen Unterschiede zwischen Ebbe und Flut werde ich mich nicht so schnell gewöhnen. Von einer Wilden Küste sind wir da von Quiberon im letzten Jahr doch ein paar Hausnummern beeindruckenderes gewohnt. Man könnte auch sagen: verwöhnt.

Wir fahren weiter auf die Presqu’île de Plougrescant. Denn hier habe ich einen der wenigen Campingplätze ausbaldowert, der um diese Zeit noch geöffnet hat, denn unsere Stromvorräte niegen sich bedenklich dem Ende zu. Es ist hier ähnlich wie schon in Moncontour. Wir sind nahezu die einzigen Gäste – was einem doppelt komisch vorkommt, wenn man weiß, wie viele Womos hier rumkurven und wie wenige Campingplätze noch auf haben! Aber solange wir dadurch so tolle Stellplätze wie heute kriegen soll uns das mehr als recht sein.

Diesmal auf einer großzügigen Parzelle mit Blick aufs (immer noch abgeebbte) Meer und reichlich Platz in der Sonne, um unseren Tisch und die Stühle rauszuholen. Denn heute genießen wir einfach mal das prächtige Oktoberwetter und lassen es uns mit Kaffee und den Leckereien aus Paimpol und etwas zu Lesen einfach nur gut gehen.

Als die Sonne sich senkt und dann doch etwas an Kraft verliert, hebe ich den Blick und wirklich platt: Da ist ja auf einmal Meer! Wie ist das denn jetzt so schnell passiert? Irre, wie sehr das dann auch die Wirkung der Landschaft beeinflusst!

Wir machen noch einen kleinen Abendspaziergang und genießen die herrliche Ruhe, die hier überall herrscht. Alles wirkt schon ein bisschen so, als würden sich nicht nur die Menschen, sondern auch die Landschaft auf den Winter vorbereiten.

Ungewohnt: Wegen der “frühen” Abfahrtszeit (9.45h…) der ersten Fähre rüber auf die Isle de Bréhat müssen wir heute tatsächlich mal vor Sonnenaufgang aufstehen. Dieser ist nämlich hier zu dieser Jahreszeit erst um halb neun…

Und auch, als wir zum Anleger gehen, liegen noch einige Inselchen aufgrund der tief stehenden Sonne im Schatten. Wir genießen aber das warme Licht und die kurze Überfahrt auf die Insel.

Das erste, was uns auffällt, als wir die Insel erkunden, sind die eher schmalen Wege. Kein Wunder: Autos sind auf der Insel nämlich Fehlanzeige. Und am Ende des Tages werden wir feststellen, wie gut uns die völlige Abwesenheit von Motorgeräuschen und Geschwindigkeit getan hat. Hier geht es gemächlich zu! Und noch ein bisschen mehr, da man auch hier das Saisonende in den spärlichen Touristenzahlen merken kann. Und wie immer ist uns das ausgesprochen recht so!

Wir erkunden ersten mal den südlichen Teil der Insel und finden im Südwesten ein ausgesprochen toll gelegenes Ferienhaus. Direkt am Meer zwischen den Klippen, links und rechts Strand. Ein Träumchen… Mit meinen geschätzten 1000€/Woche liege ich dann aber doch daneben. In der Hochsaison sind es sogar schlappe 1900€… Hm, wenn wir das MoMo wieder abschaffen, könnte das doch drin sein?

Aber es gibt ja noch andere schöne Häuschen. Denn die Isle de Bréhat ist nicht nur als Blumeninsel bekannt, sondern auch für ihre ausgesprochen hübschen bretonischen Häuschen. Können wir beides bestätigen! Und schnurrende Genießerkatzen gibt es noch on top.

Unterwegs finden wir noch einen Kasse-des-Vertrauens-Marktstände-deluxe vor. Reichhaltiges Angebot an diversem Obst und Gemüse, Konfitüren und sogar Pastasaucen. Wir werden schwach und shoppen ein bisschen. Auch wenn sich eine Tüte Tomaten nicht sooo super auf einer Wanderung transportieren lässt…

Unser persönlicher Höhepunkt ist die Nordostecke mit dem Phare du Paon als Zuckerstückchen on top in dieser roten Felsenlandschaft. Mein Auslöser steht nicht still! Die Inszenierung ist aber auch zu schön: Grünes Gras, rote Felsen, türkises Meer und ein Himmel mit genau der richtigen Menge an Wolken. Und das ganze in wunderbar klarer Luft beleuchtet vom selbst in der Mittagszeit eher sanften Sonnenschein.

Auch auf dem weiteren Weg entlang der Nordküste bieten sich noch genügend schöne Aussichten. Beeindruckend sind aber auch die mannshohen Farn- und Brombeerfelder, die sich über weite Strecken links und rechts neben uns erheben. Oder die Puschel der Strandgräser. Oder oder oder…

Voll von diesen Eindrücken kehren wir wieder in den dichter bebauten Teil der Insel zurück. Nicht, ohne mal wieder über die unglaubliche Entfernung zum weggeebbten Meer zu staunen: Das kommt wirklich bis zu uns, wenn Flut ist?

Im Zentrum des Inselortes Le Bourg herrscht so ziemlich tote Hose. Man kann sich nur schwer vorstellen, was im Sommer für ein Trubel hier herrschen mag, wenn all die Geschäfte und Restaurants geöffnet sind. Jetzt sind es nur 2 und wir entscheiden uns nicht für das “Shamrock”, das als irischer Pub nicht einmal Guiness vom Fass anbietet. Gut so, denn der Nachbar ist kulinarisch ein Volltreffer für uns. Bei den “frittierten kleine Fischen”, die auf der Tafel angepriesen werden, geht bei mir sofort das “Boquerones”-Lämpchen an: Bestellt! Und die Fischchen sind noch eine Spur “echter” (heißt: unummantelter) aber vor allem leckerer als ihre spanischen Kollegen. Da können sie mich noch so vorwurfsvoll angucken! Und auch das bretonische Bier vom Fass namens “dremmwel” mundet dazu ausgezeichnet. Muss ich mir merken!

Als wir die 17-Uhr-Fähre (und damit die vorletzte) nehmen, werden wir noch mit einer Brèhatschen Besonderheit konfrontiert: Je nach Gezeitenstand wandert der Ablegepunkt da hin, wo das Wasser ist. Im ungünstigsten Fall soll das einen 15 Minuten längeren Fußweg bedeuten! Wir schaffen es aber problemlos und freuen uns nach einem Tag voller Eindrücke darauf, diese im MoMo sacken zu lassen. Und Annettes selbst komponierte Quiche, zu der es einen Tomatensalat aus Inseltomaten und Cidre gibt, rundet den Tag dann so richtig ab. Très genial!

Heute gehen wir mal getrennte Wege. Während Annette mit Mia den Weg hinunter zum Strand erkundet, nutze ich die Zeit zum Lesen. Es ist wider Erwarten sonnig freundlich – nicht schlecht bei einer Wettervorhersage, die fürs Wochenende eher mau aussah! Wir fotografieren die Aussicht von oben nach unten und von unten nach oben – schwer, zu sagen, was besser gefällt!

Von oben Von oben Von unten Von unten

Wir folgen weiter der Route des falaises und finden schon auf den ersten Metern mehrere fast noch tollere (wenn auch inoffizielle) Stellplätze mit fantastischen Aussichten. Auch am Pointe Minard, wo wir einen Foto- und Landschaft-wegguck-Stop machen, darf man mit dem Womo über Nacht stehen. Empfehlung!

Am Pointe Bilfot, wo wir als nächstes stehen bleiben, hat man einen weiten Blick in die Bucht von Paimpol, in der gerade Muschelsucher und -züchter fleißig am Ernten sind. Wir stellen uns vor, wie das ganze wohl bei Sonnenschein aussehen mag, denn mittlerweile hat es sich ganz schön zugezogen und ein paar Tröpfchen fallen auch schon aus den Wolken.

Wir halten aber trotzdem noch an der Freiluftgalerie von Monsieur Kito. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass das was für uns ist. Und in der Tat finden wir die riesigen Holzskulpturen wirklich sehenswert und originell.

An der Abbaye de Beauport machen wir nur kurz Station, da es sich mittlerweile ein bisschen eingeregnet hat und wir daher eine intensivere Besichtigung im Regen nicht all zu verlockend finden. Da reicht uns eigentlich der Blick durch die Gitter…

In Paimpol parken wir problemlos am Hafen und machen uns an einen kleinen Stadtrundgang.

Paimpol ist eine wahre Künstlerkolonie! Gefühlt jedes zweite Geschäft ist eine Galerie oder etwas mit Kunstgewerbe. Und dankenswerterweise die meisten mit wirklich sehenswerten Schaufenstern. Und Leckereien shoppen lässt es sich auch ganz vorzüglich: In der Reihenfolge ihres Auftretens: Feigen-Balsamico-Aufstrich, Baguette, Fromage, Cidre und kleine Tartelets aus der Patisserie, kunstvoll verpackt in einem Karton mit der Aufschrift “Instant Gourmand” – genau so fühlen wir uns! Und mit großem Genuss verspeisen wir die Törtchen dann im MoMo zu einer Tasse Kaffee.

Unser Weg führt uns noch ein paar Kilometer weiter nach Norden zum Pointe de l’Arcouest. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf schärenähnliche kleine Inselchen und natürlich die Atrraktion in dieser Ecke: Die Isle de Bréhat. Aber die sparen wir uns für morgen auf…

Fühlt sich ein bisschen unwirklich an. So als einzige Gäste auf einem Campingplatz. Aber wir genießen als Abwechslung zur engen MoMo-Dusche mal die geräumige Campingdusche. Und da die Waschräume nicht geheizt sind auch gleichzeitig sehr belebend.

Die nette Platzwartin überschüttet uns beim Bezahlen noch mit Tipps und Broschüren, was wir so alles machen könnten. Und tatsächlich sind wir geneigt, uns für diese Reise Lannion als Endpunkt zu wählen und schweren Herzens (und schon wieder) auf Finistere zu verzichten. Aber: Wir kommen bestimmt wieder – das steht schon mal fest.

Heute zieht es uns magisch wieder zur Küste zurück. Aber wir wählen nicht den kürzesten Weg, der uns wieder über Saint Brieuc führen würde, sondern peilen das Örtchen Quintin an, was quasi auf unserer gewählten Umgehungsroute liegt.

In der Stadt gibt es eine überproportionale Menge an öffentlichen Toilettenhäuschen. Alleine im ersten zähle ich 10 Pissoirs – da kann ja fast eine komplette Fußballmannschaft gleichzeitig pinkeln! Ansonsten bietet sich die übliche Auswahl an Geschäften, in denen wir fleißig Leckereien kaufen.

Das beste ist aber die Kirche. Zum einen wegen der (leider nicht ausgestellten) Reliquie: Teile eines Gürtels der heiligen Jungfrau Maria, den ein Kreuzritter mit nach Hause gebracht hat. Scheint garantiert als Heilmittel für und gegen so ziemlich alles zu wirken, denn im Eingangsbereich finden sich Dutzende von “Merci”-Tafeln (nein, nicht die Schokolade!) für das bewirkte Wunder.

Zum anderen aber wegen der leisen Beschallung mit andachtsvollen Chorgesängen über die Lautsprecher, die tatsächlich die Wirkung des Raumes verändern. Sehr friedvoll und beruhigend. Und für leuchtende Kirchenfenster und skurrile Riesenmuscheln aus Java als Weihwasserschalen bin ich auch immer zu haben.

Unser Weg führt uns weiter an die Küste nach Étables-sur-Mer. Und hier sind wir das erste Mal dann doch etwas enttäuscht. Ein eher schmaler und noch dazu veralgter Strand, der von großflächigen geschwungenen Felsbändern begrenzt werden. Naja. Wir begehen noch den Zöllnerpfad Richtung Süden, sind aber auch vom dortigen Plage des Godelins nicht all zu begeistert. Da fahren wir gerne weiter.

Eine Empfehlung soll der Stellplatz am Strand von Le Palus etwas weiter nördlich sein. Aber auch hier stellt sich Ernüchterung ein. Der Stellplatz scheint drastisch beschnitten und nicht gepflegt zu sein. Schön stehen ist anders. Und auch der grobe Kieselstrand, den wir vor uns haben, reißt uns nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Weiter nach Norden folgen wir jetzt der Route des Falaises durch eher schmale Sträßchen, wo mehr als einmal Äste über das Womodach streichen. Urig! Wir sind auf der Suche nach dem Plage Bonaparte, der aber zunächst gar nicht, dann nur ein einziges Mal wirklich ausgeschildert ist. Wir kommen schließlich an einem Plateau aus, wo eine Stele an die Rettungsaktion der französischen Résistance für amerikanische Soldaten erinnert. Man hat eine tolle Aussicht, darf aber mit dem Womo dort nicht stehen – schade!

Wir bleiben trotzdem kurz dort stehen, weil wir unter uns einen weiteren Parkplatz entdecken, an dessen Ende ein kurzer Tunnel Richtung Meer zu sehen ist. Genau so ist die Plage Bonaparte beschrieben! Wir gehen also auf dem Zöllnerpfad hinunter und gucken uns das ganze mal an. Am Ende des Tunnels geht eine kleine asphaltierte Rampe zum Meer hinunter, an deren Ende ein Angler auf seinen Fang wartet. Wieder kein Strand.

Und endlich dämmert es mir: Es ist schlicht und einfach Flut! Unsere nette Campinglady von heute morgen hatte uns sogar noch extra darauf hingewiesen, dass speziell an diesem Wochenende zusammen mit dem Vollmond der Tidenhub wohl besonders extrem sei. Deshalb also überall so wenig Strand – Wahnsinn, wie sehr das die Wirkung der Landschaft verändert!

Auch wenn wir uns vorstellen können, auf dem Parkplatz am Bonaparte zu übernachten, zieht es uns noch etwas weiter. Denn der Parkplatz lag in einer kleinen Senke, von der aus man kaum eine Aussicht in die Weite hätte. Und da es im nur wenige Kilometer entfernten Bréhec einen Stellplatz mit Top-deluxe-Aussicht geben soll, beschließen wir, diese Option noch zu checken, bevor wir uns entscheiden, wo wir die Nacht verbringen.

Als wir dann auf den letzten Metern die steile Corniche hinauffahren und dann diesen grandiosen Ausblick haben, ist die Entscheidung relativ leicht…

Was ein Luxus! Im Osten die Sonne über den Klippen aufgehen und im Westen Meer, Ginster und Heide in sanftes Morgenlicht getaucht sehen. Viel besser kann ein Tag nicht beginnen.

Wir fahren die Küste entlang und wollen eigentlich bis Erquy fahren, um dort das Cap zu erwandern. Aber schon am ersten Traumstrand auf der Strecke werfen wir diesen Plan über Bord und genießen den Dank der Ebbe riesig breiten Strand, den wir, mal wieder, praktisch für uns alleine haben. Und Mia flitzt natürlich wie immer wie ein Dilldopp hin und her, vor und zurück. So viel Platz!

Auch am Cap d’Erquy sind wir die einzigen, die dort parken. Schade, dass Übernachten für Womos dort explizit verboten ist. Ansonsten wüssten wir schon unseren nächsten Stellplatz…

Denn die Aussicht von hier ist noch ein Stückchen grandioser als an unserem Parkplatz am Cap Frehel! Da wir nun wissen, dass wir nicht ewig hier bleiben, schnüren wir halt die Wanderschuhe und nehmen so viel wie möglich von dieser Landschaft in uns auf. Allerdings gut eingepackt, denn der Wind hier oben pustet schon ganz ordentlich, so dass vom strahlenden Sonneschein nicht mehr viel Wärme übrig bleibt. Aber trotzdem ist es ein Genuss, sich unter diesen Bedingungen durchpusten zu lassen!

Auch hier führt der Weg uns wieder zu einem Traumstrand. Wenn dies überhaupt möglich ist: Noch breiter und noch einsamer! Da müssen wir runter und die ersten sein, die dort Spuren hinterlassen. Kaum vorstellbar, dass bei Flut anscheinend der ganze Strand unter Wasser liegt! Aber die Wasserlinie an den umliegenden Felsen und auch der makellos glatte Zustand des Sandes lässt kaum einen anderen Schluss zu.

Von diesem Highlight wandern wir zum Ort und der Bucht von Erquy. Dort liegen unter uns die Schiffe wahlweise im Schlick oder schon im Wasser und man hört das sanfte Klingeln der Wanten, die gegen den Mast der Segelboote schlagen. Ein friedliches Bild bietet sich uns da unten.

Wir wandern etwas oberhalb der Bucht an den 2 Lacs Bleu vorbei, die eine Laune der Natur oberhalb des Meeres in den Felsen hat entstehen lassen. Zwar nicht so spektakulär blau, wie ich insgeheim erhofft hatte, aber immerhin sehenswert.

Nach dieser Überdosis Natur sind wir bereit für etwas Abwechslung: In Saint Brieuc soll es einen Shop von “free” geben, wo wir hoffen, endlich mal an die Simkarte fürs Bloggen zu kommen. Was aber auch heißt: Großstadt. Und: Parkplatznot. Den im Womoführer empfohlenen Parkplatz steuern wir an, stellen aber fest, dass er gar nicht mehr existiert: Großbaustelle! Aber nach etlichem Umherkurven (unter anderem durch eine Fuzo….) finden wir schließlich einen gar nicht mal so schlechten Platz am Straßenrand. Vielleicht, weil gegenüber vom Sexshop so häufig Autos kommen und gehen?

Unsere Simkarte kriegen wir schließlich von einem erstaunlich engagierten und sogar englisch sprechenden Verkäufer: 50GB fr 30€ – nimm das, SFR! Wer diese Anspielung nicht versteht möge den Bericht vom vergangenen Jahr lesen…

Saint Brieuc reißt uns jetzt nicht so völlig vom Hocker, hat aber immerhin eine Kathedrale mit schön bunten Kirchenfenstern. Ansonsten sind wir aber froh, als wir uns wieder auf der Landstraße stadtauswärts befinden…

Ganz ohne Stadt geht es heute aber dann doch nicht. Denn um unsere mittlerweile doch recht leeren Akkublöcke aufzuladen müssen wir das MoMo mal wieder eine Nacht an den Strom hängen. Zu diesem Zwecke ist normalerweise ein Campingplatz das Mittel der Wahl. Dumm nur, wenn fast alle Campingplätze Ende September schon den Betrieb eingestellt haben! Wir finden aber einen vielversprechenden Platz in Moncontour, was aber nicht an unserer geliebten Küste liegt, sondern etwas landeinwärts. Aber wir finden, dass ein mittelalterliches Städtchen ja auch interessant sein kann.

Und tatsächlich ist der Campingplatz sehr gepflegt und schön angelegt. Die freundliche Platzwartin, die schon auf dem Absprung ist, nimmt sich noch die Zeit, uns mit Prospekten zu versorgen. Ansonsten, wenn’s recht ist, würde sie gerne morgen früh ab 9 wieder für uns da sein. Wir sollten uns einfach einen Platz aussuchen. Und die Auswahl ist riesig: Wir sind nämlich die einzigen Gäste…

Nachdem die Stromversorgung geklärt ist und ein erster Abbau der aufgestauten Blogbeiträge zur Zufriedenheit erledigt ist, machen wir uns auf in die Stadt, von der wir nur wenig wissen, außer dass sie mittelalterlich urig sein soll und es ein Restaurant namens “Le Chaudron Magique” geben soll.Oh ja, Zauberkessel und Gallien hört sich gut an!

Im sehr überschaubaren Stadtkern finden wir dann auch die heilige Dreifaltigkeit von Boulangerie, Boucherie und Patisserie ergänzt mit Schuhgeschäft, Friseur und Optiker. Besonders gut gefallen uns die Schilder, die über jedem Geschäft prangen. Das ganze erinnert uns, vielleicht auch wegen des kalten Windes, sehr an die Szenerie aus dem Film “Chocolat”, denn auch die Händler in ihren jeweiligen Geschäften sehen so unnachahmlich und typisch französisch aus, dass man sie für einen Film nicht besser casten könnte.

Der “Zauberkessel” hat geschlossen, so dass wir uns ein anderes Restaurant aussuchen müssen. Wir entscheiden uns für eine Creperie, die von außen sehr nett aussieht.

Jedoch herrscht drinnen eine eher bedrückende Stimmung. Die einzigen Gäste, ein älteres Ehepaar, sprechen kein Wort miteinander. Keine Hintergrundmusik. Und der seeehr reservierte Kellner drückt uns missmutig und stumm die Karte in die Hand. Haben wir da was falsch gemacht? Aber wir machen einfach das beste draus und sind nach dem köstlichen Galette/Crêpe-Menu so weit, dass wir sogar den sehr ungesprächigen Garcon in ein kleines Gespräch über seine Hunde verwickeln können. Manchmal braucht es nur ein bisschen Zeit…

Und wie es der Zufall will, ist der eisige Wind auf unserem Nachhauseweg komplett verschwunden und wir genießen die mondbeschienenen alten Gemäuer auf dem Weg zum MoMo.