Man merkt wieder, dass wir in bergiger Gegend sind. Die Nacht war kühl und morgens ist es draußen am See herrlich dampfig und frisch.

Da die Sonne aber volles Rohr scheint, lassen wir uns nicht verdrießen und frühstücken draußen – wahrscheinlich das letzte Mal in diesem Urlaub…

Denn auch heute geht es ein Stück weiter Richtung Norden. Wir fahren mitten durch die Vogesen. Und als wir am Lac de Pierre-Percèe Zwischenstopp machen, sieht es wirklich schwer nach Sauerland aus. Stausee und Nadelholz, so weit das Auge reicht.

Aber je weiter wir der deutschen Grenze kommen, um so flacher wird das Land und um so heimischer fühlt man sich bei Ortsnamen wie Domfessel und Lorentzen. Wir genießen vor allem die geschwungene Landschaft, die wir hier vorfinden. Auf eine unspektakuläre Weise schön.

Vogesen-070.jpgUnseren Zielort haben wir uns zunächst wegen des skurrilen Namens ausgesucht: Bitche. Aber als wir gesehen haben, dass es a) einen anscheinend feinen Womostellplatz gibt und b) eine sehr fotogene Festung, haben wir beschlossen, dass das genau der richtige Ort für unsere letzte Nacht in Frankreich ist.

Den Fotostopp mit Annette am Ortsschild verschieben wir zunächst einmal. Dafür mache ich mich wenig später auf eine Foto-Festungsbesichtigung, während Annette mit den Hunden eine Umrundung vorzieht.

Was man nicht so auf dem Schirm hat und was die Fotos nicht hergeben: Das Ding ist verdammt groß! Von den Dimensionen locker mal so groß wie die größten Kreuzfahrtschiffe, aber halt nicht ganz so luxuriös.

Als abends dann die Festungsbeleuchtung angeschmissen wird, zieht es uns noch mal zu einer abendlichen Umrundung aus dem MoMo. Jetzt haben wir die Bastei ganz für uns alleine und genießen die Ruhe und besondere Atmosphäre rund um die Festungsanlage. Schafe inklusive.

Wenn der (allerdings dezente) Lärm von der Nationalstraße nicht wäre, wäre unser Übernachtungsplatz schon ein sehr perfekter Stellplatz. Ruhig geschlafen und eine verzauberte Morgenstimmung. Schön hier!

Wir kaufen voraussichtlich ein letztes Mal im SuperU ein, wo sich hier anscheinend der Eigentümer auch bei der Gestaltung selbst verwirklicht hat. Hat aber was! Und auch das für so einen kleinen Ort bemerkenswerte internationale Biersortiment ist eine Besonderheit. Wir fragen uns, ob es die Leichtigkeit des Urlaubs ist, oder ob es sich in französischen Supermärkten allgemein angenehmer einkaufen lässt. Alles wirkt irgendwie großzügiger, aufgeräumter und vom Frischsortiment deutlich ansprechender.

Cascade du Tendon-001-Bearbeitet.jpgWir widmen uns heute mal der Erkundung der Vogesen. Im Parc Naturel regional des Ballons des Vosges sieht es ein bisschen nach Sauerland aus. Wir besuchen die Cascades Du Tendon, die es im Doppelpack gibt. Einmal als Petit und einmal als Grand.

Wir fangen natürlich mit den kleinen an, damit man sich noch steigern kann. Ist auch eine gute Entscheidung, denn dort bekommt man mitten im Wald mittags noch gut einen Parkplatz und kann dann den halbstündigen Weg zu den großen Fällen machen.

Cascade du Tendon-034-Bearbeitet.jpg

Wir beschließen, Mia diesmal mitzunehmen, da der Weg zu den großen Fällen eine Fahrstraße ist. Sie hat immer noch mit ihrer Blindheit zu kämpfen, wird aber immer sicherer und wieder mutiger. Während sie sich in den ersten Wochen immer am liebsten im vertrauten MoMo aufhielt, genießt sie es jetzt schon wieder viel mehr, draußen zu sein. Und auf unserem Weg, auf dem es einfach nur geradeaus geht, ist sie fast schon wieder die Alte und geht vorweg.

Die Grande Cascades sind dann tatsächlich eine Nummer größer und vor allem das Fotografieren an den oberen Kaskaden ist dann ein ganz schönes Gekraxel – wenn man dann noch die Warnschilder sieht, dass es über 30m nach unten geht, wird man doch etwas vorsichtiger.

Gemessen an den norwegischen Wasserfällen des letzten Jahres ist das hier natürlich alles Kinderkacke. Spaß macht es trotzdem!

Nach einer Stärkung mit Quiche und Pate Lorraine im Ausflugsgasthof kehren wir zurück und machen uns auf den kurzen Weg zum Lac de Longemer.

Und von der Lage dieses Sees sind wir schon mal sehr angetan. Noch mehr vom netten Campingplatz „Du Lac“, der mit einer schönen Lage fast am See, großzügigen Parzellen und vor allem mit einem unschlagbaren Preis von 9,50€ punkten kann. Das fällt ja fast schon unter Dumping!

Wir richten es uns gemütlich ein und fühlen uns nicht nur landschaftlich sondern auch temperaturlich an den letzten Sommer in Skandinavien erinnert. Dass es so schattig wird, wenn die Sonne weg geht, hatten wir in diesem Urlaub zumindest bisher noch nicht.

Auf einer Abendrunde zum See stellen wir zweierlei fest. Während wir uns schon etwas wärmer angezogen haben, gibt es immer noch Leute, die im See schwimmen. Das warme Wasser macht’s wohl möglich! Und außerdem finden wir heraus, dass wir einen wirklich heldenhaften Hund haben. Elli kämpft wirklich todesmutig mit dem Schaum, der sich am Ufer angesammelt hat. Immer wieder pirscht sie sich geduckt heran, bellt empört und springt sicherheitshalber dann doch wieder wie ein Flummi zurück. Großes Kino!

Auf dem Rückweg lassen wir uns noch einen köstlichen Flammkuchen a emporter einpacken und genießen ihn dann wegen fortschreitender Kälte doch lieber im MoMo.

Nachdem es gestern abend relativ schnell abgekühlt war, hatten wir nicht mit einem so sonnigen und heißen Tag gerechnet. Aber tatsächlich kommen wir beim Abbauen, Vorräte auffüllen, Putzen und Verstauen regelrecht ins Schwitzen!
Dabei wollen wir doch heute noch mal fein Essen gehen! Denn im Nachbarort Mirebel gibt es ein anscheinend sehr gutes Restaurant mit einem fast schon lachhaft billigen Mittagsmenu für 17,50€ inklusive Wein. Das Le Bouchon Du Chateau ist, als wir um kurz nach 12 dort aufschlagen, bereits gut gefüllt und wir werden allen Ernstes gefragt, ob wir reserviert hätten! Nach dem kurzen Schreck kriegen wir aber den anscheinend tatsächlich einzigen freien Tisch. Puh!

Und was soll ich sagen: An diese leckeren Mittagsmenus für vergleichsweise kleines Geld und 100% preis-wert könnten wir uns sehr gewöhnen! Auch hier ist wieder alles aufwändig angerichtet, so dass auch die Augen satt werden. Und es ist genau so lecker wie es aussieht! Große Empfehlung!

Als wir das Restaurant zufrieden lächelnd verlassen, sind zwar ein paar Wolken aufgezogen, aber nach der angekündigten Gewitterfront sieht das nicht gerade aus. Trotzdem verlassen wir uns auf den Wetterbericht und sehen zu, dass wir das Jura hinter uns lassen. Aber nicht ohne vorher noch in Plasne, wo wir auf der Hinfahrt schon so lecker eingekauft haben, noch einmal zuzuschlagen.

Und als wir das Jura verlassen, kommen tatsächlich auch die ersten Regentropfen. Aber Gottseidank bewegt sich das alles im Rahmen von normal-schlechtem Wetter und auch unsere Provisorien an Dach und Fenster halten weiter dicht. Sehr beruhigend!

Was sich aber ändert, sind die Außentemperaturen. Die 30° vom Vormittag sind am Abend in den Vogesen nämlich mal locker halbiert – auf 15° sind wir mit unseren kurzen Sommersachen ja mal gar nicht mehr eingestellt!

Und an unserem zunächst anvisierten France-Passion-Platz stehen wir wie Pik-7 da, weil alle 3 Plätze schon belegt sind und wir daher noch mal neu suchen müssen.

In der Park4night-App findet sich dann ein Naturparkplatz bei Saint Nabord, der etwas sein könnte. Aber als wir dort ankommen sind wir zunächst nicht wirklich begeistert. Sieht aus wie ein überdimensionierter Parkplatz für ein kleines Naherholungsgebiet mit vielen Schlaglöchern, die nach dem ganzen Regen ordentliche Pfützenseen bilden.

Aber als ich das Gebiet ablaufe, stellt sich heraus, dass es durchaus schönere Stellen gibt, wo man mit dem MoMo ganz nett, ganz einsam und direkt am Wasser stehen kann. Das Wasser identifiziere ich zunächst als die Mosel, die hier durchs Tal fließt. Es stellt sich aber heraus, dass das sowas wie Auenseen sind, die sich hier in einer Biegung der Mosel gebildet haben. Sehr urig!

Die Franzosen machen mich fertig! An den Montag, der ein Quasi-Sonntag ist, haben wir uns ja gewöhnt. Also, dass merkwürdigerweise an einem Montag die allermeisten Geschäfte geschlossen haben. Aber als ich heute den Weg zur Boulangerie mache, um unser morgendliches Baguette zu holen, stehe ich vor verschlossenen Türen. Hier hat der Bäcker nämlich beschlossen, dass es doch viel schöner ist an einem Donnerstag zu schließen. Gut, dass wir noch Aufback-Baguettes für den Fall der Fälle haben!

Auch heute machen wir es uns für den Rest des Tages gemütlich. Lesen, Sonne genießen, fertig.


Lediglich unser Besuch bei der Fromagerie, wo wir uns mit leckerem Jura-Käse und Schinken eindecken, unterbricht den entspannten Tag. Ansonsten geht es hier echt zu, als würden die Uhren langsamer gehen. Auch der Fluß, die Ain, fließt praktisch unmerklich dahin und das gelegentliche Kreischen der vorbeifahrenden Kanuten ist wohl eher zum Vertreiben der Müdigkeit, als zur Warnung vor Gefahren gedacht.

Abends mache ich dann noch ein paar Hundefotos und anschließend lassen wir es uns noch mal so richtig französisch am üppig gedeckten Tisch schmecken.

Schade, dass für morgen abend Graupel(!)gewitter(!!) angesagt sind. Da werden wir schon frühzeitig das Weite suchen. Aber fürs erste sind wir mal zufrieden mit dem, was wir heute an schönem Wetter gehabt haben.

Aus dem Urlaub ist (im positiven Sinne) die Luft raus. Die letzten Tage sind für uns noch mal wichtig zum Durchschnaufen, Verarbeiten des Erlebten und Vorbereiten auf das, was nach der Reise passiert. Und insofern ist unser Tagesablauf im Moment sehr einfach gestrickt:

  • ein bisschen Strecke machen
  • unterwegs Leckereien für den Abend/Zuhause kaufen
  • Campingplatz aufsuchen
  • Beine hochlegen

Der Tag auf der Ziegenfarm fängt erstaunlich ruhig an. Da hätte man doch ein bisschen mehr Määäh! erwartet. Stattdessen ist es fast schon unheimlich still. Friedlich.

Das Einkaufen im HyperU ist heute besonders skurril: Gestern hatten wir einen ausgesprochen leckeren Cahors-Wein aus unserem Vorrat getrunken und diesen heute im Supermarkt wiedergefunden. Da haben wir mal eben Nägel mit Köpfen gemacht und den ganzen Vorrat weggekauft. Sieht auf dem Fließband dann ungefähr so aus:

Vom Campingplatz Le Bivouac in Pont Du Navoy, den wir aufgrund der positiven Bewertungen bei Park4night anlaufen, sind wir etwas unterwältigt. Zwar ist er bei weitem nicht schlecht, aber zum Fluss hin gibt es einen Zaun, in die andere Richtung ist die Landstraße gut zu hören, wenn Autos vorbeikommen und die sanitären Einrichtungen sind zwar sauber, aber basic. Eine Besonderheit ist die Wasserzufuhr beim Duschen: Von der Decke baumelt eine Kette, an der man ziehen muss, um Wasser zu beziehen. Sobald man nicht mehr zieht, gibt es kein Wasser mehr. Und Einhandduschen ist dann halt nur so mittelbequem…

Wir richten uns aber trotzdem häuslich ein und genießen das jetzt wieder herrlich sonnige Sommerwetter. Und faulenzen. Und genießen abends unsere Metzgereispezialitäten vom Grill. Und Käse. Und Wein. Fein.

Unterstützt werden wir bei diesem Genießerabend, von unseren Nachbarn, die, wie es der Zufall will, aus Ennepetal kommen und mit 4 Personen in einem fast 50 Jahre alten Fiat-Bus unterwegs sind. Ein schöner Abend!

Nein, es ist nicht so dramatisch, wie es sich anhört. Kein zweites Torla.

Aber der Blick zum Himmel und der Wetterbericht empfehlen es uns, weiterzureisen. Denn vom herrlichen Sommertag gestern ist nicht viel übrig geblieben und pünktlich zum Frühstücksbeginn fängt es auch noch an zu regnen. Was uns aber viel mehr Sorgen macht, sind die Gewitterwarnungen für die kommenden Tage. Da sind wir doch noch leicht traumatisiert und möchten uns und dem lädierten MoMo noch mehr Unbill ersparen.

Aber was tun? Für alle attraktiven Ziele in der Auvergne müssen wir mit Gewittern rechnen. Also suchen wir Orte, wo es weniger gewittrig aussieht. Und es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass wir das angenehme mit dem nützlichen verbinden sollten. Heißt: Heimreise.

Und wir erinnern uns gerne an die ersten paar Tage im Jura. Wie wäre es denn, wenn wir in diese Richtung aufbrechen und uns dort noch ein paar letzte nette Tage auf einem schnuckeligen Campingplatz machen? Hört sich gut an!

Also machen wir uns reisefertig, bunkern noch mal Vorräte in einem SuperU und im Vorbeifahren in Fix-St.-Geney auf. Letzteres ist eigentlich nur ein Straßendorf, hat dafür aber zwei Boucherien und eine Boulangerie, so dass wir mit Leckereien bestückt gut gelaunt weiterfahren.

Das belegte Chevre-Miel-Baguette verspeisen wir kurz darauf auf dem Weg nach Le Puy en Velais an einem Aussichtspunkt ohne Aussicht, dafür aber mit großen Picknickbänken. Die Aussicht ist mittlerweile zugewachsen und so sehen wir leider nicht viel von dem, was man während der Fahrt sieht. Nämlich die so typische Aussicht auf die kleinen Vulkanhügelketten und die Bergflanken, die tatsächlich so ein bisschen an die Toskana erinnern.Abfahrt-001.jpg

Der Abschied aus der Auvergne ist dann ernüchternd. Auf der Autobahn hinter St. Etienne und im Rhonetal bei Lyon dominiert Industrie und es ist fast schon ein kleiner Kulturschock, wenn man so lange hübsche oder sogar beeindruckende Landschaften gesehen hat und jetzt wieder auf Industrieanlagen und Hochhaussiedlungen blickt. Nicht schön.

Lyon umfahren wir diesmal ohne Stau. Dadurch, dass wir die Stadt diesmal in östlicher Richtung umfahren, merkt man erst, wie groß die Stadt ist. Wir sind froh, als wir sie hinter uns lassen.

Unser Ziel ist ein France-Passion-Bauernhof mit 160 Ziegen. Der Weg dorthin führt durch ein mit kleinen Seen, Teichen und Tümpeln durchsetztes Gebiet und die Straße ist abenteuerlich schmal. Wir sehen Störche, die sich in diesem Gebiet offensichtlich sehr wohl fühlen. Als ich die Kamera zücke, fliegen sie allerdings weg. Dafür ruft Annette auf der Fahrt plötzlich „Biber!“ und wir fahren ein kleines Stückchen zurück, um sie uns genauer anzusehen. Zunächst einmal verstecken sich alle bis auf einen, der seinen Kopf noch aus dem Wasser steckt.Bisamratten-007.jpg

Aber nach und nach kommen dann doch alle raus. Und wir stellen fest, dass es mit einem so schmalen langen Schwanz wohl doch keine Biber sein können. Es sind Bisamratten, die sich dort tümmeln!Bisamratten-017.jpg

Und für alle, die sich jetzt vor Ratten ekeln: Eigentlich sind es die größten Wühlmäuse, die es gibt und manche bezeichnen sie auch als Zwergbiber. Hört sich das besser an?Bisamratten-023.jpg

Unseren FP-Platz entdecken wir dann mit Umwegen. An der programmierten GPS-Station ist ein Haus und auch die bekannte FP-Blume ist dort zu sehen. Ich steige unter wütendem Hundegebell aus dem Haus aus und Madame kommt mir schon entgegen. Ich begrüße sie freundlich mit Handschlag und verstehe kein Wort von dem, was sie mir sagt. Erst Annette versteht, dass sie uns mitteilt, dass wir hier falsch sind und der Platz erst 800m weiter entfernt zu finden ist – so, wie es auch auf dem FP-Schild steht…

Dort finden wir dann auch ein absolut ruhiges Plätzchen für die Nacht und können uns vorher noch leckeren Ziegenkäse auf der Farm kaufen.Abfahrt-002.jpg

Bitte weitergehen, es gibt hier nichts zu sehen…

Heute legen wir wirklich mal einen kompletten Reisestopp ein. Nicht mal die geplante Wanderung in den Nachbarort machen wir, weil das Wetter so schön und das Gammelverlangen so groß ist.IMG_5276.jpg

Da ist Annettes Flybee-Training mit Elli schon das Höchste der Gefühle…

Nach einer ausgesprochen ruhigen Nacht auf unserem einsamen Picknickplatz hören wir morgens unseren Kühlschrank ein paar mal klickern und dann kommt das bekannte Piepen: Gas alle. Wir können also festhalten, dass in diesem Sommer eine Gasflasche 4 Wochen gehalten hat. Im letzten Sommer in Norwegen waren es nur gute 2 Wochen. Was vor allen daran liegt, dass wir deutlich häufiger auf einem Campingplatz waren und über Strom kühlen konnten und natürlich (bis auf die letzten Abende) nie heizen mussten. Gut zu wissen, dass Gas also für einen Sommer in Südeuropa kein Thema sein dürfte.

Wir brechen nach St. Flour auf. Und dort ist richtig was los – für ein Amateurradrennen wird zeitweise die Straße gesperrt und wir können nicht oben im Stadtkern parken, sondern müssen drumherum und hinunter ins Tal, wo sich der schmucklose Womo-Stellplatz befindet. Aber da wir eh nicht über Nacht bleiben wollen, kratzt uns das wenig. Wir machen uns, teils begeistert von der Aussicht, teils beeindruckt von dem bevorstehenden Anstieg auf den Weg.IMG_5266-Bearbeitet.jpg

Als wir nach wirklich steilem, aber betrepptem Bergauf das Zentrum erreichen sind wir überrascht, wie wenig hier los ist. Beim Vorbeifahren erweckte das noch den Eindruck als wäre in der ganzen Stadt Halligalli!

Wir sind wenig beeindruckt von St. Flour – definitiv eine Stadt, die von weitem besser aussieht als von nahem! Was uns aber trotzdem in Erinnerung bleibt sind zwei Dinge:

IMG_5268.jpgZum einen, dass im Schaufenster eines Fotografen anscheinend Fotos der Müngstener Brücke hängen. Erst beim genaueren Hingucken entpuppt es sich als das Nahe gelegene Viaduc de Garabit.

Zum anderen, dass wir spontan an einem netten Platz im Restaurant Le Gallia zu Mittag essen. Diesmal ganz ohne vorher irgendwas zu checken, sondern einfach auf gut Glück. Und das Glück war uns hold, denn ein Mittagsmenu für 13,50€ in der Qualität muss man erst mal hinkriegen. Da stimmt dann der Spruch „Dafür kannste das nicht selber machen!“ wirklich. Richtig solide gute französische Küche. Nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger.

IMG_5269.jpgAnsonsten haken wir St. Flour aber unter „muss man nicht noch mal hin“ ab und fahren weiter.

Es geht weiter Richtung Osten. Auf einer guten und vor allem so gut wie autoleeren Straße kurven wir uns nach Langeac. Es gibt auf dieser Strecke keine landschaftlichen Höhepunkte und trotzdem gefällt uns die abwechslungsreiche Strecke sehr gut.

Erst kurz vor Langeac merkt man, dass man die ganze Zeit auf einer Hochebene gefahren ist, denn hier geht es noch mal gut bergab ins Tal des Flusses Allier.Auvergne-002.jpg

Wir brauchen mal wieder einen Campingplatz zum Erfrischen. Es ist wirklich doof, dass wir wegen des Grauwasserproblems nicht mehr im MoMo duschen können und daher viel häufiger auf einen Campingplatz angewiesen sind als wir es eigentlich wollen. Auf der anderen Seite: Gut, dass uns das in Frankreich passiert, wo es so tolle Plätze wie hier gibt, die für so eine tolle Lage so wenig Geld verlangen. Denn auf dem Platz gilt lediglich ein „Sucht euch den schönsten Platz aus“ und das tun wir dann auch erfolgreich.

Erst als wir später noch eine Runde über den gesamten Platz drehen, stellen wir fest, dass es durchaus im hinteren Bereich noch Stellen gegeben hätte, die uns noch besser gefallen würden. Aber für die eine Nacht werden wir uns nicht mehr umstellen. Auch schön: im Fluss haben eifrige Kinder kreative Staudämme gebaut und der letzte unermüdliche Bauarbeiter feilt noch an den Feinheiten seines Bauwerkes. Entspannte Stimmung hier!Auvergne-004.jpg

Das Beste aber: Nach den doch etwas kühleren letzten paar Tagen hat der Sommer uns wieder. Nach der erfrischenden Dusche sind erst mal wieder Shorts, T-Shirt und Schlappen angesagt. Und morgen soll das Thermometer schon wieder Richtung 30° unterwegs sein.IMG_5272.jpg

IMG_5246.jpgMan glaubt es kaum: Wir werden wach und über uns ist nichts als strahlend blauer Himmel. Herrlich! Aber auch frisch: 7° erinnern uns dann doch eher an Norwegen als an Südfrankreich.

Aber egal. Nach einer heißen Dusche macht das nichts mehr aus. Unser Plan für heute ist speziell. Es gibt nur ein Müsli, so dass wir früh genug aufbrechen, um noch einen der anscheinend raren Womo-Parkplätze in Salers zu bekommen. Und dank eines Parktickets vom Campingplatz sogar zum Nulltarif! Es stellt sich heraus, dass wir sicherlich auch später noch einen Platz bekommen hätten, aber sicher ist sicher…

Auvergne-001.jpgSalers wird im Reiseführer als das auvergnatisches Rothenburg beschrieben. Ist nicht so ganz falsch, denn auch hier gibt es viele schnuckelige alte Häuschen und auch hier ist die Stadt fest in der Hand des Tourismus. Auvergne-002.jpg

Auvergne-010.jpgEin Souvenir- oder Kunsthandwerkladen am anderen. Aber vom Betrieb und der Größe der Stadt ist das ganze hier doch schon ein paar Nummern kleiner. Gottseidank!

Denn so bummeln wir durch die Gassen, gucken mal hier, gucken mal da, stellen fest, dass wir das meiste davon dann doch nicht haben wollen oder brauchen und sind ganz zufrieden damit.

 

 

IMG_5248.jpgAber ich hatte ja schon unseren speziellen Plan erwähnt. Angefixt von dem leckeren Menu du Midi in Caillac wollen wir hier wieder so lecker speisen. Denn das Restaurant L’Evasion hat bei Tripadvisor eine richtig gute Bewertung und auch die Bilder sehen viel versprechend aus. Daher setzen wir uns als erste Gäste an einen Tisch auf der Terrasse und bestellen das Menu. Und eigentlich gibt es nicht viel zu meckern.

Auch hier ist das Essen fein angerichtet und das Hauptgericht mit demIMG_5249.jpg Käsekartoffelpüree Aligot und den Linsen ist sogar eine richtige lokale Spezialität.
Aber der Nachteil, wenn man erwartet, wieder so übertrieben lecker zu essen: Es ist halt „nur“ gut und nicht Oh-Mein-Gott-ich-möchte-das-sofort-noch-einmal-essen-Gut.
Ich glaube, es kann noch eine harte Zeit werden, wenn man jetzt alles an diesem Maßstab misst. Also, lecker gegessen haben wir in diesem Urlaub mehr als genug!IMG_5250.jpg

Nach diesem sehr erfreulichen Stadtbesuch nutzen wir das strahlende Wetter zur Weiterfahrt Richtung Osten. Am Col de Pèronne ist ein France-Passion-Platz zu finden, der sich vielversprechend anhört. Großartige Aussicht auf die Vulkane der Umgebung. Der Weg dorthin ist für Fahrzeuge über 9t gesperrt. Naja, pillepalle, denke ich noch. Da liegen wir ja locker drunter.Auvergne-005-2.jpgAber tatsächlich gibt es so einige Engstellen und an einer dieser Stellen habe ich das Vergnügen, rückwärts in eine Ausweichstelle zurückzufahren. Richtig was los hier!

IMG_5252.jpgAber auch zurecht: Denn die Aussicht hinunter ins Tal Richtung Salers ist ja schon mal sehr schön. Noch gesteigert durch die Salers-Rinder, die hier überall ihre Glocken läuten lassen, so dass man sich fast schon in der Schweiz wähnt.Auvergne-049.jpg

Der Col de Pèronne ist dann eine klassische Passhöhengaststätte, aber mit großzügigem Parkplatz und Picknickbänken. Sehr nett. So nett, dass wir dort erst mal ein Päuschen einlegen und ganz schwer mit dem Schweinehund kämpfen, ob wir nicht den Rest des Tages dort die schöne Aussicht genießen und es mal gut sein lassen mit dem Weiterfahren.Auvergne-056.jpg

Auvergne-006.jpgWir entscheiden uns wegen das ausnehmend schönen Wetters und der tollen Sicht dagegen und fahren weiter Richtung Puy Mary. Es geht über eine wunderschöne, aber auch enge Waldstraße zunächst bergab, um dann mit 15% Steigung zum Pas de Peyrol hinaufzuführen. Atemberaubend!Auvergne-007.jpg

An der Passhöhe dann zunächst Ernüchterung: Es ist Samstag, es sind Ferien, es ist Kaiserwetter: Alles voll. Voller als voll und für unser MoMo ist da so ungefähr gar kein Platz.Auvergne-009.jpg

Auvergne-010-2.jpgAuch auf der Abfahrt, die wir zähneknirschend antreten, stehen die Autos so kriminell geparkt, dass es für uns teilweise eng wird. Aber dann der Glücksfall: Wir halten an einer Parkbucht etwas unterhalb der Passhöhe an, damit ich auch mal in Ruhe den Ausblick genießen kann. Und just in diesem Augenblick fährt ein Wagen weg und macht eine perfekte Parklücke für uns frei – nichts wie rein!Auvergne-064.jpg

Auvergne-069.jpgDenn wie es der Zufall will, startet hier auch der Weg für die Besteigung des Puy Mary von Osten her. Der Weg ist, wie uns, die wir mittlerweile in Wanderklamotten geschlüpft sind, wenig später ein freundlicher Wanderer mitteilt „tres difficile“. Der Aufstieg von Westen her sei „tres facile“. Er sagt das mit einem Unterton, als sollen wir uns das noch mal gut überlegen…Auvergne-072.jpg

Wir halten aber an unserem eingeschlagenen Weg fest, denn es sieht hier einfach zu malerisch aus. Auf die „Autobahn“, wo alle hochgehen, haben wir gar keine so große Lust. Und umkehren können wir ja immer noch, wenn es uns zu kriminell vorkommt.Auvergne-011.jpg

Und so klettern wir durchaus steil, aber immer machbar Höhenmeter um Höhenmeter nach oben. Schon als wir den Höhengratweg erreichen, sind wir von der 270°-Aussicht auf die umliegenden Vulkane und Täler mehr als begeistert. Sensationell und so friedlich! Und erwähnte ich schon die unfassbar klare und gute Luft?Auvergne-078.jpg

Auvergne-088.jpgAuvergne-083.jpgAuvergne-102.jpgAuvergne-093.jpgDer letzte Anstieg auf den Puy Mary hat es noch einmal so richtig in sich. Steil und teilweise geröllig, aber auch hier gilt: Kann man gut schaffen, ist halt nur anstrengend.

Als wir schließlich oben angekommen sind, haben wir die volle 360°-Rundumsicht und sind sehr glücklich, dass uns jemand diese Parklücke für das Wohnmobil geschickt hat – das hätten wir wirklich nicht gerne verpasst!Auvergne-106.jpgIMG_5255.jpgAuvergne-115.jpg

Der Abstieg auf den Betonstufen hinunter zur Passhöhe ist dann deutlich weniger aufregend und deutlich voller: selbst jetzt um 19 Uhr wollen noch Leute zur Gipfelhöhe hinauf!Auvergne-135.jpgAuvergne-137-Bearbeitet.jpgAuvergne-144.jpg

Auvergne-148.jpgWir sind froh und glücklich, als wir im MoMo die Wanderschuhe ausziehen und weiterfahren. Im herrlichen Abendlicht gleiten wir auf der deutlich entspannteren Ostabfahrt hinunter ins Tal.Auvergne-147.jpg

Auvergne-012.jpgAuvergne-013.jpgDer Stellplatz in der Nähe von Murat, den wir eigentlich ausgeguckt hatten ist leider schon belegt, aber auch hier hat der Zufall für uns eine praktisch genau so gute Alternative bereit. Kurz hinter einer Brücke finden wir einen Picknickplatz, an dem sich das Wohnmobil prima für die Nacht abstellen lässt. Viel besser geht das nicht!IMG_5256.jpg