Wie es eine Rückreise (und Heimkehr) so mit sich bringt, bleibt auf einmal nur noch wenig Zeit zum Bloggen – sicheres Zeichen dafür, dass der Urlaub zu Ende ist. Danke an alle, die schon besorgt nachgefragt haben, ob etwas passiert sei! So here’s what happened, mit leichter Verspätung:

Kleine Überraschung am Morgen: es ist tatsächlich noch Fahrzeug Nummer 3 dazugekommen! Es ist allerdings nur ein PKW, wo hinter einem eher notdürftigen Sichtschutz anscheinend der Fahrer auf dem Sitz genächtigt hat. Da tut mir alleine schon beim Anblick der Rücken weh! Da er aber sozialkompatibel geparkt hat, ist die Abfahrt kein Problem. Auch wenn mein Puls ein bisschen höher geht, als mich unser Womo-Nachbar fragt, ob unsere Fähre nicht um 8 Uhr losgefahren ist und man gleichzeitig am Horizont tatsächlich  eine auslaufende Fähre sieht! Aber nach kurzem Check der Unterlagen bin ich beruhigt: Alles gut, wir fahren erst um 9.30 Uhr.

Wehmütig und glücklich zugleich fahren wir unsere letzten paar Kilometer zum Fährterminal und verschwinden schon bald darauf im Bauch von Nils Holgersson, dem Zwillingsbruder von Peter Pan, unserem Schiff auf der Hinfahrt.

An Bord kennen wir uns daher auch perfekt aus und steuern erst mal unsere Kabine an, um uns häuslich einzurichten. Erwähnte ich schon, dass wir ab sofort Kabinen-Fans sind? Nach dem Abladen unserer Sachen gehen wir aber wieder an Deck und genießen bei Sonnenschein den letzten Blick auf den Trelleborger Hafen. Und bis auf den kleinen Janosch, der begeistert in die Pfützen an Deck springt und Annette und mich mit einer Fontäne beglückt, läuft alles nach Plan. Denn der für die Überfahrt angekündigte Regen und Sturm lässt sich nirgendwo blicken, so dass wir uns auf dem Sonnendeck niederlassen und wieder kreuzfahren.

Erst 2 Stunden nach der Abfahrt wird es bedeckter, weshalb wir uns erst mal in die Gemächer zurückziehen. Und dort dann auch bis auf Mittagessen und Duty-Free-Shoppen mehr oder weniger gepflegt unsere Zeit verbringen, denn das Wetter lädt nun tatsächlich nicht zu einem Deckspaziergang ein.

Interessante Notiz am Rande: Die Überfahrt dauert stattliche 9 Stunden und könnte durchaus flotter sein. Wie ich aber in einem Gespräch mit einem offensichtlich langjährigen Schwedenfahrer mithöre, ging das früher durchaus schneller. Aufgrund der hohen Spritkosten fahren die Schiffe mittlerweile aber einfach nur noch mit reduzierter Kraft. Vielleicht dauert die Fahrt in 5 Jahren dann schon 12 Stunden?

Wieder in Deutschland angekommen, müssen wir erst mal dringend tanken, denn in Trelleborg war unsere Tankanzeige auf Reserve gesprungen. Und da der Sprit in Deutschland dann doch deutlich günstiger ist, haben wir natürlich gerne mit dem Tanken gewartet. Ist ja auch kein Problem: Ich habe mir schon eine Tanke ausgesucht und lasse mich vom Navi dort hin lotsen. Clever! Aber warum fahren wir dann von der schön breiten Bundesstraße ab und sollen durch eine Anliegerstraße fahren? Und warum ist das letzte Stück so verdächtig eng? Und warum sehen wir die Tankstelle nur von hinten? Und warum ist die Zufahrt zur Tankstelle so eng und zugewachsen, dass wir dort tunlichst nicht lang fahren? Vielleicht einfach, weil die korrekte Zufahrt direkt an der schön breiten Bundesstraße liegt! Also alles wieder zurück…!

Nun geht es aber zügig weiter und wir haben vor, die Reise so zu beenden, wie sie begonnen hat. Mit einem leckeren Essen im Jann-Hinsch-Hof. Annette ruft aber sicherheitshalber an, um zu fragen, ob die Küche um 21 Uhr noch auf hat und ob wir dort mit dem MoMo anschließend über Nacht stehen dürfen. Ersteres ist kein Problem, zweiteres aber wohl schon. No Womos!  Zuerst überlegen wir, in Gehnähe einen anderen Übernachtungsplatz zu suchen. Gleichzeitig ärgern wir uns aber die Ungastlichkeit und wollen das eigentlich nicht honorieren. Und dann habe ich die rettende Idee: Vor 2 Jahren haben wir in Ollsen in der Lüneburger Heide das Restaurant “Zur Eiche” entdeckt. Und wir versuchen wieder unser Glück per Telefon, reservieren einen Tisch und kriegen grünes Licht für die Nächtigung. So muss das sein!

Und wir sind wieder begeistert von dem, was die Küche dort zaubert und wie freundlich der Service ist. Wir werden als “die mit dem Wohnmobil” nett in Empfang genommen und sind am Ende froh, dass wir pummelsatt nur noch ein paar Meter in unser MoMo rollen müssen. Und geschlafen haben wir dann auch noch gut. Dicke Empfehlung!

Am nächsten Tag sollte es dann eigentlich schnell nach Hause gehen, aber Annette entdeckt entlang der Autobahn eine der riesigen Werbetafeln für das Soltauer Outlet-Center. Wir beschließen, dort hin zu fahren, falls es einen Desigual-Shop gibt. Denn dann würde ich mir gerne noch eine Jeans kaufen… Es gibt. Also biegen wir ab und starten mit dem Vorsatz, mal schnell alles zu checken und dann wieder zu verduften. Hat nicht ganz geklappt…

Einige Euro ärmer, aber mit netten Käufen in den Taschen verlassen wir das Center, nicht ohne den riesigen Parkplatz zu bestaunen, der sich schon gut gefüllt hat. Und **das** soll in Lennep integriert werden? Never!

Mit einigen Staus wird die Rückfahrt dann zwar kein großes Vergnügen, aber auch nicht besonders anstrengend. Trotzdem weine ich dem ultra-relaxten Fahren in Schweden schon jetzt ein paar Tränchen nach. Sicher sind für uns nach diesen 4 Wochen 2 Dinge:

Schweden, wir kommen wieder!

Wir sind auch nach 4 Wochen kein bisschen MoMo-müde und wären gerne noch mal 4 Wochen gefahren. So müssen wir jetzt halt ein bisschen warten (aber Gottseidank auch nur ein bisschen), bis die Herbstferien kommen. Es kann gar nicht schnell genug gehen…

Heute hat der Wetterbericht dann wirklich nicht gelogen. Düster und regnerisch geht unser letzter voller Tag in Schweden los. Aber da wir auf unserer “Muss noch gesehen werden”-Liste nichts mehr abzuhaken haben, können wir ganz entspannt damit umgehen.

Wir sind schon in Reichweite von Trelleborg, so dass weites Fahren nicht mehr nötig ist. Auf der Strecke zur Fähre liegt Ystad, was für uns als Wallander-Banausen zwar keinen besonderen Reiz ausübt, aber als Stadt durchaus nett sein soll. Also machen wir uns auf einen Schietwetter-Stadtbummel gefasst.

Tatsächlich kommt aber auch heute wieder alles anders als erwartet. Aber, wie eigentlich immer in diesem Urlaub: besser!

Denn Ystad entpuppt sich als ausgesprochen entspanntes Städtchen, in dem es sich prima bummeln lässt. So lassen wir uns ein bisschen treiben und entdecken grummelnd, dass es Annettes schicke Klamotten aus Fjällbacka hier ebenfalls gibt. Allerdings mit 30-50% Rabatt… Da sind wir fast schon erleichtert, dass es zwar die gleichen Sachen gibt, aber nicht mehr in Annettes Größe. Da ist der Ärger nicht mehr ganz so groß…

Wir haben uns vorgenommen, ein letztes mal ein Dagens Rätt zu essen und klappern verschiedene Restaurants ab, die uns aber entweder nicht gefallen, eher Kuchen anbieten oder selbst beim (eigentlich immer bezahlbaren) Mittagstisch schon fürstliche Preise aufrufen. Und wo geht man hin, wenn’s überall zu teuer ist? Natürlich zum Chinesen! In unserem Falle zwar ein Thai-Restaurant, aber mit dem, was man bei einem asiatischen Mittagsbuffet halt so erwarten darf. Und vor allem: Richtig läcker!

Bei leichtem Fisselregen spazieren wir durch die Ystader (oder Ystädter? oder Ystadter? oder Ystadsche?) Fuzo und gucken links und rechts.

Auf einmal hört man Live-Musik! Um 14 Uhr? An einem Mittwoch? Der Sound, der ein bisschen an New Orleans erinnert, kommt aus einem schönen, alten Hinterhof, der uns natürlich magisch anzieht. Und während ich schnurstracks hineinspaziere, wird Annette von einer älteren Dame am Schlafittchen gezogen und auf den fälligen Eintrittt hingewiesen. Denn wir sind durch absoluten Zufall bei der Auftaktveranstaltung des diesjährigen Ystad-Jazzfestivals gelandet. Und wie mir das Internet später verrät, hören wir die Rad Trads und der Hof gehört zu Per Helsas Gård. Da uns in diesem Falle das Hören reicht, kehren wir um und erkunden die Geschäfte in dem großen alten Gebäude. Verrückterweise kann man von einem Geschäft das Konzert quasi von hinten erleben!

Wir schlendern noch ein bisschen durch die Gassen und bewundern die schöne Bepflanzung und die netten Häuser rund um das Kloster. Dann wird es aber Zeit, die arme Mia, die wir im MoMo zurückgelassen haben, zu erlösen.

Es geht weiter auf der Straße 9, die uns immer mit Meerblick Richtung Trelleborg lotst. Wir haben vorab diverse Stellplätze ausgekundschaftet und haben uns vorgenommen, denjenigen zu nehmen, der uns am besten gefällt. Und rein theoretisch sind alle gut, die wir sehen. Das Meer immer in Spuckweite. Aber dann gefällt uns an dem einen nicht, dass er ungeschützt an einer Kreuzung liegt, der nächste ist kostenpflichtig, bietet aber nicht mal Strom und Entsorgung. Und so landen wir schließlich kurz vor Trällerborg auf einem menschenverlassenen großen Platz hinter einer Düne direkt am Meer. Total ruhig, windgeschützt und wir sind hier mutterseelensolo. Und da es mal wieder etwas regnet, genießen wir das muckelige MoMo, trinken Kaffee und warten ab.

Und man muss wie immer nur ein bisschen warten und schon scheint wieder die Sonne. Und so brechen wir zu einem Spaziergang auf und genießen den (schmalen) Strand, den wir ganz für uns allein haben.

Ein gutes Stückchen von unserem Platz entfernt entdeckt Annette plötzlich eine Stelle oberhalb der Dünen, die wie für einen Stellplatz gemacht ist. Und der dort liegende Steinkreis mit Kohleresten beweist, dass andere das offensichtlich auch schon fanden und dort gegrillt haben. Denn der Platz befindet sich am Ende einer Stichstraße, die von der Hauptstraße abgeht. Und es gibt keine “Förbjuden” oder “Privat”-Schilder. Sollen wir…?

Ein bisschen mulmig ist uns ja schon, aber da der alte Platz völlig überfüllt ist (es ist *ein* (natürlich deutsches) Womo hinzugekommen…), brechen wir auf. Was soll schon schief gehen?

Als wir zu unserem Fundplatz abbiegen, kommt uns prompt die Polizei entgegen. Na, das kann ja heiter werden! Aber der Polizei ist unser Abbiegen völlig schnurzegal und so stehen wir wenige Augenblicke später auf einem 360°-Panorama-Luxusstellplatz. Genial!

Im Laufe des Abends kommen noch ein paar Spaziergänger, Hunderundengänger und Jogger an uns vorbei und werfen natürlich interessierte, aber nicht unfreundliche Blicke. Schon bald sind wir aber wirklich alleine und genießen noch dazu einen wunderbaren Sonnenuntergang. Besser hätten wir unseren letzten Abend in Schweden gar nicht planen können!

Bei Einbruch der Dunkelheit dann noch mal eine Überraschung: Neben uns steht auf einmal noch ein Womo! Ein junges Pärchen, dass von der Fähre kommend seinen Schwedenurlaub gerade erst beginnt, hat uns von der Straße gesehen und ist spontan abgebogen. Meine Sorge, dass ich morgen früh eventuell nicht wegkomme, wenn wir zur Fähre müssen, erweist sich als unbegründet. Es sei denn, es kommt noch Womo Nr.3!

Unsere Planung für die letzten Tage in Schweden ist sehr simpel: Den im Wetterbericht angekündigten (mehr oder weniger) Dauerregen hinnehmen und das beste draus machen. Das hatten wir erwartet. Es sah dann heute morgen so aus:

Und nur, weil ich zu faul war, Stühle und Tisch draußen aufzubauen, haben wir im MoMo gefrühstückt. Ansonsten ein traumhafter Morgen! Wer hat denn diesen bekloppten Wetterbericht verfasst?

Naja, vielleicht derjenige, der ein bisschen landeinwärts lebt. Denn auf unserer Weiterfahrt in den Stenshuvud-Nationalpark bei Kivik baut sich eine richtig schwarze Wolkenwand auf und es plästert wie aus Kübeln. Während Annette noch mit unserem Schicksal hadert und am liebsten wieder nach Nogersund zurückfahren würde, bin ich ganz zuversichtlich: Am Meer wird es wieder schön. Und tatsächlich: Über uns zeigen sich blaue Stellen am Wolkenhimmel und als wir aussteigen, ist von Regen nichts mehr zu sehen.

Ausgestiegen sind wir übrigens am Cafe Annorlunda kurz vor dem Park. Wer mit einem Kak-Buffè wirbt, muss belohnt werden! Und Annette ist von dem Gebäck-Buffet begeistert – mir ist da das Räkmacka (zu deutsch: Krabbenbrötchen) lieber.

So gestärkt begeben wir uns in den Nationalpark, der bis jetzt der “überlaufenste” von allen ist. Was aber lediglich bedeutet, dass man immer wieder jemandem begegnet. Und dass sich an den Aussichtsstellen auch garantiert mehrere Leute aufhalten. Von Rüdesheimer Verhältnissen aber immer noch meilenweit entfernt.

Was uns in diesem Park, neben den schönen Aussichten am besten gefällt sind die verknoteten Wurzeln, die sich um die Baumstämme ranken und die kleinen, irgendwie niedlichen mit Moos bewachsenen Steine. Und als wir zum Schluss noch durch ein Stückchen Heide mit Meerblick gehen sind wir uns einig: Das ist ein richtig toller Nationalpark!

Da bei der Durchfahrt das Örtchen Kivik einen sympathischen Eindruck gemacht hat, fahren wir noch einmal zurück. Und was ein Glück: Denn zum einen ist der Ort wirklich wieder mal richtig pittoresk, zum anderen gibt es eine Räucherei mit einer Auswahl, die man erst mal gesehen haben muss! Wir stellen uns ein leckeres Abendessen für später zusammen und müssen nur aufpassen, dass wir nicht auf die Theke sabbern.

Eigentlich war unser Plan, eine sehr empfohlene Pizzeria in der Nähe zu besuchen, da sich die Beschreibung schon sehr ungewöhnlich und gut anhörte. Ich gebe also die Adresse ins Navi ein und als wir ankommen, glauben wir, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat. Die Straße ist JWD und der Weg in den wir abbiegen sollen, gleicht eher einem Feldweg. Sicherheitshalber fahre ich nicht hinein und versuche die nächste Abzweigung. An dieser steht auch tatsächlich ein Hinweisschild. Auch dies ist aber ein unbefestiger Weg, der aber zumindest etwas vertrauenerweckender aussieht. Wir parken das MoMo mehr schlecht als recht in einer Feldwegkurve und wollen den restlichen Weg lieber zu Fuß erkunden. Und tatsächlich finden wir das Restaurant, das eher einer wildromantischen Gartenlaube gleicht. Vor dem Eingang steht ein Stuhl mit einem handgeschriebenen Zettel “Tis ons stängt”. Die Übersetzung sagt mir “Dienstags geschlossen”. Ach so. Schade, denn es sah wirklich urig aus. Wer das statt uns mal checken möchte: Tangdala Lonnkrog.

In der Gewissheit, leckere Alternativen im Kühlschrank zu haben, sind wir nicht ganz so traurig und fahren weiter zu unserem Tagesziel: Ales Stenar.

Die Fahrt dorthin genießen wir zur goldenen Stunde bei strahlendem Sonnenschein (habe ich schon erwähnt, dass es den ganzen Tag dann nur noch höchstens ein paar Tröpfchen geregnet hat?). Wir sind beide begeistert von dieser Landschaft, die man so gar nicht mit seinem Schweden-Klischee verbindet.

In dem Städtchen Kåseberga gibt es einen riesigen Rasenplatz, der schon gut mit Wohnmobilen gefüllt ist. Nachdem wir einen Platz gewählt haben, kassiert ein geschäftstüchtiger älterer Schwede die 100 Kronen für den Stellplatz – dafür gebe es auch Toalett und Dusch im gelben Haus. Das gelbe Haus ist wohl so was wie ein Vereinsheim, denn für die Dusche steht einem dann alleine eine komplette Mannschaftsumkleide mit einer Dusche zur Verfügung….

Nach unserem Festessen mit geräuchertem Lax und Makrill geht es noch einmal los. Der an Stonehenge erinnernde Steinkreis von Ales Stenar liegt in Abendspaziergangentfernung. Ein toller Anblick und natürlich ein dankbares Fotomotiv. Freundlicherweise hat sich auch ein fast voller Mond am Himmel platziert. Mehr kann man nicht verlangen!

Die Wetteraussichten haben sich leider nicht verbessert, so dass für heute und auch die kommenden Tage bis zur Abfahrt jeden Tag mit Regen zu rechnen sein wird. Wir beschließen daher, die 4-Stunden-Wanderung  im Store Mosse-Park zu canceln und stattdessen das Besucherzentrum mit Aussichtsturm zu besuchen und anschließend eine Wanderung zu einem Moorsee zu machen. Beides ist auch bei Regen ohne Probleme und mit Regenjacke gut machbar.

Was uns heute und auch später im Verlauf des Tages immer wieder auffällt: Es sind extrem viele deutsche Womos unterwegs. Auf unserem nächtlichen Stellplatz waren 4 von 4 Womos aus Deutschland. Und an der Infowand, wo es netterweise an Kästchen mit Nationalparksbroschüren gab, war das Fach für Englisch und Schwedisch gut gefüllt – lediglich Deutsch war leergeräubert.

Die Aussicht vom Fågeltorn (dem Vogelturm) über das Moor und den großen See Kävsjön ist dann zwar beeindruckend weitläufig, aber mit dem grauen Himmel auch irgendwie trist. Wir brechen daher schnell wieder auf zum nächsten Wanderparkplatz für die Mini-Wanderung zum Moorsee Svartgölen. Bei weitem nicht so spektakulär wie gestern noch im Tiveden, aber ein sehr nett angelegter Spazierweg, auf dem man sich im Vergleich zu gestern fühlt wie auf einer luxuriösen Autobahn.

Auch der Weg zum See ist auf den letzten Metern vorbildlich mit einem breiten Steg durch die Sumpflandschaft erschlossen. Annette bemerkt treffend: “Wie Yellowstone, nur dass nichts dampft und stinkt.” Der eigentlich Star dieser Landschaft ist aber nicht die große Weite und eigentlich auch nicht der See, sondern vielmehr die Moorvegetation am Wegesrand. Da gibt es wieder viel zu bestaunen und wegzufotografieren, was wir als botanische Vollnieten nicht benennen, aber um so mehr bestaunen können. Und irgendwie ist dies auch bei dem tristen Nieselregen, der mittlerweile eingesetzt hat, auf seine eigene Art spektakulär. Uns gefällt’s!

Auf dem Rückweg werden wieder Blåbären gepflückt und im MoMo von Annette zu einer köstlichen Dickmilch verarbeitet.

Unser Plan war es ja eigentlich, auf dem Weg nach Süden noch einmal Station an einem schönen See zu machen und dort einen Tag lang zu paddeln. Mit diesen Wetteraussichten nicht wirklich verlockend. Wir beschließen aber trotzdem, einen kleinen Schlenker zum Åsnen-See zu machen, der auf der Landkarte so toll aussieht. Außerdem habe ich im Womo-Forum mehrfach vom schönen Campingplatz Getnö Gård gelesen, den wir ja zumindest mal auschecken können.

Auf dem Weg kommen wir wieder gut auf den mehr oder weniger einsamen Straßen voran. Lediglich kurz vor dem Åsnen strapaziert ein deutscher Womo-Kollege arg meine Geduld, weil er auf der Tempo-90-Strecke an jeder Kreuzung fast bis zum Stillstand abbremst, um dann doch mit 60 weiterzufahren. Argh! Als er das Spielchen zum dritten Mal macht und vorher schon links geblinkt hat, nur um dann doch geradeaus zu fahren, wird mir das Spiel dann doch zu dumm. Gut, dass ich ihn an dieser Stelle problemlos überholen kann!

Der Weg zum Campingplatz ist dann tatsächlich sehr schön. Links und rechts auf der schmalen Landzunge Blicke auf den See, angelnde Familien an einer Brücke, aber auch Fisselregen. Wir parken vor der Rezeption und beschließen, uns den Platz erst mal zu Fuß anzugucken, bevor wir uns zu einer Übernachtung entschließen. Was hier besonders auffällt: Der Platz ist fest in deutscher Hand. Anhand der Kennzeichen würde ich mal auf gepflegte 80% aus Germany schätzen. Und bei besserem Wetter wären wir wahrscheinlich geblieben, aber so ist uns ein netter Blick auf den See nicht Grund genug. Vor allem, wenn die Alternative das Meer ist, was wir jetzt schon wieder länger nicht gesehen haben! Als wir zum MoMo zurückgehen, kommt uns unser Langsamfahrer von vorher entgegen gefahren. Auch schon da…! Und neben unserem MoMo befindet sich mittlerweile eine kleine Armada von deutschen Wohnmobilen, die gerade angekommen sind.

Weiter geht’s, aber nicht ohne vorher noch im netten Cafe in Ålshult Station zu machen. Bei Waffel, Muffin und Kaffee gucken wir uns um und finden die Einrichtung Puppenstuben-Rumpelkammer-urig.

Passend dazu dann auch endlich unser erster Loppis nebenan. Für alle Nicht-Schwedenkenner: Loppis-Schilder findet man in Schweden an allen Ecken und Enden. Ich dachte zunächst noch, dass es sich um kleine Tante-Emma-Lädchen handele. Aber weit gefehlt! Es ist eine Art Mini-Flohmarkt. Oder das, was in Amerika ein Garage-Sale wäre. Oder einfach nur eine Rumpelkammer mit Zeugs. Muss man mal gesehen haben. Muss man aber nichts von kaufen.

Wir füllen noch ein letztes Mal Vorräte in Olofström auf, bevor es nach Nogersund ans Meer geht. Den Tipp für diesen Stellplatz haben wir aus der Promobil-App und wir können den zufriedenen Bewertern nur zustimmen: Toller Platz zwischen Hafen und Meer auf einer Wiese mit genügend Platz, Strom und vorbildlich sauberen Sanitärräumen. Gefällt uns sehr!

Fürs Abendessen haben wir zwar noch Vorräte im MoMo-Regal, aber mir ist heute weniger nach Kochen als nach Essen gehen. Denn für meinen Geschmack haben wir in diesem Urlaub noch zu wenig leckeren Fisch gegessen. Und so werden die Fahrräder abgeschnallt und wir machen uns auf in den Nachbarort Hällevik. Es soll dort ein Restaurant namens Dagmars geben, was zumindest mal nicht ganz schlecht sein soll.

Das Fahrradfahren macht nach dem Fahrtag richtig Spaß und als wir im Ort ankommen, spielt sogar eine Band auf einer Bühne! Das Restaurant ist schon gut gefüllt und wir haben fast den Eindruck, dass wir einen der letzten verfügbaren Tische kriegen. Wieder mal Gück gehabt!

Das noch größere Glück ist dann aber das Essen selber: So einen leckeren Muscheltopf habe ich in meinem Leben noch nicht gegessen. Fette Empfehlung, wenn man Muscheln mag! Wenn man, so wie Annette, das nicht so mag ist aber auch die Räucherfischplatte ein Kracher. Wir sind beide hellauf begeistert und beschließen spontan uns morgen bei der angeschlossenen Rökeriet mit Vorräten einzudecken.

Den Abend verbringen wir dann noch auf den Steinen an der Hafenmole und beglückwünschen uns zu der Entscheidung, zum Meer zurückgekehrt zu sein. Die nächsten Tage werden auf jeden Fall eines: Läcker!

Als wir aufwachen und einen ersten Blick nach draußen werfen sieht der See im Morgennebel total verwunschen aus. Ein toller Anblick!

Wir wollen heute den Morgen ausgiebig zum Wandern nutzen, denn ab Mittags soll der Regen wieder stärker werden. Geplant ist die Wanderung zur Trollkyrka, die schon vom Namen her vielversprechend klingt. Das Navi habe ich schon zum Wanderparkplatz programmiert, überrede Annette aber, noch ein paar Meter weiter auf der Straße in Richtung Vitsand zu fahren, weil da ein toller Strand am See sein soll.

Der Strand ist tatsächlich prima, aber bei diesem Wetter und um diese Uhrzeit natürlich so gut wie ausgestorben. Lediglich ein Pärchen scheint in seinem VW-Bus direkt auf dem Parkplatz im Nationalpark geschlafen zu haben. Offiziell verboten, scheint aber keinen gestört zu haben.

Und wir stellen zu unserer großen Verwunderung fest, dass wir die Wanderung aus dem Rother-Wanderführer eigentlich auch von hier starten können. Nur, dass wir die “kleine” Wanderung zum Stenkälla zuerst machen und dann überlegen können, ob wir noch den Schlenker zur Trollkyrka zusätzlich machen.

Also parken wir das MoMo und gehen zunächst noch entlang des Ufers in Richtung Stenkälla, einer Grotte unter einem 10m hohen Felsblock.

Und auch wenn es wieder über Stock und Stein geht, ist die Empfindung heute eine gänzlich andere. Ob das an den hinter jeder Wendung neuen Aussichten auf riesige, flechtenbewachsene Granitblöcke liegt? Es gibt heute einfach so viel zu sehen, dass die Kameras nicht still stehen und das sorgfältige Wählen des nächsten Schrittes auf glitschigen Wurzeln und Felsen in den Hintergrund rückt.

Wir sind begeistert von den sumpfigen Passagen, wo das Wasser in Zeitlupe fließt und sich die Bäume und der Himmel so toll spiegeln.

Als wir zur Stenkälla kommen, begegnen wir auch zunehmend mehr Wanderern. Und wir haben das Gefühl, dass die meisten von ihnen Deutsche sind. Für Schweden wäre es (gerade am Sonntag) wahrscheinlich einfach noch zu früh…

Die Größe der Steinklopse die dort rumliegen und diese Grotte bilden, lässt sich mit Worten und auch Bildern nur schwer beschreiben. Sicher ist nur, dass es sehenswert ist. Nicht unbedingt im Sinne von “Muss man unbedingt gesehen haben” aber definitiv im Sinne von “Oh wie schön!”. Vor allem, wenn direkt davor winzig kleine Pilze an einem morschen Baumstamm wieder mal zeigen, wie schön die Natur sein kann.

Wenige Meter weiter geht es steile Holztreppen hinauf zum Aussichtpunkt Stenkälleknack, den man ja nun wirklich alleine schon wegen des Namens besteigen muss!

Was Aussicht angeht, kann er leider nicht so sehr punkten, weil man auch von hier “oben” eher auf die umliegenden Baumwipfeln als in die Weite des Landes schaut. Aber die großen flachen Granitflächen bieten sich trotzdem für ein kleines Päuschen an.

Auch auf dem weiteren Weg wird es uns nicht langweilig. 50 shades of green lassen Moose, Farne und Gräser immer wieder spannend aussehen. Das einzig schwierige ist es, das ganze in Fotos zu bannen, da das grün auf dem Display dann doch irgendwie immer anders aussieht. Wir haben aber unser Bestes gegeben!

In den Blåbären wird es Zeit, den Blåbär-Rechen auszuprobieren, den Annette gestern im Supermarkt entdeckt hat. Und tatsächlich funktioniert das Ding so ziemlich klasse und nach wenigen Minuten habe ich schon so viel geerntet wie sonst nach einer halben Stunde! Wenn etwas aber wirklich sensationell ist, dann ja wohl, dass Mia auf den Geschmack gekommen ist. Bei unserer ersten Blåbär-Ernte habe ich ihr aus Spaß ein paar gefüttert. Mittlerweile erledigt sie das routiniert alleine…

Auf der abwechslungsreichen Wanderung kommen wir schließlich an den Stora Trehörningen, wo wir am Ufer eine wohlverdiente Essenspause machen. Der Ausblick auf den See ist auch von unten einfach schön. Leider kündigt sich die für den Nachmittag angekündigte Wetterverschlechterung mit ersten Regentropfen an, so dass wir in die Regenjacken schlüpfen und uns auf den Rückweg machen.

Wir sind dann froh, als wir wieder am MoMo eintreffen, denn auf den letzten Metern hat sich der ab und zu einsetzende Tröpfelregen doch in ein ziemlich dauerhaftes Plästern verwandelt. Also erst mal Kleiderwechsel  im MoMo, Kaffee aufsetzen und dann mit dem Rest vom Blåbär-Schoko-Kuchen von vorgestern aufwärmen. Habe ich schon mal erwähnt, wie sehr wir das Womo-Leben genießen? Erst recht, als wir neben uns einen Passat aus Deutschland halten sehen und sich allen Ernstes zwei Unentwegte in perfekter Regenausstattung auf ihre Wanderung machen. Da klappt uns echt die Kinnlade runter!

Als Etappenziel für heute, mit dem Vorsatz, weiter in den Süden zu kommen, haben wir uns den moorigen Store-Mosse-Nationalpark ausgeguckt. Was mich auf der Strecke überrascht, ist, dass so wenige Straßen autobahnähnlich ausgebaut sind und man trotzdem gut und entspannt mit Geschwindigkeiten zwischen 70-90km/h reisen kann. Als wir hinter Jönköpping Autobahn fahren, kommen mir die 100km/h vor wie Autorennen!

Im Gegensatz zu den gestrigen Morgenden hat sich Petrus was Neues einfallen lassen. Der Himmel ist gleichmäßig grau und rings um uns ist es trist. Ob das der Grund ist, dass im Laufe des Morgens fast alle unsere Womo-Nachbarn ebenfalls abfahren? Uns zumindest wird der Abschied von unserer Campingplatz-Entdeckung des Jahres dadurch sehr erleichtert. Nachdem das MoMo wieder von allen Abwässern befreit ist und wir (mit dem falschen Schlauch) neues Trinkwasser nachgefüllt haben, geht es endlich wieder auf Tour. Unsere mittlerweile routinierten Handgriffe sitzen zwar nach wie vor, aber es fühlt sich nach so einer langen Standzeit trotzdem komisch an, wieder Asphalt unter den Reifen zu haben.

Und weil die schwedischen Verkehrsexperten das auch so sehen, führt uns (entgegen des Rats unseres Navis) ein Schild Richtung Glaskogen auf eine unbefestige Holperstrecke. Das Navi protestiert zwar auf den nächsten 10km immer wieder und möchte uns liebend gerne wieder auf die gut ausgebaute Asphaltstraße führen, aber wir bleiben hart. Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, dem Navi eine künstliche Intelligenz zu verpassen, dass nach der dritten missachteten Anweisung sich der Tonfall langsam aber sicher ins ungemütliche bewegt? Wäre im echten Leben doch auch so!

Tatsächlich kommen wir auf der offiziellen Route, wenngleich auch mit dem einen oder anderen Schlagloch schneller ans Ziel als vorgesehen. Wir erreichen Lenungshammar, den zentralen “Ort” des Naturreservats und sind überrascht, dass sich an dieser Stelle dann doch so einige Autos knubbeln. Da am Infopunkt zunächst kein Parkplatz frei zu sein scheint, wenden wir und fahren brav zum 100m weiteren Extraparkplatz.  Wir finden dort auch einen Platz fürs MoMo, aber als wir das Hinweisschild lesen, dass dort in der letzten Zeit vermehrt Aufbrüche passiert seien, sind wir mit dem Platz auf einmal doch nicht mehr so einverstanden. Dann doch lieber da, wo die Leute sind! Und tatsächlich finde ich einen Platz direkt vor der Park-Info. Da wird wohl nix passieren.

In der Info erkundige ich mich nach eher kurzen 2-3-Stunden-Wanderungen, da für den frühen Naachmittag ergiebiger Regen angekündigt ist. Das freundliche Mädchen an der Info zeigt mir Möglichkeiten auf einer DIN-A5-großen Karte, die ich auch gerne für 30 Kronen kaufen könne. “Ist ja kein Geld” denke ich und zahle willig, bis mir dann im MoMo aufgeht, dass ich gerade ein (nicht mal besonders hilfreiches) Blatt Papier für 3€ gekauft habe. Meine schnelle Kopfumrechnung hatte 30ct ergeben…

Wir suchen uns auf der Karte den mittellangen Weg aus, der mit einem Teil am See entlang und einem Aussichtspunkt auf dem Rückweg sehr viel versprechend aussieht. Frohgemut machen wir uns mit der neuen Karte als einziger Referenz auf den Weg – Comviq zeigt mal wieder “Kein Netz” an. Dumm nur, dass der Weg auf dem ersten Teil so ungefähr gar nicht markiert ist. Da gehen wir dann eher nach Intuition und folgen der Forststraße, die von der Hauptstraße abgeht.

Und die Strecke hält von dem, was sie auf der Karte verspricht, leider gar nichts. Der Forstweg ist todlangweilig, aber wenigstens macht man ordentlich Strecke – er ist ja breit und zu sehen gibt es gar nichts, weil der Blick auf den See entweder völlig oder größtenteils von Bäumen verdeckt wird.

Und gegen Ende des Forstweges tauchen dann doch orange markierte Holzstecken auf, die wir mal als Wegweiser interpretieren. Womit wir auch Recht haben. Denn es geht endlich in die Natur neben der Straße. Aber entweder sind wir verwöhnt von dem, was wir bisher erlebt haben oder übersättigt: Der Funke will einfach nicht überspringen.

Bäume, Bäume, Bäume um uns herum. Neben uns Blåbären, Blåbären, Blåbären. Und auf dem Weg Wurzeln. Oder Steine. Oder Wurzeln. Oder moorige Stellen, die mit Planken überquert werden. Oder Steine. Bergauf. Bergab. Bergauf. Dann wieder Blåbären, Flechten, Blåbären, Flechten. Steine. Wurzeln. Und bei alldem: Keine Aussicht. Und da man nicht stolpern oder ausrutschen will, gilt: Blick nach unten. Was ist da? Richtig: Wurzeln. Oder Steine.

Das war sicherlich nicht die tollste Wanderung, die wir in diesem Urlaub gemacht haben. Und wir haben sogar noch Glück gehabt: Der angekündigte Regen setzt erst ein, als Annette im MoMo die Blåbären-Dickmilch angerührt hat. Also gucken wir uns den Tröpfelregen von drinnen an… Schade, vom Glaskogen hatten wir uns dann doch deutlich mehr versprochen.

Anschließend machen wir uns (verglichen mit den letzten Wochen) auf eine richtig lange Etappe: Es soll jetzt doch schon mehr in Richtung Süden gehen. Aber volle Pulle dann doch nicht, weil wir noch den Tiveden-Nationalpark besuchen wollen, der mit seiner Lage zwischen den großen Seen Vänern und Vättern eine gute Zwischenstation abgibt. Der angekündigte Regen hat eingesetzt und so fahren wir durch schier unendliche Waldstrecken, die aber bei dem Wetter eher trist wirken. Bitte jetzt nicht auch noch ein Elch, der auf die Straße läuft! Man rechnet in dieser einsamen Wildnis unwillkürlich damit, dass es demnächst doch passiert.

Aber wir kommen elchfrei an unserem Ziel an: Einem freien Stellplatz aus dem Schulz-Womo-Führer. Und obwohl auf den ganzen letzten Kilometern kein Auto unterwegs zu sein schien: Am kleinen Stellplatz für 2 Wohnmobile stehen schon 3 – natürlich alles Deutsche. Unverzagt fahren wir weiter, denn auf der Strecke (wieder mal unbefestigt) gibt es so viele kurz aufeinander folgende Ausweichstellen, dass wir nur mit geringfügig schlechten Gewissen eine davon zum MoMo-Stellplatz umfunktionieren. Und da in den folgenden Stunden kein einziges Auto an uns vorbeikommt, scheint das auch die richtige Entscheidung gewesen zu sein…

Heute wird die Nichtstuerei mit Seeblick wenigstens durch etwas Aktivität unterbrochen.

Den ursprünglichen Plan, heute mit einem Kanu über den Stora Bör zu paddeln, geben wir auf. Obwohl ich noch zuversichtlich bin, als ich sehe, dass es auch Kajaks zu mieten gibt, die wir ja vom Paddeln auf der Krutinna schon kennen. Aber die Lady an der Rezeption guckt mich erstaunt an und fragt, ob ich das bei dem Wind wirklich wolle. Sie fügt noch geschäftstüchtig hinzu: Naja, in Ufernähe könne man das sicher machen. Nach kurzem Kriegsrat verzichten wir dankend. Und sind im weiteren Tagesverlauf sehr froh darüber!

Am späten Mittag machen wir uns in die Blåbären auf. Wir pflücken aus dem unerschöpflichen Vorrat (“aber nur die Großen!”) soviel, dass es für einen Blåbär-Schoko-Kuchen reicht. Und für die Dickmilch auch noch, die wir mal wieder anstelle der Vollmilch gekauft haben…

Annette schmeisst den Omnia an und als Kuchen und Schokoguss abgekühlt sind, genießen wir ein luxuriöses Kaffetrinken mit Kuchen, Seeblick, Pulli und Decke.

Ja, heute müssen wir uns tatsächlich etwas wärmer anziehen, denn das sonnige, nahezu wolkenlose Wetter von gestern ist entgegen der Vorhersage des Handys vorbei. Es ist zwar weit von unfreundlich entfernt, aber 17° mit Wind ist ungemütlich. 17° mit Sonne dagegen ausgesprochen schön.

So wechseln wir also den Tag über immer brav zwischen T-Shirt und Pulli und Jacke mit T-Shirt und Jacke mit Pulli hin und her. Die schwedische Lady aus dem Womo nebenan ist da wesentlich entspannter. Sie legt sich mit dem Bikini auf die Decke…

Nachmittags müssen wir uns für eine wahre Herausforderung regelrecht motivieren, da das Rungammeln so verlockend ist. Wir wagen uns tatsächlich auf den unfassbare 3km langen Grinsby-Weg. Während wir am Anfang noch verächtlich über die avisierte Stunde für lächerliche 3km geschmunzelt haben, wird uns nach dem ersten Stück klar, dass es wohl stimmt. Denn der Weg ist wirklich sehr abenteuerlich zugewachsen. Und im ersten Teil auch wenig attraktiv, weil man eigentlich nur auf den Boden guckt, um nicht zu stolpern. Aber irgendwie auch egal, denn ein Blick rundum lässt einen auch nur auf kopfhohe junge Bäume blicken.

Immerhin gibt es am See schöne Ausblicke und wir entdecken sogar Vögel auf dem Wasser, die rufen können wie ein Hund, dem man auf den Schwanz getreten ist. Beeindruckend!

Auf dem Rückweg kommen wir wieder an den kleinen Herzhäuschen vorbei, die über den ganzen Campingplatz verteilt sind und wohl für das kleine (oder große) Geschäft zwischendurch gedacht sind. Eines davon ist irgendwie leicht unpassend mit Bildern der Kronprinzessin Victoria samt Mann und Baby dekoriert. Wir grübeln sehr darüber nach, was DAS wohl zu bedeuten hat…

Ansonsten stehen die Zeichen dann aber auf Abschied, da es morgen dann doch mal weiter gehen soll. Der Wetterbericht sagt nichts gutes für das Wochenende voraus, so dass wir sicherlich auch nicht all zu traurig sein werden, den Platz morgen zu verlassen. Was wir aber jetzt schon wissen: Bei einer erneuten Tour in die Gegend werden wir wieder hier Station machen!

Der heutige Tag ist mit akuter Faulenzeritis so ziemlich exakt beschrieben und weggebloggt…

Lediglich abends mache ich mich in der Hoffnung auf einen weiteren spektakulären Sonnenuntergang auf den Weg runter an den See. Aber: Da war nichts. Keine leuchtenden Farben am Himmel und auch die Ideen, die mir bei einer nachmittäglichen Hunderunde mit Annette und Mia in den Kopf gekommen waren, stellten sich in der konkreten Situation als nicht so ganz einfach machbar dar. Mit ein paar Bildern bin ich dann so mittelzufrieden und weil der Tag sonst kein Fotos hergab, heute also mal ein paar Bilder am Ende.

Heute gibt es in der Tat nicht viel zu berichten. Wir haben das Gefühl, angekommen zu sein. Die Lage des Platzes am See ist wirklich ideal, wir sitzen auf unserer “Aussichtsterrasse” und frühstücken zunächst im Sommeroutfit, wegen des böigen Windes später aber dann auch gerne mit Jacke, wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet. Was aber nichts daran ändert, dass wir gar keine große Lust auf Veränderung verspüren und einfach nur genießen wollen, dass wir an so einem schönen Ort sind.

Außerdem kann man so mal ein bisschen die bisherigen Erlebnisse sacken lassen. Und während ich mich ein bisschen in Instagram einfinde (ja, ich weiß, dass das spät ist), gehe ich noch einmal die Bilder der letzten Wochen durch und sofort kommen Erinnerungen an all die anderen tollen Orte hoch. Ein echter Urlaub zum Genießen!

Und das mit dem Genießen nehmen wir dann einfach mal richtig ernst. Das eigentlich geplante Kanufahren wird auf die kommenden Tage verschoben, weil wir einfach mal nur hier sein wollen.

Das höchste der Gefühle ist da schon ein kleiner Spaziergang mit dem Hund und selbst den unterbrechen wir nach ein paar Metern, weil Annette in einem riesigen Blaubeerfeld die Zutaten für den heutigen Nachtisch organisiert.

Und zu dem unverschämt faulen Rumsitzen passt dann das abendliche Grillen wie Pott auf Deckel. Würstchen und Datteln im Speckmantel. Couscoussalat. Bierchen.

Und noch ein kleiner Nachtrag, weil der Sonnenuntergang eben so prächtig war: