Echt voll hier. Aber bei dem nieseligen Regenwetter mit Wind ist der Badestrand auch für die meisten Schweden keine Option, so dass wir niemandem den Parkplatz wegnehmen. Entsprechend gemütlich starten wir in den Tag. Erst mal gucken, was das Wetter macht. Und das wird gegen Mittag dann sogar eher freundlich. Wir brechen auf.

Heute möchten wir mittags noch mal lecker essen gehen. Denn eines müssen wir sagen: Ja, es ist etwas teurer als in Deutschland. Mit alkoholischen Getränken sogar sehr viel teurer. Aber von der Qualität der Speisen sind wir absolut begeistert. Alles frisch, gut zubereitet und wohlschmeckend. Hier kann man wirklich problemlos gut essen. Oder wir haben bisher eine außerordentlich hohe Trefferquote.

Heute fahren wir in den Hafen von Höganäs, da dort das Hafenrestaurant Bryggan gut sein soll. Da es aber erst um 12 Uhr öffnet, bummeln wir noch etwas durch den Hafen und entdecken eine gute Idee, hässliche Betonhafenmauern schöner zu machen: selbst gestaltete Kacheln, offensichtlich von Kindern und Jugendlichen gestaltet und im Laufe der Jahre immer weiter angewachsen. Die ältesten sind von 1992 und sehen dafür noch erstaunlich frisch aus.

Interessant, zu sehen, welche Motive absolute Evergröls sind: Pferde, Sonne, Jesus gehen immer. Aber auch Sex, Drugs und Rock’n’Roll oder ein beherztes „Fuck cancer“ lassen sich finden. Ist irgendwie eine schöne Variante der allgegenwärtigen Liebesschlösser an jeglichem Brückengeländer in einer Großstadt.

Im Bryggan sind wir die einzigen Gäste und es werden im Verlauf unseres Aufenthaltes auch nicht viel mehr. Woran das liegt ist uns etwas schleierhaft. Denn auch an unserem letzten Tag in Schweden kriegen wir noch mal richtig gutes Essen vom freundlichen Service serviert.

Praktischerweise gibt es von meinen Lieblingsgerichten Fischsuppe und Muscheln jeweils eine halbe Portion im Angebot. Und zwei Halbe machen ja ein Ganzes. Bestellt!

Wobei: Diese halben Portionen würden in den meisten anderen Restaurants auch als große Portion durchgehen. Zumindest würde niemand ernsthaft sagen „Das ist aber wenig!“

Für mich ist es ein Fest, denn beide Mahlzeiten sind Volltreffer – und auch Annettes Gericht hält, was versprochen wurde: „reichlich Krabben“. Die sind nämlich so reichlich, dass das Brot darunter komplett verschwunden ist. Und so frisch, dass man sich vor Genuss reinlegen möchte, sind sie auch noch. Fein, fein, fein!

Aber dank der üppigen Portion Mayonnaise auch so magenfüllend, dass Annette sich erst mal ein Schnäpschen genehmigen muss. Prost!

Und auch unser nächstes Ziel hat mit Essen zu tun. Denn um die Ecke gibt es noch das Maison Francaise. Von einer Schwedin und einem Franzosen betrieben soll es dort echt französische Küche und, für Annette ein Muss, Tarte Citron geben. Und die wollen wir uns für das spätere Kaffeetrinken als Goodie kaufen.

Wir steuern das Restaurant an und stellen zu unserer Freude fest, dass das Haus wohl gut besucht ist – scheint also was Gutes zu sein. Nur leider ist es so gut besucht, dass aller Süßkram für Restaurantgäste reserviert ist und nichts einfach so außer Haus verkauft wird. Anders, als es online angekündigt wurde. Und so ziehen wir, mit dem verlockenden Küchlein schon vor Augen, mit leeren Händen davon.

Der restliche Tag ist dann relativ schnell abgehandelt: Fahren, einkaufen von schwedischen Grundnahrungsmitteln für Zuhause, fahren, Regenschauer, entsorgen, Stellplatz in Malmö mit Sicht auf die Brücke erkunden, für unattraktiv befinden, fahren, noch mehr Regen, Stellplatz auf der Falsterbo-Halbinsel erkunden, für noch unattraktiver halten, weiterfahren.

Wir beschließen, den Tag einfach auf dem uns schon bekannten Stellplatz in Kämpinge zu beschließen. Kennen wir, ist ordentlich und wenn es abends doch noch mal etwas trockener wird, könnten wir sogar an den Strand.

Ich finde sogar die Ecke wieder, wo wir beim letzten Mal gestanden haben und bin erstaunt, dass lediglich ein anderes Womo mit uns auf diesem Riesenplatz steht. Das war doch letzte Nacht deutlich anders!

Nachdem Annette den Kaffee gekocht hat, pilgere ich mal zum flammneuen Parkautomaten, um noch für die Zeit bis 20 Uhr (Afgivt 8-20) zu bezahlen. Und mich trifft echt der Schlag: Es gibt den freundlichen Hinweis, dass man doch bitte mit der Park-App bezahlen solle und dass Womos für diesen Platz 250 Kronen/Tag bezahlen sollen. 25€ für einen Platz ohne alles? Wer hat sich das denn überlegt…?

Also fahren wir auch hier weiter. Reichlich genervt finden wir auf dem Weg nach Trelleborg dann einen Stellplatz direkt an der „Haupt“straße, der „nur“ 100 Kronen kosten soll. Naja, bevor wir heute noch länger durch den Regen kurven: Nehmen wir. Immerhin direkt am Meer. Gut genug für einen letzten Abend in Schweden, das uns den Abschied diesmal sehr leicht macht.

Welch ein schöner Stellplatz. Auch beim zweiten Mal sind wir wieder sehr happy mit diesem Platz in unmittelbarer Nähe zum Meer, an dem man auch mal Tisch und Stühle rausholen kann, ohne sich dabei komisch vorzukommen. Und so schmieden wir beim Frühstück in aller Ruhe den Plan, einfach mal die Region zu erkunden. Denn die Kullaberg-Halbinsel westlich von Ängelholm, die wir gestern bereits beim Sonnenuntergang gesehen haben, hat wohl so einiges zu bieten.

Ein sehr spezieller Ort ist die Mikronation Ladonien des Künstlers Lars Vilks. Der hat, mitten im Naturschutzgebiet, das Kunstwerk Nimis aus Treibholz geschaffen. Abenteuerlich sind die Bretter miteinander vernagelt und stellen somit einen Abenteuerspielplatz Deluxe dar. Aber auch sonst lohnt es sich, den verlinkten Wikipediaeintrag mal zu lesen. Irrer Typ! Und für uns steht fest: Das gucken wir uns mal an.

Wir fahren also durch das sommerliche Südschweden und fühlen uns auf einmal landschaftlich nach Dänemark versetzt. Alles so schön schnuckelig hier!

Da wir schon gelesen haben, dass der Weg unwegsam sein soll, darf Mias ein Mittagspäuschen einlegen und wir machen uns auf den Weg. Und die erste Assoziation die wir auf dem Waldweg zum Gehöft Himmeltorpsgården haben: Das sieht ja auf einmal aus wie Zuhause! Keine Kiefern, keine Birken, sondern ein Buchenwald mit breiten Wegen. Genau wie im Bergischen!

Nimis-002.jpg

Am Gehöft selber stehen ein paar Pferde, vielleicht zum Ponyreiten für die Kinder. Auch einen Stand mit Eis und Getränken gibt es.

Nimis-003.jpg

Aber alle zieht es weiter, dem gelben N folgend nach Nimis. Da es ständig Streit zwischen dem Künstler und der Verwaltung gibt, ist dieses gelbe N übrigens der einzige Hinweis auf diese Attraktion. Keine Schilder, kein Vermerk auf der Wanderkarte.

Aber alle gehen dorthin. Alle! Es ist ein ständiges Kommen und Gehen und unterwegs sind vom kleinen Kind bis zum Rentner am Stock wirklich alle Altersklassen vertreten.

Und das, obwohl es steil bergab geht. Unter uns sehen wir zur Rechten zweitweise das Meer und dass das hier eine Steilküste ist, erfahren wir am eigenen Leibe.

Nimis-061.jpg

Als wir dann schließlich unten ankommen, ist es wirklich das gleiche Gefühl wie auf einem Abenteuerspielplatz: Das ganze Gebilde ist mit unzähligen Brettern und noch mehr Nägeln zusammengekloppt und ist chaotisch schön.

Nimis-060-Bearbeitet.jpg

Nimis-005-Bearbeitet.jpg

Das Erstaunliche: Es ist wirklich stabil! Beim Durchklettern der eher engen Gänge und Röhren hat man nie das Gefühl, dass es gleich zusammenkracht. Und das, obwohl alles danach aussieht!

Nimis-035.jpg

Nimis-007.jpg

Annette guckt zu Beginn etwas sparsam, denn das Gebilde sieht wahrlich nicht danach aus, als sollte man es mit einem Hund erkunden. Zu groß wäre die Gefahr, dass Elli da mit einem Bein abrutscht und sich irgendwo einklemmt oder an einem Nagel verletzt. Denn diese sind mehr als einmal so durchs Holz getrieben, dass am anderen Ende noch die Spitze rausguckt.

Nimis-031-Bearbeitet.jpgNimis-028-Bearbeitet.jpg

Ständig hört man begeistertes Kreischen der Kinder, die sich daran versuchen, die Türme hinaufzukraxeln. Also, von innen. Und so urig das ganze ist: Es scheint nicht wirklich etwas zu passieren, auch wenn so manche Mama da mit zusammengepressten Lippen besorgt nach oben schaut.

Nimis-010-Bearbeitet.jpgNimis-041-Bearbeitet.jpgNimis-019-Bearbeitet.jpgNimis-034.jpgNimis-008-Bearbeitet.jpgNimis-012-Bearbeitet.jpgNimis-011-Bearbeitet.jpgNimis-033-Bearbeitet.jpgNimis-038.jpg

Neben Nimis gibt es unten zwischen den Steinen noch das andere Kunstwerk des Künstlers, Arx. Hier ist nicht mit Holz, sondern mit Steinen gearbeitet worden. Wenn man so will, eine gigantische Tröpfelburg. Steine, Lehm, wieder Steine. Vielleicht nicht ganz so toll wie Nimis, aber immer noch skurril sehenswert.

Nimis-055-Bearbeitet.jpgNimis-057-Bearbeitet.jpgNimis-051-Bearbeitet.jpgNimis-047-Bearbeitet.jpgNimis-050-Bearbeitet.jpgNimis-043-Bearbeitet.jpg

Nachdem wir uns die Steilküste schweißtreibend wieder hinauf gearbeitet haben, geht es noch ein Stückchen weiter entlang der Küste. Von dort oben hat man einen tollen Blick auf die Meerenge und kann tatsächlich am Horizont Dänemark sehen.

Nimis-062-Bearbeitet.jpg

Auf unserem Rückweg wird es dann noch ein bisschen abenteuerlich. Der auf der offiziellen Karte angegebene Weg existiert nämlich nicht (mehr). Wir folgen aber trotzdem den schemenhaft zu erkennenden Wegresten Richtung Süden, um ein Stück des Weges abzukürzen. Und stehen plötzlich vor einem Zaun.

Aber auch der ist morsch und an einer Stelle schon umgefallen, so dass wir drüber klettern können. Dumm nur, dass kurz vor dem „richtigen“ Weg, den wir nach Gekraxel durchs Dickicht sogar schon sehen können, ein zweiter Zaun kommt, den wir dann nicht mehr umgehen können: Alles retour!

Als wir dann dem etwas weiter führenden Weg folgen, gibt es auch eine Lösung für das Zaunproblem. Es gibt nämlich Türen – und eine davon wäre ungefähr 100m von der Stelle gewesen, an der wir gescheitert sind….

Für unser Ladonien-Abenteuer wollen wir uns jetzt belohnen. Auf nach Mölle, dem Ort an der Spitze der Halbinsel! In dem netten kleinen Ort finden wir die Krukmakeri, die Töpferei mit Café-Restaurant.

Was ein netter Fund! Denn nicht nur ist das hier mit dem Apfelbaum-Biergarten und dem urigen Interieur sehr gemütlich, sondern auch das Essen mit der Antipasti-Platte und dem Schokokuchen ist wirklich gut. Und als kleines Extra-Special gönnt Annette sich das Rosmarin-Eis – hört sich schräg an, wird aber nach dem Kosten für gut befunden! Ein echter Wohlfühlort. Und falls ihr einmal da seid, fragt nach der Visitenkarte – die ist nämlich getöpfert…

Die ganze Zeit schon hatte sich da was Schwarzes am Himmel zusammengebraut und als wir zurück zum MoMo gehen, fallen die ersten dicken Tropfen. Zeit, sich einen Stellplatz zum suchen!

Den finden wir dann am Strand von Höganäs. Und können uns ganz tolles Himmelskino aus dem warmen gemütlichen MoMo heraus angucken.

Und wundern uns am Ende des Tages, dass der Parkplatz mit Womos richtig gut gefüllt ist – selbst im Stockdunklen kommen noch welche an, die auch den letzten Platz besetzen…

Nimis-064-Bearbeitet.jpg

Irre! Nachdem wir gestern einen Sommertag aus dem Bilderbuch hatten, sieht es heute ganz anders aus. Die Nacht über hat es geschüttet und in den Morgenstunden setzte dann der Sturm ein. Ja, Sturm, nicht nur ein heftiger Wind!

Auf dem Wasser tanzen die Schaumkrönchen und kleinere Dinge (unter anderem ein Boje!) fliegen durch die Luft. Das Kuriose dabei: Es ist gar nicht so kalt, wie man es bei dieser Windstärke erwarten würde. Und sonnig ist es größtenteils auch noch. Sommersturm!

Der Oberkracher ist aber, der Fähre beim Anlegen zuzugucken. Sie kommt in einem ganz anderen Bogen als sonst angefahren, fährt vermeintlich viel zu schnell und viel zu weit, nur um dann doch genau an der richtigen Stelle zu Drehen und sich Meter um Meter zum Anleger vorzukämpfen. Großes Können! Und die einheimischen Schweden meinten, dass sei noch gar nicht mal so ein heftiger Sturm. Die Fähre würde noch bei ganz anderen Wetterwidrigkeiten verkehren. Crazy!

Sommersturm-003.jpg

Wir beschließen, erst mal vor Ort zu bleiben und nicht bei diesen Verhältnissen auch noch mit dem MoMo durch die Schären zu schippern. Aber unseren Stellplatz verlegen wir dann doch in eine windgeschütztere Ecke, nachdem wir eine Böe in voller Breitseite abbekommen haben. Wie das wackelt!

Gegen Mittag beruhigt sich das Ganze dann etwas und wir beschließen, die nächste Fähre um 12 Uhr zu nehmen. Denn den Fahrplan kennen wir mittlerweile ganz gut – immer grob zur vollen Stunde ist die Fähre da. Also reihen wir uns schon mal in die Schlange ein. Wir sind die Ersten und Einzigen…

Als um 12 Uhr aber weit und breit keine Fähre in Sicht ist, gucke ich mal am Fahrplanaushang nach. Hm, da ist wohl Mittagspause. Die nächste kommt in einer Stunde…

Umso überraschter sind wir dann, als eine Fähre nach einer halben Stunde auftaucht. Fahrplan falsch verstanden? Aber nein, als ich schon fast aufgefahren bin, ruft der Kapitän hinüber „Rörö?“ Und ich verstehe: Das ist die Fähre die nach Rörö fährt und gleich auf dem Rückweg wieder hier vorbeikommt. Also doch noch eine halbe Stunde warten.

Sommersturm-019.jpg

Als die „Ulrika“ endlich ankommt, verlässt ein LKW die Fähre und die Fahrerin gibt mir zu verstehen, dass ich nicht auffahren könne, weil ein Notfallkrankentransport stattfinde. Argh! Aber plötzlich öffnet sich doch die Schranke und der Kapitän winkt uns 3 Autos doch noch an Bord. Glück gehabt!

Die Überfahrt im geschützten Schärengürtel ist dann eher pittoresk und gar nicht so schlimm wie befürchtet.

Sommersturm-022-Bearbeitet.jpgSommersturm-023-Bearbeitet.jpgSommersturm-025-Bearbeitet.jpgSommersturm-027-Bearbeitet.jpg

Zumindest so lange, bis wir aus dem Windschatten von Hyppeln herausfahren und in ein Wellental fallen. Platsch! Eine volle Breitseite für das MoMo. Und eine kleine für Annette und Elli, denn das Fenster war noch einen Spalt breit offen…

Auf Hälso erledigen wir die Entsorgung von Grauwasser und Toilette und kriegen eine kleine Horrorstory von anderen Wohnmobilisten erzählt. Sie hätten auf dem Platz gestanden und sich nett unterhalten, als auf einmal das komplette Dach der Holzhütte nebenan vom Sturm mitgenommen wurde.

Angeblich einen Meter neben dem sichtlich geschockten Kollegen sei dies passiert. Das wäre nicht gut ausgegangen, wenn er im Weg gestanden hätte!

Ich hatte ja noch ein bisschen damit geliebäugelt, eventuell auf Hälso zu bleiben, aber wir wollen unser Glück jetzt auch nicht überstrapazieren. Also geht es weiter: Fähre zurück zum Festland.

Nachdem wir den für mich nach 4 Wochen ungewohnten starken Verkehr rund um Göteborg hinter uns gelassen haben, können wir das übliche Schweden-Autobahn-Procedere beginnen: Tempomat einstellen, laufen lassen. Es wird immer freundlicher, aber auch hier gibt es immer mal wieder heftige Böen, die uns durchschütteln. Gut, dass nichts passiert!

Unser Ziel für heute ist Ängelholm. Der Ort, an dem wir unsere erste Schwedenübernachtung in diesem Jahr hatten. Diesmal wollen wir aber nicht an den Strand, sondern ein bisschen Stadtleben schnuppern. Und was wir dort sehen, gefällt uns.

Entspannter Verkehr, nettes Stadtbild. Eine gute Mischung aus angenehm modern und trotzdem viel Natur. Hier kann man es aushalten!

In der Storgatan haben wir das Torstens entdeckt. Und anscheinend haben wir unseren Besuch perfekt getimet, denn kurz nachdem wir sitzen, sind alle Tische belegt und als wir später gehen, gibt es sogar eine Schlange von Leuten, die auf Tische warten. Der Laden läuft!

Und wie wir finden, zurecht. Denn es ist alles lecker, was wir probieren. Hauptspeise wie Nachspeise.

Und ich stelle fest, dass mir der kuriose Ablauf eines schwedischen Restaurantbesuchs irgendwie gefällt. Das Ganze geht nämlich so: Man sucht sich auf einer Speisekarte etwas zu essen und zu trinken aus. So weit, so normal. Dann wird’s aber speziell. Man geht nämlich zum Tresen, wo die Kasse steht und gibt seine Bestellung auf. Gerne auch schon mit sofortiger Bezahlung. Man bekommt dann Besteck und Getränke ausgehändigt und bringt das selber zum Tisch. Die Speisen werden dann aber serviert, schmutziges Geschirr wird abgeräumt. Und wenn man fertig ist, ist man fertig. Kein „wie viel ist das jetzt wohl zusammen?“, kein „welches Trinkgeld will/muss ich geben“. Wie gesagt: Komisch, aber irgendwie total entspannt.

Wir bummeln nachher noch etwas durch die Stadt und stellen fest, dass es eine Art Street-Food-Festival auf dem Marktplatz gibt. Auch einen deutschen Stand gibt es und was ist neben der unvermeidlichen Bratwurst noch als typisch deutsch im Angebot: Currywurst und Nackensteak. Nicht sehr originell…

Da der citynahe Stellplatz schon voll war, als wir kamen, hatten wir erst mal daneben am Straßenrand geparkt. Nicht schlecht, aber auch nicht toll. Wir wollen aber toll! Also fahren wir noch mal 5km und landen wieder da, wo alles vor 4 Wochen begonnen hat: In Sibirien!

Und da wir uns gut auskennen und der Platz deutlich weniger besucht ist als noch vor 4 Wochen, haben wir schnell einen Platz gefunden und sind schnellstens auf dem Weg zum Meer. Die Sonne wartet nicht!

Und heute gibt es dann auch den klassischen Sonnenuntergang, der im Meer versinkt. Mit Möwe. Uns gefällts!

Nach dem gestern doch etwas bescheidenen Wetter erwartet uns nach dem Aufstehen absolutes Prachtwetter. Blauer Himmel, kleine Schäfchenwölkchen, warm.

Und so starten wir mit einem Hafenfrühstück in den Tag und überlegen kurz, dass wir doch eigentlich noch ein bisschen bleiben können. Annette hatte schließlich gestern auf unserer Inselrunde noch einen regelrechten Badestrand entdeckt. Wir packen also die Badesachen und machen uns in Richtung Strand auf.

Was uns erst kurz vor der Ankunft einfällt: Da war doch was mit Hunden! Ach ja, richtig – Hunde dürfen sowieso nur angeleint sein, aber an Stränden sind sie (so interpretieren wir den Aushang) kategorisch verboten. Also muss ein Plan B her und der sieht dann so aus: Im Gras kann man die Picknickdecke genau so gut auslegen. Und ins Wasser geht es von dort ebenso gut. Können wir mit leben.

Also genießen wir die Aussicht auf den Strand und die Nachbarinsel Rörö und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.

Und weil es so schön ist, verwerfen wir unseren Plan, am Nachmittag eine Insel weiter zu fahren, sondern sparen uns Rörö für den nächsten Inselbesuch auf – denn der kommt garantiert! So eine Insel hat einfach eine unglaublich entspannende Wirkung auf einen. Und Hyppeln gleich dreimal, denn außer dem ICA und einem Restaurant gibt es hier wirklich nichts, was einen großartig aufregen könnte.

Apropos Restaurant: Kaum haben wir unsere Entscheidung getroffen, sieht Annette, dass das Restaurant (mit der angeblich so tollen Fischsuppe) heute geöffnet hat! Aber es ist doch noch gar kein Wochenende? Ich spreche die nette Besitzerin an, die gerade noch alles vorbereitet. Ja, sie hätte das eigentlich nicht geplant und sie hätte auch kein Personal für den Service, aber das Wetter sei doch so schön und sie würde es halt mal probieren. Großartig! Und ja, ihre Fischsuppe sei „the best“. Jam!

Frohgemut lösen wir das Stellplatzticket für eine weitere Nacht und kaufen im süßen, kleinen ICA wichtige Grundnahrungsmittel ein: Eis, Gurke und Teilchen.

Und mein Salmiakki-Eis ist dann wirklich ein Highlight – wer gerne Lakritz isst sollte das unbedingt mal probieren. Fast so gut wie das Lakritzeis von Conti in Wuppertal!

Den restlichen Tag verbringen wir dann auf unserem Logenplatz im Hafen und gucken zu, wie ein Boot nach dem anderen den Anlegeplatz gegenüber verlässt – für morgen gibt es nämlich eine Sturmwarnung für das Gebiet…

Hyppeln2-001.jpg

Annette merkt an, dass das Restaurant auf einmal wieder so verschlossen aussehe. Oh nein! Ich forsche nach und kriege die Antwort, dass die Chefin wohl plötzlich heftiges Nasenbluten bekommen habe und daraufhin ihren Plan wieder gecancelt habe. Fischsuppe adé…

Aber immerhin gibt es erstklassigen Ersatz. Annette zaubert leckere Pasta mit Tomaten-Gorgonzola-Sauce, was den schlimmsten Schmerz bei mir lindert. Auch wieder ein Grund, noch mal wieder zu kommen!

Abends drehen wir noch mal unsere Inselrunde. Und wie das dann so ist: Gestern nichts erwartet und dann doch schöne Fotos gemacht. Heute, nach dem tollen Sonnentag freue ich mich auf den Sonnenuntergang, welcher dann mangels Sonne ziemlich bescheiden ausfällt.

Dafür kann ich mich aber noch mal an dem tollen gespaltenen Fels abarbeiten. Auch was!

Hyppeln2-012-HDR-Bearbeitet.jpgHyppeln2-009-Bearbeitet.jpg

Was wir gerade feststellen: Der Wetterbericht läuft Amok. Wenn er gutes Wetter vorhersagt, wird es schlecht. Sagt er Regen vorher, wird es eigentlich ganz schön. Ich kann so nicht arbeiten!

Für heute war ein schöner Tag in Hamburgsund vorhergesagt und unser Plan war es, zumindest die Insel Hamburgö gegenüber mit der Pendelfähre mal eben zu checken oder sogar für den Tag dort zu bleiben. In der Realität wachen wir morgens auf, gucken aus dem Fenster und haben feinste Gewitterstimmung vor uns. Düsterer Himmel und schwül.

Also ändern wir den Plan, erledigen unsere Einkäufe bei ICA, Bäckerei und Fischgeschäft und brechen auf Richtung Süden, weil es dort freundlicher sein soll. Wir wollen noch einmal auf die Inselchen westlich von Göteborg mit den putzigen Namen: Fötö, Rörö, Björkö etc.pp.

Aber auf dem Weg nach Süden passiert alles, nur eines nicht: Dass das Wetter besser wird. Im Gegenteil. Es wird stürmisch und es fängt an zu regnen. Bei 26°. Drückend schwül. Unangenehm.

Da wir mal wieder tanken müssen, fahren wir in Kungälv, kurz vor Göteborg ab. Und kommen in eine Mega-Baustelle und der Spritpreis erscheint uns mit 15.60 Kronen unverschämt hoch. Das muss doch noch besser gehen. Also fahren wir auf der Suche nach einer Tankstelle über die Dörfer weiter in Richtung Inseln. Verfahren uns mal kurz, tanken für 15,30 Kronen (wow, 3ct billiger…) und landen an einer Fähre, wo eigentlich (laut Straßenkarte) eine Straße sein sollte.

Gut, dass die gelben Fähren in Schweden immer kostenlos sind. Schlecht, dass sie so komische Geräusche beim Losfahren macht. Erst als ein paar PKWs von rechts nach links umgeparkt werden, kann die Seilzugfähre losfahren. Hier kann man was erleben!

Beim Maxi-ICA kurz vor der Fähre auf die Inseln stellen wir fest, dass unsere Biervorräte zu Ende sind – schnell noch mal zum Systembolaget abbiegen und Vorräte für die letzten Tage auffüllen. Und wenn die Preise nur noch doppelt so teuer wie in Deutschland und nicht mehr viermal so teuer (wie in Norwegen) sind, kommt man fast in einen Kaufrausch. Wir können uns da aber trotzdem noch beherrschen…

Als wir dann endlich am Fähranleger ankommen, ist aber sofort Inselstimmung angesagt.

Entspannt und voller Vorfreude fahren wir als erste auf die Fähre auf und machen dann an Bord erst mal Pause mit Kanelbullar und Aussicht. Cool, so eine Kaffeepause während der Überfahrt!

Als wir auf Hönö ankommen, steigen die Erinnerungen von vor 3 Jahren wieder hoch. „Genau, jetzt kommt der Hafen.“ „War das wirklich so lang bis Hälsö?“

Beim Anleger in Burö gibt es dann verschiedenste Wartespuren, denn alle Inseln sind wie ein Spinnennetz via Fähre miteinander verbunden. Wir reihen uns in Reihe 3 ein, damit wir nach Hyppeln kommen. Denn dort, so habe ich gelesen, soll es die beste Fischsuppe der Welt geben. Na, wenn das mal stimmt…

Wir sind zunächst ein bisschen skeptisch, ob wir richtig stehen, denn in allen anderen Schlangen stehen bedeutend mehr Fahrzeuge. Und der Schlagbaum steht auf halb Acht, obwohl die Fähre doch schon da ist. Was hat das wohl zu bedeuten?

Am Ende klappt alles wunderbar und wir laufen im Hyppelner Hafen ein. Huh, ist das klein hier! Und ziemlich verlassen. Aber im Hafen dümpeln fröhlich die Segelboote und es herrscht eine wunderbar entspannt Inselstimmung. Hier wollen wir bleiben.

Nach einem ersten Erkundungsgang stellen wir folgendes fest: Unser MoMo parken wir lieber noch mal um, damit wir auf Asphalt (und etwas ebener) stehen und eine bessere Aussicht haben.

Und leider auch: Das Restaurant „Store Oset“ mit der leckeren Fischsuppe hat nur noch an den Wochenenden auf. Tja, Anfang August ist halt die Saison an vielen Orten in Schweden vorbei…

Und wir stellen fest, dass der Wetterbericht immer noch eine Zufallsgeschichte ist. Statt strahlendem Sonnenschein ist es bewölkt und als wir uns grade rausgesetzt haben, fängt es sogar an zu tröpfeln. Nichts ist es mit dem schönen Inselwetter!

Aber wir richten uns gemütlich ein, und machen uns ein frühes Abendessen mit den leckeren Einkäufen aus dem Fischgeschäft in Hamburgsund (was wir hiermit ausdrücklich empfehlen!). Und auch mit dem neugekauften Dosenbier von der Hinfahrt. Mit dem kleinen Nachteil, dass sich in einer Dose auf einmal ein Loch befindet und wir im MoMo eine kleinere Rettungs- und Putzaktion durchführen müssen.

Als das Regengebiet durch ist, können wir uns noch auf unsere Inselumrundung machen. Und das ist keine Übertreibung: Die Insel ist wirklich so klein!

Hyppeln-002-Bearbeitet.jpgHyppeln-005-Bearbeitet.jpgHyppeln-007-Bearbeitet.jpg

Eine Zeitlang hoffen wir noch auf das ganz große Himmelskino, aber die Show endet dann vorzeitig, weil sich am Horizont eine fette Wolkenbank angesammelt hat. Aber so war es schließlich auch besonders…

Hyppeln-004-Bearbeitet.jpgHyppeln-015-Bearbeitet.jpgHyppeln-018-Bearbeitet.jpgHyppeln-025-Bearbeitet.jpg

Am nördlichen Ende können wir schon mal zu unserem morgigen Ziel Rörö rüberwinken und stellen uns die Frage ob entweder der Erfinder dieser Inselnamen sturzbesoffen war oder ob er einfach seinem Säugling zugehört hat und die ersten Worte, die das Kind spricht als Inselnamen gewählt hat.

Wie erwartet verbringen wir in Grimsøy eine ruhige Nacht. Die anderen drei Womos, die hier stehen, sind Deutsche. Scheint ein Übernachtungsplatz zu sein, der sich nur in Deutschland rumgesprochen hat…

Nach unserem Frühstück (endlich mal wieder im Freien, endlich mal wieder am Meer!) tauschen wir noch ein bisschen Erfahrungen mit den erfahrenen Schwedenfahrern Torsten und Cordula aus, die gerade erst am Anfang ihrer Reise sind. Ein paar tolle Tipps für unsere nächste Schwedenreise sind notiert!

So kommen wir erst Mittags los und sind nach ein paar Kilometern dann auch nicht nur gefühlt, sondern auch in echt in Schweden. Danke Norwegen, es war uns ein Vergnügen!

In Schweden wollen wir ein bisschen in Erinnerungen schwelgen und steuern auf Fjällbacka zu. Aber in Grebbestad bleiben wir im Sportshopen hängen. Stellt euch einfach ein Sportgeschäft nach dem IKEA-Prinzip vor. Also riesig, mit Kinderparadies und Fressangeboten im Eingangsbereich. Und eine feine Entsorgungsstation für Wohnmobile haben sie auch noch im Angebot.

Nach den eher zweckmäßigen Ortskernen in Norwegen (zumindest dort, wo wir waren) gefällt uns das rege Treiben in Grebbestad mit den weißen Häuschen und einladenden Geschäften am Hafen schon deutlich besser. Aber Parken mit dem Womo ist eher schwierig, so dass wir diesmal durchfahren und uns den Besuch für später aufheben.

Kurz vor Fjällbacka fällt mir wieder das schöne Naturreservat Veddö ein, wo wir letztes Mal so eine tolle Rundwanderung gemacht haben. Also biegen wir kurzentschlossen ab und machen ein kleines Picknick auf den Schärenfelsen und genießen es, am Meer zu sein. Für die Rundwanderung reicht unsere Motivation heute nicht so ganz…

In Fjällbacka parken wir auf einem der eher teuren, dafür aber leeren Bezahlparkplätze. Wir wollen ja nur noch mal gucken und uns in der „Fiskaffär“ leckere Fischbuletten und Lax-Nuggets fürs Abendessen kaufen. Aber, oh weh, die Lax-Nuggets gibt es nur am Wochenende!

Wir planen also um.

Und unser Plan B ist jetzt nicht der allerschlechteste: Direkt am Ingrid-Bergmans-Torg, dem zentralen Platz am Hafen, gibt es das Café Skafferiet, wo auf der Terrasse schon ein Zweiertisch auf uns wartet. Also gibt es Fischsuppe für mich (lecker!) und gut belegtes Krabbenbrot für Annette.

Und ganz nebenbei kann man da auch ganz gut Leute gucken. Von sehr chic bis sehr geschmacklos bis Hipster kann man da alles bewundern. Nebenbei kriegen wir noch ein paar Liegefahrräder, einen schicken Oldtimer und die Band von Ebbot Lundberg zu sehen, die gerade etwas planlos ins Hotel einchecken. Sehr unterhaltsam.

Nachdem wir unsere Eindrücke von Fjällbacka aufgefrischt haben, fahren wir zum großen Parkplatz etwas außerhalb, wo wir auch letztes Mal gestanden haben. Aber auch diesmal ist dieser Platz eher zweckmäßig als schön. Ich checke also nochmal, ob es nicht etwas besseres geben könnte und sehe, dass in Hamburgsund durchaus die Möglichkeit besteht, auch frei zu stehen. Da es nur 9km sind, fahren wir einfach mal rüber. Der Platz am Hafen ist auf 12 Stunden beschränkt und auch etwas sehr schmal, aber der Platz neben dem Fußballplatz ist (bis auf eine leichte Schräge) ziemlich prima. Nehmen wir!

Und bei unserem Abendspaziergang durch das nette Örtchen stoßen wir im Hafen auch noch auf die Pendelfähre, die die vielleicht 100m hinüber auf die Insel Hamburgö überbrückt.

Und direkt daneben das einladende Harbour House, in dem Annette einen perfekten Platz mit 2 Liegesesseln für uns entdeckt, so dass wir mit 2 Bierchen auch hier dem Treiben zugucken können. Herrlich relaxed!

Welch ein schöner Stellplatz für eine erste Nacht in Schweden. Entspannte Leute, ruhige Atmosphäre, Ankommen. Genau so, wie wir es lieben.

Bereits früh am Morgen ist es T-Shirt-warm und wir können sofort mit einem Draußen-Frühstück beginnen.

Lange aufhalten wollen wir uns aber trotzdem nicht, da diesmal der Norden ruft: Wir wollen Strecke machen und am Ende des Tages an unserem Lieblingscampingplatz in Grinsby sein.

Trotzdem brauchen wir ganz gemütlich bis 10 Uhr bis wir dann Richtung Göteborg weiterfahren.

Abgesehen von einem mal wieder aus unerklärlichen Gründen aufploppenden Alkoven-Heki und dem obligatorischen Stau in Göteborg ist die Strecke unspektakulär, auch wenn es nördlich von Kungsbacka dann immer mehr nach dem klassischen Schweden und weniger nach der Kornkammer Skane aussieht.

Unser Zwischenziel ist Trollhättan, da Annette gestern bei der Routenplanung die leckeren Zimtschnecken eingefallen sind, die es im Strandgatan, direkt am Kanal, gibt.

Der Parkplatz am Folkets Park in der Nähe der Hebebrücke, an den wir uns noch vom letzten Besuch erinnern, ist kostenpflichtig, kann aber mit einer wirklich genial einfachen Park-App bezahlt werden. Und dadurch stellt sich heraus: Die ersten 4 Stunden sind ohnehin kostenlos! Naja, in der nächsten Großstadt sind wir dann gewappnet. Ach so: Es kommt ja gar keine Großstadt mehr auf der weiteren Reise…

In Trollhättan ist es warm. Also: Mittelmeerwarm. Nicht skandinavisch warm. Also heiß. Lockere 31° zeigt das Thermometer und entsprechend geraten wir auf dem übersichtlichen Weg trotzdem ins Schwitzen.

Aber das Strandgatan hat feinerweise einen überdachten Promenadenpavillon, an dem wir sogar noch einen Tisch in der ersten Reihe am Wasser kriegen und Zimtschnecke und Cappucino lassen wir uns schmecken. Wobei wir beide in Erinnerung haben, dass die Kaneelbullar vor 3 Jahren aufgewärmt serviert wurden. Aber wer will bei 31° schon warme Süßspeisen essen…?

Außerdem müssen wir uns an dieser Stelle entschieden vom Fäkalhumor der Schweden distanzieren. Wir erinnern uns schon mit Grausen an das leckere Kakbuffet in Annorlunda. Aber man kann doch seine leckeren Süßigkeiten nicht so benennen:

Schnell suchen wir also das Weite und erledigen den ersten Großeinkauf in ICA und Systembolaget, in welchem ich zu meinem Entzücken sogar das feine Sculpin IPA von Ballast Point aus San Diego entdecke. Herrlich!

Auf dem Weg nach Norden wird der Inlandsvägen nun etwas stiller und schmaler. Öfter einspurig als mehrspurig, obwohl wir uns immer noch auf der E45 befinden. Sah auf der Karte irgendwie größer aus. Und als wir schließlich auf die Landstraße abbiegen, sieht es schon sehr so aus, wie wir es lieben: immer mal wieder ein See, mal links mal rechts, Inselchen, Wäldchen.

20 km vor dem Ziel ereilt uns aber in Svanskog ein übles Schicksal. An einem Geschwindkeitsberuhigungshubbel machen wir, trotz nicht wirklich übertriebener Geschwindigkeit, einen kleinen Hopser und hören ein Rrrabong aus dem Schrank, was nichts Gutes bedeuten kann. Annette checkt und tatsächlich sind 2 Regalböden aus der Halterung gesprungen und liegen jetzt eine Etage tiefer. Aua! Es stellt sich heraus, dass gleich mehrere Plastikhalterungen das nicht überlebt haben und gebrochen sind und auch die Löcher sind ausgeleiert. Wir versuchen, das ganze so gut es geht wieder zu installieren, aber wirklich zuversichtlich sind wir nicht. Und als wir auf die Schotterpiste nach Grinsby abbiegen hören wir erneut das üble Geräusch. Rrrabong! Da müssen wir uns wohl eine bessere Reparatur überlegen.

Aber der Ärger ist schnell verraucht, als wir unseren Platz auf dem Gelände gefunden haben, alles aufgebaut haben und endlich angekommen sind. Immer noch schön hier!

Mit dem eigentlich geplanten Grillen ist es allerdings Essig. Denn was wir hier gerade als schönstes Sommerwetter erleben ist in Schweden eine ausgesprochene Dürreperiode. Es hat in den vergangenen Wochen so gut wie gar nicht geregnet und viele Gebiete sind schon mit der höchsten Waldbrandgefahrenstufe gekennzeichnet. Und daher gilt auch hier: Keine Lagerfeuer erlaubt und nur Elektrogrills sind zugelassen.

Auf unserer abendlichen Runde auf die nahegelegene kleine Halbinsel sehen wir dann auch schon die Folgen der Dürre: Auf den Steinen am Ufer sieht man, ähnlich wie am Lake Mead bei Las Vegas, deutlich die Streifen, die den normalen Wasserstand anzeigen.

Und der trockene Sommer schlägt sich dann natürlich auch bei den Pflanzen nieder: Die Blaubeeren sind klein und mickrig und auch die Birken sehen mit ihren gelben Blättern schon reichlich herbstlich aus. Nicht schön.

Aber trotzdem hält uns das alles nicht davon ab, auf den See hinauszugucken und es hier immer noch herrlich schön zu finden.

Nach dem kurzen Schreck in der Morgenstunde, als das Navi uns anzeigt, dass es 2 Stunden bis zur Fähre seien, sind wir wach. Stellt sich aber schnell als falsch heraus. Puh!

Dafür lernen wir eine neue Errungenschaft unserer Fährgesellschaft TT-Lines kennen: Man kann sich, genau wie beim Fliegen, 48 Stunden vorher online einchecken und dann mal eben durch die „prechecked“-Schalter an Bord flitzen. So zumindest die Theorie.

In der Praxis ist das dann aber mal so richtig scheisse. Denn wir kommen an den Autoschaltern an und ich will schon an den armen Schweinen vorbeiziehen, die in der langen Schlange warten. Aber halt! Da steht ja über der Schlange das Wort „prechecked“. Oh. Wir reihen uns also brav ein, warten und schleichen und warten und schleichen, während sich neben uns die Neuankömmlinge gerne auch bei den 2 freien „normalen“ Schaltern einreihen, wo kein Mensch Schlange steht. Irgendwann wird uns das zu dumm und Annette steigt aus, um einfach mal zu fragen, ob man auch als pregechecktes Fahrzeug an den normalen Schaler fahren kann. Natürlich kann man…

Die nette Dame erklärt uns dann, dass das ganze eine formidable Idee der Geschäftsführung ist, die über kurz oder lang alles auf Automaten umstellen will und damit den Job der Schalterdamen überflüssig machen will.

Was. Ein. Scheiss!

Da schnacke ich doch tausendmal lieber mit einem Menschen, lasse mir meine Tickets in die Hand drücken und bin am Ende noch schneller. Also, liebe Nordlandfahrer: Vergesst das Online-Einchecken (weil sinnlos) und nutzt bloß alle Schalter!

Auch das Verladen der Fahrzeuge dauert richtig lange, so dass wir eine halbe Stunde später als geplant losfahren. Macht aber nix, weil der Käptn das auf der langen Strecke locker wieder rausholen kann.

Für uns beginnt jetzt die bereits freudig erwartete Minikreuzfahrt mit Frontkabine, Dusche und Buffet. Auf dem Sonnendeck sind schon alle Plätze belegt und Leute, die gerade gehen wollen, nehmen allen Ernstes ihre Stühle einfach mit (ist das die Steigerung von Handtüchern auf Liegen?). Also was tun? Ein einfacher Blick auf das völlig verwaiste Deck 10 unter uns lässt mich einen Stapel mit Deckstühlen entdecken und wir setzen uns einfach dort hin und genießen die Sonne und das Auslaufen aus dem Hafen praktisch alleine.

Muss ich wirklich in dieses fiese Hundeklo machen?!

Fein! Und der Rest ist dann Luxus as usual.

In Schweden finde wir das gleiche Wetter vor was wir vor 2 Jahren zurückgelassen haben. Sonnig warm, perfekte Temperaturen, freie Straßen. Das gelobte Land!
Wir steuern als erste Etappe einen Stellplatz am Strand südwestlich von Ängelholm an. Als wir in den Sibirienvägen einbiegen, befallen uns bei diesem namen zwar leichte Zweifel. Aber tatsächlich finden wir hier schon einen ziemlich idealen Freistehplatz vor: Der Strand nur wenige Gehminuten entfernt, ein paar Birken, die Schatten spenden, unkompliziert. So muss das sein.

Am Strand genießen wir dann den Duft des Meeres, den warmen Sand und den Ausblick auf die Bucht vor uns, in der die Pferde an der Wasserlinie entlang galoppieren oder, wie wir mit Kennerblick erkennen, auch tölten.

Wir hatten schon Urlaube, die schlechter angefangen haben!

Wie es eine Rückreise (und Heimkehr) so mit sich bringt, bleibt auf einmal nur noch wenig Zeit zum Bloggen – sicheres Zeichen dafür, dass der Urlaub zu Ende ist. Danke an alle, die schon besorgt nachgefragt haben, ob etwas passiert sei! So here’s what happened, mit leichter Verspätung:

Kleine Überraschung am Morgen: es ist tatsächlich noch Fahrzeug Nummer 3 dazugekommen! Es ist allerdings nur ein PKW, wo hinter einem eher notdürftigen Sichtschutz anscheinend der Fahrer auf dem Sitz genächtigt hat. Da tut mir alleine schon beim Anblick der Rücken weh! Da er aber sozialkompatibel geparkt hat, ist die Abfahrt kein Problem. Auch wenn mein Puls ein bisschen höher geht, als mich unser Womo-Nachbar fragt, ob unsere Fähre nicht um 8 Uhr losgefahren ist und man gleichzeitig am Horizont tatsächlich  eine auslaufende Fähre sieht! Aber nach kurzem Check der Unterlagen bin ich beruhigt: Alles gut, wir fahren erst um 9.30 Uhr.

Wehmütig und glücklich zugleich fahren wir unsere letzten paar Kilometer zum Fährterminal und verschwinden schon bald darauf im Bauch von Nils Holgersson, dem Zwillingsbruder von Peter Pan, unserem Schiff auf der Hinfahrt.

An Bord kennen wir uns daher auch perfekt aus und steuern erst mal unsere Kabine an, um uns häuslich einzurichten. Erwähnte ich schon, dass wir ab sofort Kabinen-Fans sind? Nach dem Abladen unserer Sachen gehen wir aber wieder an Deck und genießen bei Sonnenschein den letzten Blick auf den Trelleborger Hafen. Und bis auf den kleinen Janosch, der begeistert in die Pfützen an Deck springt und Annette und mich mit einer Fontäne beglückt, läuft alles nach Plan. Denn der für die Überfahrt angekündigte Regen und Sturm lässt sich nirgendwo blicken, so dass wir uns auf dem Sonnendeck niederlassen und wieder kreuzfahren.

Erst 2 Stunden nach der Abfahrt wird es bedeckter, weshalb wir uns erst mal in die Gemächer zurückziehen. Und dort dann auch bis auf Mittagessen und Duty-Free-Shoppen mehr oder weniger gepflegt unsere Zeit verbringen, denn das Wetter lädt nun tatsächlich nicht zu einem Deckspaziergang ein.

Interessante Notiz am Rande: Die Überfahrt dauert stattliche 9 Stunden und könnte durchaus flotter sein. Wie ich aber in einem Gespräch mit einem offensichtlich langjährigen Schwedenfahrer mithöre, ging das früher durchaus schneller. Aufgrund der hohen Spritkosten fahren die Schiffe mittlerweile aber einfach nur noch mit reduzierter Kraft. Vielleicht dauert die Fahrt in 5 Jahren dann schon 12 Stunden?

Wieder in Deutschland angekommen, müssen wir erst mal dringend tanken, denn in Trelleborg war unsere Tankanzeige auf Reserve gesprungen. Und da der Sprit in Deutschland dann doch deutlich günstiger ist, haben wir natürlich gerne mit dem Tanken gewartet. Ist ja auch kein Problem: Ich habe mir schon eine Tanke ausgesucht und lasse mich vom Navi dort hin lotsen. Clever! Aber warum fahren wir dann von der schön breiten Bundesstraße ab und sollen durch eine Anliegerstraße fahren? Und warum ist das letzte Stück so verdächtig eng? Und warum sehen wir die Tankstelle nur von hinten? Und warum ist die Zufahrt zur Tankstelle so eng und zugewachsen, dass wir dort tunlichst nicht lang fahren? Vielleicht einfach, weil die korrekte Zufahrt direkt an der schön breiten Bundesstraße liegt! Also alles wieder zurück…!

Nun geht es aber zügig weiter und wir haben vor, die Reise so zu beenden, wie sie begonnen hat. Mit einem leckeren Essen im Jann-Hinsch-Hof. Annette ruft aber sicherheitshalber an, um zu fragen, ob die Küche um 21 Uhr noch auf hat und ob wir dort mit dem MoMo anschließend über Nacht stehen dürfen. Ersteres ist kein Problem, zweiteres aber wohl schon. No Womos!  Zuerst überlegen wir, in Gehnähe einen anderen Übernachtungsplatz zu suchen. Gleichzeitig ärgern wir uns aber die Ungastlichkeit und wollen das eigentlich nicht honorieren. Und dann habe ich die rettende Idee: Vor 2 Jahren haben wir in Ollsen in der Lüneburger Heide das Restaurant “Zur Eiche” entdeckt. Und wir versuchen wieder unser Glück per Telefon, reservieren einen Tisch und kriegen grünes Licht für die Nächtigung. So muss das sein!

Und wir sind wieder begeistert von dem, was die Küche dort zaubert und wie freundlich der Service ist. Wir werden als “die mit dem Wohnmobil” nett in Empfang genommen und sind am Ende froh, dass wir pummelsatt nur noch ein paar Meter in unser MoMo rollen müssen. Und geschlafen haben wir dann auch noch gut. Dicke Empfehlung!

Am nächsten Tag sollte es dann eigentlich schnell nach Hause gehen, aber Annette entdeckt entlang der Autobahn eine der riesigen Werbetafeln für das Soltauer Outlet-Center. Wir beschließen, dort hin zu fahren, falls es einen Desigual-Shop gibt. Denn dann würde ich mir gerne noch eine Jeans kaufen… Es gibt. Also biegen wir ab und starten mit dem Vorsatz, mal schnell alles zu checken und dann wieder zu verduften. Hat nicht ganz geklappt…

Einige Euro ärmer, aber mit netten Käufen in den Taschen verlassen wir das Center, nicht ohne den riesigen Parkplatz zu bestaunen, der sich schon gut gefüllt hat. Und **das** soll in Lennep integriert werden? Never!

Mit einigen Staus wird die Rückfahrt dann zwar kein großes Vergnügen, aber auch nicht besonders anstrengend. Trotzdem weine ich dem ultra-relaxten Fahren in Schweden schon jetzt ein paar Tränchen nach. Sicher sind für uns nach diesen 4 Wochen 2 Dinge:

Schweden, wir kommen wieder!

Wir sind auch nach 4 Wochen kein bisschen MoMo-müde und wären gerne noch mal 4 Wochen gefahren. So müssen wir jetzt halt ein bisschen warten (aber Gottseidank auch nur ein bisschen), bis die Herbstferien kommen. Es kann gar nicht schnell genug gehen…