Wie erwartet verbringen wir in Grimsøy eine ruhige Nacht. Die anderen drei Womos, die hier stehen, sind Deutsche. Scheint ein Übernachtungsplatz zu sein, der sich nur in Deutschland rumgesprochen hat…

Nach unserem Frühstück (endlich mal wieder im Freien, endlich mal wieder am Meer!) tauschen wir noch ein bisschen Erfahrungen mit den erfahrenen Schwedenfahrern Torsten und Cordula aus, die gerade erst am Anfang ihrer Reise sind. Ein paar tolle Tipps für unsere nächste Schwedenreise sind notiert!

So kommen wir erst Mittags los und sind nach ein paar Kilometern dann auch nicht nur gefühlt, sondern auch in echt in Schweden. Danke Norwegen, es war uns ein Vergnügen!

In Schweden wollen wir ein bisschen in Erinnerungen schwelgen und steuern auf Fjällbacka zu. Aber in Grebbestad bleiben wir im Sportshopen hängen. Stellt euch einfach ein Sportgeschäft nach dem IKEA-Prinzip vor. Also riesig, mit Kinderparadies und Fressangeboten im Eingangsbereich. Und eine feine Entsorgungsstation für Wohnmobile haben sie auch noch im Angebot.

Nach den eher zweckmäßigen Ortskernen in Norwegen (zumindest dort, wo wir waren) gefällt uns das rege Treiben in Grebbestad mit den weißen Häuschen und einladenden Geschäften am Hafen schon deutlich besser. Aber Parken mit dem Womo ist eher schwierig, so dass wir diesmal durchfahren und uns den Besuch für später aufheben.

Kurz vor Fjällbacka fällt mir wieder das schöne Naturreservat Veddö ein, wo wir letztes Mal so eine tolle Rundwanderung gemacht haben. Also biegen wir kurzentschlossen ab und machen ein kleines Picknick auf den Schärenfelsen und genießen es, am Meer zu sein. Für die Rundwanderung reicht unsere Motivation heute nicht so ganz…

In Fjällbacka parken wir auf einem der eher teuren, dafür aber leeren Bezahlparkplätze. Wir wollen ja nur noch mal gucken und uns in der „Fiskaffär“ leckere Fischbuletten und Lax-Nuggets fürs Abendessen kaufen. Aber, oh weh, die Lax-Nuggets gibt es nur am Wochenende!

Wir planen also um.

Und unser Plan B ist jetzt nicht der allerschlechteste: Direkt am Ingrid-Bergmans-Torg, dem zentralen Platz am Hafen, gibt es das Café Skafferiet, wo auf der Terrasse schon ein Zweiertisch auf uns wartet. Also gibt es Fischsuppe für mich (lecker!) und gut belegtes Krabbenbrot für Annette.

Und ganz nebenbei kann man da auch ganz gut Leute gucken. Von sehr chic bis sehr geschmacklos bis Hipster kann man da alles bewundern. Nebenbei kriegen wir noch ein paar Liegefahrräder, einen schicken Oldtimer und die Band von Ebbot Lundberg zu sehen, die gerade etwas planlos ins Hotel einchecken. Sehr unterhaltsam.

Nachdem wir unsere Eindrücke von Fjällbacka aufgefrischt haben, fahren wir zum großen Parkplatz etwas außerhalb, wo wir auch letztes Mal gestanden haben. Aber auch diesmal ist dieser Platz eher zweckmäßig als schön. Ich checke also nochmal, ob es nicht etwas besseres geben könnte und sehe, dass in Hamburgsund durchaus die Möglichkeit besteht, auch frei zu stehen. Da es nur 9km sind, fahren wir einfach mal rüber. Der Platz am Hafen ist auf 12 Stunden beschränkt und auch etwas sehr schmal, aber der Platz neben dem Fußballplatz ist (bis auf eine leichte Schräge) ziemlich prima. Nehmen wir!

Und bei unserem Abendspaziergang durch das nette Örtchen stoßen wir im Hafen auch noch auf die Pendelfähre, die die vielleicht 100m hinüber auf die Insel Hamburgö überbrückt.

Und direkt daneben das einladende Harbour House, in dem Annette einen perfekten Platz mit 2 Liegesesseln für uns entdeckt, so dass wir mit 2 Bierchen auch hier dem Treiben zugucken können. Herrlich relaxed!

Es ist grau.

Es regnet.

Es sind 14°.

Abfahrtswetter.

Wir hatten den Wetterbericht jetzt schon länger verfolgt und für Norwegen ist eine durchwachsene Vorhersage das höchste der Gefühle. Es zieht uns daher zurück ins sonnige(re) Schweden.

Das sind die offiziellen Duschraumschlüssel, die morgens wieder eingesammelt werden

Also machen wir das MoMo startklar und machen uns auf den weiten Weg nach Osten. Obwohl, weit ist es ja gar nicht. Wir haben nur knappe 300km vor der Brust. Aber in Norwegen heißt weit dann halt auch: lang.

Da unser Campingplatz sehr basic ist, gibt es keine Entsorgungsstation für Grauwasser und Toilette. Aber die gibt es hier in Norwegen ja in regelmäßigen Abständen. Wir steuern also diejenige in Seljord an, weil sie ohnehin auf der Strecke liegt. Was wir dort vorfinden ist eine komische Mischung aus perfekt und unpraktisch. Die einzelnen Klappen sind mit „A“ (Grauwasser), „B“ (Toilette) und „C“ (Frischwasser) gekennzeichnet. Da kann man schon mal nichts falsch machen.

Hinter Klappe A versteckt sich dann eine flache fahrbare Wanne mit Ablaufschlauch, welche sogar bewässert wird. Einziger Nachteil: Das Ding ist so hoch, dass es unter kein Wohnmobil der Welt passen würde. Was tun? Wir fahren das MoMo auf Keile, damit die Wanne passt. Dann läuft das Grauwasser auch vorbildlich ab – mit dem kleinen Nachteil, dass durch die Schräglage ein Rest Stinkewasser im Tank verbleibt. Hmmmm…..

Auf der weiteren Stecke verschwindet dann immer mehr das schroffe, bergige Norwegen und wird hügelig, bis es in Skien dann wirklich schon ziemlich unspektakulär ist – das normale Skandinavien hat uns wieder. Byebye Gletscher, byebye Fjorde, byebye Wasserfälle!

Woran ich mich wieder gewöhnen muss: Hier ist richtig Verkehr! Nix mit Einsamkeit! An einer Kreuzung nimmt mir sogar ein PKW mit quietschenden und qualmenden Reifen die Vorfahrt – willkommen in der Zivilisation.

Um den ganz dicken Verkehr rund um Oslo zu umgehen nehmen wir die Fähre von Horten nach Moss. Ein halbstündige Fährpassage über den Oslofjord ist das, bei der wir zwar die abfahrende Fähre knapp verpassen, aber trotzdem nicht sehr lange auf die Nächste warten müssen.

Und als wir auf die Fähre fahren, fühlt es sich an, als wäre das dann auch das Schlusskapitel unserer Norwegenreise.

Ist es aber nicht, denn wir fahren hier, auch wenn es über den Oslofjord auf die „schwedische“ Seite geht, von Norwegen nach Norwegen.

Und da wir hier in der Nähe den tollen Stellplatz in Grimsøy in bester Erinnerung haben, fahren wir noch ein paar Kilometer weiter Richtung schwedische Grenze, um einen letzten Abend in Norwegen zu genießen – auch wenn die Schärenlandschaft hier schon sehr nach Schweden aussieht.

Zunächst ist es, wie schon den ganzen Tag, bedeckt, aber abends kommt dann noch mal für einen Moment die Sonne raus.

Aber so schnell wie sie gekommen ist, so schnell ist sie dann auch wieder von den nächsten grauen Wolken verschlungen. Gut, wenn man schon so viele schöne Sonnenuntergänge in diesem Urlaub erlebt hat – da ist der eine vergurkte irgendwie gar nicht mehr so schlimm…

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Wir verlassen unseren schönen Platz am See und fahren Richtung Süden. Ein sehenswerter Aussichtspunkt liegt quasi an der Strecke, wenn man für ein paar Kilometer den sicheren Asphalt mit einer urigen Schotterpiste tauscht. Lohnt sich!

Ravnejuv

Man landet dann nach einer sich wieder mal bergauf, bergab windenden Straße am Ravnejuv. Das ist diesmal ein Aussichtspunkt für Fußfaule. Der Parkplatz ist direkt an der Straße und der Weg zur Aussicht ist gerade mal gute 100m lang.

Das Warnschild zu Beginn sollte man aber trotzdem beachten. Wenn man die 350 Meter Richtung Talgrund guckt, wird einem schon anders.

Zumal, da hier gar nichts in irgendeiner Form gesichert ist. Es ist jedem selbst überlassen, wie nah er sich an die Kante begibt. Und wenn man am Überhang sieht, dass der Fels schon an einem Stück ganz schön gebröselt ist und demnächst sicher mal wieder ein dicker Otto Richtung Tal knallt, wird einem schon anders…

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Wir fahren weiter Richtung Dalen, dem kleinen Örtchen am Ende des Telemark-Kanals. Für einen Augenblick überlegen wir, ob wir einfach am großen Stellplatz am Seeufer des Bandak-Sees bleiben. Aber die Abenteuerlust ist dann doch größer. Ab hier geht es dann steil(!) über mehrere Serpentinen hinauf Richtung Eidsborg. Das hat schon Trollstigen-Niveau!

An der Einfahrt zum Wanderparkplatz müssen wir erst mal kurz auf Nummer Sicher gehen: Also da fahren wir jetzt wirklich rein? Okay… Gut, dass es am Ende des schmalen Weges einen etwas breiteren Parkplatz gibt.

Lårdalsstigen

Wir bereiten uns auf eine nette, unkomplizierte Panoramawanderung oberhalb des Sees vor. Denn wir sind ja schließlich schon auf den ganzen Serpentinen den Berg hochgefahren, oder?

Nun, es stellt sich heraus, dass der lokale Tourismusverband den Mund voll nimmt: „Besser als Bessegen“, der berühmte Hike in Jotunheimen sei der Lårdalsstigen. Ähnlich wie in Bessegen macht man den Weg in eine Richtung und fährt dann zurück mit dem Schiff über den See. Ähnlich wie in Bessegen gibt es wohl auch eine Passage, für die man besser schwindelfrei ist, weil man über ein schmales Teilstück gehen muss, dass zu beiden Seiten hin abfällt. Wir bleiben aber entspannt, da wir ohnehin nicht die ganze Strecke machen wollen und das schmale Teilstück erst ganz zum Schluss käme.

Wir machen uns also auf den bestens markierten Weg und genießen das sonnige Wetter mit dem leichten Wind. Perfektes Wanderwetter!

Zunächst geht es leicht aufwärts und entspricht dem, was wir uns vorgestellt haben. Mit Abstrichen. Denn den See kann man zunächst leider gar nicht, oder nur ein bisschen sehen. Zu viel Wald…

Aber da der Weg trotzdem abwechslungsreich ist und vor allem ordentlich steil nach oben geht, vergeht die Zeit bis zum ersten Aussichtspunkt dann doch schnell. Und wenn man dann diese tolle Aussicht über die Breite des Sees genießen kann, hat das schon was. Sehr toll!

Besonders sind auch die krisseligen Wellenmuster auf dem Wasser, die fast wie ein sich ständig ändernder Fingerabdruck aussehen.

Aber wir sind bei weitem noch nicht „oben“. Denn auch von hier kennt der Weg nur einen Weg: aufwärts. Und zwar steil. Das verrückteste an der Sache: Er lotst uns zum alten Bauernhof Urdalen, von dem nur noch das Fundament steht. Wie man auf die Idee kommen konnte, an dieser Stelle ein Haus, geschweige denn einen Bauernhof errichten zu wollen, ist aus heutiger Sicht völlig irre. Home of crazy Bauernhöfe. Aber mit einer geilen Aussicht!


Bis zum nächsten Aussichtspunkt kommen wir auch noch und finden auch hier den Blick wieder phänomenal. Aber weiter wollen wir heute dann auch nicht gehen. Ist aber für „kann man gerne noch mal machen“ notiert.

Wir haben festgestellt, dass es am Ende des Weges, in Lårdal, einen Campingplatz geben soll, der nicht schlecht ist. Da es uns hier gefällt, wird das also unser Tagesziel.

Auf dem Weg dorthin machen wir noch Station an der Stabkirche von Eidsborg und dem Telemark-Museum, das für die Kinder draußen einen kleinen Telemark-Kanal nachgebaut hat, wo man Schiffchen fahren lassen kann und Schleusen bedienen muss. Cool!

Die Stabkirche ist ein von der kleineren Sorte und wir belassen es diesmal bei einer Besichtigung von außen. Reicht auch.

Bandaksee-005-Bearbeitet.jpgBandaksee-016-Bearbeitet.jpgBandaksee-011-Bearbeitet.jpgBandaksee-006-Bearbeitet.jpg

Als wir schließlich in Lårdal ankommen, sind wir ganz überrascht. Ein solch großes und vor allem fast schon idyllisches Örtchen hatten wir am Ende dieser Straße gar nicht mehr erwartet. Gefällt uns!

Der Campingplatz ist winzig, aber für uns gibt es noch ein Plätzchen. Und als ich sehe, dass vor der Rezeption ein Mann eine sehr ansehnliche Pizza verspeist, kommt mir der Gedanke für das Abendessen. Wir lassen mal für uns kochen! Oder besser backen. Und gut, dass ich nachgefragt habe: Die Pizza ist nämlich so riesig, dass sie uns beide mehr als satt macht. Und geschmacklich war es auch eine eher positive Überraschung – leckerer, fluffig Teig und satt belegt. Mal was anderes!

Wir sind bisher äußerst überrascht, wie gut es uns in der „beschaulichen“ Telemark gefällt!

Nach einer herrlich ruhigen Nacht an unserem See starten wir mit einer kleinen Wanderung aufs Furufjell. Viel wissen wir eigentlich nicht. Nur, dass der Weg direkt an unserem Stellplatz losgeht, dass es einen Höhenunterschied von 200m gibt und dass jemand bei Park4night geschrieben hat, dass es 45 Minuten Weg sind. Kann also so schlimm nicht werden.

Wird es auch nicht. Der Weg ist gut gekennzeichnet, geht immer bergauf, aber nie so steil, dass man schlimm ins Schwitzen gerät. Von unten ist es oft moosig moorig. Nass! Kein Weg für Leute ohne Wanderschuhe!

Ansonsten aber prima. Mit allem, was einem als Skandinavienreisendem so gefällt. Birken, Flechten, Blåbärfelder. Und, wenn man mal stehen bleibt: absolute Stille. Herrlich.

Was es besonders prickelnd macht: Ebenfalls an unserem Parkplatz soll wohl auch der Startpunkt für eine Elchsafari sein und wir haben gestern schon gedacht: Wo sollen wir auf einen Elch treffen, wenn nicht an diesem einsamen See? Also halten wir Augen offen. Aber vorerst: Kein Elch in Sicht.

Dann wird es spannend: Mitten auf dem Weg: Runde Köttel, die aussehen, wie die billigen kleinen Schokoladeneier, die es immer eingepackt in bunter Silberfolie zu Ostern gibt. Hier ist es aber tatsächlich: Elchlosung! Annette ermutigt mich, sie mal zu probieren, um die Frische zu bestimmen. Ich lehne dann doch dankend ab.

Als wir oben auf das Furufjell kommen, ist immer noch kein Elch zu sehen. Dafür aber ein tolles Panorama mit beträchtlicher Fernsicht. Auch nicht schlecht!

Das Wetter heute ist zum Wandern perfekt. Nicht zu heiß, nicht zu kalt und meistens freundlich sonnig mit ein paar Wolken. Nur als wir in Richtung Westen gucken, genau dahin, von wo wir gestern gekommen sind, sehen wir ein dickes Regenband kommen. Es wird doch nicht…? Nein, es schwenkt brav in ein Tal vor uns ab. Das wäre ungemütlich geworden!

Stattdessen können wir weiter nach Elchen suchen. Es gibt einige Seen und Gebiete, die wieder sehr attraktiv für die Langbeiner sein müssten. Und so leicht übersehen kann man so große Tiere doch auch nicht! Aber wir finden: nichts.

Auf dem Rückweg ernten wir noch ein paar Moltebeeren, die wir hier erstmals in größerer Anzahl vorfinden. Lecker!

Den Rest des Tages verbringen wir dann ganz unaufgeregt am See. Stühle raus, Kekse raus. Gut gehen lassen. Abends noch lecker Grillen. Es kann so einfach sein!

Ach ja, der Sonnenuntergang war auch nicht so ganz schäbig. Nur einen Elch, den haben wir bis Ende des Tages. nicht gesehen…

Ein Drama in 5 Akten

Prolog

Gestern abend haben es ein paar Kuschelcamper geschafft, sich auf dem wirklich großen Campinggelände 1m neben uns zu stellen. Respekt! Wir fühlten uns auch gar nicht durch deren Hantieren an ihrem Fahrzeug gestört. Top Ebayer, gerne wieder.

Wir machen noch eine kleine Hunderunde zum See und finden die Regentropfen auf den Pflanzen irgendwie auch mal ganz romantisch. Regen! Hatten wir ja noch gar nicht so viel in diesem Urlaub.

Erster Akt: Die Landschaft

Wir flüchten mal wieder vor dem grauen Nieselwetter. Da für den Südwesten nur grau-in-grau angesagt ist, legen wir die Telemark als Ziel fest. Da soll die Sonne scheinen.

Als wir dann über die Hardangervidda, dieses karge Felsplateau, fahren, sind wir mit dem Wetter aber fast schon versöhnt. Passt irgendwie zu dieser unwirtlichen Landschaft. Wir tippen noch, ob die Temperaturen in den einstelligen Bereich gehen könnten, aber bei 12° ist dann doch Schluss. Mitleidig denken wir an die Armen, die Zuhause unter der Hitzewelle leiden.

Da der Nieselregen immer mal wieder aufhört, machen wir einen Stop an einem Parkplatz, wo ein Norweger sich ein Tipi als Imbissbude hergerichtet hat.

Und während Annette Waffler und Geitost (Ziegenkäse) kauft, mache ich ein paar Fotos von dieser wilden Landschaft.

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Wir haben heute richtig viel Zeit und machen daher einen Fotostopp nach dem anderen. Kurz vor dem Vågslid-Tunnel sieht es gerade mit einem Hauch Sonnenlicht besonders dramatisch aus. Schnell wieder raus, bevor die Sonne weg ist! Annette nimmt die Hunde, ich die Kamera und auf geht’s!

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Zweiter Akt: Der ADAC

Als ich begeistert wieder zum MoMo zurückkehre, fühle ich in meine Hosentasche. Nix. Ach ja, den Schlüssel hattest du ja in der Jackentasche. Ups – nix. Ich werde doch nicht…? Nachdem alle Taschen durchsucht sind, bringt ein Blick ins MoMo Gewissheit. Da liegt der Schlüssel auf der Küchenzeile. Sch#’?@sse!

Naja, dann rufen wir halt den ADAC an. Die helfen ja schnell. Und vorbildlich. Die Erfahrung hatten wir vor 5 Jahren gemacht, als unser Womo in St. Tropez aufgebrochen wurde, weswegen ich wohl auch heute brav alles abgeschlossen hatte. Trauma. Denn an dieser Stelle hier hätte sich sicher kein Diebesgesindel rumgetrieben…

Erster Versuch: „Bitte haben sie Geduld.“ Natürlich, ist bestimmt viel los bei euch. Ich nutze in der Zeit, die ADAC-App, um meine Panne mit Koordinaten und allen Angaben schon mal durchzugeben. Wie praktisch! Jetzt soll man nur noch telefonisch den Auftrag bestätigen und ab geht die Luzie. Toll! Nach 6 Minuten fliege ich aber aus der Warteschleife. Tut, tut, tut.

Zweiter Versuch: „Bitte haben sie Geduld.“ Naja, kann ja mal passieren. Noch mal angerufen. Nach 6 Minuten fliege ich aus der Warteschleife. Tut, tut, tut.

Dritter Versuch: Ich rufe die deutsche Hotline an. Da stimmt wohl was nicht. „Ja, bei mir sind sie hier falsch, sie sind ja in Norwegen.“ Achwas. „Ich verbinde sie jetzt…“ Warteschleife. Nach 5 Minuten meldet sich die gleiche Dame noch mal: „Das ist ja wirklich komisch, da geht wirklich keiner ran. Dann versuchen sie es doch bitte selber noch mal. Irgendwann wird es schon klappen. Ach, sie haben die Daten schon mit der App gemeldet. Ja, das ist noch im Erprobungszustand. Im Ausland funktioniert das nicht.“ Echt jetzt? Das ist alles? Es ist.

Vierter Versuch: Ich rufe noch 2x die internationale Nummer an. Nach 6 Minuten fliege ich aus der Warteschleife. Tut, tut, tut. Mein Vertrauen in den ADAC ist komplett geschwunden.

Fünfter Versuch: Wir stehen mittlerweile seit einer halben Stunde doof in der Landschaft rum. Also doch noch mal die deutsche Hotline? „Ich verbinde!“ „Aaaargh!“ Aber wie durch ein Wunder habe ich diesmal einen echten Menschen an der Strippe, der alles für mich aufnimmt. „Sie kriegen in der nächsten halben Stunde einen Anruf vom Pannendienst aus Norwegen. Schlüsseldienst ist übrigens mit 100€ gedeckelt, den Rest werden sie dann selber zahlen müssen. Tschüssi!“

Innerlich formuliere ich schon mal meine Kündigung.

Dritter Akt: Das Warten

Nun stehen wir also da. Es setzt ein leichter Nieselregen ein und was wir am Himmel auf uns zukommen sehen, verheißt nichts gutes. 12°. Immerhin haben wir beide unsere Regenjacken an. Annettes Hose ist aber nicht wirklich für diese Temperaturen gemacht und mein T-Shirt unter der Regenjacke wärmt auch nur so mittelprächtig.

Von norwegischer Stille ist übrigens auch keine Rede, denn die Entlüftung des Tunnels röhrt auf Hochtouren. Auf Dauer ganz schön laut. War mir noch nie so aufgegangen, dass es vor einem Tunnel laut sein könnte…

Nach einer halben Stunde ruft der norwegische Pannendienst an. Hurra! Und nach ersten Verständigungsschwierigkeiten haben wir auch unsere Position durchgegeben (sollte das nicht der ADAC machen…?) und kriegen das Versprechen, dass der Pannenhelfer gleich da sein werde. „Wann ist denn gleich? In 20 Minuten?“ frage ich angesichts unserer Panne in the middle of nowhere. “Och, so 1-1,5 Stunden!“ Meine Kinnlade klappt runter. Es fängt an zu regnen.

Gottseidank gibt es neben dem Tunnel eine Art Schutzhütte im Fels. In dieses Refugium mit seinen weichen Sesseln, die wir durch die Scheibe sehen, kommen wir zwar nicht rein, aber immerhin gibt es einen 40cm tiefen Unterstand, so dass der meiste Regen an unser vorübergeht. Außerdem ist hier das Lüftungsröhren des Tunnels kaum noch zu hören. Es könnte schlimmer kommen…

Wir betrachten, wie die Landschaft vor uns im Wolkensuppenmeer versinkt. Der Regen wird stärker. Schon eine Stunde geschafft. Jetzt könnte er doch langsam kommen…?

Mia zittert mittlerweile und auch Annettes Bewegungsprogramm kriegt uns nicht wirklich wieder warm.

Annette hat noch die Idee, dass wir wetten können. Wie viele Autos kommen noch aus dem Tunnel gefahren, bis unser Pannenhelfer da ist? Ich schätze 30, sie legt sich auf 50 fest. Nach 50 Fahrzeugen sind 1,5 Stunden vergangen. Ich rufe noch mal in Norwegen an. „Der müsste gleich da sein.“

Vierter Akt: Öffnungsversuche

Er kommt. Hurra! Ab jetzt geht alles ganz einfach. Hat man doch schon tausendmal gehört. Das sind Profis, die machen einmal ritsch, einmal ratsch und zack ist das Ding offen. Easy!

Nicht bei uns. Der Anfang sieht noch vielversprechend aus. Mit Luftbeuteln wird die Fahrertür etwas aufgepumpt, damit das Öffnungswerkzeug passt, aber unser wortkarger, hagerer blonder Helfer guckt hier, guckt da, schüttelt mit dem Kopf. Zu wenig Platz und er habe Sorge, dass das Fenster springe, wenn er noch weiter pumpe. Ernüchterung.

Aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten ins Fahrzeug zu kommen. Die Aufbautür soll doch ein leichtes Opfer sein! Also werden ein Set Dietriche, ein paar Drähte und ein Schraubendreher ausgepackt. Und es wird gefriemelt und geporkelt und gedreht. Einzig: Das erlösende Klack! ist nicht zu hören.

Eventuell das Küchenfenster? Aber das hat Verschlüsse, die man von innen ja auch noch drücken muss. Fällt also auch flach.

Ich habe die rettende Idee: Wir haben doch den Außenzugang zu unserem Kleiderschrank! Und die Knebelverschlüsse lassen sich doch viel leichter öffnen als die manchmal hakelige Aufbautür! Wir versuchen alles. Und scheitern. Och!

Die Hunde haben es sich mittlerweile unter dem MoMo gemütlich gemacht.

Fünfter Akt: Erlösung

Unser Blonder Engel wirkt zusehends ratlos. Aber irgendwas versucht er dann doch immer noch. Jetzt geht es wirklich ans Küchenfenster. Nachdem er uns gefragt hat, ob es okay wäre, wenn das dabei auch zu Bruch ginge. Er könne für nichts garantieren. Letztes Jahr hätte ein Kollege von ihm das auch so lösen müssen. Also gut, versuchen wir’s!

Mit Keil und Zollstock bringt er das Fenster so unter Spannung, dass er mit seinem Öffnungswerkzeug, einem langen dicken, so gerade noch biegbaren Metallstab, tatsächlich hineinkommt. Wir sind immerhin schon mal mit etwas im Fahrzeug! Aber das Öffnen der Knebel kann so nicht gelingen und da hat unser Norweger einen genialen Einfall: Man müsste doch nur mit dem Stab auf die Schlüsselfernbedienung drücken, oder? Na klar!

Mit viel Ächzen und Stöhnen und Drehen und Nachbiegen gelingt ihm das Kunststück dann: Klack! Was ein erlösendes Geräusch!

2 Stunden hat unser Retter für seine Heldentat gebraucht. Aber wie durch ein kleines Wunder ist tatsächlich nichts am MoMo kaputt gegangen und wir können, nach „Tusen Takk“ und Aushändigung eines Feierabendbierchens für unseren Helfer, einfach so weiter fahren. 5 Stunden Zittern im buchstäblichen und übertragenen Sinne wegen eines blöden, vergessenen Schlüssels. Beziehungsweise: Wegen Verriegelns und Verrammelns an einem Ort, wo das komplett unnötig war…

Epilog

Die Weiterfahrt zu unserem Stellplatz im Furufjell in der Nähe von Åmot ist dann im teilweise wunderschönen Abendlicht eine wahre Erholung. Breite Straßen, Entspannung, Schreck aus den Gliedern kriegen, Wärme tanken.

Wir belohnen uns am Ende mit einem wunderbaren Platz in absoluter Stille an einem kleinen See. Und die Sonne scheint auch schon wieder ein bisschen!

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Was für ein Geschenk der Tag gestern war! Denn heute haben wir mal wieder graues Wolkenwetter. Nicht wirklich schlecht, aber wenn man von den vergangenen Tagen so verwöhnt ist, schon etwas enttäuschend.

Wir lassen uns die Laune aber nicht verderben und fahren weiter die Küste Richtung Utne entlang. Und ob es das Wetter ist oder die Lage auf der Halbinsel: Hier ist verkehrstechnisch echt tote Hose. Kaum mal kommt uns ein Fahrzeug entgegen. Sehr entspannt!

Unterwegs bestaunen wir die Obsthöfe des Hardangerfjords. Man fährt hier wirklich mitten durch die Obstplantagen und alle naselang steht ein Häuschen, wo man sich Moreller (Kirschen) oder Plommer (Pflaumen) holen könnte.

Am Rastplatz Hesthamar hat man einen tollen Überblick über den Fjord.

Und das Steinkrossen ist auch ganz fotogen.

Wir ändern unseren ursprünglichen Plan, wieder mit der Fähre überzusetzen und in Kinsarvik am östlichen Ufer weiterzufahren. Denn eigentlich gefällt es uns ganz gut auf der Folgefonn-Halbinsel. Und das die Straße ab Utne größtenteils zweispurig ist (also: für jede Fahrtrichtung eine eigene Spur, was in Norwegen ja nicht selbstverständlich ist…) finden wir auch ganz gut – warum also wechseln?

Kurz vor Aga machen wir eine kleine Kaffeepause. Den Rastplatz dort haben die Leute schön vorbereitet. Sogar eine schöne gelb gestrichene Bank gibt es für die Besucher. Wir richten uns dort häuslich für unser Kaffeepäuschen ein und können auch der bewölkten Aussicht auf den Fjord etwas abgewinnen.

Next Stop: Odda. Hui, das ist ja eine richtig Große Stadt! Mit Industrie! Und einem Stadtkern! Mit FuZo! Und so vielen Geschäften… Sind aber trotzdem laut Wikipedia nur 6923 Einwohner – norwegische Verhältnisse!

Hinter Odda können wir kurz einen Blick auf den Bruabreen erhaschen, der im mystischen Licht vor uns liegt. Ist schon mal als Ziel für die nächste Norwegenreise notiert.

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Ausgerechnet bei der nächsten Touristenattraktion, dem Låtefossen, ist die Straße wieder mal eher knapp bemessen – wie die da noch den Platz für eine Souvenirbude und zumindest eine Handvoll Parkplätze gefunden haben ist schon bewundernswert.

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Und wie es der Zufall will, kriegen wir den vorletzten der ausgewiesenen Parkplätze- Mehr als ein Fahrzeug muss in Ermangelung von Platz einfach weiterfahren oder stellt sich kurz in zweiter Reihe hin. Was zu einer sehr hektischen und unübersichtlichen Parksituation führt, wo dann auch gerne mal energisch gehupt wird. Komische Atmosphäre!

Aber der Doppelwasserfall ist wirklich sehenswert. Da wird das Wort Wasserkraft wirklich erlebbar! Die Luft ist mit der Feuchte des Wassers geschwängert, dass beim Herabtosen in der Luft herumschwirrt. Geduscht haben wir diesmal aber nicht…

Auf unserer Weiterfahrt Richtung Røldal geht es mal wieder ein gutes Stück bergauf. Belohnt werden wir mit einem letzten fantastischem Ausblick zurück in das Tal durch das wir gekommen sind.

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Richtung Røldal wird es zusehends karger und fjelliger. Der lange, eher schmale, viel befahrene Røldal-Tunnel mit ohne Mittellinie ist dann noch mal ein Nervenkitzel der besonderen Art, den ich lieber nicht so oft habe. Danach weiß man auf jeden Fall, was ein Tunnelblick ist.

Wir steuern den ersten Campingplatz des Ortes an. Im Seim Camping sucht man sich einfach einen Platz aus und geht dann zur Rezeption. Wir vollbringen ein kleines Wunder und finden auf Anhieb(!) einen guten Platz, an dem man nichts mehr korrigieren muss. Dass ich das noch erleben darf!

Wir setzen uns anschließend noch kurz zum Abendessen und Leute gucken nach draußen. Interessant, dass viele Leute ganz ähnliche Suchstrategien haben. Wir können bald schon vorhersagen, welcher Platz wohl als Nächstes ausprobiert wird…

Es wird uns dann aber doch recht bald schon zu kühl (schönen Gruß nach Deutschland an die Hitzegeplagten!), so dass wir seit langem mal wieder einen Abend lieber drinnen als draußen verbringen. Schön gemütlich!

Was wir morgens noch nicht wissen: Wir brechen in einen Tag der Superlative auf. Alle Leser, bitte anschnallen!

Nach dem Regengammeltag hat sich der Himmel über Nacht wieder aufgeklart und ist so, wie wir in von den letzten Tagen gewöhnt sind. Der Spuk ist vorüber.

Für heute steht wieder mal eine Fahrt auf einem der Nasjonalen Touristveger an: Hardanger.

Duschen am Skjervsfossen

Und das erste Highlight, der Skjervsfossen ist ein Spätzünder. Denn unsere Einstellung ist ein bisschen: Just another waterfall. Was soll uns da noch überraschen? Und tatsächlich: Der erste Stop an der oberen Aussichtsplattform ist toll angelegt, Wasser rauscht und fällt. So weit, so normal.

Dann geht es ein, zwei Serpentinen nach unten und wir erleben schon unsere erste Überraschung: Ein Skateboarder wartet in der ersten Serpentine, dass die Bahn frei ist, bekreuzigt sich nochmal und fährt dann mit vollem Karacho bis an den Fuß des Wasserfalls hinunter. Abgefahren!

Am unteren Teil des Wasserfalls steigen wir noch mal aus und gehen zum Aussichtspunkt Dusjen. Wird auf Norwegisch „Duschen“ ausgesprochen und genau das ist es dann auch – obwohl man nicht unmittelbar in den Fallbereich geht… Wir haben zwar Regenjacken übergezogen, aber unsere Jeans sind nachher pladdernass, als einmal ein besonders heftiger Duschwasserfallregen neben uns niedergeht. Was ein Spaß!

Und als wäre das nicht schon toll genug, gibt es zum Abschluss sogar noch einen Regenbogen gratis dazu.

Skjervsfossen, du hast echt abgeliefert!

Hardangerfjord

Ab dem netten, winzigen Örtchen Granvin fahren wir am Hardangerfjord entlang. Und es stimmt wirklich alles, was man vorher gelesen hat. Tolle Aussichten und am Wegesrand stehen mit hübscher Regelmäßigkeit Apfelbäumchen. Und das die Straße mal mehr, mal weniger breit, aber immer spektakulär, am Fjord entlang führt, ist natürlich Ehrensache.

In Indre Ålvik machen wir ein kleines Kaffeepäuschen mit Himbeerdickmilch, welche hier Tjukkmjölk heißt. Ein netter kleiner Rastplatz mit vielen Picknickbänken. Ein paar Mutige planschen sogar im Fjord.

Am Aussichtspunkt Steinstøberget machen wir erneut einen kleinen Stop und essen die norwegische Variante von Zimtschnecken. Hefig und lecker. Dumm nur, dass das die norwegischen Wespen auch finden. Schnell wieder weg!

Steinsdalsfossen

Und der nächste Wasserfall. Hier ist mal so richtig die komplette Touri-Infrastruktur am Start: Busse, Info, Café, Souvenirshop. Und das ganze für einen von vielen Wasserfällen hier in Norwegen? Nicht ganz.

Der Clou hier ist nämlich, dass man ganz bequem mit wenig Anstrengung hinkommt. Und als wäre das noch nicht genug: Man kann auch hinter dem Wasserfall entlang gehen!

Und was von weitem noch wie ein Gimmick aussieht, ist dann in echt doch reichlich cool. Denn da tröpfeln nicht ein paar Tröpfchen an dir vorbei wie am Weeping Rock im Zion NP in den USA. Da rauschen richtige Wassermassen mit reichlich Wumm an einem vorbei.

Und anders als noch heute morgen: Wir bleiben trotzdem weitestgehend trocken. Regenkleidung überflüssig!

Fähre ins Glück

In Tørvikbygd müssen wir anschließend fast eine Stunde auf die Fähre warten, die wir bei unserer Ankunft gerade abfahren sehen. Die Zeit wird uns aber trotzdem nicht lang, da es hier einfach wunderschön ist und wir es auch nicht wirklich eilig haben, anzukommen.

Stattdessen unterhalten wir uns mit einem jungen amerikanischen Paar, dass mit seinem kleinen, 1,5-jährigen Mädchen durch Norwegen reist und anspruchsvolle Wanderungen mit ihr durchführt. Den Weg zum Kjeragbolten hätten sie schon gemacht und zur Trolltunga wollten sie auch noch. Respekt!

Wir hingegen wollen heute nur noch zum Rastplatz Hereiane auf der Folgefonn-Halbinsel. Hatten wir als Tipp bekommen und die Aussicht auf den Fjord soll hübsch sein. Uns reicht das ja schon…

Und wirklich: Die Anfahrt zum Rastplatz ist schon eine richtig schöne Strecke und als wir dann am Platz ankommen, sind wir überrascht: Nur ein Womo steht hier? Wir hatten uns auf mehr eingestellt…

Was den Platz jetzt aber wirklich perfekt macht: Es gibt kleine Betonpicknickbänke mitten in der schärenähnlichen Felslandschaft, an denen es sich trefflich grillen lässt. Und Sonnenuntergang gucken. Wow!

Und weil es sich geradezu anbietet, stiefele ich nach dem Grillen noch ein bisschen mit meiner Kamera und dem Stativ umher, während Annette und die Hunde einfach genießen, wie wunderschön es hier ist.

Tollster Reisetag bisher!

Was so ein schlechter Wetterbericht doch ausmachen kann. Die Wettervorhersage für den heutigen Tag war so miserabel, dass wir beschlossen, den Tag an unserem schnuckeligen Stellplatz einfach auszusitzen und gar nichts zu tun.

Was man leider fast schon wörtlich nehmen muss. Denn außer ein paar kürzeren Ausflügen lud das Wetter tatsächlich nicht zum Draußensein ein und mit so schönen Aussichten wie gestern können wir auch nicht dienen.

Eher mit vielen Varianten, wie man ein und dieselbe Umgebung in verschiedensten Tönen von Tristesse darstellen kann und dem sogar noch etwas abgewinnen kann.

Ansonsten stellen wir gegen Nachmittag fest, dass 2 Gammeltage so kurz hintereinander fast schon ein bisschen zu viel des Guten sind – ab morgen wird wieder gefahren und entdeckt! Es kribbelt in dein Beinen!

Byebye, Jostedal. Es war schön bei dir, aber jetzt geht es weiter!

Wir genießen noch einmal die Fahrt entlang des Flusses, auch wenn der Tag heute eher trüb beginnt. Aber egal: Wir erledigen dann erst mal das Auffrischen der Vorräte in Gaupne und sind dort schon verwundert, wie mild es ist. Unsere Norwegen-Erfahrung bei einem solchen Himmel sagt uns doch: Dick anziehen! Stattdessen laufen hier Leute in Badehose und Bikini rum. Und das Kuriose: Ist gar nicht mal so verrückt, wie es sich anhört…

Wichtige Einkäufe

Weiter geht es auf herrlicher Strecke nach Sogndal, wo wir 2 Dinge erledigen wollen:

Zum einen muss ich jetzt doch eine norwegische SIM-Karte kaufen, da irgendetwas in Gjerde über Nacht mein komplettes Handy-Datenvolumen leergesaugt hat. Autsch! Immerhin weiß ich schon, wonach ich suchen muss und was zu tun ist. Mycall war vor 2 Jahren nicht schlecht, wird also wieder genommen. 10GB für 30€ sind fair. Zumindest gemessen an den 10€/1GB, die Vodafone jetzt von mir haben will. Aber mit einer Träne im Auge denke ich an den letztjährigen sorglosen Sommer in Frankreich, wo man 100GB bei Free für 30€ kriegt… Irgendwann müssen das doch auch die anderen Länder mal hinkriegen! Nachdem ich im dritten Laden die SIM-Karte gekriegt habe, fülle ich brav das Formular für die Registrierung aus. Die ahnungslose Verkäuferin weiß damit zwar nichts anzufangen, ruft aber ganz pragmatisch für mich bei der Hotline von Mycall an und erledigt die ganze Registrierung am Telefon. Supernett!

Das andere was wir noch erledigen wollen: Shoppen in unserem Stammladen „Sport Outlet“. Den gibt es hier nämlich auch mal wieder. Und als wir in die Straße einbiegen, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Hier waren wir doch vor 2 Jahren auch schon!

Und wie schon vor 2 Jahren verlassen wir den Laden mit gut gefüllter Einkaufstasche, denn die Preise hier sind tatsächlich (man glaubt es nicht): günstig!

Entlang des Sognefjords

Jetzt geht es aber endlich weiter mit dem eigentlich Star des Tages: Der norwegischen Landschaft. Wir fahren weiter – immer entlang des Sognefjords, der hier schon ordentlich breit ist. Mittlerweile scheint schon länger die Sonne und die schillernden Lichtreflexe auf dem Fjord sehen einfach herrlich aus. Aber da wir uns Richtung Vassenden bewegen, sehen wir natürlich vor uns: Eine düstere Wolkenwand, die nichts Gutes verheißt. Werden wir trocken bleiben?

Ein Kniff, der uns hilft, ist das Wechseln der Fjordseite. Die Fähre in Hella wartet schon brav auf uns und fährt praktisch sofort los. Wieder mal gutes Timing!

Und damit schlagen wir 2 Fliegen mit einer Klappe: Wir machen den düsteren Wolken eine lange Nase und bleiben (für den Moment) im Schönwettergebiet.

Die wilde 13

Nach einer Kaffeepause am Fjord widmen wir uns endlich der Straße Nummer 13. Die ist zwar keine der „Nationale Touristenveger“, soll aber trotzdem ganz schön sein. Na dann wollen wir mal testen.

Es fängt schon mal gut an, die Fjorduferstraße ist schon mal sehr schön und auch wenn sie teilweise eng ist, freuen wir uns irgendwie, dass der sich im Bau befindliche Tunnel hier noch nicht fertig geworden ist. Der Ausblick ist so einfach schöner.

In Vikøyri geht es dann den Berg hinauf. In der letzten Kehre befindet sich ein kleines Lädchen/Cafe und von hier aus hat man einen wahrlich grandiosen letzten Ausblick auf den Fjord. Kurz bin ich versucht, zu fragen, ob wir hier für die Nacht stehen dürfte. Es wäre ein spektakulärer Stellplatz!

Aber wir haben noch nicht genug und fahren weiter hinauf aufs Vikafjell. Kurz vor dem Storehaugtunnelen hat man noch einmal ein irres 360°-Panorama und auch hier könnte man sich anscheinend problemlos mit dem Womo hinstellen. Auch nicht schlecht!

Hinter dem Tunnel kommen wir auf die Hochebene und es ist wirklich eines Landschaftsbildners feuchter Traum, was wir hier zu sehen bekommen. Kleine Seen, hohe, aber eher weich geschwungene und trotzdem wuchtige Bergkuppen in dutzenden von Grüntönen. Und dadurch führt einen die Straße in herrlichen Schwüngen. Und das Beste: Die Straße ist durchgängig breit genug ausgebaut, dass man nicht bei jedem Gegenverkehr schon überlegen muss, wer jetzt ausweichen muss. Also quasi wildes Norwegen für Warmduscher. Tolltolltoll!

Die Bergabfahrt führt dann noch am obligatorischen ellenlangen Wasserfall und dem See Myrkdalsvatn mit seiner mysteriös dunklen Farbe vorbei, bevor es wieder in die Zivilisation geht. Eine tolle Strecke!

Skuriller Stellplatz

Unser Stellplatz für die Nacht kann sich aber auch sehen lassen. Am Aussichtspunkt Nesheimtunet ist ein kleiner Parkplatz, der etwas oberhalb des Lønavatnet an einer Ansammlung uralter Höfe liegt. Wir haben das dann mal schnell gegoogelt und uns übersetzen lassen:

Nesheimstunet

Nesheimstunet liegt am nördlichen Ende von Lønavatnet, 16 km von Vossevangen entfernt, mit einer Kreuzung von E 16 bei Tvinne. Der Thunfisch hat keine festen Öffnungszeiten, der Garten ist ein Einhorn, er wurde nicht geteilt, wie viele andere Vossgards.

(…)

Im Haus gibt es Ohren und Raucher.

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Hier befinden sich auch das Loft, die Ställe, Scheunen und Löwen, die bis 1948 in der neuesten Stova eingeladen wurden.

Klar, dass wir hier bleiben müssen! Denn freundlicherweise gibt es hier auch wieder einen Picknicktisch, allerdings in der steinernen Variante. Hundefreundlich mit Leinenloch, während Herrchen und Frauchen ihr Abendessen genießen können.