Runder Abschluss

Manchmal muss man einfach Glück haben. So wie wir heute. Aber der Reihe nach.

Wir warten morgens darauf, dass endlich der versprochene Sonnenschein Einzug hält. Denn zunächst ist es, ähnlich wie gestern, grau und bedeckt. Aber irgendwas ist anders. Die Sonne kämpft sich heute wirklich durch und am frühen Vormittag hat sie gewonnen. T-Shirt-Wetter! Da hätten wir jetzt echt nicht mehr mit gerechnet!

Beste Nachricht des Tages

Die beste Nachricht des Tages erhalten wir am Telefon. Unsere Freunde von Vodafone rufen wegen der Datenwegelagerei von der Schweizer Grenze zurück. Der geneigte Leser mag sich erinnern: 595€ stehen als Zusatzkosten auf meiner Mobilfunk-Abrechnung, weil sich das Tablet im Grenzbereich ins Schweizer Mobilfunknetz eingebucht hat.

Und der nette Mensch vom Reklamationsteam kommt mit der erfreulichen Nachricht um die Ecke, dass die Zusatzkosten komplett ausgebucht werden. Ich hatte mich ja schon mit einem Lehrgeld von 59,50€ (EU-Deckelung für Roamingkosten) angefreundet, aber dass das jetzt sogar komplett kostenfrei bleibt, ist ja mehr als erfreulich! Als Begründung führt er an, dass wir ja in der Tat keine Info-SMS erhalten hätten und deswegen auch nichts hätten anders machen können.

Und so sehr wie ich zuvor auf Vodafone geschimpft habe, so sehr ziehe ich jetzt meinen Hut für eine zumindest im Nachgang absolut kundenfreundliche Handhabung der ganzen Angelegenheit. Wenn ein Anbieter ein Problem so gut löst, sollte man das auch honorieren. Insofern also:

Vodafone? Unter Umständen dann doch vielleicht mal wieder…

Dornröschendorf

Wir machen uns auf eine Wanderung in den Dornröschenort Dörrenbach. Zunächst durch die Kurstadt Bad Bergzabern, die uns nicht ganz so trutschig wie Bad Dürkheim vorkommt, sondern schon etwas mehr Charakter hat. Aber vielleicht liegt das auch nur an unserer Tagesform und den nicht unangenehm die Stimmung drückenden AfD-Nasen.

Man beachte den passend platzierten Wasserspender…

Der Weg nach Dörrenbach ist dann noch mal typisch Pfalz: Weinberge und Wald. Nur der Ort selber ist dann merkwürdig: Wir finden zunächst keine Einkehrmöglichkeit. Und das in der Pfalz! Auch die netten Einheimischen, die wir um Rat fragen, haben da keinen guten Rat. Zu essen gibt es hier und heute nix. Ups! Aber immerhin ein Winzer rettet die Ehre des Ortes: Im Weingut Oerther kriegen wir bei den sehr netten Winzersleuten immerhin etwas zu Trinken. Und Schorle und „Neuer Wein“ gehen ja immer!

Zurück über den Berg

Das mit dem Dornröschenzustand soll sich im kommenden Jahr wohl ändern, wenn die Rathausstube mit neuem Pächter öffnen soll. Es wäre dem Ort mit seinen netten Fachwerkhäuschen zu gönnen – denn touristisch lohnt er sich schon. Und wir stellen verblüfft fest, dass wir vor 2 Jahren sogar schon mal hier durchgefahren sind und den Stellplatz prima fanden. Annette hat da allerdings das deutlich bessere Gedächtnis als ich…

Auf dem Rückweg gucken wir uns noch die Kolmerbergkapelle an, die allerdings eingerüstet ist. War jetzt nicht ganz so lohnenswert.

In Bad Bergzabern gönnen wir uns dann noch ein Eis – wahrscheinlich das letzte das Jahres. Denn auch die Eisdiele liegt in den letzten Zügen: Wie mir der Kellner erzählt, machen sie am Ende des Monats Winterpause und daher gibt es von den 30 Eissorten nur noch 12… Lecker ist es trotzdem. Und wir bewundern sehr die Zweijährige von drei kleinen Kindern, die alle eine Kugel Erdbeereis spendiert kriegen. Sie verliert mit Eistüte in der Hand das Gleichgewicht, fällt hin und kann wirklich kunstvoll das Eis so hochhalten, dass das Eis in der Waffel bleibt. Muss man auch erst mal schaffen!

Wein ohne Probe

Als wir beim Weingut Hitziger ankommen, sind wir von der Wanderung dann doch geschafft. Aber wir wollen ja noch etwas weiter nach Burrweiler, wo ich in der Burrweiler Mühle sicherheitshalber einen Tisch für unseren letzten Abend reserviert habe.

Aber vom jetzigen Weingut möchten wir auch etwas mitnehmen – nur das mit dem Probieren ist etwas schwierig, wenn man dann noch Auto fahren will. Also schnüren wir uns ein Degustierpaket zum Zuhause-Probieren. Teilweise nach Beschreibung, teilweise auf Empfehlung hin. Da hat man dann auch noch was von der Reise, wenn man schon lange wieder Zuhause ist. Gefällt uns!

Perfektes Ende

Nachdem wir uns wieder durch abenteuerlich enge Dörfer gequetscht haben, kommen wir bei „unserem“ Weingut Eberle in Burrweiler an. Aber dort machen wir erst mal ein langes Gesicht: Alle Stellplätze belegt. Wir müssen weiterziehen. Der Juniorchef gibt uns aber denn Tipp, es mal dem Namensvetter Bernd Eberle zu versuchen. Und wir haben Glück: Bei ihm finden wir einen Platz. Und zwar einen richtig guten! Der Blick über die Weinstöcke in die Rheinebene ist von hier aus fast noch schöner und auch Herr Eberle erweist sich als sehr lieber Gastgeber. Auch wenn wir mit seiner Pfälzer Mundart schon zu kämpfen haben – manchmal weiß man da echt nicht, ob das jetzt noch Deutsch oder eine Fremdsprache ist…

Wir sind auf jeden Fall hochzufrieden und bereiten uns auf den Abschlussabend der Reise vor. Und auch hier zeigt sich ein kleiner Vorteil des „neuen“ Stellplatzes: Wir sind näher an der Burrweiler Mühle und haben es also nicht so weit bis zum Abendessen.

Und eben jenes ist dann für uns noch mal ein echtes Highlight auf dieser genussintensiven Reise. Der Herbschd-Deller (für Norddeutsche ohne Konsonantenschwäche: Herbstteller) ein echter Volltreffer, der mit seinen Aromen den Herbst wirklich perfekt einfängt und auch Annettes Metzgerteller sah mehr als lecker aus. Und den Gewürztraminerbrand und den Pfälzer Gin, die wir zum Verdauen bestellen, wollen wir morgen beim Weingut Heußler direkt auch noch in unsere Vorratskammer aufnehmen: So lecker!

Herbschd Deller

Herbschd Deller

Metzgerteller

Metzgerteller

Nur eine Sache werde ich in Deutschland nicht mehr verstehen. Auf der gesamten Reise habe ich, wo immer es ging, mit der Apple Watch bezahlt. Funktioniert problemlos, erspart mir den Gang zum Geldautomaten und das Herumgekrose mit Kleingeld. Und mit dem fröhlichen „Pling!“ macht es fast schon Spaß, sein Geld loszuwerden.

Wie gesagt, überall problemlos. Nur in Deutschland gilt eisern der Wunsch nach Barem oder, gerne schon mit einem gequältem Blick, der EC-Karte. Und auch heute Abend wieder: „Bar oder EC“. Ich sehe das moderne Kartenlesegerät mit dem Kontaktlos-Symbol und sage erfreut „Oh, dann geht das ja doch mit der Uhr!“, halte diese an das Symbol und „Pling!“ ist bezahlt. Was der Kellner dann weniger gut fand. Denn er hat die Vorgabe, Kreditkarten abzulehnen (nichts weiter ist halt eine Zahlung mit der Apple Watch) und muss das jetzt der Chefin verklickern.

War mir dann fast ein bisschen peinlich, aber diese schon religiöse Ablehnung von Kreditkarten in Deutschland ist schon echt merkwürdig. Wieso kann ich in Dänemark ein Eis oder ein Brot mit Karte zahlen und in Deutschland bricht das Geschäftsmodell eines Ladens zusammen und man nagt am Hungertuch, wenn man Kreditkartengebühren tragen muss. Kann mir das mal jemand erklären…?

Aber abgesehen davon: Ein perfekter letzter Reisetag, den wir dann im MoMo ausklingen lassen.

Shopping und Wandern

Wir verlassen unseren Stellplatz in Hornbach ungewöhnlich früh. Denn wir haben einen ausgefuchsten Plan gefasst. In den Vormittagsstunden wird es noch eher trüb sein. Also wollen wir diese Zeit nutzen, um im Outlet in Zweibrücken noch dies und das und jenes zu shoppen. Anschließend, wenn das Wetter besser ist, wollen wir ins Dahner Felsenland und dort bei Sonnenschein wandern. Pfiffig!

Verflogene Zeit

Wie das aber so ist: Manche Dinge brauchen länger. Und so sind wir bis in den späten Mittag im Outlet, bevor es weitergehen kann. Das war doch anders geplant…?

Wir fahren die paar Kilometer zum Bärenbrunnerhof etwas östlich von Dahn. Die Straße zum Hof ist vielversprechend. Eine sehr schottisch anmutende Single-Track-Road. Vor dem Hof allerdings wenig womofreundliche Schilder, auf denen mehrfach darauf hingewiesen wird, dass Übernachten am Hof keine Option sei.

Nachdem wir uns im Hof gestärkt haben brechen wir für eine Wanderung rund um den Hof auf. Dafür muss man wissen, dass der Hof in einem Talschluss liegt und es rundherum nur bergauf geht. Also auch für uns. Und wir stellen fest, dass wir ein Problem haben. Weil wir so getrödelt haben, ist es jetzt schon ordentlich Nachmittag. Und wenn wir die große Runde machen, wären wir erst so gegen 19 Uhr wieder am Hof. Dann wäre es aber bereits dunkel. Nicht gut!

Halbe Sache

Also machen wir nur die halbe Runde, auf der wir leider viele Aussichtspunkte verpassen. Aber ganz so schmerzlich ist es dann doch nicht. Denn das Wetter hat nur zur Hälfte gehalten, was es versprochen hat. Zwar ist es trocken, dafür aber auch milchig trüb. Fernsicht geht anders.

Und so freuen wir uns mehr an den kleinen Dingen. Wie zum Beispiel vermoosten Steinen und bepilzten Bäumen. Oder den grün angeschimmelten, eigentlich roten Sandsteinen wie wir sie aus dem Elbsandsteingebirge kennen.

Die Aussicht am Kühhungerfelsen nehmen wir aber noch mit. Bei entsprechendem Wetter sicherlich spitze. Für uns aber nur hochnebelig verschleiert.

Auf dem Rückweg vorbei am toll benannten Honigfelsen wundern wir uns vor allem, wie viel Höhe wir zuvor überwunden hatten – kam uns gar nicht so vor!

Verzwickte Stellplatzsuche

Jetzt aber schnell weiter. Wir wollen zu einem Winzer in Bad Bergzabern. Was normalerweise eine halbe Stunde entfernt wäre. Und wir sind wirklich spät dran. Es dämmert schon. Da kommt es nur so mittelgut, wenn es dann noch eine Baustellenumleitung gibt. Denn das kennen wir schon aus der Reise vor 2 Jahren: Umleitungen im Pfälzer Wald sind laaangwierig! So auch dieses Mal. Wir werden wirklich bis kurz vor die französische Grenze gelotst und überlegen kurz, ob wir nicht einfach noch mal einen Nacht in Wissembourg einlegen, was uns vor 2 Jahren so gut gefallen hat.

Wir entscheiden uns dann doch für das Neue und kommen kurz vor der absoluten Dunkelheit beim Weingut Hitziger an. Deren Stellplatz ist schon gut besucht und da anscheinend niemand Zuhause ist suchen wir uns kurzerhand selber einen Platz aus. Der ist dann allerdings auf der Wiese und reichlich schräg.

Mal gucken, was die Nacht bringt…

Hundert Kreisverkehre

Heute wollen wir Turckheim (oder auf Deutsch: Türkheim) bei Tag erkunden. Erste Überraschung: Der Gusseisen-Topfspezialist Staub, den wir erst kürzlich entdeckt haben, hat hier anscheinend sein Stammwerk. Wer darauf steht, kann hier das komplette Sortiment besichtigen und teilweise auch zu Outletpreisen kaufen.

Schnuckelstadt

Wir kommen quasi durch die Hintertür nach Turckheim. Denn ein Weg führt uns zunächst einmal oberhalb der Stadt entlang der Weinreben vorbei. Von hier oben hat man einen guten Überblick auf die kleine Altstadt.

Es ist hier auf jeden Fall ein Ding, sein Haus mit den verschiedensten Kleinigkeiten zu verschönern. Vom Gartenzwerg über schöne Bepflanzung bis zu extra Figuren an den Hausecken wird einem alles geboten.

Im Gegensatz zu den bekannteren benachbarten Orten Eguisheim oder Colmar ist es allerdings deutlich entspannter, so dass man das mittelalterliche Flair der Stadt ganz in Ruhe genießen kann. Praktisch Elsass im Westentaschenformat. Und wir stellen fest, dass uns das dann eigentlich auch reicht.

Vielleicht wäre das ja ein Ding? Bei jeder Fahrt in Richtung Frankreich ein Städtchen im Elsass “abhaken”? Denn mehrere auf einmal kann man doch gar nicht verarbeiten!

Und noch ‘n Kreisverkehr

Wir wollen heute wieder ein gutes Stück Strecke machen. Das gute Wetter macht nämlich weiterhin Pause und alles ist mehr oder weniger grau in grau. Da kann man auch getrost Autofahren.

Wir beschließen, uns östlich entlang der Vogesen vorbei zu mogeln. Was bedeutet: keine Autobahn und auch nur wenig Schnellstraße. Dafür aber vielleicht nicht nur gefühlte 100 Kreisverkehre…

Hexenort

I’m Örtchen Imbsheim sticht uns sofort das Bastberger Stuewel mit seiner fliegenden Hexe ins Auge. Ein guter Ort für ein Päuschen!

Und Annette findet sogar noch eine kleine Spazierwanderung für uns: Einmal auf den Bastberg (wohl so eine Art Elsässer Blocksberg mit Hexentanz und allem Schnickschnackschnuck).

Von dort hat man einen schönen Blick hinunter auf das Dorf und auch der Blick in die Vogesen wäre toll, wenn es nicht so suppig grau wäre. Aber es gibt Hoffnung. Wir sehen endlich mal wieder auch kleine Fetzen blauen Himmels! Und als wir weiterfahren kommt sogar eine richtig schöne Abendsonne durch. Jetzt kann das schöne Wetter kommen!

Hornbach reloaded

Wir entscheiden, dass es das heute dann mit Frankreich auch war. Wir peilen Hornbach als Zielort an, wo wir schon vor 2 Jahren so gut gestanden und gegessen haben.

Aber als wir ankommen, hat das Restaurant Capito direkt neben dem Stellplatz leider Ruhetag. Wir meinen aber, dass wir auch in der Klosterschänke gut gegessen hätten. Und die haben sogar auf. Nichts wie hin!

Nur leider haben die anscheinend einen sehr verliebten Koch. Asterix-Fans wissen jetzt Bescheid: Meine “ligurische Fischsuppe” war leider eines der versalzensten Essen, die ich je serviert bekommen habe.

Und auch Annettes Kürbissuppe und Flammkuchen passten qualitätsmäßig so gar nicht zum Preisniveau, was dort aufgerufen wird. Zur Ehrenrettung kann man aber sagen, dass mir die Fischsuppe nicht berechnet wurde und wir beide noch einen Obstler aufs Haus bekommen haben. Schadensbegrenzung geglückt. Wir würden aber trotzdem eher nicht wiederkommen.

Der Regen folgt uns

Die Nacht ist dann weitestgehend ruhig. Nur das Glockengeläut vom Kirchturm neben uns ist morgens um 6 Uhr eindringlich.

Wir wollen zurück nach Port Lesney, weil wir uns schon auf Croissants und Pain au chocolat aus der Boulangerie gefreut hatten. Einzige Problem: Die Baustelle von gestern ist in vollem Betrieb. Und auf einmal steht da ein “Route barée”-Schild auf der Straße. Hä? In die andere Richtung war doch gestern auch kurz hinter unserem Nachtplatz die Straße gesperrt! Sind wir jetzt gefangen in Buffard?

Ich beschließe, es einfach mal zu probieren. Aber ein paar Meter in die Baustelle hinein steht ein LKW, der gerade beladen wird. Straße dicht. Als ich schon wenden will fährt ein Lieferwagen an uns vorbei in Richtung Port Lesney. Und wie durch ein Zauberwort macht der LKW Platz für ihn. Nichts wie hinterher! Ich quetsche das MoMo millimetergenau am Laster vorbei und wir sind durch!

Frustfrühstück

In Port Lesney dann die Überraschung: Der Pegel der Loue ist wider Erwarten deutlich gesunken! Also alle Aufregung umsonst. Da hätten wir auch locker stehen bleiben können. Grmpf.

Annette stiefelt zur Bäckerei los, um uns wenigstens mit Leckereien vom Boulanger zu versorgen. Nach kurzer Zeit kommt sie mit leeren Händen wieder: Es ist ja der verflixte Montag, an dem in Frankreich so viele Geschäfte einfach geschlossen bleiben. Nochmal: Grmpf.

Wir frühstücken also ohne frisches Brot, sondern mit dem alten Baguette, was Annette gestern in Vorfreude auf den Bäcker schon mal in den Tiefkühl gepackt hat. Der Omnia backt es zwar ordentlich auf, aber dasselbe wie frisch ist es dann doch nicht.

Ab nach Norden

Wir gucken auf den Wetterbericht und der sieht für den eigentlich geplanten Besuch von Besançon nicht so vielversprechend aus. Wir verschieben ihn also auf ein (baldiges) nächstes Mal. Wir sehen, dass der Wetterbericht für heute nichts Gutes vorhersagt. Also brechen wir unsere Zelte im Jura ab und möchten lieber auf dem Heimweg noch ein kleines “Best-of” bzw. Revival einlegen. Eine Station im Elsass kann im Herbst doch gar nicht falsch sein. Und heute den Regentag für ein bisschen Strecke zu nutzen kann ja auch nicht so verkehrt sein!

Wir fahren also durch die Jura-Landschaft und kommen wieder zum Doubs zurück – der ist hier ja unvermeidlich. Und auch der Doubs ist reichlich mit Wasser gesegnet. Das müssen vorgestern wahre Regenmassen gewesen sein, die runtergekommen sind!

In L’Isle-sur-le-Doubs finden wir dann endlich sogar noch im Intermarché die Pâte à Tartiner von Gavottes, die Annette über alles liebt. Der Tag ist gerettet!

Hier machen wir dann auch eine Mittagspause und bestaunen am Doubs den Unterschied zum Sommer 2017. Damals fast ausgetrocknet, heute mehr als reichlich Wasser führend!

Heute und…

…im Sommer 2017!

Es wird nicht besser

Wir fahren brav Richtung Norden, aber der Regen folgt uns quasi auf dem Fuße. So langsam geht uns das graue Wetter auf die Nerven! Im Elsass bringen uns zumindest die gelben Hänge der Weinberge auf fröhlichere Gedanken. Eine gelbe Landschaft!

Wir steuern den Campingplatz in Turckheim an. Der heißt zwar Le Médiéval, ist aber durchaus zeitgemäß. Wir gönnen uns mal den Luxus einer langen ausgiebigen Dusche und gucken ansonsten in den wolkenverhangenen Himmel.

Flop total

Als wir dann abends in den Ort gehen, setzt sich unsere Pechsträhne fort. Zwar ist Turckheim, wie irgendwie alle elsässischen Städtchen ein puppenstubenschnuckeliges Fachwerkstädtchen, aber der Montagsfluch gilt auch hier. Alles wirkt wie ausgestorben und die einzigen zwei Restaurants, die wir finden, sind complét – vollbesetzt. Frustriert machen wir uns dann halt im MoMo einen Grünkohleintopf warm und köpfen ein Bierchen aus dem Jura.

Und um den gebrauchten Tag dann komplett zu machen, telefoniert abends um halb elf eine Italienerin anscheinend mit einem Dosentelefon mit Lautsprecher in beeindruckender Lautstärke – wahrscheinlich kann der ganze Campingplatz die Unterhaltung mithören. Wir wissen schon, warum wir in der Regel lieber irgendwo in the middle of nowhere stehen…

Seentour, die Zweite

Das Schlimmste haben wir wettermäßig hinter uns. Und nicht nur das: Es ist morgens trocken und eher freundlich. So kann man den Tag doch beginnen!

Wir beschließen, dass wir die 3-Seen-Runde von gestern noch einmal versuchen wollen. Dafür hat es uns schon bei schlechtem Wetter zu gut gefallen, als dass wir es nicht noch mal probieren wollten.

Und es ist eine wunderbare Herbstlandschaft, die da vor uns liegt. Alles schon in den gedeckten Farben des Spätherbstes, aber wenn die Sonne dann mal doch durch die Wolkendecke kommt, immer noch wunderschön.

Die riesigen Pfützen vom Vortag sind noch nicht viel kleiner geworden. Aber immerhin ist der Weg jetzt gut begehbar. Wir sind auf jeden Fall gewillt, unseren voraussichtlich letzten vollen Tag im Jura zu genießen. Denn wir wollen uns ab morgen langsam aber sicher auf die Heimreise machen.

Wir wandern von einem See zum nächsten und finden immer wieder die Kombination von neuem See mit Herbstlandschaft ganz formidabel.

Umrundung mit Hindernissen

Im Örtchen mit dem malerischen Namen La Fromagerie machen wir eine Rast im L’eolienne, einem kleinen Restaurant. Da uns eher nach einer Erfrischung als nach einem kompletten Essen ist (das Fondue wirkt noch nach…), gibt es Bier, bzw. Rosè und eine Käseplatte, die wir uns teilen. Interessanterweise mit Käseeis – hatte ich auch noch nie. Und die Meinungen gehen auseinander: Annette ist gepflegt angeekelt (“geht gar nicht!”) während ich es durchaus lecker finde. Mal was anderes!

Auf dem Rückweg zum MoMo müssen wir uns dann durch die Spätfolgen des gestrigen Dauerregens durchkämpfen. Denn der Weg ist teilweise buchstäblich überflutet. Will heißen: Der Bach neben uns ist so weit über die Ufer getreten, dass er auf dem Wanderweg weiterfließt. Über Wassermangel müssen die hier gerade wohl nicht klagen.

Entsorgungsnöte

Eigentlich wollten wir nach der Wanderung noch zu den Cascades du Hérisson fahren. Dann aber nur zum Aussteigen-Weggucken-Weiterfahren. Wie wir dann vor Ort feststellen ist das nicht ganz so einfach. Denn zum einen gibt es sage und schreibe 7 Wasserfälle, zum anderen muss man wohl bei den meisten erst mal ordentlich bergab (und wieder bergauf). Wir beschließen, dass wir das beim nächsten Mal, dafür aber gründlich machen werden.

Denn ein anderes Problem brennt uns unter den Nägeln. Unsere Toilettenkassette ist nämlich fast randvoll. Nicht schön. In vielerlei Hinsicht… Aber das kurioseste ist, dass wir im Wohnmobil-Paradies Frankreich in der näheren Umgebung einfach keine Entsorgungsstation finden können!

Wir müssen also unsere Route ein bisschen nach der Scheisshaus-Entleerung richten. Nicht schön, aber was soll man machen… Erst in Champagnole werden wir vor dem Camping de Boyse fündig. Was eine Erleichterung!

Perfekter Plan B

Annette hat uns einen schönen Stellplatz oberhalb von Poligny ausgesucht. Beim Croix du dan soll man einen tollen Ausblick auf die sternförmig aufgebaute Stadt haben.

Auf dem Weg machen wir noch in einer Fruitière Station, um Mitbringsel zu kaufen. Die arme Frau, die im Laden alleine bedienen muss, ist fleißig am Käseschneiden und -verpacken, aber wenn man sieht, welche Mengen an Comté manche Leute kaufen, kann man nur noch staunen. Und sich hinten in der Schlange einreihen und geduldig warten.

Als wir am Croix du dan eintreffen stellen wir drei Dinge fest. Es ist gut besucht – anscheinend ein beliebter Sonntagnachmittag-Ausflug. Und die Aussicht hinunter ins Tal und weit in die Landschaft ist großartig. Aber leider auch: Hier fängt es gleich an, kräftig zu regnen… Wir machen erst mal eine Kaffeepause. Aber da das Wetter nicht besser wird, überlegen wir, ob es noch Alternativen geben könnte.

Candlelight-Dinner

Als ich noch mal auf die Karte gucke, macht es Klick! Denn eine halbe Autostunde entfernt liegt Port Lesney. Und den Ort kennen wir mittlerweile ja schon gut. Das ist der Ort, wo wir im Sommer die Leute im Flüsschen haben planschen sehen. Und wo wir dieses Frühjahr auch wieder an der pittoresken Brücke gestanden haben.

Aber vor allem: Wo es das schnuckelige Bistro auf der Ecke gibt, wo wir bisher nie einen Platz gekriegt haben. Und was ein stilvoller Ort für uns wäre, unseren 30-jährigen Kennenlerntag zu feiern. Wir finden ja immer gerne Gründe zum Feiern, aber das ist doch mal wirklich ein Anlass!

Wir fahren die paar Kilometer nach Norden, kommen an der Brücke an und sind erst mal völlig platt: Das ist aber ganz schönes Hochwasser, was die Loue da mit sich bringt! Höchstens noch 2m zwischen Brücke und Fluss. Und auch die Auen, die wir als durchaus üppig in Erinnerung haben, sind völlig überschwemmt. Wenn das so weiter regnet, müssen wir uns fast schon sorgen, dass die Loue vollends über die Ufer tritt und das MoMo unter Wasser setzt!

Aber ein bisschen Zeit haben wir wohl noch und die wollen wir nutzen. Wir machen uns also dem Anlass angemessen chic und gehen die paar Schritte zum Bistro hinüber. “Bonsoir!” Oh, nicht reserviert? Da müssen wir aber erst mal gucken… Und das, obwohl wir die ersten Gäste sind und der Laden nicht gerade klein aussieht! Es findet sich dann aber doch recht flott ein Tisch für uns und es war wohl mehr Show als ein ernsthafteres Problem, denn es ist auch am fortgeschrittenen Abend weit davon entfernt, vollbesetzt zu sein.

Unsere Restaurantwahl ist dann auch im Weiteren ein voller Erfolg. Leckere französische Küche mit dem gewissen Etwas. Nur bei der Vorspeise patzt unser Kellner bzw. die Küche: Man bekommt kunstvoll einen Teller mit den Grundzutaten serviert, zu dem dann eine Veloute aus einer Karaffe dazu gegossen wird. Aber irgendwas ist da schief gelaufen, denn bei meinem Teller fehlen die Muscheln und bei Annette die Maronen. Und eine Fischsuppe mit Maronen und eine Kürbissuppe mit Muscheln sind zwar auch kreativ, aber nicht das, was wir bestellt haben. Als der Garçon dann im zweiten Anlauf demonstrativ alles richtig macht, müssen wir alle grinsen. Und köstlich war es dann auch noch!

Ein gelungener Abschluss für unseren Jura-Trip! Denn ab morgen geht es häppchenweise wieder nach Hause.

PS Kleiner Schreck in der Nachtstunde

Kurz vor Mitternacht. Ich bin gerade dabei, Annette, die schon halb schlummert, in den Alkoven zu folgen. Es klopft an die Tür. Was ist das denn? Polizei?

Nein, es ist ein mitternächtlicher älterer Hundespaziergänger, der sich anscheinend Sorgen um uns macht. Wenn ich ihn richtig verstehe, weist er uns darauf hin, dass die Loue gerade extremes Hochwasser führe und er nicht wüsste, ob das für uns ein sicherer Platz für die Nacht sei. Ich bedanke mich und wir halten Kriegsrat. Hat es nicht den ganzen Abend durch wieder ordentlich geregnet? Ist der Pegel wirklich noch mal gestiegen? Was würde passieren, wenn das Wasser der Loue den kleinen “Deich” hinter dem MoMo durchweicht hat? Werden wir dann weggeschwemmt? Wollen wir das Risiko eingehen?

Wir entscheiden uns dafür, unsere Zelte abzubrechen. Aber wohin? Einfach irgendwo am Straßenrand? Bei Dunkelheit immer ein schwieriges Unterfangen. Wir entscheiden uns für einen Platz im Nachbarort Buffard, den wir bei Park4night finden. Was wir da noch nicht wissen: In Buffard wird die Durchgangsstraße neu gemacht und man fährt nicht nur durch die völlige Dunkelheit sondern auch noch durch eine reichlich holprige Baustelle. Aber der Platz gegenüber der Auberge ist dann als Notlösung ganz akzeptabel – und definitiv nicht mehr in Reichweite des Flusses. Puh!

Landunter am See

Puh, hat das in der Nacht geplästert! Zwischendurch prasselte der Regen so sehr aufs MoMo, dass wir uns fast schon an das Unwetter in Torla erinnert fühlten, bei dem MoMo I ziemlich ramponiert wurde. Aber heute und hier ist es dann am Ende doch nur ein heftiger Regen und kein Hagel. Ist uns auch sehr recht so!

Unerschrocken

Wir richten uns auf einen entspannten Lesetag im MoMo ein. Denn in der ganzen Region soll es heute ohne Unterlass schiffen. Teilweise immer wieder kräftig. Da wären wir ja bekloppt, wenn wir den eigentlich sehr schönen Platz hier aufgeben würden.

Annette erkundet bei der morgendlichen Pipi-Runde mit den Hunden die nähere Umgebung. Sie stellt fest, dass alles ganz schön unter Wasser steht. Auch die Picknickbank am Parkplatz ist regelrecht abgesoffen!

Der Wetterbericht kündigt aber für die Mittagszeit an, dass der Regen eine kleine Pause einlegen soll. Die wollen wir nutzen. Denn es gibt einen Wanderweg um die 4 Seen, die hier dicht beieinander liegen. Soll so ungefähr 2-3 Stunden dauern.

Bei leichtem Nieselregen gehen wir also frohgemut los. Das Wetter passt zu der leicht maroden Landschaft mit den verblühten Gräsern am See.

Auch die gigantischen Pfützen auf dem Weg können wir mit unseren gut imprägnierten Schuhen locker ignorieren. Wir sind doch gut ausgerüstet!

Abbruch

Wir kommen bis zum zweiten See, dem großen Lac Maclu. Jetzt hört es wirklich auf, langsam zu regnen. Meine wasserabweisende Hose hat bereits kapituliert. Die ersten Regentropfen klopfen bei meiner Unterhose an. Hm.

Da das ganze nicht so aussieht, als würde es in den kommenden Minuten auch nur ansatzweise besser werden, beschließen wir umzukehren. Man muss ja niemandem etwas beweisen.

Und das erweist sich dann auch als die einzig richtige Entscheidung. Der Regen strömt und strömt von oben. Und nachdem wir das MoMo erreicht haben und die klitschnassen Klamotten zum Trocknen aufgehängt haben, kommen noch Blitz und Donner dazu. Eine richtige Entscheidung!

Gammelnachmittag

Den Rest des Tages verbringen wir dann folgerichtig einfach damit, wieder trocken und warm zu werden und genießen es, einfach mal nichts zu tun. Beziehungsweise: Zu lesen, zu bloggen und zu spielen.

Quellenfondue

Wir starten auch für unsere Verhältnisse langsam in den Tag. Es ist halt grau und trüb und lockt so gar nicht nach draußen. Aber immerhin ist es weitestgehend trocken.

Herrlichster Herbst

Als wir dann losfahren sind wir geflasht. Denn obwohl es trüb ist, haben wir gerade anscheinend den Höhepunkt der Laubfärbung erreicht. Auch ohne Sonne leuchtet die Landschaft und wenn ein Sonnenstrahl sich dann mal kurz blicken lässt, ist es um so schöner.

Dass wir auf einer wenig befahrenen Nebenstraße unterwegs sind, verstärkt das Erlebnis nur noch. Wir zockeln gemütlich durch die kleinen Dörfer und können uns nicht sattsehen. Guck mal hier! Guck mal da!

Schon wieder Doubs

Und auch hier läuft uns der Doubs über den Weg – man kann ihm einfach nicht entkommen. Denn nahe dem Örtchen Mouthe befindet sich seine Quelle – die können wir unmöglich nicht besuchen!

Wir parken das MoMo in Mouthe und machen uns auf den Spazierweg entlang des hier noch ganz jungen Doubs in Richtung Quelle. Es ist eine tolle, wenn auch schon etwas verwelkte Schilflandschaft und da die Sonne sich nicht lumpen lässt, leuchtet alles in gelb-orange-beigen Tönen.

Die Quelle des Doubs ist dann komplett anders als die der Loue. Zwar kommt auch hier der Fluss aus einer Gesteinswand, aber es wirkt alles viel lieblicher und wildromantisch mit Picknickgelegenheit links und rechts des Ufers.

Wir können uns fotografisch austoben und anschließend noch zum Belvédère hinauf, von dem man über die Quelle hinweg in die Landschaft gucken kann. Lohnenswert!

Fonduefreuden

Ich hatte zuvor schon gesehen, dass es im Chalet de la source gutes Essen geben soll. Uns passt das eigentlich ganz gut so.

Eigentlich waren wir auf das Mittagsmenu eingestellt. Aber als ich sehe, dass es hier ein Comté-Fondue mit Morcheln geben soll, schwenke ich kurzentschlossen um. Und Annette schwenkt mit, wenngleich sie zu bedenken gibt, dass man die Morcheln doch wahrscheinlich nicht so schmecken würde.

Und ob man die schmeckt! Mörderlecker! Und das Fondue ist auch in seiner Gesamtheit ein Erlebnis. Denn das Rechaud gefällt uns mit seinem filigran ausgestanzten Figuren ebenfalls gut und auch die Konsistenz ist dann so, wie man sie Zuhause einfach nicht hinkriegt. Mir tropft es jetzt beim Schreiben schon wieder aus dem Mund…

Einziger Nachteil: Man weiß dann auch, was man da gerade gegessen hat. Will sagen: Der Bauch ist prall und rund. Und der Spazierweg zurück zum MoMo reicht nicht, um das abzutrainieren.

Ab in den Regen

Der Wetterbericht ist für heute und die kommenden Tage ziemlich miserabel. Wir sind geradezu verblüfft, dass wir den Quellenausflug nahezu trocken hinter uns bringen.

Als wir uns dann aber in Richtung Südwesten begeben, kommt es, wie es angekündigt ist. Es regnet sich so richtig ein und wir denken trotzdem „Passt irgendwie dann auch zum Oktober“ als wir mal wieder den Kühen Vorfahrt gewähren.

Am Petit Lac Maclu finden wir dann schließlich ein Quartier für die Nacht. Der Wanderparkplatz gehört uns bei dem Wetter ganz alleine. Wir betrachten den geschotterten Boden kritisch-wohlwollend. Den werden wir wohl für die ergiebigen Regenfälle, die für die Nacht angekündigt sind, noch zu schätzen wissen.

Aussichten und Leckereien

Wir sind überrascht, wie schwach besucht unser Belvédère ist. Den ganzen Vormittag über kommt nur ein Auto vorbei. Ansonsten haben wir den Platz für uns.

Die Aussicht ist auch heute noch schön.

Wir haben aber gesehen, dass es noch einen zweiten Aussichtspunkt gibt: den Belvédère de Renédale. Der liegt einen halbstündigen Marsch entfernt, den wir, mittlerweile wohltrainiert, natürlich locker angehen.

Wir begutachten schon mal die Auberge du Moine, die am Straßenrand gestern regelmäßig angekündigt wurde. Wer sich „in the middle of nowhere“ halten kann, kann doch so schlecht nicht sein, oder?

Fliegenpilzweg

Der Weg zum Aussichtspunkt ist dann hubbeliger also erwartet. Wir haben diesmal Mia dabei, die sich wieder mal mehr als achtbar schlägt. Wenn ich blind unterwegs wäre, würde ich ja etwas vorsichtiger sein. Aber unsere alte Dame hat entweder Gottvertrauen oder Todessehnsucht, so flott wie sie an der Leine zieht! Gut, dass ich schon eine gewisse Fertigkeit im Blinden-Hund-Führen entwickelt habe…

Hubbelig heißt bei diesem Weg allerdings auch abwechslungsreich. In einem kleinen Wäldchen gibt es sogar eine Fliegenpilzkolonie. Aber auch Steine und Wurzeln stehen auf dem Pflichtprogramm.

Die Aussicht finden wir dann wirklich grandios – fast noch schöner als an unserem vorigen Belvédère, da man hier noch weiter in die tiefe Schlucht der Loue blicken kann. Mit den Herbstfarben und den fallenden Blättern ein wildromantischer Anblick. Der Weg hat sich gelohnt!

Schlemmeressen

Auf dem Rückweg zum MoMo kommen wir an der Auberge vorbei. Und diesmal machen wir Ernst. Annette klärt noch kurz ab, ob die Hunde mit rein dürfen (dürfen sie!) und dann haben wir die Qual der Wahl: Menu? Einzelgerichte? Und was versteckt sich hinter den Bezeichnungen? Sooo gut ist unser Französisch dann doch nicht…

Diese fluffigen Kälber lagen direkt vor der Auberge – so weiche Kühe hatten wir auch noch nie!

Da wir von unserem Menu in Belleherbe noch etwas traumatisiert sind und die Qualität des Essen nicht wirklich einschätzen können, hat Annette als Idee die goldene Mitte: Wir teilen uns einen gemischten Charcuterie-Teller zur Vorspeise und auch die Hauptgerichte werden geteilt. Deal!

Der Kellner hat einen herben Charme und lässt uns mit unserem Bröckchen-Französisch ein bisschen zappeln, streut selber aber immer auch ein paar deutsche Brocken ein. Wir sind uns aber sicher, dass er einen eher westfälischen Einschlag hat…

Das regionale Essen steht hier wirklich hoch im Kurs und das merkt man an den frischen und leckeren Produkten. Die Wurstplatte ist einfach köstlich – ich würde jede Variante sofort beim Metzger ordern, wenn ich nur wüsste wie genau der einzelne Aufschnitt hieße. Das einzige, was wir sicher identifizieren ist die lokale Spezialität „Saucisse de Morteau“, eine in der Tat sehr leckere Wurst, die leicht erwärmt serviert wird.

Aber auch unsere Hauptspeisen sind Knüller: „Crôute forestière aux morilles, pain beurré“ entpuppt sich als eine Art Pilzragout (mit Morcheln) mit geröstetem Brot. Mjam.

Noch einen Tacken besser schmeckt mir dann das „Filet de truite pané au Comté“, ein butterzartes Forellenfilet, dass mit einer sensationellen Comté-Kruste überbacken ist. Zum Niederknien köstlich!

Ab zur Quelle

Solchermaßen gesättigt und beglückt können wir entspannt weiter reisen. Und zwar nur ein paar Kilometer weiter. Zur Quelle der Loue, die wir eben noch vom Belvédère aus bestaunt haben.

Dort herrscht tote Hose. Buchstäblich eine Handvoll Autos auf dem Parkplatz. Die Leute im Touri-Shop langweilen sich bestimmt zu Tode! Denn es scheint hier im Sommer durchaus lebhafter zuzugehen. Heute, mit dem immer trüber werdenden Wetter nicht so sehr.

Wir gehen die paar Minuten hinunter zur Quelle und sind von der für den Herbst immer noch beeindruckenden Wassermenge, die hier einfach so aus dem Fels herausspringt, beeindruckt. Auf Bildern wird das schäumende Wasser bei voller Pulle im Frühjahr gezeigt – wir sind noch mehr beeindruckt!

Einkauf und Seeblick

Da wir bereits gestern so gut in der Fruitière eingekauft haben, machen wir direkt noch einmal dort Station. Diesmal für ein bisschen Wurst, von der wir hoffen, dass sie so gut schmecken wird wie auf unserem Charcuterie-Teller.

Bis jetzt haben wir vom angekündigten Regen so gut wie nichts abbekommen. Das ändert sich aber jetzt. Das Regengebiet hat endgültig auch unsere Region erreicht. Wir fahren weiter bis an den Lac de Saint-Point. Dort gibt es in Saint-Point-Lac (echt fantasievoller Name…) einen Womo-Stellplatz, der vorbildlich angelegt ist. Direkt am See, befestigter Untergrund und gute Ent-/Versorgung. Nehmen wir. Und zahlen auch die 10€ Stellplatzgebühr, obwohl die Schranke, die sonst den Zugang regelt, weit geöffnet ist. Wahrscheinlich interessiert es kein Schwein, dass wir das tun, aber es fühlt sich einfach besser an.

Und als dann die Sonne untergeht, am anderen Seeufer die Lichter blinken und der Regen gegen das Wohnmobil prasselt, fühlen wir uns sauwohl im gemütlich warmen MoMo.

Jabbadabba-Doubs

Eine herrlich ruhigen Nacht am Lac des Brenets. Also, vorher und nachher ist es wieder der Doubs. Aber der verwandelt sich zwischendurch immer wieder gerne mal in einen kleinen See, wie wir heute lernen dürfen.

Es ist fantastisch neblig-mystisch. Man kann schon erkennen, dass es ein schöner Tag werden wird und die Sonne bald gewonnen haben wird. Aber noch ist der Nebel das beherrschende Element rund um den See.

Mal kann man das andere Seeufer schon recht deutlich erkennen, mal sind die paar Bäume gegenüber nur noch schemenhaft oder gar nicht mehr zu sehen.

Und richtig toll wird es, als man das Steilufer weiter in Fliessrichtung des Flusses erkennen kann, das zuvor gänzlich unsichtbar war. Herbst, so schön wie er nur sein kann!

Springender Doubs

Wir fahren wenige Kilometer bis zum Wanderparkplatz oberhalb des Saut du Doubs, des Sprung des Doubs, was eine sehr poetische Beschreibung für einen Wasserfall ist.

Das Ungewöhnliche an diesem Parkplatz: Er liegt einen Kilometer, aber vor allem 150 Höhenmeter vom Wasserfall entfernt. Es geht also steil abwärts! Und wir freuen uns schon auf den Anstieg, wenn es dann wieder zurück zum MoMo geht…

Am Belvedere-Ausssichtspunkt, der immer noch weit oberhalb des Wasserfalls liegt, treffen wir auf eine Gruppe Schiffstouristen, die alle an ihrer Platiskprovianttüte leicht zu erkennen sind. Denn der eigentlich favorisierte Anreiseweg zum Wasserfall ist eine Bötchentour von Villers-Le-Lac bis kurz vor den Wasserfall.

Als die Touristengruppe alles weggeguckt hat wird es dann schnell wieder einsam. Nur der Wasserfall rauscht vor sich hin und die feinen Wasserpartikel glitzern auch hier oben noch in der Luft.

Seefluss

Wir folgen dem Doubs in seinem weitern Lauf flussabwärts. Hierhin verirrt sich dann schon kaum noch jemand. Und das ist wunderbar für uns und schrecklich für die anderen. Denn sie verpassen eine wirklich tolle Strecke entlang des Flusses, den man zunächst nur vage durch die Bäume sehen kann, an dem man aber bald recht nah heran kommt und leicht oberhalb des Ufers entlang läuft.

Alsbald kommen wir an eine Stelle, wo es aussieht, als würde eine Insel im Fluss liegen, die ein bisschen wie ein Schiff aussieht. Es stellt sich aber heraus, dass es immer noch das andere Ufer ist, sich der Doubs dahinter aber wieder erweitert und zum Lac de Moron wird.

Und als wir wenig später durch einen kleinen Arch hindurchschreiten, kommen wir uns ein bisschen nach Amerika versetzt vor. Und freuen uns.

Irre Elli

Am Lac de Moron machen wir wenig später eine Mittagspause. Am Ufer liegen ein paar Boote, die im Sommer sicherlich eifrig benutzt werden. Jetzt sieht hier alles verlassen aus. Wir nutzen ein Boot als Sitzgelegenheit und stärken uns erst mal.

Und dann legt Elli mit ihrer One-Dog-Show los:

Oh, guckt, ich kann Kreise laufen! Und Achten!

Und was ist das: Wasser? Will ich da rein? Schon, aber nur, wenn mein Bauch nicht nass wird!

Und das hier? Ein verkohlter Ast? Na, denn kann ich doch durch die Luft schleudern! Und genüsslich in Kleinteile zerlegen. Und das Moos? Das lässt sich ja fast so gut wie Sand buddeln!

Oh, was ist das aufregend. Ich liebe einfach alles hier!

Staumauer

Nachdem Elli sich ausgetobt hat können wir weiter. Es ist gar nicht mehr all zu weit, bis wir zu unserem Wendepunkt kommen. Denn der Lac ist kein natürlicher See. Er ist durch eine Staumauer entstanden, die den Doubs hier zurückhält. Während der See auf der einen Seite grünlich schimmert, sieht es hinter der Staumauer eher trostlos aus.

Und da es auf dem ebenfalls möglichen Rundweg weiter oberhalb mehrere Stellen mit Leitern geben soll, beschließen wir, unser Glück nicht überzustrapazieren, sondern kehren einfach auf dem gleichen Weg zurück. War ja schließlich ein schönes Erlebnis!

Saut de Doubs zum Zweiten

Als wir zum Saut zurückkehren, wird es gleich doppelt und dreifach laut. Zum einen, weil man den Wasserfall schon von weitem deutlich rauschen hört. Zum anderen, weil eine Schulklasse (geschätzt 6./7. Klasse) auf Klassenfahrt ist – die können gar nicht leise. Zum dritten, weil eine Lehrerin einen Schüler nach allen Regeln der Kunst anbölkt. Den Anschiss möchte ich nicht abgekriegt haben…!

Wir sind beeindruckter als gedacht von diesem Wasserfall. Der würde auch in Norwegen eine gute Figur machen! Und es ist ja jetzt noch nicht mal Hochsaison für ihn – bei der Schneeschmelze wird das hier noch deutlich mehr rummsen !

Nachdem wir uns für den Aufstieg gestärkt haben, machen wir uns auf den Rückweg zum MoMo. Meine Fresse, geht das teilweise steil bergauf! Auf den letzten Metern kommt uns ein älterer Herr entgegen und fragt, ob er hier richtig auf dem Weg zum Wasserfall sei. Wir versuchen, ihn vorzuwarnen, aber er geht vergnügt weiter. Hoffentlich hat er den Rückweg gut verkraftet!

Ab ins Courbet-Land

Eigentlich sind wir von unserer Wanderung ganz schön platt. Aber wir wollen noch ein bisschen weiter. Und zwar 50 km weiter westlich. Wir verlassen den Doubs und fahren durch eine Landschaft, die uns mehr als einmal an die Schweiz erinnert – die Nachbarschaft ist unverkennbar.

In der Nähe des Ortes Ouhans fällt uns das Hinweisschild auf das PAYS DE COURBET – PAYS D’ARTISTE auf. Wir befinden uns also in der Heimat des Malers Gustave Courbet – sicher ein gutes Zeichen!

Nachdem wir uns in einer Fruitière nochmal mit Leckereien eingedeckt haben, steuern wir unseren letzten Höhepunkt an. Den Belvédère du Moine. Lediglich eine Kuhherde, die von einer Weide auf die nächste getrieben wird, steht uns noch im Weg.

Den Aussichtspunkt haben wir mal wieder für uns alleine. Irre! Denn der Blick hinunter ins Tal der Loue ist wirklich beeindruckend. Und was noch besser ist: Wir werden hier übernachten. Das Womoleben kann so schön sein!