Naja, die Überschrift ist ein bisschen übertrieben, aber es passte so schön… Denn eigentlich kommen wir problemlos voran. In Bozen hatten wir noch mal so getankt, dass wir locker nach Deutschland zum Volltanken kommen würden. Dumm nur, dass die Dieselpreise bereits in Österreich deutlich unter den doch recht hohen italienischen Preisen liegen…Da hätten wir ein paar Euro sparen können.

Die Fahrt über den Reschenpass  und anschließend über den Fernpass hatten wir ausgesucht, weil wir gerne noch etwas von den Bergen haben wollten und es ja nicht supereilig haben, wieder Zuhause anzukommen. Insofern genießen wir die Fahrt durch das frühlingshafte Südtirol bei strahlendem Sonnenschein und endlich auch wieder dazu passenden Temperaturen.

Am Reschensee machen wir dann eine kleine Pause und staunen über den immer noch zugefrorenen See, der nur am Rande bereits etwas angetaut ist. Annette betrachtet neidisch die Leute, die zum Skifahren den Berg hinauf fahren und studiert schon mal mit anerkennendem Blick den Plan mit der örtlichen Pistenübersicht.

Weiter geht es über den Fernpass und als auch dieser zweite Pass gefahren ist, bin ich eigentlich ganz froh, dass es endlich auf die Autobahn geht. Geradeaus fahren ist auch mal schön!

Als Etappenziel haben wir uns Dinkelsbühl ausgeguckt, wo wir auf dem Stellplatz vor dem Campingplatz übernachten. Netterweise scheint direkt nebenan der Treffpunkt für die Dorfjugend zu sein, die den ersten Abend bei erträglichen Temperaturen genießt – mal gucken wie die Nacht wird!  Momentan ist uns das aber recht egal, das wir es uns am letzten Abend noch einmal in “Weib’s Brauhaus” mit leckerem frisch gebrauten Bier gut gehen lassen. Und einen besonderen Humor haben die Dinkelsbühler auch:

Heute ist unser letzter Tag am trasimenischen See und es wird auch der letzte Tag Toskana werden. Heute steht Montepulciano auf dem Programm, damit Sofie ihre vor 2 Jahren aus dem Womo geklaute dort erstandene und viel beweinte Tasche ersetzen kann. Ach ja, und die Stadt soll ja auch ganz nett sein.

Schweren Herzens nehmen wir Abschied vom Campingplatz am See, denn nicht nur Lage und Duschen waren toll, sondern auch die Betreiber waren ausgesprochen herzlich. Zumindest wird mir von Bruno vor allem das “perfettto” und “benissimo” in Erinnerung bleiben.

Auf der Fahrt nach Montepulciano geht es wieder über die berüchtigten Landstraßen, die von der Erosion oder Frost oder beidem mal zur einen, mal zur anderen Seite extrem absinken. Wir haben einen Laster vor uns, der an diesen Stellen immer eine solche Schräglage einnimmt, dass man eigentlich immer damit rechnent, dass er gleich umkippt, obwohl der Fahrer ausgesprochen vorsichtig fährt. Überholen scheint da nicht ratsam. Finde zumindest ich. Aber ein 8m langes vollintegriertes Womo rauscht auf einmal an uns vorbei und hat kein Problem, auch den LKW zu überholen – ein Glück, dass es in diesem Moment keine Fahrbahnsenke gibt, sonst wären die beiden garantiert aneinandergestoßen. Puh!

In Montepulciano ist Markt, was bedeutet, dass der eigentliche Womoparkplatz gesperrt ist. Finden wir gut, weil direkt unterhalb der kostenlose Busparkplatz ist und wir unsere Markteinkäufe direkt in den MoMo-Kühlschrank verfrachten können.

Dann geht es auf Taschenshoppingtour für Sofie. Ich hatte ja in Erinnerung, dass es doch so einige Lederwarengeschäft in Montepulciano gab, aber das es SO viele sind, wusste ich auch nicht mehr! Und so gehen wir von Geschäft zu Geschäft, Sofie beäugt kritisch die Ware und macht sich im Geiste Notizen, wo es schöne Taschen gab. Wir finden auch das Geschäft wieder, wo Sofie vor 2 Jahren ihre erste Tasche bekommen hatte, aber das, was ihr vorschwebte, gab es nicht mehr. Zwar andere schöne Dinge, aber nichts, was sie spontan zum Kauf bewegen könnte. Also machen wir uns weiter auf den Weg und kriegen noch die Auskunft, dass ab 13.30 Uhr die Mittagspause anfangen würde. Ui, das wird knapp! Aber wie es der Zufall will, zeigt mir Sofie auf dem Rückweg eine ebenfalls sehr schöne Tasche und während wir noch überlegen, kommt die Besitzerin heraus und will abschließen. Siesta! Auf Sofies Schreckensschrei hin fragt sie nach, ob wir noch etwas kaufen wollten. Also wird die Tasche noch einmal begutachtet und für richtig und schön befunden. Glückliches Kind!

Nachdem auch dieser Punkt auf der Wichtige-Dinge-die-unbedingt-noch-erledigt-werden-müssen-Liste abgehakt ist, kann es an die Fahrt in Richtung Heimat gehen. Auf der Autobahn lässt es sich bis auf die ekligen Berge auf der Strecke Florenz-Bologna hervorragend und superentspannt fahren, aber es ist trotzdem schon so gut wie dunkel, als wir in Südtirol ankommen. Der Stellplatz am Restaurant Pfeffermühle ist eigentlich nichts weiter als der Parkplatz des Restaurants, aber ein leckeres Abendessen als Belohnung für den dann doch laangen Fahrtag ist uns gerade recht.

Heute werde ich wieder durch die frostigen Temperaturen früh wach. Angeblich waren es in der Nacht sogar deutliche Minusgrade. Für einen gemütlichen Start in den Tag drehe ich schon mal die Heizung etwas höher. Hm, springt nicht an. Gas alle? Kurzer Test mit dem Herd: Nein, die Flamme geht noch an. Hm. Das Steuerrad am Heizungsthermostat blinkt 9x gelb. Ich gucke in den Fehlercodes des Handbuches nach, aber da ist maximal 8x vorgesehen. Hm. Und während ich so grübele, fängt der Kühlschrank an zu piepen, weil er kein Gas mehr hat. Also doch das Gas! Ich ziehe mir die Latschen über und schließe inmitten kleinster Schneeflocken, die durch die Luft tanzen, die zweite Gasflasche an. Anscheinend haben die überwiegend doch noch recht kalten Nächte ganz schön am Gasvorrat geknabbert. Naja, bis zum Wochenende hält die neue Flasche locker.

Unser Frühstücksausblick ist weniger spektakulär als angenommen, da es doch recht bewölkt ist und das Besonderste an diesem Morgen ist wirklich, das Schneetreiben im zwischenzeitlichen Sonnenschein zu beobachten. Gottseidank bleibt nichts liegen – ansonsten wären wir mir unseren Sommerreifen echt in Schwulitäten gekommen. Sehr unterhaltsam sind noch die 2 Männer, die volle Mülltonnen in den schmalen Spalt eines Glascontainers entleeren. Es wirkt wirklich wie eine Szene aus einem Stan und Olli-Film, wie diese 2 Männer sich abmühen, den Müll in den davor gar nicht vorgesehen Spalt zu werfen, obwohl auf unserem Parkplatz 3 leere große Müllcontainer stehen.

Unsere Fahrt geht weiter zum Aussichtspunkt La Foce bei Lucciolabella. Ein absolutes Postkartenmotiv und auch ich versuche mein Bestes, ein ansprechendes Foto als Erinnerung zu schießen. Und wir haben wirklich riesiges Glück, denn keine 5 Minuten später ziehen fette Wolken über uns, die wieder Schnee und Regen mit sich bringen und von der schönen Aussicht nicht viel übrig lassen. Echtes Aprilwetter!

Kurz vor Chiusi füllen wir noch mal unsere Vorräte in einem Supermarkt auf und wollen dann Chiusi erkunden. Wir finden wider Erwarten problemlos einen guten Parkplatz und klettern mal wieder hoch ins Zentrum. Ein nettes Städtchen, das so gut wie gar nicht touristisch ist und jetzt in der Mittagszeit wie ausgestorben wirkt.

MoMo-Suchbild MoMo-Suchbild

An einer ausgesprochen pittoresken grünen Holztür passiert Annette dann das Missgeschick des Tages. Das Handy rutscht ihr aus den kalten Fingern und fällt, wie sollte es anders sein, nicht auf die behüllte Rückseite, sondern auf das Glas, was nach diesem Sturz nur noch ein Fall für den Glaser ist. Viele Brüche und Risse im Glas, mit kleinen Splittern überall. Autsch! Das wird ein Fall für den Handy-Doktor! Besonders ärgerlich ist, dass sie es aufgrund der Splitter jetzt auch überhaupt nicht mehr nutzen kann. Also bis zur Reparatur keine Fotos oder Nachrichten, nicht wundern!

Eine geschockte Annette und um Trost bemühter Ehegatte samt Kind brechen zum Mittagsziel Lago Chiusi auf. Dort lecken wir unsere Wunden, überlegen, wie man am besten das Handy reparieren kann und genießen die Aussicht aus dem warmen Wohnmobil. Denn es weht immer noch dieser eisige Wind und die Sonne kommt nur selten durch. Für das eigentlich geplante nette Picknick am See ist es einfach definitiv zu kalt!

Da uns für heute der Entdeckergeist etwas abhanden gekommen ist, beschließen wir, einfach zum Lago Trasimeno, oder, wie er bei uns heißt, der Transsylvanische See, weiterzufahren und uns auf einem Campingplatz mal wieder frisch zu machen.

Nach den ACSI-Bewertungen ist der Campingplatz mit dem für hiesige Verhältnisse merkwürdigen Namen “Kursaal” der Beste unter den verfügbaren vergünstigten ACSI-Plätzen und auch, wenn wir die anderen nicht gesehen haben, können wir das nur bestätigen. Da Vorsaison ist und die Oster-Italiener alle wieder Zuhause sind, können wir uns den Platz aussuchen und kriegen auch nachmittags noch einen Seeplatz deluxe. Kostet zwar 2€ Zuschlag, ist aber jeden Cent wert. Und die Duschen sind nicht nur piccobello sauber, sondern auch noch geräumig(!) und so schön gestaltet, dass sie jedem Wellnessbad Konkurrenz machen könnten. Der absolute Hammer!

Wir breiten erst mal unser ganzes Tisch-und-Stuhl-Gedöns aus, dass seit Sestri Levante nicht mehr gebraucht wurde. Und siehe da: Wenn die Sonne durchkommt und nicht von schnell vorbei ziehenden Wolken verdeckt wird, lässt es sich (allerdings in dicker Jacke) bei 10° durchaus leben. Und der Blick auf den See und die umliegenden Bergketten ist einfach schön!

Und so beenden wir den Tag mit einem Abendessen am See und auf Wunsch von Sofie mit einer kleinen Fotosession bei diesem schönen Abendlicht. Fein!

Boah, was eine eisige Nacht! Da ich an der Frontseite des Alkovens liege, die ja auch etwas windschnittig geschwungen ist, spüre ich regelrecht, wie die Kälte durch die Isolierungsschicht hindurch drängt. Nachttemperaturen nahe des Gefrierpunkts sind nicht so schön – gut, dass wir zusätzliche Fleecedecken dabei haben!

Recht spät brechen wir nach einem gemütlichen Frühstück auf. Die Fußball spielenden Jungs hinter unserem Wohnmobil kriegen nach einem Volltreffer aufs MoMo den bösen Blick und sind dann auch sofort ganz einsichtig. Arrividerci, Montalcino!

Einem Tipp aus dem Womo-Forum folgend (Danke, Manfred!) fahren wir in Richtung San Quirico d’Orcia. Da wir eine Übersichtskarte über die “Terre di Siena” haben, in der auch “grüne” (landschaftlich reizvolle) Strecken eingezeichnet sind, fahren wir aber nicht über die SR2, sondern machen einen Schlenker über Torrenieri, um auf eine solche grüne Straße zu gelangen. Und tatsächlich macht es Spaß, auf dieser Straße zu fahren, denn sie bietet zum einen reizvolle Ausblicke und wir fahren mutterseelensolo in dem Tempo, das uns gerade genehm ist. Und aussteigen an schönen Stellen ist dann auch kein Problem. Nice!

In San Quirico visieren wir den offiziellen Stellplatz an und traditionell belegen wir den letzten Platz, der noch frei ist. Auch hier alles wie gehabt: Der Platz ist fest in italienischer Hand. Wir brechen in den Stadtkern auf und umrunden auf der Suche nach dem Stadttor erst mal die halbe Stadt, um dann bei den Horti Leonini endlich hineinzukommen. Die Gartenanlage sieht aus, als hätte sie ein Gärtner aus Versailles angelegt, dann aber entschieden, dass es doch viel uriger wäre, alles verlottern zu lassen. Schräg!

Der Wind weht eisig durch die Gassen, so dass wir gerne shoppen gehen. Sofie wird mit einem Paar Schuhe fündig und wir können unser Geburtstagsgeschenk für Hannah unter Dach und Fach bringen. Sehr gut!

Zurück auf dem Stellplatz spielen sich imposante Szenen ab: Da offensichtlich alle Italiener vor der österlichen Heimfahrt noch einmal entsorgen müssen, fährt Womo auf Womo neben uns (wir haben nämlich den Buäh-Platz neben der Entsorgungsstelle), bzw. reiht sich in die Schlange der kreuz und quer Wartenden ein. Es geht aber alles sehr gelassen und freundlich zu und wir müssen zugeben, dass so cool wie der Glatzkopf mit dem Stiernacken und der schwarzen Sonnenbrille in seinem roten Muscle-Shirt und Dolce&Gabanna-Sneakern sicher noch kein Deutscher seine Chemietoilette entleert hat.

Unsere Fahrt geht weiter Richtung Bagni San Filippo, von wo ich ein Bild mit Kalksinterterrassen gesehen hatte, was Yellowstone-Gefühle hochkommen ließ. Außerdem wollte Sofie unebdingt im Bikini in den heißen Pools baden. Aufgrund der guten Erfahrung mit den grünen Straßen wollten wir wieder nicht den ganz direkten Weg nehmen, sondern über Castiglione d’Orcia und Campiglia d’Orcia fahren. Eine nicht ganz so gute Idee. Denn in Castiglione endete der Weg auf einmal, weil eine Straße gesperrt war, so dass wir nach einer abenteuerlichen Abfahrt das ganze Stück wieder hinauf ächzen durften. Und auch in Campiglia war die Verbindungsstraße gesperrt. Anscheinend für irgendeine Osterfeierlichkeit, aber vom Luftballonschmuck sah es eher wie ein Kindergeburtstag aus. Also auf Umwegen, aber immer mit tollen Aussichten ins Val d’Orcia nach Bagni San Filippo. Besonders beeindruckt uns der Monte Amiata, der mit einer zarten Puderzuckerschicht überzogen ist. Da die Straße zu den Quellen eine Einbahnstraße ist, die noch dazu für Busse gesperrt ist, warte ich zunächst mal und schicke Annette vor, ob es überhaupt am üppig gefüllten Straßenrand ein Plätzchen für das MoMo gebe. Sofie schicke ich derweil in die Siedlung gegenüber der Einfahrt zu den Bagni, weil wir ein paar Womodächer in der Ferne sehen. Und tatsächlich findet sie einen perfekten Stellplatz und wir ziehen los, nachdem sich Sofie trotz des immer noch kalten Windes tatsächlich in den Bikini geschmissen hat. Der Weg von der Straße hinab zu den heißen Quellen ist steil und auch etwas matschig. Vorsicht!

Unten geht es zu wie in einem Schwimmbad. Alle “Whirlpools” sind mit jungen Leuten überfüllt, so dass sich zunächst kein Platz für Sofies Heißbadeaktion findet. Und der über allem liegende schwefelige Faule-Eier-Geruch macht das Bad auch nicht gerade attraktiver. Aber weiter den Fluß hinunter ist so gut wie kein Betrieb mehr, da es schon später Nachmittag ist und so stehen wir nahezu alleine vor der massiven weißen Kalksinterwand und suchen einen Minipool für Sofie. Zwar nicht so cool wie diejenigen weiter oben, aber immer noch beeindruckend: Wir stehen dick vermummelt neben dem Kind im Bikini, dass sogar noch Zeit zum Strahlen findet. Respekt! Und auch der anschließende Rückweg zum MoMo wird klaglos absolviert. Meins wäre es ja nicht…

Wir machen uns auf nach Radicòfani, unserem Ziel für die Nacht. Im Tal sieht man schon den Burgturm und es ist ein ganz schöner Trampel nach oben. Wir peilen erst mal den offiziellen Stellplatz an, der auch einen ganz passablen Ausblick Richtung Süden hat, aber da Grèus im Womoführer so vom Platz bei der Fortezza schwärmt und das Bild wirklich verlockend aussieht, wollen wir wenigstens mal gucken. Und tatsächlich ist die Aussicht gen Norden wirklich toll! Annette und ich gehen noch hoch zur Fortezza, werden dort aber freundlich an das zu zahlende Eintrittsgeld erinnert, das wir uns dann doch schenken, weil der Ausblick so schon schön genug ist. Und wieder hören wir auf Grèus, der den Platz vor dem Friedhof empfiehlt: Ein Luxusstellplatz XXL! Wir genießen die Abendstimmung und den bevorstehenden Sonenuntergang aus dem warmen MoMo bei Ravioli alla panna und leckerem Chianti – viel besser geht es nicht!

Pünktlich zum Sonnenuntergang schwinge ich mich zum Fotografieren noch einmal nach draußen und habe nach 20 Minuten im kalten Wind kein Gefühl mehr in den Fingern, denn die Fotografenhandschuhe habe ich bei dem Wetterbericht, den wir Zuhause sahen, für komplett unnöttig gehalten. Grober Fehler!

Wir freuen uns schon auf das Frühstück mit dieser sensationellen Aussicht!

Wir hatten noch hin- und herüberlegt, ob wir noch einen Tag länger auf dem Platz bleiben und heute mit dem Bus nach Siena fahren. Wir entschliessen uns aber dagegen. Stattdessen brauchen wir nach dem Faulenzertag wieder etwas Bewegung. Annette hat in einem Reiseführer den Geheimtipp gefunden, dass man in Monticiano parken könne und von dort eine kurze 2km-Spazierwanderung nach San Galgano möglich sei.

Wir parken also auf dem Wanderparkplatz und machen uns auf den Weg. Das erste was auffällt: Es ist windig, in Böen schon stürmisch – und der Wind ist eisig! Mit dem bedeckten Himmel und dem kalten Wind mag man gar nicht mehr glauben, dass wir an den vorigen Tagen schon fast sowas wie Frühsommer hatten! Wir packen uns also entsprechend ein und stiefeln los. Immer wieder finden sich am steinigen Weg Wegweiser, die anzeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Problem ist nur, dass der Weg auch über einen Fluss führen soll. Aber von der Holzbrücke, die vor Jahren vielleicht mal existiert hat, existieren nur noch Bruchstücke an beiden Ufern. Und ein barfuss-durch-den-Fluss-gehen erscheint uns bei der Strömung und den kalten Temperaturen auch nicht gerade ratsam. Also kehren wir, obwohl in Sichtweite zur Ruine von San Galgano, frustriert um.

Mit dem MoMo fahren wir ein Stück unserer Strecke zurück und kommen am Pakrplatz von San Galgano an, der mit einer stattlichen Anzahl von Wohnmobilen gefüllt ist, aber immer noch reichlich Platz für uns bietet. Wir machen uns auf zur Besichtigung der wirklich sehenswerten Ruine. Da man aber das allermeiste schon von außen, bzw. durch Gitterstäbe sehen kann, verzichten Annette und Sofie auf den Eintritt in die Hallen, während ich zum Fotografieren gerne die 2€ Eintritt zahle. Aber es sind wirklich nicht so viele neue Ansichten, dass es sich wirklich lohnt.

Da ist der Aufstieg zur Kapelle, die auf einem Hügel oberhalb der Ruine liegt schon lohenswerter. Weniger wegen des Schwertes, das der heilige Galgano angeblich in den Stein gerammt hat oder der Knöchelchen, die gruselig-schön ausgestellt sind, sondern weil die Kapelle eine schlichte Schönheit besitzt.

Nach diesem Kulturteil genießen wir mittags eine kleine Verkostung von verschiedenen Pecorinovarianten, die alle lecker sind, aber nur die Variante mit Kräutern schafft es in unseren Kühlschrank. Wir stellen fest, dass wir in der letzten Zeit eigentlich viel zu selten einfach mal Käse mit leckeren Konfitüren oder Honig gegessen haben. So lecker!

Danach geht die Reise weiter, aber wohin bloß? Der Plan ist ja, nach Montalcino zu fahren, aber da sich das weder Annette noch Sofie merken können, führen wir an diesem Tag gefühlte 10x folgende Konversation:

A. o. S.: “Wohin fahren wir noch mal?”

M.: “Nach Montalcino.”

A. o. S.: “Aber da waren wir doch gerade!?”

M.: “Nein, das war Monticiano. Wir fahren nach Montalcino!”

S.: “Ist das da, wo meine Handtasche her ist?”

M.: “Nein, das ist Montepulciano.”

A. o. S.: “Und wo fahren wir jetzt hin?”

M. (rollt mit den Augen und schweigt…)

Die Fahrt nach Montalcino führt uns übrigens in der Tat wieder über Monticiano und in der Ferne kann man bestimmt auch irgendwo Montepulciano sehen. Wir versuchen aber, die doch ganz schön kurivge Strecke so zu überstehen, dass es Sofie auf der Rückbank nicht schon wieder schlecht wird. Denn was vorne eigentlich sogar Spaß macht, wird hinten eine echte Belastungsprobe für den Magen. Das Stück zwischen Vescovado und Monteroni ist dann aber das erste Mal Toskana aus dem Bilderbuch mit sanft geschwungenen Hügeln, Zypressenalleen und allem sonstigen Schnick und Schnack. Toll!

In Montalcino steuern wir dann um halb 6 den Stellplatz an, der durch eine unfassbar steile Straße erreicht werden muss. Zwischendurch zweifele ich kurz daran, dass wir oben ankommen und stattdessen einfach das MoMo nach hinten überkippt. Kribbelig! Aber noch kribbeliger ist dann die Situation auf dem für 31 Wohnmobile ausgelegten Parkplatz. Vor uns stehen schon 2 Wohnmobile auf der Straße, die darauf warten, dass andere Womos mit dem Rangieren fertig werden. In manchen Parklücken stehen schon Frauen, die Plätze reservieren, also schicke auch ich Annette los, die Lage zu sondieren. Sie kommt zunächst frustriert wieder, weil alles wild auf italienisch miteinander redet, sie aber nichts versteht und eigentlich auch kein Platz mehr frei zu sein scheint. Aber als die Womos vor uns auf den Platz gefahren sind, sehe ich einen gänzlich ungenutzten und (noch wichtiger) unreservierten Platz. Schnell schaffe ich vollendete Tatsachen und wir stehen auf dem letzten freien Platz! Die armen Schweine, die hinter uns standen und auch die Legionen, die wir später noch den Berg hinauf fahren sehen, gucken in die Röhre. Glück gehabt!

Alsbald brechen wir hinunter in die Stadt auf, genießen den tollen Blick auf die Stadt und frieren im mittlerweile nordseehaft starken Wind. Brrrr!

Insofern wird es auch mit dem eigentlich geplanten gemütlichen Bummel durch die Stadt nichts mehr – es ist einfach nicht auszuhalten! Vor allem nicht, wenn man auf winterliche Temperaturen um den Gefrierpunkt nach den letzten wunderbaren Tagen nun wirklich nicht mehr gefasst war.

Wir machen aus der Not eine Tugend und betreten ein Weingeschäft, um den berühmten Brunello zu probieren. Die beflissene Verkäuferin schenkt uns auch sofort einen “Rosso” und einen “Brunello” ein, den wir so fachmännisch wie möglich verkosten. Was soll ich sagen: Unser Wein ist es nicht. Und als wir die Preise von 15€ für den Rosso und 30€ für den Brunello hören, schon mal gar nicht. Mit einem etwas schlechtem Gewissen verabschieden wir uns. Aber besser, die sind sauer, als wir kaufen einen teuren Wein, der uns nicht mal besonders gut schmeckt.

Wir steuern nun auf die Enoteca Bacchus zu, die wir vom letzten Besuch in Montalcino noch in guter Erinnerung hatten. Zum draußen sitzen ist es dieses Mal aber zu kalt, so dass wir diese Mischung aus Wein- und Spezialitätengeschäft und Restaurant von innen betrachten. Es ist irgendwie ein liebenswert leicht aus der Zeit gefallener Ort, der mit seinem älteren Eigentümerpaar und dem jungen Mann, der bedient (wohl der Sohn?) wie aus einem skurrilen Film im Stile der “Fabelhaften Welt der Ameliè” stammen könnte. Uns gefällts!

Jetzt hat uns das Schicksal doch ereilt: Der Wetterbericht hat nicht gelogen und es ist tatsächlich der erste Tag, der uns nicht mit strahlendem Sonnenschein begrüßt, sondern wolkenverhangen ist. Es soll aber im Tagesverlauf dann auch richtig schütten. Wir schaffen es aber, trocken in den Tag zu starten und Dusche und Entsorgung noch zu erledigen, bevor der große Regen einsetzt.

Wir machen uns auf die Fahrt nach Sovicille, wo wir einen gut klingenden Campingplatz ausfindig gemacht haben, der die Bushaltestelle nach Siena quasi schon eingebaut hat. Es ist eine Fahrt durchs Hinterland und mir kommt der Gedanke, dass man hier wirklich am Arsch der Toskana ist, was den Betrieb angeht. Kein Auto hinter uns, kaum eines, was uns entgegen kommt. Aber selbst das ist noch ausgesprochen hübsch und die Straße erinnert mich mit ihren Mäuerchen rechts und links der schmalen Straße an Irland. Vielleicht ist es aber auch nur der einsetzende Regen…

Der Campingplatz ist nicht gerade ausgebucht, aber wenn man ein Kennzeichen sieht, ist es zu 80% ein deutsches. Und wie es der Zufall will, stehen wir wieder neben unseren Brötchennachbarn aus Sestri Levante, die wir zuvor schon in Lucca auf dem Anfiteatro wieder getroffen hatten. Die müssen echt denken, dass wir Stalker sind! Dass wir den Stellplatz schon ausgesucht hatten, bevor wir die bekannten Nachbarn überhaupt entdeckt hatten, glaubt uns eh keiner…

Während ich uns noch mit Strom verkabele fängt es an, aber mal so richtig zu regnen. Der zuvor sehr harmlose Landregen verwandelt sich in richtig fette Tropfen, die auf unser Dach pladdern. Da meine Regenjacke schon vom Wasser auffüllen gut durchnässt ist, beschließen wir, uns den für heute geplanten Trip nach Siena bei diesem Mistwetter zu sparen und stattdessen den ultimativen Chilltag einzulegen.

Also schwingt sich Annette zur Küchenchefin auf und zaubert erst einen Käsekuchen und dann noch eine Kartoffelsuppe für uns, ich liege im Alkoven und lese und Sofie kümmert sich um Schule, theoretische Füherscheinprüfung und assistiert in der Küche.

Als am Abend der regen nachlässt, machen wir noch einen Spaziergang in das nette Örtchen und schmieden Pläne für die kommenden Tage. Bei einem Spieleabend mit den köstlichen Zweifel-Chips aus der Schweiz klingt der Tag relaxed aus.

Als wir gestern abend zurück zum Wohnmobil kamen, wunderten wir uns schon, wie voll der städtische Parkplatz geworden war. Heute morgen ist er noch voller, so dass auch der Platz neben uns belegt ist. Das hatte uns gestern abend aber schon unser Wachhund mitgeteilt, der, als alle schon im Bett lagen, kurz anschlug, weil sich jemand dem MoMo genähert hatte. Gut zu wissen!

Wir tanken vor der Weiterfahrt noch einmal nach und nutzen die Gelegenheit, die Frontscheibe zu reinigen. Dumm nur, wenn der Griff des Abziehers so kurz ist, dass man auch als groß gewachsener Mensch nicht bis nach oben kommt… Egal, gut gelaunt brechen wir nach San Miniato auf. Die Fahrt gestaltet sich sehr entspannt, bis es in den Ort hinein geht. Aber die Ortsdurchfahrt ist dann nur etwas für Männer mit Stahlseilnerven. Ohne Gegenverkehr wäre das nicht der Rede wert, aber wenn der Gegenverkehr immer noch der Meinung “Passt scho!” ist, wenn man selber schon stehen geblieben ist und hinter einem auch eine Autoschlange hat, die kein Rangieren mehr ermöglicht, wird das Ganze lustig. Ob die nette Politesse, die per Funk ihre Kollegin am anderen Ende der Engstelle kontaktiert, nur für diesen Zweck hier eingesetzt ist? Auf dem Parkplatz stehen wir dann aber sehr luxuriös und sorglos.

Wir begeben uns in Richtung des wirklich beeindruckend hohen Turms Federico II. Von dort oben hat man sicher zur rechten Zeit eine tolle Fernsicht. Wir beschließen aber, nicht hinauf zu steigen, da man vom Platz am Fuße des Turms schon eine so gute Aussicht hat, wie vom anderen hohen Turm der Stadt. Und die Rundumsicht ist wirklich toll – leider aber wegen der Mittagssonne, die genau in Richtung der attraktivsten Motive steht, nicht wirklich fotokompatibel. Schade. Annette nutzt aber die Zeit für eine weitere Zeichnung in ihrem Skizzenbuch. Sofie und ich philosophieren derweil über die Zahl der Backsteinlagen bis zur Turmspitze. Wir einigen uns auf großzügige 400-600 Reihen.

Wir nennen ihn Peter!  Wir nennen ihn Peter!

Nach einem Bummel durch den Ort, wo man nette Andenken aus Glas hätte kaufen können, kehren wir zum MoMo zurück. Nicht, ohne uns vorher noch mal gehörig erschreckt zu haben, als wir an einer Ausfahrt aus der Stadt gesehen haben, dass die Durchfahrthöhe nur 3,15m beträgt. Rapallo reloaded? Oder noch mal durch den engen Ortskern? Nachher löst sich das Problem von alleine, denn wir müssen einfach die hinreichend breite Ausfahrtsstraße vom Parkplatz weg weiter fahren.  Puh!

Wir stärken uns noch mit den Resten der Pizzen, die Sofie und Annette gestern nicht mehr geschafft haben. Übrigens ist Self-Service-Pizza-Taxi sehr zu empfehlen. Das geht so: In der Stehpizzeria in der Nähe des Stellplatzes Pizza kaufen und im MoMo genüßlich verzehren. Mjam! Zusätzlich gibts Feldsalat mit getrockneten Tomaten und Hobelkäse und als Nachtisch frische Apfelsinen. Doppelmjam!

Wir beschließen, Certaldo links liegen zu lassen (was wir auf der Vorbeifahrt leicht bedauern, denn es sieht sehr nett aus) und direkt nach San Gimignano zu fahren. Der Stellplatz Santa Chiara wird als zwar teuer, aber mit kostenlosem Shuttlebus, Strom und Duschen beschrieben. Genau das, was wir heute brauchen. Denn wer schon mal rund um San Gimignano auf der Suche nach einem Parkplatz gekurvt ist, wird den Taxiservice zu schätzen wissen. Und da der gestrige Tag meine Kameraakkus gefressen hat, ist Strom auch eine unverzichtbare Notwendigkeit. Zur Beschreibung des Stellplatzes können wir noch hinzufügen: schräg! Trotz Keilen kriegen wir nicht mal annähernd eine waagerechte Position hin. Neidisch gucken wir auf die anderen Womos, die die richtig hohen Keile mit verschiedenen Leveln haben. Kommt auf die Einkaufsliste!

Am späten Nachmittag brechen wir dann mit dem Shuttlebus des Campingplatzes nach San Gimignano auf. Ein nicht sehr vertrauenerweckendes Gefährt, was komische Geräusche bei der Fahrt von sich gibt. Da zur angegebenen Abfahrtszeit 3 Familien mit Hunden warten, gibt es auch 3 Fahrten, obwohl mehr Leute in den Bus passen würden. Anscheinend gibt es aufgrund schlechter Erfahrungen eine 1-Hund-pro-Fahrt-Regelung.

Da wir beim Besuch vor 2 Jahren schon die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen hatten, nehmen wir uns jetzt Zeit zum Bummeln. Ich suche schon länger nach einem neuen Portemonnaie, meine beiden Frauen können sich da mehr für Handtaschen begeistern. Sie versichern mir glaubwürdig, dass jede Frau sich anscheinend in San Gimignano eine Handtasche kaufen würde. Aber während ich fündig werde, haben die beiden einfach einen zu exklusiven Geschmack und so bleibt bei Preisen jenseits der 200€ das Portemonnaie zu.

An der Piazza della Cisterna folgen wir nur zu gerne dem Rat des Womoführers und auch unseren positiven Erinnerungen an das Eis der “Weltmeister”-Eisdiele Dondoli. Und tatsächlich ist das Eis wieder himmlisch und trotz der schon etwas kühlen Abendtemperaturen ein Genuss.

Wir machen uns auf die Suche nach einem netten Restaurant für den Abend und folgen mal wieder dem Rat von Tripadvisor, der uns auch heute nicht im Stich lässt. La Vecchie Mura heißt unsere Entdeckung und hat im Sommer sicherlich eine herrliche Terrasse. Wir sind aber schon glücklich, dass wir den allerletzten Platz im Restaurant kriegen und genießen das leckere Essen und den lokalen Rotwein ausgiebig. Denn der Plan ist es, auf die Karfreitagsprozession zu warten, die um 21.30 Uhr beginnen soll.

Die Stadt ist kurz nach 21 Uhr von den größten Touristenmassen befreit, so dass man das abendliche Ambiente in den alten Mauern erst so richtig genießen kann. Alles ist toll beleuchtet und die Stimmung ist einfach unbeschreiblich schön.

Sofie und ich strömen mit der Masse in den wirklich sehr schönen Dom, wo aber nur noch eine kurze Ansprache gehalten wird, bevor die Prozessionsteilnehmer mit ihren schwarzen Kutten hinaustreten und festlich zu singen beginnen. Von den alten Gemäuern hallt es zurück. Toll!

Wir beschließen aber, nachdem wir dem Ganzen etwas zugeschaut haben, zum Shuttlebus zurückzukehren, damit wir auch noch gemütlich etwas im MoMo sitzen können. Als wir aber die Menge der Wartenden sehen, beschließen wir, die 900m mal eben zu Fuß zurückzulegen. Heimgeleuchtet von der Handytaschenlampe kommen wir unbeschadet wieder am Campingplatz an. Was ein toller Tag!

Ich glaube, ich habe eine neue Lieblingsstadt…

Nachdem wir morgens pünktlich durch laut hantierende Fahrzeuge am Stellplatz geweckt wurden, wurde uns auch klar, warum. Anscheinend hat die Stadt Barga diesen Platz für den lokalen Fuhrpark auserkoren. Also fahren alle möglichen Gefährte an und bald wieder weg, wenn der eine Kollege den anderen zu seinem Dienstfahrzeug gebracht hat. Nein, kuschelig ist dieser Platz wirklich nicht!

Wir brechen also schon bald auf und kaufen unterwegs noch für die Ostertage an einem Obst- und gemüsestand und in einem Penny (!) ein. Allerdings haben wir den Eindruck, dass es mit den Feiertagen und dem Einkaufen nicht so streng gesehen wird wie in Deutschland.

Den  Stellplatz in Lucca finden wir ohne Probleme und begeben uns nach einer kleinen Stärkung mit den frischen Erdbeeren aus Sizilien in die Stadt. Beim letzten Mal vor 2 Jahren hatte uns die Stadt trotz lausigen Regenwetters schon recht gut gefallen, aber heute, mit strahlendem Sonnenschein ist es einfach wundervoll, durch die Strassen zu schlendern, in den Geschäften und Marktständen zu stöbern und einfach das Flair der Stadt  zu genießen. Daher an dieser Stelle ohne weitere Worte Bilder aus Lucca!