Die anstehende lange Rückfahrt dämpft unsere Abenteuerlust doch sehr. So verlockend wie all die Orte in Finistere klingen, Camaret-sur-Mer!, Lampaul-Plouarzel!, Pougastel!, so sehr brauchen wir jetzt mal Zeit, um Meer und Strand zu genießen. Klar ist uns schon jetzt, dass wir baldmöglichst wiederkommen werden, also warum weiter hetzen?

Der morgendliche Ausblick aus dem Alkoven in Richtung Sonnenaufgang deutet auf einen weiteren schönen Herbsttag hin.

Und als wir uns für einen vormittäglichen Strandspaziergang aufmachen, haben wir blauesten Himmel, fast komplette Windstille und ziemliche Ebbe.

Das gibt natürlich wieder viel zu fotografieren her und den Vogel schießt Annette mit ihren tollen Detailfotos ab. Die tanzenden Lichtreflexe im Wasser geben auch schon ein fast psychedelisches Video her, dass ich aber diesmal dank SFR nicht hochladen kann. Wir sparen gerade Daten…

Nachdem wir uns ordentlich durchgelüftet haben, müssen wir ein typisches Womo-Problem lösen: Wir müssen dringend Wasser fassen. Und wie es der Zufall will, soll einen Kilometer weiter ein anderer toller Stellplatz sein, der sogar gratis Wasser und Strom zur Verfügung stellt. Perfekt! Dumm nur, wenn man den Stellplatz zunächst übersieht und dann bei der Besichtigung feststellt, dass man vielleicht in der Hochsaison bei der Surfschule Wasser tanken kann, aber das Aufdrehen des Wasserhahns nur ein trauriges Tröpfchen laufen lässt.

Also konsultieren wir unsere Stellplatzführer und stellen fest, dass man ein paar Kilometer weiter in Plœmeur einen Cityparkplatz mit allem Schnick und Schnack vorfindet. Nun, vorfinden soll. Denn von irgendwelchen Womo-Facilities ist nix zu sehen. Nachdem wir in der Bäckerei erst mal einen süßen Frustkauf für das spätere Kaffeetrinken getätigt haben, stellen wir auch beim Office du Tourisme fest, dass die Saison vorbei ist: zu! Immerhin gibt es aber einen Zettel mit Stell- und Versorgungsplätzen in der Nähe.

Und einen davon steuern wir an und werden auch fündig. Die Station hat zwar schon bessere Tage gesehen, aber wir können den Wassertank wieder füllen – Mission accomplished!

Jetzt aber schnell wieder zurück zu Strand und Meer – wir haben schon Entzugserscheinungen! Und als wir an “unserem” Strand vorbeifahren, beschließen wir kurzerhand, einfach wieder auf den Stellplatz zurückzukehren. Denn bis auf den abendlichen Fluglärm war es eigentlich ein wunderbarer Platz: strandnah und trotzdem tote Hose.

Wir belohnen uns für unsere gute Wahl mit den Leckerein aus der Bäckerei. Es ist übrigens wirklich frappierend, wie viele kunstvoll leckere Backwaren man allerorten in den Bäckereien findet. Wir kommen jedesmal in regelrechte Gewissenskonflikte, dass wir nicht einfach alles kaufen, geschweige denn essen können.

Am späten Nachmittag zieht es uns dann wieder an den Strand: Ganz abenteuerlustig gehen wir einfach mal rechtsrum in Richtung des Flop-Stellplatzes von heute morgen.

Und wir stellen fest, dass auch der Strand dort sehr schön zum Wellengucken, Lichtspielbewundern und Seelebaumeln geeignet ist.

Den Rückweg zum MoMo bahnen wir uns dann über Trampelpfade landeinwärts durch eine hügelige Heidelandschaft. Ein bisschen mulmig ist uns schon, da wir dort heute morgen zwei Franzosen bei der Was-auch-immer-Jagd mit ihren Luftgewehren(?) gesehen und gehört haben und auch jetzt wieder Stimmen und Hundegebell irgendwo aus der Heide zu uns dringen. Und Annette singt, um auf uns aufmerksam zu machen “Trara, es tönt wie Jagdgesang” – nicht beruhigend!

Trotzdem kommen wir unversehrt am Wohnmobil an und genießen den abendlichen Blick aus dem Fenster. Noch einmal schlafen und dann heißt es: Bretagne, adieu!

Da sich das Wetter sehr vergraut, sieht unser Plan so aus: Wir wollen die Südküste verlassen und Richtung Norden ein paar Kilometer machen und bis zur Nordküste der Bretagne kommen.

Auf dem Weg wollen wir in Auray noch die lästige Geschichte mit dem falschen Handyguthaben-Kauf in Vannes regeln, da wir ansonsten internetmäßig auf dem Trockenen säßen. Und Auray soll ein nettes Städtchen mit einer sehenswerten Altstadt sein. Passt doch!

Da wir auch kein Brot mehr haben, gibt es zum Frühstück halt ein bisschen Müsli und wir wollen uns in Auray ein nettes Café für ein zweites Petit Dejeuner suchen. Und wir haben wirklich Glück, denn wir machen einen tollen Fund: Mit dem L’Epicerie finden wir nämlich ein ausgesprochenes Schmuckstück von Café-Restaurant. Im Stile des hundert Jahre alten Lebensmittelgeschäfts eingerichtet, mit guter Musik und einer äußerst freundlichen Bedienung, die sogar bereitwillig englisch mit uns spricht, was die Verständigung doch sehr vereinfacht. Und wer kann schon bessere Croissants servieren als die Franzosen?

Solchermaßen gestärkt, begeben wir uns in die Stätte des Bösen: den SFR-Shop. Das kann ich nach unseren heutigen Erlebnissen getrost so sagen. Zwar werden wir wie immer wirklich freundlich bedient und der Tüp in Auray kann sogar recht gut englisch. Aber das, was wir wollen, kommt ihm doch sehr komisch vor. Ein Umtausch des falschen Guthaben-Bons könne man nur in Vannes machen. Und 1GB-Internet-Guthaben können man nicht aufladen. Ich könne aber für 30€ 2GB und kostenlose Telefonie innerhalb Frankreichs haben. Oder aber 10€ Guthaben aufladen. Das gelte dann für Telefon, SMS und Internet. Wäre vielleicht nicht ganz 1GB, würde aber schon reichen. Völlig gottergeben lasse ich mir 10€ Guthaben aufschwatzen und weil wir schon dabei sind, kriegt Annette auch noch 5€ spendiert. Man gönnt sich ja sonst nix. Und tatsächlich funktioniert auch das Internet nun wieder. Cliffhanger: Das war noch nicht alles…!

Aber nun erkunden wir erst mal die Stadt, stellen fest, dass die Stände in der Martkhalle alle schon abgebaut werden und stellen uns in Gedanken aus den leckeren Tartes beim Traiteur schon mal ein köstliches Abendessen zusammen. Aber diese und auch den Käsenachschub werden wir, einer alten Micharegel folgend, auf dem Rückweg kaufen. Denn Auray hat neben den schon recht hübschen Gebäuden der Oberstadt auch einen noch älteren Teil am Fluss in der Unterstadt. Und dafür muss man erst richtig bergab gehen, um auf einer alten Steinbrücke den Fluss zu überqueren, der tatsächlich Loch heißt. Fast schon schottisch!

Nachdem wir unseren Erkundungsgang beendet haben, geht es ans Einkaufen. Nun ja, ans Baguette-Kaufen. Denn alle anderen Geschäfte befinden sich in einer ausgedehnten Mittagspause. Autsch!

Und wie wir frustriert Richtung MoMo schleichen, kommt mir die Idee, dass es jetzt doch in der L’Epicerie Mittagstisch geben müsste. Und überhaupt, es war doch so gemütlich…

Also kehren wir kurzerhand schon wieder dort ein und werden von einer überrascht-freundlich lächelnden Bedienung wiedererkannt. Sie gibt sich größte Mühe, uns das an der Tafel angeschriebene Mitttagsgericht zu übersetzen, denn was anderes gibt es auch nicht! Da sich einfach alles lecker anhört, beschließen wir, sowohl die 2 verschiedenen Vor- als auch die Nachspeisen der Formule Midi mitzunehmen. Und was soll ich sagen: Wir haben nichts bereut! Der Laden trägt seinen Titel “Bistrot Gourmand” absolut zurecht. Und als wir noch einen Digestiv zum Abschluss angeboten bekommen, fühlen  wir uns mal wieder wie Gott in Frankreich.

Auf dem Weg zurück zum Wohnmobil machen wir noch eine kuriose Entdeckung. Die Kirche, die gerade renoviert wird, ist in Wirklichkeit eine große Galerie der Künstler der Region, die dort ihre Werke präsentieren können. Und wir sind sehr positiv überrasch, wie vieles uns davon gefällt.

Mittlerweile ist a) schon Nachmittag, b) freundliches Wetter, c) der Wetterbericht für die Nordküste nicht der Kracher und d) mein 10€-SFR-Guthaben innerhalb ein paar Stündchen schon um 5€ geschrumpft. Ups!

Also wird Plan B geschmiedet. Der besagt, dass wir das Viertelstündchen nach Vannes rüber fahre, um im dortigen SFR-Shop den Umtausch zu regeln und eine vernünftige Auskunft zum 1GB-Tarif zu kriegen. Und anschließend geht es dann westlich von Lorient ans Meer.

Der  Plan geht zumindest im ersten Teil nur so Mittel auf. Denn im Shop im immer noch nicht attraktiveren Industriegebiet von Vannes gibt es zwar 4 Handy-Tüpinnen, aber keine von ihnen kann mehr als ein paar Bröckchen englisch. Autsch! Also radebreche ich, unter Zuhilfenahme meiner gesammelten SFR-Quittungen (mittlerweile ein fetter Batzen) und kann zumindest deutlich machen, dass “SFR Connecte Partout” böse ist und ich das doch bitte in “La Carte”-Guthaben umgewandelt haben möchte. Was folgt, erinnert irgendwie an die blödesten Beamtenwitze, die man kennt. Die eine erklärt der anderen, was der Kunde wohl wolle. Das gehe nicht, meint die Dritte, woraufhin die Chefin sagt “Doch!”. Also wird erst mal eine Rückerstattung durchgeführt, wofür man im Computersystem alle Buchungen des vergangenen Samstags durchsehen muss. Cash oder Kreditkarte? Ach so, cash. Also noch mal von vorne. Und tasächlich bekomme ich irgendwann auch meine 10€ ausgezahlt. Das neue 1GB-Guthaben für den “La carte”-Tarif möchte ich jetzt noch kaufen. Ich halte sogar das entsprechende Aufladekärtchen schon in der Hand. “Nein, das ist schlecht. Das ist ja nur für Internet.” wird mir beschieden. An dieser Stelle zweifle ich das erste Mal dann doch an meinem Verstand und zeige noch mal meinen Beleg aus Metz vor, wo doch all das genau so vermerkt ist. Als die Madames dem leicht bekloppten Touristen, der so ein abwegiges Ansinnen hat, schließlich die Karte verkaufen wollen, stellen sie fest, dass das Computersystem streikt. Vielleicht könnte ich ja bei Leclerc nebenan mein Guthaben kaufen…

Im Leclerc werden wir zwar bei Wein, Wasser und Käse fündig, werden aber wegen Handyguthaben in die Fotoabteilung geschickt. Als ich dann sehe, dass man in der Fotoabteilung auch Rasierklingen kaufen muss, zweifele ich doch sehr am französischen Ordnungssystem und wundere mich auch nicht mehr über die Auskunft, dass man so was Obskures wie Internetguthaben nicht aufladen könne. Aber erwähnte ich schon, dass die Franzosen immer sehr freundlich sind…?

Die Faxen dicke habend, beschließe ich, lieber meinen deutschen Freunden von Vodafone ihre frechen Auslandsgebühren zu zahlen, als weitere Lebenszeit mit dem Thema “Französische Mobilfunkunternehmen” zu verschwenden. SFR, non merci…

Und schließlich warten prächtiges Fahrwetter und das Meer auf uns. Warum also weiter rumärgern? Entspannt cruisen wir Richtung Guidel Plage und haben den Ärger von Vorher schon beim Anblick der Wellen, die sich an den langen Stränden brechen, vergessen.

Der erste Stellplatz, den jemand bei Promobil als “schönsten in der Bretagne” bezeichnet hat, ist zwar bis auf zwei Womos menschenleer, aber auch nicht wirklich prickelnd gelegen. Da gibt es zumindest noch einen, der in Sichtweite liegt und deutlich näher am Meer mitten in den Dünen liegt. Können wir ja mal checken. Und er ist nicht nur fast ebenso leer und ebenso kostenlos, sondern auch nur einen Steinwurf vom Meer entfernt. Hurra!

Auf geht’s zum Strand und wir sehen und hören eine Welle nach der anderen hereinrollen und sich auf breiter Front vor dem Strand aufbauen und schließlich brechen. Herrlich!

Und auch wenn die Sonne schon bald hinter einem großen grauen Wolkenfeld verschwindet, ist der Himmel trotzdem noch schön genug beleuchtet, dass wir bis zum offiziellen Sonnenuntergang am Strand sitzen und den Anblick genießen.

Nachher im MoMo stellen wir dann fest, dass nicht nur ein weiter Teil des Strandes (allerdings nicht bei uns) Militärgebiet ist und von daher gerne mal ein Flugzeug einen Nachtanflug über unsere Köpfe probiert. Das kann ja heiter werden.

Da es uns hier gestern so gut gefallen hat, gehen wir in die Verlängerung. Allerdings verlassen wir unseren Campingplatz und siedeln um zum großen offiziellen Stellplatz in Kerné an der Cote Sauvage. Den haben wir gestern auf unserer Radtour schon gecheckt und für gut befunden. Und alsbald haben wir auf dem nicht sehr vollen Platz einen Sahneplatz mit Meer- und Sonnenuntergangsblick belegt. Was will man mehr?

Nun, vielleicht etwas wärmeres Wetter, denn trotz nur leichter Bewölkung treibt es uns bald aus unseren Campingstühlen ins muckeligere MoMo.

Wir beschließen, dass es nun mit der Faulenzerei genug war und machen uns bei stärkerer Bewölkung auf die Erkundungstour zur Nordspitze der Cote. Diesmal allerdings zu Fuß und mit Hund. Zunächst kriegen wir einen Schreck, denn wir sehen am Horizont eine wahre Menschenmenge auf uns zuströmen. Es stellt sich jedoch heraus, dass das wohl eine Klassenfahrt sein muss – viel, viel Jungvolk mit ein paar gottergebenen Erwachsenen dabei…

Für den folgenden Weg entlang der Küste lassen wir jetzt einfach mal Bilder sprechen.

Erschöpft, aber auch sehr zufrieden kommen wir am MoMo an, stärken uns mit unseren Fischkonservensuppen aus Guérande und sehen der Sonne beim Untergehen zu. Viel besser wird’s nicht!

Heute morgen geht es erst mal zur Rezeption, um brav unsere Übernachtung zu bezahlen. Und mit ACSI-Karte ist das gar nicht mal so viel. Als ich zu Annette zurückkehre, genießen wir erst einmal die Morgensonne auf unserer Terrasse und fangen so langsam an, Pläne für den Tag zu schmieden. Da es in der Rezeption eine sehr brauchbare Landkarte gab, können wir verschiedene Varianten durchspielen. Bei allen wird uns aber irgendwie klar: Mal eben werden wir das hier nicht abhandeln können, zumindest, wenn wir es auch genießen wollen. Und immer größer wird auch die Lust, einfach noch einen weiteren Tag mit Terrasse und abgestelltem MoMo eine Basis für weitere Erkundungen zu haben. Also gehe ich noch einmal zur Rezeption, werde von einer grinsenden Madame begrüßt und verlängere für eine weitere Nacht. Und angenehmerweise ist für ACSI-Kunden das WLAN kostenlos, wenn auch, wie sich nachher herausstellt, auch schneckenlangsam. Aber alleine schon, um meine Freunde von SFR mal vergessen zu können, ist es eine Wohltat.

Und so schwingen wir uns gegen Mittag auf die Drahtesel, fahren ein Stück gen Norden und stoßen dann quer zum Port Rhu an der Cote Sauvage, der wilden Küste an der Westseite der Halbinsel. Der Ausblick hinunter auf smaragdgrün schimmerndes Meer, weiße Schaumkrönchen, goldgelben Sand und schroffe Felsen ist nicht weniger als grandios!

Wir haben eigentlich komplett unpassendes Wetter für diese wilde Küste, denn der Himmel könnte nicht blauer sein und der Wind weht aus Nordost. Keinerlei Dramatik, aber trotzdem schon so schön. Wir kommen aus dem Schwärmen gar nicht raus!

Am südlichen Strand im Gegenlicht der Sonne, sehen wir kleine schwarze Punkt im Meer und es sind tatsächlich Surfer, die sich vielleicht höhere Wellen wünschen, aber kein sonnigeres Wetter!

Wir beschließen also, weiter zu fahren und kommen nach kurzer Fahrt am Port Bara an, wo die ganzen Surfer zu Gange sind.

Und vielleicht ist es hier unten am Strand wirklich noch schöner. Die heranbrausenden Wellen, die großen Steine am Rande, die wie Logenplätze in einem Theater wirken, die Klippen als Abschluss dieses Bühnenbildes. Perfekt!

Ich mache mich auf in Richtung der Klippen und gerate in einen wahren Fotografierausch – und auch wenn ich mit den iPhone-Bildern von heute sehr zufrieden bin: Das sind wirklich Motive für die dicke Kamera!

Insbesondere die Surfer auf den Wellenkämmen sind natürlich sehr fotogen, aber ohne Tele mit dem Handy auch nicht wirklich einzufangen. Da bleibt es halt bei kleinen Punkten…

Ist mir aber für den Moment völlig egal. Lediglich der Wunsch, noch länger hier zu bleiben, wird bei uns beiden immer größer. Viel schöner als hier und jetzt kann es wohl nicht werden!

Da passt es dann wie das Tüpfelchen auf dem i, dass sich auf dem Mini-Menhir am Strandabgang eine Eidechse als Fotomodell sonnt.

Nichtsdestotrotz fahren wir irgendwann weiter, denn wir wollen die Küste heute Richtung Süden erkunden. Und wir finden auch eine schöne Ecke nach der anderen, so dass wir irgendwann beschließen, nicht mehr an jedem Aussichtspunkt zu halten, damit wir auch noch eine realistische Chance haben, vor Sonnenuntergang wieder am MoMo anzukommen.

In der Zwischenzeit hat sich nämlich auch noch ein kleines Hüngerchen gemeldet, was wir gerne im Büdchen “Les Mouettes” am Beg er Goalennec mit Crepe und Galette ruhigstellen. Der Kellner könnte zwar im Herrn der Ringe als Ork mitspielen und hat auch einen entsprechenden rauen Charme, zeigt aber beim Bezahlen durch Mitsingen eines Chansons aus dem Radio auch seine musische Seite. Schräg!

Als nächstes erkunden wir Quiberon-City. Von dem, was wir in den Reiseführern gelesen haben, habe ich eigentlich keine großen Erwartungen. Halt eine Touri-Stadt, die vor allem dem Sommertourismus verschrieben ist. Aber auch wenn man merkt, dass die Saison vorbei ist, gefällt uns das Städtchen vielleicht gerade deswegen ganz gut. In Boulangerie und Carrefour decken wir uns mit Brot und Grillgut ein. Denn unseren Grill haben wir bisher ja noch gar nicht benutzt – geht gar nicht!

Und so geht es in entspanntem Tempo den restlichen Süd- und Südostzipfel entlang wieder Heim zum Campingplatz. Mittlerweile kennen wir uns ja fast ein wenig aus.

Und bei einem Barbecue mit Würstchen und Tournedos geht der Tag dann zu Ende – leider nur viel zu schnell an der frischen Luft, da es heute abend doch merklich kälter als gestern ist. Um 8 Uhr sind wir dann trotz wärmender Decken so durchgefroren, dass wir uns im MoMo erst mal gründlich aufwärmen müssen. Aber wenn das unser einziger Grund zur Klage ist, soll uns das sehr, sehr recht sein!

Das schlechte Ende meiner Traumabewältigung von gestern: Die Austern haben sich auch diesmal in meinem Magen dagegen gewehrt, verdaut zu werden und wollten durch den Eingang wieder heraus. Nicht schön! Aber immerhin habe ich so die Erkenntnis gewonnen, dass Austern und ich besser getrennte Wege gehen…

Und um eine so richtig bescheidene Nacht vollkommen zu machen, ging am späten Abend noch eine Alarmsirene an unserer Meeresfrüchte-Farm los und des Nachts wurden wir von Mücken aufgefressen. Alleine in dieser Nacht haben wir mehr Mücken gesehen und erschlagen als in 4 Wochen Schweden!

Nicht sehr traurig um die Weiterreise machen wir uns alsbald auf Richtung Westen. Zu Abwechslung spielt Annette mit der Straßenkarte mal Navi um mich nach Locmariaquer zu lotsen, wo es einen schönen Stellplatz am Meer geben soll. Der ist dann auch schön und vor allem voll. Lediglich ein halb illegaler Platz am Rande bleibt zum Parken und Gucken. Wir erkunden ein Ganggrab und schauen den Muschelsuchern im Wattschlick zu.

Für die Weiterfahrt vertrauen wir sowohl Navi als auch Karte, die uns eine “grüne” Strecke entlang der Küste Richtung Carnac beschert. Es sind wirklich schöne Ausblicke in die Bucht und wir sehen sogar den vielleicht kleinsten Leuchtturm der Welt.

Weiter geht es zu dem Hinkelsteinen von Carnac, die uns zunächst nicht besonders beeindrucken. Man muss es sich so vorstellen: In einem riesigen eingezäunten verwilderten Garten hat Obelix lauter kleine Hinkelsteine gesät, die noch wachsen sollen. Es sollen so ca. 1000 sein. Aber wie gesagt: Beeindruckend ist anders. Gottseidank ändert sich das schlagartig beim Megalithfeld von Kermario. Dort sind es nun wirklich große Menhire, die in langen Reihen aufgestellt sind. Und das beste: Man kann kostenlos(!) in das eingezäunte Areal hinein und nach Herzenslust fotografieren. Was wir dann auch sehr gerne und sehr ausgiebig tun!

Auch das nächste Megalithfeld in Menec wäre sicher einen Stop wert gewesen, da hier der Ginster sehr malerisch blüht, aber wir haben beschlossen, weiter in Richtung unseres Tageszieles Quiberon zu fahren. Die Fahrt auf die Halbinsel ist völlig entspannt und es fällt uns wieder mal schwer, uns vorzustellen, was hier in der Hochsaison abgeht. Denn jetzt haben wir die Straße quasi für uns alleine und auch der Campingplatz, den wir heute mal aus Bequemlichkeits- und Stromtankgründen aufsuchen ist völlig verwaist. Vielleicht zwei handvoll Womos verlieren sich auf dem großen, gepflegten Gelände mit seinen nett geschnittenen Hecken.

An der Rezeption hängt ein Hinweis, dass man sich doch bitte heute, am Sonntag, selbst platzieren möge. Montag sei schließlich auch noch ein Tag. Und das tun wir selbstverständlich mit größtmöglicher Gründlichkeit, nachdem wir das MoMo erst mal provisorisch im Bereich Idefix abgestellt haben (Asterix und Obelix sind leider mit Mobile Homes besetzt). Hm, direkt am Meer hinter der Hecke? Oder doch an den Waschhäuschen? Können wir hier aufs Meer blicken? Scheint da auch nachmittags noch die Sonne drauf? Und als wir uns endlich entschieden haben, stelle ich fest, dass die Steckdosen nicht überall CEE sind, sondern diesen herausstehenden Erdungsnupsi haben. Argh, da haben wir doch kein Kabel für! Also Plan B entworfen, MoMo umgeparkt, beim Auspacken der Kabelkiste festgestellt, dass das Schukokabel netterweise doch in die Steckdose passt und wieder umgeparkt! Dafür haben wir jetzt aber auch eine windgeschützte, gepflasterte Terrasse, auf der wir Tisch und Stühle das erste Mal aufbauen können. Hat auch was!

Und so sitzen wir für den restlichen Nachmittag einfach mal so im T-Shirt in der Sonne und hören im Hintergrund das Meer rauschen. Urlaub!

Abends beschließen wir, aktiv gegen das Austerndebakel anzuarbeiten: Wir schwingen uns auf die Räder und hoffen dass die Creperie “du Vieux Port” geöffnet hat. Denn eigentlich ist es schon ein Wunder, dass unser Campingplatz geöffnet hat – überall rundherum sind die Bordsteine schon hochgeklappt. Dem ehernen Fischer, der im Hafen Ausschau hält, hat man freundlicherweise eine nackte Frau gegenüber in den Ausblick gestellt, damit ihm bei so wenig Betrieb nicht langweilig wird.

Unsere Creperie hat glücklicherweise geöffnet und wir haben als erste Gäste des Abends die freie Auswahl bei den Tischen. Und dann geht es los: Galette speciale, Galette Chevre, Deux galettes Pecheur, Deux Crêpes C.B.S. (Caramel, Beurre salé). Und ausnahmslos alles schmeckt absolut himmlisch! Nehmt das, ihr triefigen Austern! Lediglich den Cappucino versemmeln die Franzosen mit Sprühsahne, aber was bestelle ich auch in Frankreich einen Cappucino…

Rundum glücklich gegessen rollen wir wieder zurück zum Campingplatz. Am Himmel sehen wir noch die Nachfolgen des Sonnenuntergangs. In einer unbeschreiblich sanften Mischung wechseln sich dunkle Blau- und Grautöne mit Weiß und Rot. Zu schade, dass wir das immer nur häppchenweise hinter den Häusern erahnen können und sich diesmal ein Foto leider nicht machen lässt. Aber wir sind uns sicher: Hier gefällt’s uns!

Man kann beim Aufstehen doch immer etwas Neues erleben. Heute hören wir eine Hundemeute bellen und ein Mann in neonoranger Weste schreit sich die Seele aus dem Leib. Sind wir etwa mitten in eine Treibjagd geraten? Sicherheitshalber kriegt Mia Stubenarrest.

Und als wir unseren Stellplatz verlassen, sehen wir tatsächlich eine Gruppe Jäger (ganz stillos ebenfalls in neonorange) mit geschulterten Gewehren an uns vorbeiziehen.

Unser Etappenziel Vannes ist aus zwei Gründen wichtig. Zum einen, weil die Altstadt absolut sehenswert sein soll, zum anderen weil wir wieder zu unseren Freunden von SFR müssen – Internet tanken.

Wir finden tatsächlich auf Anhieb einen Stellplatz an der Ausfallstraße vom Hafen und freuen uns über das gute Wetter und die schöne Promenade entlang des Wassers. Schon von weitem hören wir vertraute Klänge – wenn das mal keine Sambatruppe ist! Aber warum? An der Place Gambetta löst sich das Rätsel: Es ist alles für den Vannes-Marathon vorbereitet! Und die Truppe legt einen echt guten Auftritt hin – da möchte man gerne mitmachen!

In der Altstadt herrscht reges Treiben, denn es ist Markt. Alles scheint auf den Beinen zu sein, so voll ist es. Wir betrachten das Treiben und schlagen an einem Stand mit frischem Honigkuchen zu – sensationell lecker! Annette ersteht eine Bluse nachdem sie von den Marktleuten optisch vermessen wurde: T3 lautet das Urteil und würde auf jeden Fall passen. Na dann.

Die Altstadt von Vannes hat wirklich allerhand olle, schräge und liebevoll instand gehaltene Fachwerkhäuser zu bieten. Und in diesen Häuschen gibt es allerhand Geschäfte mit wirklich originellen Sachen und weniger mit dem klassischen Touristennepp. Und Kunst am Bau haben sie auch noch eingebaut. Es macht Spaß, durch diese Stadt zu bummeln!

Auf dem Rückweg kommen wir noch einmal über den Markt, wo mittlerweile fleißig abgebaut wird. An einem Stand mit bretonischem Gebäck probieren wir ein Häppchen Käsekuchen und einen “Kouign Amann”, was man vielleicht am besten als rundes Croissant beschreiben kann, das mit mehr Butter und Zucker gebacken ist, als der Waage lieb ist. Aber lecker! Und deshalb kaufen wir uns einen dieser Rundlinge und verspeisen ihn im Garten bei den Waschhäusern außerhalb der Stadtmauer.

Jetzt wird es aber Zeit, sich um Besuchsgrund Nummer zwei zu kümmern. Wie ein Check bei Goolge ergeben hat, gibt es einen SFR-Laden nur außerhalb der Stadt auf der grünen Wiese. Sollte ja kein Problem sein. Aber gegen dieses Einkaufsgebiet auf der grünen Wiese vor Vannes sind die Outlets, die wir aus den USA kennen, Kindergärten. Es geht über immer noch einen Kreisverkehr, bis wir dann laut Navi an der angegebenen Adresse angekommen sind. Nur, um dann festzustellen, dass es immer noch ein 5-Minuten-Weg bis zum Laden ist… Dort dann das übliche Spielchen mit Nummer ziehen und keinem der Englisch spricht. Mittlerweile habe ich mit meinem “Je ne parlais francaise” richtig Routine… Ich hoffe, die treue Lesergemeinde weiß unser aufopferungsvolles Suchen nach SFR-Internetguthaben zu würdigen! 😉

Nachdem wir diesen Moloch verlassen haben, wird es schnell wieder ländlicher und wir steuern unser heutiges France-Passion-Ziel an: “Au Rhythme des marées” hört sich doch schon mal gut an. Am Ende einer Halbinsel südlich von Baden stoßen wir auf die Austern- und Meeresfrüchtezucht. Wir werden freundlich empfangen, dürfen aber nicht auf dem leeren Kundenparkplatz mit schöner Sicht auf den Golf du Morbihan parken, sondern werden auf das Werksgelände hinter gestapelte Fischkisten verwiesen. Naja, schön ist anders. Wir parken zumindest so, dass man aus dem Fenster noch eine halbwegs nette Aussicht hat.

Wir machen uns erst mal auf, die Gegend zu erkunden. Über einen schmalen Schleusendamm gelangt man auf eine kleine Insel, die wir umrunden wollen. Am Ufer genießen wir den Blick aufs Wasser. Die Sonne ist hinter einem Wolkenschleier nur nach schemenhaft zu sehen unnd es herrscht eine merkwürdig diffuse Lichtstimmung.

Auf dem weiteren Weg sehen wir noch einen Mann aus dem Wasser kommen, der offenbar in voller Montur ins Wasser gegangen ist. Die spinnen, die Bretonen!

Oder spinnen wir? Denn die “Insel” entpuppt sich als nur ein weiterer Finger einer Halbinsel! Und auch ein Rückweg am anderen Ufer ist nicht möglich, so dass wir unverrichteter Dinge auf gleichem Weg wieder zurück gehen.

Am Ende des Weges wartet ja eine Belohnung auf uns: Wir wollen auf der Terrasse der Austernzucht etwas buntes Meeresfrüchtiges essen. Zur Traumabewältigung meiner schlechten Austernerfahrungen in Irland vor über 20 Jahren mit grenzenloser Übelkeit bestelle ich als einen gemischten Austern- und Muschelteller. Zumindest kann ich bei den ganzen blubbernden Becken davon ausgehen, dass ich frische Ware kriege.

Nun, was soll ich sagen… Austern und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Ich habe wirklich alles gegeben, aber warum diese schlabberigen Dinger als teuer bezahlte Delikatesse durchgehen, wird mir auf immer ein Rätsel bleiben. Und das Schlimmste: Nachher ist man so hungrig wie zuvor! Gut, dass nachher im MoMo noch leckerer Käse mit gescheitem Brot auf mich warten!

Der Tag beginnt sportlich. Unser morgendlicher Rhythmus ist eigentlich immer gleich: Annette ist zuerst im Bad und während ich mich anschließend frisch mache, kümmert sie sich um das Frühstück. Ein eingespieltes Team. Aber heute gibt Annette nach dem Duschen Alarm. “Die Leute gegenüber brechen auf!” Was das bedeutet, ist dem geneigten Leser von gestern klar: Es wird eine der wenigen Stromanschlüsse frei! Also springe ich, der Bettwärme nachtrauernd, im Schlafanzug aus dem MoMo, hole in Windeseile das Stromkabel raus und sichere uns eine Stromversorgung für die mittlerweile doch recht runtergerockten Akkus. Erste-Welt-Triumphe eines Wohnmobilisten…

Da wir unseren Stellplatz für 24 Stunden bezahlt haben, ist noch bis zum späten Nachmittag Zeit, Strom zu tanken und vor allem: etwas zu erleben! Also schnüren wir die Schuhe und machen uns auf eine Wanderung entlang der Küstenfinger des Golf von Morbihan bei Arzon.

Der Weg führt entlang an wirklich netten bretonischen Häuschen zur Küste, wo offensichtlich das Meer gerade Urlaub hat: Ebbe! Ein paar Schiffe dümpeln im Wasser und wir machen uns auf den Weg entlang des Küstenpfades.

Die Beschreibung, dass hier ein mediterranes Klima herrscht, trifft voll ins Schwarze. Alles wirkt so, als wäre es gerne ein paar hundert Kilometer weiter südlich. Lediglich der Oktober sorgt mit perfekten Wandertemperaturen um die 16° dafür, dass wir zügig den ersten Zipfel der Küste erwandern.

Unter einem knorrigen alten Baum machen wir ein kleines Picknick und genießen die Aussicht. Es versteht sich fast von selbst, dass wir auch hier nahezu für uns alleine sind…

Nachdem wir den dritten Finger erfolgreich umrundet haben, überlegen wir aber doch, ob wir den nächsten auch noch brauchen. Denn der Rückweg wird uns mitten durch den Ort führen und wir würden auch gerne heute noch ein bisschen weiter fahren. Also geht es zurück Richtung Stellplatz und wir stellen wieder mal fest, dass die Geschäfte in touristischen Gegenden wir dem Yachthafen fast alle geschlossen haben. Es ist halt überall eher tote Hose.

Zurück am MoMo müssen wir uns jetzt noch um die Ver- und Entsorgung kümmern, die merkwürdigerweise am Straßenrand außerhalb des Stellplatzes erfolgt. Wir treffen dort auf ein nettes älteres Ehepaar aus Schottland. Zumindest verspricht das ihr Kennzeichen. Um so überraschter sind wir, dass sich beide auf deutsch unterhalten! Tatsächlich sind sie schon vor Jahren nach Schottland ausgewandert und haben sogar ein Ferienhaus dort zu vermieten. Und diese einfache Internetadresse konnte ich mir tatsächlich problemlos merken. www.schottland.com ist nun mal unschlagbar einfach! Und wenn das Häuschen so nett ist wie seine Besitzer und wir nicht per Wohnmobil unterwegs wären würde uns das ganze tatsächlich sehr reizen.

Jetzt machen wir uns auf die wahrscheinlich kürzeste Tagesetappe des Urlaubs: Bei France Passion habe ich einen Bauernhof in der Nähe des Chateau Suscinio entdeckt, der vielversprechend klingt. Und in der Tat ist schon die Zufahrt durch eine dicht bewachsene Allee ein Traum, auch wenn wir uns um den Alkoven ein wenig sorgen. Der Stellplatz ist eine an allen Stellen leicht abschüssige Wiese, so dass wir mit den Keilen nachhelfen müssen, damit wir im Stehen nicht seekrank werden.

Wir melden uns am Lädchen beim Kuhstall schon mal an, werden aber auf die Öffnungszeit um 17 Uhr hingewiesen. Kein Problem, dann gibt’s halt erst mal ein Käffchen mit lecker Keksen im Freien und wir kommen endlich mal dazu, unseren kleinen Beistelltisch einzuweihen. Und das Ausruhen tut auch ganz gut…

Im Lädchen schlagen wir dann nach 17 Uhr zu. Das Problem bei all den lekceren Sachen in der Auslage ist eigentlich nur, sich zu beschränken und nicht einfach immer alles zu kaufen, was lecker sein könnte! Für heute sind es 3 Käse, Quark und Fruchtquark mit Brombeeren. Mjam!

Anschließend schwingen wir uns auf die Räder und fahren das kurze Stück zum Schloss. Es ist ein hübsch restaurierter Bau, der noch n den 70ern eine absolute Ruine gewesen sein soll.

Wir beschließen, das recht überschaubare Stück zurück nach Sarzeau zu fahren, da wir noch kein Brot für unseren leckeren Käse und das morgige Frühstück haben und Annette einen Biobäcker an einem Kreisverkehr entdeckt hatte. Also radeln wir durch die ländliche Szenerie  und genießen das warme Licht der Abendstimmung. Absolutes Urlaubsgefühl!

Beim Bäcker verständigen wir uns mal wieder mehr schlecht als recht, so dass der Bäcker aus seiner Backstube uns auf englisch die Nachfrage der Verkäuferin übersetzt. Wir haben vermutlich ein Dinkelbrot und ein Baguette erstanden…

Das Brot landet sofort auf unserem Abendbrottisch und mit unserem Sammelsurium der letzten Tage wird es ein echtes Festmahl!

Beim Frühstück klopft es an die MoMo-Tür. Ein freundlicher Herr in Uniform weist uns darauf hin, dass die Übernachtungsgebühr von 5€ doch bitte schön in der Tourist Information zu bezahlen sei. Warum man jetzt alle Womos in die Ortsmitte lotst, anstatt dem Mann ein Portemonnaie zu spendieren, verstehen wir allerdings nicht so ganz.

Nach einer Morgenrunde mit Mia über den Strand brechen wir auf und steuern ein Ziel an, auf das wir uns alleine vom Namen her schon freuen: Penestin mit seiner Plage de la Mine d’Or.

Penestin ist ein nettes Örtchen, der große Parkplatz ist so gut wie leer, die Sonne lacht. Ideale Startbedingungen für eine kleine Wanderung. Also, eigentlich ist es eher ein etwas längerer Spaziergang entlang der Küste, denn anstrengend wird das ganze in den kommenden 3 Stunden wirklich nicht.

Wir erreichen dir Küste und sind zum wiederholten Male baff, dass an diesen schönen Stränden so gut wie kein Mensch zu finden ist. Gut, es ist Donnerstag, aber auch Mütter mit kleinen Kindern oder Senioren sucht man vergebens. Und auch Touristen treffen wir auf der Strecke praktisch nicht. Schön für uns!

An einem mit vielen Muscheln und Kieseln übersäten Strand machen wir eine kleine Pause und beobachten das Meer – denn bei Flut soll hier angeblich alles überschwemmt sein, so dass der Wanderweg an dieser Stelle einen Ebbe- und einen Flutweg anbietet.

Aber die Flut kommt so langsam, dass wir uns ganz entspannt mit unserem Proviant stärken können und dann weiter oberhalb des Strandes weitergehen.

Nach einiger Zeit sehen wir endlich das, wofür wir vor allem gekommen sind: Die Mine d’Or sind nämlich ein Ockerbruch direkt am Meer und die Färbung der bröselnden Klippen zusammen mit Himmel und Meer ist einfach der Kracher!

Dummerweise sehen wir es aber von oben und wir ärgern uns kurz darüber, dass wir nicht am letzten Abzweig zum Strand runter gegangen sind. Aber ein schneller Check mit Google Maps zeigt uns, dass bald ein weiterer Abgang folgt und (noch wichtiger) es auch wieder einen Aufgang gibt. Denn auch am bald erreichten Abgang waren Schilder wieder vor der Flut. Scheint hier echt ein Thema zu sein!

Wir gehen also hinunter zum Strand und kommen aus dem Staunen und Genießen gar nicht mehr heraus. Nee, wat is dat schön! Und entsprechend fotografieren wir uns einen Wolf und denken bei jedem Bild, dass wir **jetzt** wirklich das ultimative Bild geschossen hätten. Bis jetzt das Highlight der Tour!

Irgendwann ist auch der letzte Ocker weggeguckt und wir machen uns auf den Heimweg. Unterwegs durch die ausgestorbene Straße zurück zum Ort sind allerdings noch einige Restaurants und Creperies (Creperien?) und einige wenige davon haben sogar geöffnet. Wir beschließen, unsere erste Formule Midi zu probieren. Das ist dieses Mittagessen, wo man wahlweise Vor- oder Nachspeise dazubekommt. Die Speisekarte übersetzt uns netterweise Herr Google.

Annette verzichtet daher auf die Kuttelwurst, genannt Andouillette de Troyes, obwohl sie doch mit einer (bestimmt leckeren) Senfsauce serviert wird und nimmt lieber einen Lammspieß. Ich bin aber abenteuerlustig und bestelle sie mal auf gut Glück, was mir einen ungläubigen Blick der Bedienung einbringt. Sie gibt wirklich alles, um mich davon abzuhalten, diese Spezialität zu probieren und bestätigt auch Annettes Verdacht mit den Innereien, den sie mit Zeigen auf den eigenen Bauch kommuniziert. Aber jetzt fühle ich mich doch an der Ehre gepackt und bleibe erst recht bei meiner Bestellung.

Nun, es war eine Erfahrung. Nicht wirklich schlecht oder ungenießbar und sogar gut gebraten. Aber warum jemand das würde essen wollen, wenn es auf der Erde so viel schönes zu schlemmen gibt, kann ich mir auch nicht erklären. Und erst recht nicht, warum es eines von fünf Gerichten für eine Formule Midi sein sollte. Aber ich wurde ja gewarnt!

Von Penestin geht es nun weiter an die Presqu’Ile de Rhuys, die südliche Halbinsel des Golf du Morbihan. Unterwegs tanken wir noch mal und kaufen in einem Carrefour-Supermarkt ein. Aber anders als in Schweden können wir mit dem Supermarkt gar nicht so viel anfangen, denn die wirklich leckeren Sachen kaufen wir dann tatsächlich lieber auf dem Markt oder beim Erzeuger. Fühlt sich hier in Frankreich einfach richtiger an. Aber immerhin können wir unsere Rotweinvorräte auffüllen. Auch wichtig.

Wir steuern nun einen Stellplatz fast am Ende der Halbinsel an. Der Platz in Kerjouanno hört sich verlockend an: Strom und WLAN würden uns wirklich gut tun. Denn ersteres brauchen wir, um die Akkus wieder zu füllen und letzteres würde unsere SFR-gebeutelte Internetkasse schonen. Ach ja, und nett gelegen soll der Platz auch noch sein. Strand- und ortsnah.

Wir finden einen durchaus nett angelegten Platz vor, der für 50 Womos vorgesehen sein soll. Und genau das ist irgendwie auch das Problem. Die Stellplätze sind eine Stufe besser als eng, asphaltiert und im Sommer möchte ich hier nicht wirklich stehen. Die Stromversorgung ist sehr alternativ gelöst: Es gibt 20 Anschlüsse für 50 Womos… Und da der Platz schon (für diese Saison) ordentlich gefüllt ist, gucken wir in die Röhre. Ist nix mit Strom, alles schon belegt. Immerhin funktioniert das kostenlose WLAN, ist aber so lahm, dass man nicht wirklich mal eben etwas recherchieren kann.

Aber für heute reicht uns das, so dass wir das MoMo abstellen und zum nahe gelegenen Strand gehen. Dort bietet sich das nun schon vertraute menschenleere Bild und wir setzen uns in den Sand und genießen die Stille des Meeresrauschens. Das schon wunderbar warme Abendlicht sorgt für eine tolle Stimmung und es gibt sehr schöne glatt geschliffene Kiesel zu sammeln.

Was ist die richtige Antwort darauf, wenn morgens ein unangekündigter Regenschauer übers MoMo fegt? Richtig, nochmal im Bett umdrehen!

Aber schon bald wird es deutlich freundlicher, so dass wir bei heiter bis wolkigem Wetter den Stellplatz verlassen und direkt vor dem ersten Rätsel des Tages stehen: An der Ver-/Entsorgungsstation ist ein weiblicher Frischwasseranschluss. Da hilft uns auch unser Gardena-Sammelsurium nicht weiter – einen doppelt männlichen Adapter haben wir nicht im Angebot. Ist aber nicht so schlimm, weil wir am nahe gelegenen Campingplatz in Turballe dann doch noch zu unserem Frischwasser kommen.

In Turballe parken wir das MoMo dann direkt unter dem Womo-Parkverbotsschild, dass wir sehr frei als saisonbedingt interpretieren, da an der Promenade und auch auf den örtlichen Parkplätzen reichlich leere Parkplätze vorhanden sind. Da werden wir wohl keinem den letzten Platz weggenommen haben…

Im Marchè Couvert decken wir uns dann mit Gemüse und Käse ein und vervollständigen den Einkauf in der Boulangerie. Annette bestellt mittlerweile schon so versiert, dass kaum noch auffällt, dass wir eigentlich kein französisch können. Dumm nur, wenn dann irgendwelche Nachfragen kommen!

Weiter geht es in die Marais Salants, da wir uns die tollen Salzfelder von Guèrande mal näher ansehen wollen.

Dem geneigten Leser mag an dieser Stelle aufgefallen sein, dass wir uns wieder in Richtung Süden bewegen. Aber wir haben irgendwie das Gefühl, dass wir mit dieser Region noch nicht “fertig” sind.

Also hinein ins Terre de Sel, wo wir ein paar der wunderbaren Bilder der Salzfelder als Deko fürs MoMo kaufen. Dumm nur, wenn man beim Dekorieren feststellt, dass 5 eine total unpraktische Zahl ist, um die Bilder gleichmäßig zu verteilen und man dann noch mal ins Geschäft muss, um die nach langen Diskussionen zurückgelegte 6. Karte doch noch zu kaufen.

Weiter geht es bei mittlerweile strahlend sonnigem Wetter mitten durch die Salzfelder.

Für unser Navi ist das alles schon Meer und so lotst es uns über die Straßen, die links und rechts wasserblau umgeben sind. In Wirklichkeit bieten sich aber immer wieder tolle Ausblicke, so dass wir mehrfach anhalten, um diese wunderbare Landschaft zu fotografieren.

Insbesondere die Salzbecken, in denen am Rande schon aufgebrochener, getrockneter Salzschlamm in verschiedenen Blau- und Grüntönen zu finden ist, lassen das Fotografenherz höher schlagen.

Am Ende der Salzfelder stoßen wir auf die Halbinsel von Le Croisic, welches auch unser nächster Zielort ist. Sicherheitshalber navigiere ich zum örtlichen Womostellplatz, der aber wieder mal völlig leer ist. Wir stellen das MoMo ab und machen uns auf den Weg in das leicht verschlafen wirkende Hafenstädtchen. Man merkt, dass die Saison vorbei ist! Der Ort sammelt bei uns keine Plus-, allerdings auch keine Minuspunkte.

Wir fahren nun immer die Küste entlang rund um die Halbinsel. Hinter dem Ort beginnt die wilde Küste, die Cote Sauvage. Uns gefällt der Wanderweg, der oberhalb der schroffen Klippen verläuft und wir überlegen, ob wir nicht einfach einen Stellplatz nehmen und die Tour für heute beenden. Da aber die Küste immer noch ein bisschen schöner wird, je mehr wir nach Osten zurückfahren, beschließen wir mindestens bis Batz-sur-mer zu fahren, dass im Reiseführer als nett beschrieben ist. Und entlang der Strecke fällt schon auf, wie viele Womolatten und explizite Womoparkverbote es gibt. Als wir also an einem Kreisverkehr östlich von Batz einen offiziellen Stellplatz finden, stellen wir uns erst mal dort hin und beratschlagen kurz, ob wir mitten an einer Kreuzung stehen wollen. Aber der Blick aufs Meer und der verlockende Pfad entlang der Klippen geben den Ausschlag: Wir bleiben.

Und bei unserem spätnachmittäglichen Weg zurück nach Batz freuen wir uns über die Entscheidung. Der Blick auf Meer, Klippen und Brandung tut gut und als wir Batz auch noch als ausgesprochen fotogenes und sympathisch verschlafenes Nest kennenlernen, beglückwünschen wir uns zu unserer Entscheidung.

Passend dazu werden wir auf dem Rückweg in wärmstem Abendlicht gebadet und sehen einige Womos traurig an unserem nun voll gefüllten Stellplatz vorbeiziehen.

Wir wiederum basteln uns aus unserem reichhaltigen Sortiment an Leckereien ein wieder mal fürstliches Abendbrot mit unserem ersten Cidre des Urlaubs. Auch das könnte zur Gewohnheit werden!