Pünktlich als wir aufbrechen wollen wird das Wetter schlechter. Nicht regengrau-schlecht, aber heftigste-Schauer-schlecht. So dass man auf der Fahrt gerne den Scheibenwischer mal in der höchsten Stufe betreibt. Und dabei fällt mir ein, dass unsere Scheibenwischer dringendst gewechselt werden müssen. Denn bei so einem Wetter wegen der entstehenden Schlieren nichts mehr zu sehen ist ja auch nicht schön…

Wir steuern daher, kaum dass wir in Flensburg angekommen sind, erst mal den nächsten A.T.U. an. Und nachdem ich mich leicht verunsichert vergewissert habe, dass die Scheibenwischer für den Ducato wirklich seit 2006 in der Montage unverändert sind (wo gibt’s das heute noch? 13 Jahre ohne Änderung…!), kann man auch wieder durch saubere Scheiben gucken. Ein ganz neues Seherlebnis!

Für die Rückfahrt haben wir uns ein paar Lieblingsziele aus den vergangenen Jahren als Zwischenziele ausgeguckt. Schön, wenn man sich schon Vorfreuen kann!

Best of Nr. 1

Wir sind auch keine 5 Minuten unterwegs, da prasselt der erste Schauer über uns hinweg. Bei strahlendem Sonnenschein. Leider ohne Regenbogen. Über die Dörfer fahren wir nach Eckernförde. Denn dort haben wir gleich zwei Adressen in beste Erinnerung: Die Fischzeit und die Bonbonkocherei, die uns letzten Herbst so begeistert haben.

Und es ist spannend, den Ort nach unserem Besuch im eher ruhigen Herbst mal im Hochsommer zu erleben. Viel mehr los! Wir haben Glück, dass wir noch einen der Womo-Parkplätze kriegen, denn einige sind ohne Not von PKWs zugeparkt. Können die nicht lesen?

In der Fischzeit schlemmen wir wieder Fischbrötchen -bzw. -frikadelle und auch Elli bekommt wieder eine Hundefrikadelle. Wir sind uns fast sicher, dass sie sich noch daran erinnern kann… Und auch die Mitarbeiter sind so freundlich und herzlich wie im letzten Jahr. Immer noch eine dicke Empfehlung!

Auf der immer noch nicht besonders schönen 80er-Jahre-Einkaufsstraße tummeln sich die Leute und in der Bonbonkocherei ist es richtig turbulent. All die Kinder, die sich ein Säckchen füllen dürfen und bei der ganzen Auswahl schlicht erschlagen sind. Da wird noch mal abgewogen, wie viel schon drin ist und was noch rein soll. Schwere Entscheidungen! Mir fällt es da relativ leicht. Die weltallerbesten weichen Lakritzbonbons mit Schokoüberzug sind gesetzt und da auch die anderen Lakritze phänomenal gut schmecken, ist meine Tüte am Ende eher schwarz als bunt. Aber mir läuft beim Zusammenstellen der Sabber schon aus dem Mund. Fast…

Wir spazieren am Meer entlang zurück zum MoMo und schließen mit deutscher Strandkorb-Romantik den Kreis zum Reisebeginn in Sierksdorf.

Best of Nr. 2

Wir sind länger geblieben als gedacht und müssen nun schleunigst weiter. Denn Zwischenziel Nummer 2 wartet auf uns. Traditionell wollen wir in Olsen, am Rande der Lüneburger Heide übernachten. In der Eiche haben wir sicherheitshalber einen Tisch reserviert.

Aber zwischen Eckernförde und der Lüneburger Heide liegt nun mal Hamburg. Und so schön wie die Stadt ja auch ist: Eine Drumrumfahrt bedeutet immer: Stau. Mal mehr, mal weniger. Heute: mehr. Ich befrage alle Navis, die das Handy zu bieten hat. Und alle raten dringend vom Verbleib auf der A7 ab. Wir entscheiden uns für die Route von Google Maps, was sich durchaus als sinnvoll erweist. Zumindest zeitweilig haben wir den Eindruck, wirkliche Schleichwege zu benutzen. Und werden auf unserer ungeplanten Stadtrundfahrt sogar noch am Volksparkstadion vorbeigelotst. Hätten wir das also auch mal gesehen!

Unsere Anfahrt hat uns aber viel mehr Zeit als gedacht gekostet, so dass wir uns fragen, ob unsere Reservierung wohl noch Bestand hat. Kein Grund zur Sorge, denn heute ist in der Eiche tatsächlich nicht viel los und wir können uns sogar einen der gemütlichen Bankplätze mit Schaffell vor dem Haus aussuchen. Hach, ist das wieder schön hier!

Und noch viel schöner: Auch die Qualität von Speisen und Service ist nach wie vor super, so dass wir uns rundum wohl fühlen, bevor wir satt und leicht beschwipst in den Alkoven fallen.

Best of Nr. 3

Am nächsten Morgen kommen wir nur schwer in die Gänge. Echt schon letzter Tag? Und auf die Heimfahrt haben wir auch keine rechte Lust. Denn Autofahren in Deutschland ist für uns (anders als für Autobahn-Höchstgeschwindigkeits-Fanatiker) kein besonderes Vergnügen. Und der Tag wird auch zeigen, warum…

Wir fahren ein paar Meter weiter bis zum Hof Sudermühlen. Von dort aus kann man eine nette kleine Spazierrunde durch die Lüneburger Heide machen, die extra für uns heute auch schon überall lila blüht. Zusammen mit den Wolkenbergen am Himmel ein toller Anblick.

Das Wetter ist aber merkwürdig. Es ist drückend schwül, sobald der Wind weg ist. Was aber Gottseidank nur selten der Fall ist, da er heute im Gegenteil sogar recht kräftig weht. Und so sind wir dann auch froh, dass wir keine Radtour oder längere Wanderung geplant hatten.

Best of Nr. 4

Zum Schluss streuen wir noch ein kleines unerwartetes Best-of ein. Annette erinnert mich daran, dass wir ja noch Töpfe und Pfannen für unseren neuen Induktionsherd brauchen. Und daher fahren wir am Outlet Center Soltau ab und gucken mal, was im Angebot ist. Nach langem Hin und Her werden wir aber üppig fündig und kehren zur Abwechslung mal ohne Klamotten, aber jeder Menge Blech ins MoMo zurück.

Über die Weiterfahrt sollte man dann tunlichst den Mantel des Schweigens legen. Denn es ist wirklich ein wahres „Best of“ von „Warum Autobahnfahren in Deutschland scheisse ist“: Einstündiger Stau vor Hannover (und nein, Spurwechsel bringen überhaupt nichts), drölfzig enge Baustellen, Linksraser, Elefantenrennen zwischen LKWs, eklige und überfüllte Rastplätze.

Was sind wir froh, als wir endlich spät abends Zuhause ankommen! Aber wenigstens das Wetter hat uns mit einer famosen Lightshow den Abend versüßt. Und in 4 Wochen können wir schon wieder „on the road“ sein. Wir freuen uns schon wie Bolle auf Schottland, Teil 2: Highland and Islands.

Auf den Wetterbericht ist wirklich nichts zu geben. Der angekündigte Regen macht sich rar und wir können mal wieder die Sonne genießen.

Nach einem gemütlichen Abschiedsspaziergang brechen wir nach Faaborg auf. Wie sich herausstellt ist das ein hübsches kleines Städtchen mit vielen kleinen originellen Geschäften auf der Haupteinkaufsstraße. Da kann man sehr schön bummeln.

Ægekage

Wir haben im Internet gesehen, dass es hier eine Spezialität gibt, die zumindest optisch ungewöhnlich ist: Ægekage. Oder zu deutsch: Eierkuchen. Das ganze ist ein fettes Omelett belegt mit viel aufgetürmtem frittiertem Bacon und mit Tomatenvierteln.

Wir setzen uns in den Hinterhof des Hotels Faaborg und probieren aus. Sicherheitshalber nehmen wir nicht beide das gleiche, sondern bestellen noch eine gemischte Fischplatte, falls der Ægekage doch nicht so lecker ist…

Aber die Sorge ist unbegründet, denn es schmeckt gut. Allerdings hinterlässt der Speck dann doch einen fettigen Eindruck im Magen, den man gerne mit einem Schnaps verdauen möchte. Aber doch nicht Mittags und wenn man noch Womo fahren muss!

Bye, bye Fünen

Wir bummeln noch etwas durch die Stadt und decken uns in der Räucherei mit leckeren Sachen ein – Fisch haben wir nicht so viel gegessen, wie wir es gerne hätten.

Wir fahren dann noch ein paar Kilometer weiter und sind schon am Fähranleger der Fähre von Bøjden nach Fynshav auf der Halbinsel Als, die schon wieder so nahe bei Deutschland liegt, dass an der Südküste die Flensburger Förde und das deutsche Festland zu sehen sind.

Aber nicht für uns: Wir fahren nach Nordborg, was überraschenderweise an der Nordküste liegt.

Strandcamping

Am dortigen Campingplatz Købingsmark gibt es einen Stellplatz vor dem Gelände, der sich nicht wie ein ungeliebtes Kind anfühlt, sondern bei dem man für 100 Kronen stehen kann, wenn man auf Strom und Dusche verzichten kann. Für das Doppelte hätte man den Rasenplatz auf dem Camping mit allem Komfort. Auch ein faires Angebot, aber da wir in diesem Urlaub für unsere Verhältnisse schon oft und gut auf Campingplätzen gestanden haben reicht uns die Schmalspurlösung völlig aus.

Es gibt noch mal einen (allerdings schmalen) Sandstrand und am Ende des Tages sogar einen dieser besonders gefärbten dänischen Sonnenuntergänge. Gefällt uns für unsere letzte Nacht in Dänemark.

Wir überlegen, was wir in den letzten Tagen in Dänemark noch erleben wollen. Und stellen fest, dass wir damit zufrieden sind, es ruhig angehen zu lassen. Also für dieses Mal kein Entdeckertrip auf eine der vielen kleinen Inseln. Wir finden übrigens, dass es sich bedeutend besser anhört, zu sagen „Wir waren in den südfünischen Inseln“ als „Wir waren in Dänemark“. Da klingt doch gleich ein Hauch Exotik und Gefahr mit…

Hügelig und hyggelig

Auch heute stellt sich die Route entlang der südfünischen Küste als überraschen kurvig und hügelig heraus. Und dazwischen dann Reetdachhäuser, Windmühlen, Gutshöfe und ganz viel Landschaft. Hyggelig! (Und für alle, die die letzten 10 Jahre unter einem Stein verbracht haben: Das ist das skandinavische Wort für gemütlich, anheimelnd)

Blick auf Svendborg

Gratis-Hafen

Im Hafen von Faldsled soll es einen schönen Stellplatz für Womos geben. Da wir morgen mit der Fähre auf die Halbinsel Alsen nahe der deutschen Grenze übersetzen wollen, scheint uns das eine ideale Position für eine letzte Nacht auf Fünen zu sein.

Und der Hafen löst alle Versprechen ein, die wir mittlerweile mit einem dänischen Hafen verbinden: Nix los. Schön gelegen. Problemloses Stehen mit dem Womo. Passt also alles. Und dass hier in Dänemark Übernachten in der Regel etwas kostet, sind wir jetzt auch schon gewohnt. Um so überraschender dann der Hinweis am Ticketautomaten (hier gibt es anscheinend keinen Hafenmeister der rumgeht und Duschmünzen verteilt…): Maschine kaputt, heute alles gratis. Och, wie nett!

Das Wetter bietet uns heute alle April-Varianten an. Wir wundern uns nur, dass kein Regenbogen zu sehen ist. Aber ein herrlicher Grund für einen Gammelnachmittag im MoMo.

Wir überlegen kurz, ob wir im Kro um die Ecke zu Abend essen gehen sollen. Denn normalerweise ist dem Dänen sein Kro, was dem Briten sein Pub ist. Gut, dass ich vorher mal nachgucke: Denn der Falsled Kro ist echte Sterneküche. Und dementsprechend teuer und (wahrscheinlich) ausgebucht. Sieht aber fein aus!

Womo-Träume

Stattdessen gibt es indische Hausmannskost im MoMo. Und als wir gerade mit dem Essen fertig sind, entdeckt Annette nur wenige Meter weiter ein Womo von Eura, dass wir schnell als den Activa One identifizieren, auf den wir seit einiger Zeit scharf sind. Kurz entschlossen gehe ich zu unseren Nachbarn und will nur mal kurz fragen, wie zufrieden sie denn mit dem Fahrzeug sind. Höchst erfreut werden wir hineingebeten, um uns selber einen Eindruck zu verschaffen.

Wir sind begeistert vom Raumgefühl und der grandiosen Hecksitzgruppe. Rundum Fenster und noch dazu die Möglichkeit sich auf der Bank nach allen Regeln der Kunst zu fläzen. Schön! Und auch die vielen kleinen pfiffigen Ideen, die die beiden schon umgesetzt haben gefallen uns gut.

Es wird dann ein langer Abend, denn Theo und Pauline entpuppen sich als sehr zeigefreudige und stolze Besitzer und haben auch von ihrer 7-wöchigen Skandinavien-Tour viel zu erzählen. Und da das Wetter gegen Abend immer besser wird, verlagern wir unsere gesellige Runde an einen Picknicktisch nach draußen und können noch bis in die Dunkelheit zusammensitzen und quatschen. Herrlich!

Und wieder überrascht uns das Wetter. Nach dem vollsonnigen Tag gestern ist es jetzt düster bewölkt und die Sonne kommt nur noch ein bisschen durch. Vom Licht her herrscht morgens schon Gewitterstimmung!

Ich fahre mit dem Rad ins nahegelegene Vindeby. Dort gibt es den nahegelegensten Bäcker. Und ich kriege schon mal einen Vorgeschmack auf das, was mich den Tag über begleiten wird. Denn die Insel ist nicht wirklich platt. Es geht ständig bergauf und bergab. Kein entspanntes Einfach-vor-sich-hin-radeln wie in Holland.

Von Insel zu Insel zu Insel

Nach dem Frühstück brechen wir gemütlich auf. Wir wollen mit den Rädern nach Langeland hinüberfahren. Langeland trägt seinen Namen übrigens absolut zu recht. Denn die Insel erstreckt sich von Nord nach Süd über 52km, ist aber an der breitesten Stelle gerade mal 11km breit.

Zunächst mal müssen wir aber Tåsinge durchqueren. Dazu gehört auch das Erklimmen des Kirchbergs in Bregninge – blöd, dass die höchste Stelle der Insel ausgerechnet in der Nähe unseres Stellplatz liegt. Der Vorteil ist, dass es danach eigentlich nur noch bergab geht. Insgeheim frage ich mich aber, was das wohl für die Rückfahrt bedeutet…

Man erreicht Langeland dann über die Insel Siø. Dorthin führt eine deichähnliche Straße. Nachdem man Siø relativ schnell durchfahren hat gibt es noch eine letzte Hürde: Vor uns ragt die Brücke nach Langeland empor.

Die Steigung so kurz vor dem Ziel erinnert mich irgendwie an die böse Steigung bei unserer Tour nach Radsted, die einem kurz vor Schluss noch mal den Puls in den roten Bereich getrieben hat. Ganz so schlimm wird es nicht, aber als wir die Kuppe erreicht haben, bin ich schon froh, dass es jetzt wirklich nur noch bergab nach Rudkøbing, den Hauptort der Insel, geht.

Verschlafener Hauptort

Rudkøbing überrascht uns dann mal wieder. Bei dem ganzen Verkehr, der beim Radfahren an uns vorbei geströmt ist, dachte ich, dass mich ein tobender Touristenort erwartet. Es stellt sich aber heraus, dass die meisten Fahrzeuge dann wohl weiter fahren, wenn sie auf der Insel angekommen sind. Wahrscheinlich nur Durchgangsverkehr zur Fähre nach Lolland?

Wir sind auf jeden Fall mehr als bereit für eine Pause und radeln gemütlich in den Ort hinein. Es bietet sich das schon gewohnte Bild von hübschen bunten Häuschen bei fast vollkommener Menschenleere. Alleine auf der Østergade, der Einkaufsmeile der Stadt, flanieren eine Handvoll Menschen.

Italienische Überraschung

Wir finden es überraschend schwer, hier eine Einkehrmöglichkeit zu finden. Nichts, was auf den ersten Blick total einladend aussieht. Bis Annettes Adleraugen ein eher unscheinbares Lädchen entdecken. Kein Namensschild dran, drei winzige Tischchen vor der Tür und eine Tafel, die Antipasti verspricht. Hm. Eine schnelle Google-Suche ergibt, dass der Laden Il Chiosco heißt und nicht so ganz schlecht sein kann. Wir nehmen Platz.

Und haben einen wirklichen Glücksgriff getan. Denn nicht nur schmecken die Antipasti- und Vitello Tonnato-Platte und der von mir ausgesuchte Barbera-Rotwein ganz vorzüglich, das ganze ist für dänische Verhältnisse geradezu ein Discount-Angebot. Für 130 Kronen (17 Euro) würde man das auch in Deutschland kaum irgendwo kriegen. Wir sind so begeistert, dass wir uns noch ein Fläschchen Barbera und die leckere Olivenpaste in die Packtaschen packen.

Hafenidylle

Durch schnuckelige kleine Gassen fahren wir weiter hinunter zum Hafen.

Auch dort: tote Hose. Wir finden eine Picknickbank direkt am Wasser, von der der wir einen famosen Ausblick auf das Wasser und die Brücke haben. Und Annette erklärt mir ein paar Dinge über Segelboote, die ich noch nicht wusste. Ich könnte jetzt sogar ein Gaffelsegel erkennen, wenn ich eins sehe!

Gaffelsegel!

Da das Wetter immer noch nicht weiß, wo es hinwill und sich unsere Beine und Hintern am Ende der Hinfahrt schon gemeldet haben, verzichten wir schweren Herzens auf eine weitere Erkundung der Insel, sind uns aber sicher, dass wir noch einmal zurückkehren werden.

Durch den Gegenwind

Und die Entscheidung war wohl die richtige. Denn nachdem wir die Steigung an der Brücke noch frisch ausgeruht mit Links gefahren sind, kommt dann aber der Kuppe die Überraschung: Es herrscht ganz ordentlicher Gegenwind. So sehr, dass wir bergab(!) trampeln müssen, um nicht einfach stehenzubleiben. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Die Hunde im Fahrradhänger fühlen sich auf einmal wie 100kg Ballast an. Annette entlastet mich ein bisschen, indem sie vor mir für Windschatten sorgt.

Loppe-Überraschung

Aber als wir am „letzten Campingplatz vor Langeland“ ankommen und damit die Hälfte der Strecke geschafft ist, bin ich schon reichlich platt. Ein Eis sorgt für bessere Laune. Und Annette entdeckt in der Trödel-Ecke, die hier „Loppe“ heißt, nicht nur eine blaue Kaffekanne, in die sie sich verliebt, sondern auch noch eine Katzenmutter, die es sich mit ihren zwei Kätzchen im Antik-Schrott gemütlich gemacht hat.

Valdemars Slot

Damit wir ins den drohenden Anstieg nach Bregninge ersparen, hat Annette eine großartige Idee. Wir fahren eine kleine Bogen und gucken uns noch Valdemars Slot an, ein Schloss, das König Christian IV. zwischen 1639 und 1644 für seinen Sohn Waldemar Christian (1622–1656) erbauen ließ.

Auch am Schloss ist nicht wirklich viel los, aber es ist ein wirklich schön angelegtes Arrangement von Häusern direkt am Meer. Wir verzichten auf die Besichtigung, gönnen uns aber einen Kaffee zur Stärkung für die letzten paar Kilometer.

Dänenidylle

Der Radweg führt uns einen kleinen Schlenker durch Præstoaleen und Grønnegade. Falls ihr auch mal dort in der Ecke seid: Unbedingt durchfahren. Das ganze sieht mit seinen restgedeckten Dächern und typischen Dänenfachwerkfarben rot, gelb, blau so schnuckelig aus wie ein dänisches Freilichtmuseum. Da möchte man sofort einziehen!

Feierabend

Wir kommen dann wirklich mit dem letzten Körnchen Energie wieder beim MoMo an und belohnen uns mit einem Feierabendbierchen. Und stellen erstaunt fest, dass neben uns nur noch ein Womo auf dem Stellplatz steht und ein Grüppchen von 4 französischen Radfahrern in den urigen halboffenen Schutzhütten Station macht. Das wird eine ruhige Nacht!

Wir staunen nicht schlecht, als wir nach dem Aufwachen sehen, dass neben uns ein PKW mit Dachzelt steht. Wo ist der denn auf einmal hergekommen? Und wir staunen gleich noch mal so viel, als wir sehen, dass da eine komplette Familie drin geschlafen hat. Vater, Mutter und 2 Töchter. Und die Mädels sind so ca. 8 und 12 Jahre alt. Das muss doch wahnsinnig eng sein! Und als sie uns dann noch erzählen, dass sie nach Norwegen wollen, wissen wir wirklich nicht mehr, ob das Irrsinn oder bewundernswert ist.

Wir stärken uns vor der Abreise noch mal mit einem Eis bei unserem netten Gastgeber. Aus dem wird aber in diesem Leben kein Geschäftsmann mehr. Denn nach meiner Bestellung von 2 Kugeln (aus nach dänischer Arithmetik 4…) füllt er die Hörnchen noch mit 2 Extrakugeln auf, da er uns noch was Gutes tun möchte. Ein echt liebenswerter Gutmensch. Da könnte sich so mancher Schlechtmensch aus der AfD mal ein Beispiel nehmen, wie man mit Fremden umgeht…

Teure Brücke

Auch wenn uns die beschauliche Landschaft hier gut gefällt: Wir wollen heute weiter in Richtung Westen. Den westlich von uns liegt die große Insel Fünen. Die soll toll sein. Und da wir langsam aber sicher in Richtung Reiseende unterwegs sind, möchten wir uns zumindest die Option offen halten, dort noch ein paar Dinge zu entdecken. Los geht’s!

Weil unser schöner Stellplatz keine Entsorgungsmöglichkeit hatte, wollen wir das noch mal erledigen. Und es gibt in unmittelbarer Nähe zur Mautstation der Storebælt-Brücke eine Entsorgungsstation, von der wir uns erhoffen, dass man gleichzeitig noch einen schönen Blick auf die Brücke erhaschen kann.

Wir müssen dann nach dem Entsorgen noch ein paar hundert Meter weiter fahren, um wirklich etwas von der Brücke sehen zu können, sind dann aber leicht verwundert. Denn hier, fast am Ende der Straße, gibt es einen Campingplatz mit angeschlossenem Sandstrand. Und wirklich tollem Blick auf die Brücke. Aber eben auch mit den Geräuschen, die eine so viel befahrene Strecke dann mit sich bringt. Fühlt sich so ein bisschen an wie Sandstrand-Camping an der Autobahn. Komisch!

Da wir mit unserem hohen MoMo an den französischen Mautstationen schon mal gerne falsch eingestuft werden und dann einen teuren LKW-Tarif bezahlen sollen, fahren wir lieber an die menschenbesetzten Schalter. Dort fragt mich die freundliche Frau auch als erstes nach dem Gewicht und nennt mir dann den Preis. „Puh, teuer!“ denke ich mir. Und merke leider erst, als ich die Preise später noch mal im Internet checke, dass ich unsere kurze Länge von weniger als 6m hätte erwähnen müssen. Für 125 Kronen hätte man sich schöne Dinge kaufen können…

Die Überfahrt über die Brücke ist bei dem sonnigen Wetter, was wir heute haben, allerdings auch ein tolles Erlebnis. Segelboote rechts und links auf dem blau strahlendem Meer. Und selbst die Windräder sehen hier irgendwie futuristisch richtig am Platz aus.

Glücksplatz

Wir haben uns dazu entschieden, einen Stellplatz auf der Insel Tåsinge anzusteuern, der sich sehr vielversprechend anhört. Bis dahin fahren wir erst mal durch das uns groß vorkommenden Städtchen Nyborg und die mittlerweile schon wohlbekannte dänische, von vielen Getreidefeldern geprägte Landschaft.

Svendborg, die größere Stadt am gleichnamigen Sund, streifen wir nur und fahren über die Brücke hinüber nach Tåsinge. Irgendwie hat man sofort Inselfeeling, wenn man hier ankommt. Unser Stellplatz im Dörfchen Gammel Nyby ist dann eine reine Offenbarung: Großzügig angelegt, mit Strom, Wasser, Dusche und sogar Entsorgungsmöglichkeiten auf einem ehemaligen Bauernhof. Alles erst im letzten Jahr angelegt und mit dem Charme des Neuen, aber teilweise noch unfertigem. Uns gefällt’s!

Wir haben sehr schnell das Gefühl, angekommen zu sein und verbringen gerne den Nachmittag an unserem Platz mit Blick hinüber auf die wohl ebenfalls tolle Insel Langeland. Und in uns reift der Beschluss: Hier könnte man auch mehr als eine Nacht verbringen. Wir fühlen uns einfach wohl!

Abendstimmung

Nachdem wir den Tag herrlich verbummelt haben, wollen wir abends dann doch mal zumindest unsere näherer Umgebung erkunden. Denn es gibt hier eine als Restaurant genutzte Windmühle und anscheinend sogar so etwas wie einen Ort.

Wir stiefeln also los und genießen die laue Abendstimmung. Obwohl es gerade mal kurz nach 8 Uhr ist, scheint die Messe in der Windmühle schon gelesen. Es sieht schwer so aus, als würden sich gerade die letzten Gäste verabschieden. Der Däne an sich scheint also auch eher ein früher Abendesser zu sein.

Der Ort ist dann allerdings auch sehr übersichtlich. Außer Heimatmuseum und Kro gibt es nicht viel zu entdecken. Das spannendste ist da die Weide, die offensichtlich von ganz besonderen Schafen bewohnt wird. Google übersetzt uns, dass es eine Rasse mit Nordic Card mit Heckfähre sei. Gut zu wissen!

Aber ansonsten: Schön hier!

Das schlimmste Regenwetter scheint durch zu sein. Zumindest können wir heute morgen draußen frühstücken. Und das ist dann ja schon mal ein guter Start in den Tag.

Wir lassen uns wie immer reichlich Zeit bis zum Aufbruch. Schließlich will die gute Dusche ja auch noch mal genutzt werden! Es wird also Mittag…

Und wir stellen fest, dass nicht wir es sind, die so vor uns hin stinken, sondern dass hier vom Wasser her bei nahezuer Windstille gerne mal ein brackiges Düftchen rüberweht. Hmmm!

Zwischenstopp Fakse Bugt

Nachdem wir in Præstø unsere Vorräte ergänzt haben finden wir kurz darauf einen Parkplatz an der Fakse Bugt. Dort können wir dann nämlich mit besagten Einkäufen ein kleines Mittagsessen mit Blick auf den Schilfgürtel zu uns nehmen.

Erst nachher sehen wir, dass es hinter dem Schilf sogar eine Bucht mit Picknicktischen gegeben hätte. Ärgerlich!

Kreuz und quer

Wir haben uns vorgenommen, auf dem Weg zu unserem Etappenziel am Tystrup Sø mal wieder der Margeritenroute zu folgen. Man kann wirklich den Eindruck haben, dass alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen war zu einer solchen Margeritenroute gemacht wurde!

Die Nebenstrecken sind auf jeden Fall immer gut zu fahren und bieten schöne, ländliche Aussichten. Lediglich das Navigieren mit unserem Dänemark-Atlas klappt so mittelgut. Kennt ihr das Problem, dass der aktuelle Kartenausschnitt sich geradezu magisch immer am Rande einer Seite befindet und man sich dann beim Blättern völlig verheddert? Oder dass man smartphone-geschädigt auf dem Papier komische Fingerbewegungen macht und sich wundert, dass da nichts vergrößert wird?

Wir nehmen daher ein paar Umwege über noch margerittigere Sträßchen, die aber zumindest stets asphaltiert sind. Aber aufgrund einer Höhenbegrenzung und einer Baustelle fahren wir doch einen ganz schönen Umweg.

Kleines Paradies

Wir steuern einen kleinen Bauernhof am Tystrup Sø, einem langgezogenen See im Naturpark, an. Und der Wegweiser in Richtung Hørhaven verheißt mit der Aufschrift „Is“ viel gutes. Denn hier soll es neben einem kostenfreien Stellplatz auch leckeres Eis geben.

Wir steuern auf das Bauernhaus zu und sehen zwar einen Hinweis, dass hier tatsächlich ein Stellplatz sein soll, können aber nicht erkennen, wo. Also fahren wir erste mal die eher enge Einfahrt zum Hof hinunter. Annette findet das als Fahrerin nicht ganz so spaßig, ich denke mir aber schulterzuckend an Norwegen denkend nichts weiter dabei. Denn der Parkplatz vorm Haus ist dann wieder etwas geräumiger und bietet auch eine Wendemöglichkeit.

Vor allem aber gibt es hier einen sagenhaft netten Gastgeber. Denn der bietet nicht nur einen extra für Wohnmobile abgezäunten (und wie gesagt kostenlosen) Bereich, sondern auch noch leckeres Eis, das er uns auch gerne vor der Bestellung probieren lässt.

Und da er auch die skurrile dänische 2-für-1-Regel (s. Nysted) bei den Eiskugeln anwendet, kriegen wir dann für die Bestellung „tre Kugler“ 6 Kugeln in die Waffeln portioniert. Und als wäre das noch nicht genug, bietet er uns spontan auf unsere Nachfrage, ob es denn eine Aussicht auf den See gäbe, an, dass wir uns doch bitte in seinen Garten hinterm Haus setzen mögen, da hätte man die beste Aussicht. Wahnsinnig gastfreundlich!

Kuhberg

Nachdem wir das Eis genossen haben, parken wir das MoMo am richtigen Stellplatz, den wir auch jetzt noch erst im zweiten Anlauf finden. Die Beschilderung ist noch etwas ausbaufähig – aber wer will sich bei so einem tollen Angebot ernsthaft beschweren?

Wir können uns toll hinstellen und auch von hier ein bisschen See sehen. Aber richtig gut soll die Sicht vom Hügel hinter uns sein. Gegen Abend machen wir uns also auf den Weg. Und stellen fest, dass es mal wieder über eine Kuhweide geht. Mit 20 neugierigen Kühen. Seit unserem „Bull in the field“-Erlebnis auf Berneray sind wir da etwas zurückhaltender… Diesmal reicht aber ein böser Blick, um die Kuhherde in Schach zu halten und wir stapfen an den Jungkühen vorbei in Richtung Hügelkuppe.

Von dort hat man wirklich eine schöne Aussicht und kriegt einen Eindruck davon, dass der See noch größer ist, als das, was wir vom MoMo aus sehen können. Und vor allem ist es hier Auenland-friedlich. Und als hätten wir sie bestellt, kommt auch die Sonne jetzt noch mal wieder mehr zum Vorschein.

Und als dann später die Sonne schon längst untergegangen ist, leuchtet der Himmel noch lange in tollen orangerosa-Tönen nach. Einfach schön.

Unser toter Campingplatz gefällt uns dann doch besser als zunächst gedacht. Denn es ist ruhig, der Platz ist großzügig. Aber vor allem: Die Duschen sind der Oberhammer! Da hat mal wirklich jemand an alles gedacht, was beim Campingplatzduschen sonst so nervt:

  • Es gibt ein Regal für die Schuhe.
  • Die Anziehsachen können so abgelegt werden, dass sie garantiert nach dem Duschvorgang nicht durchnässt sind.
  • Die Duschkabine ist mehr als großzügig groß.
  • Es gibt sogar eine Kopfbrause, auch Regendusche genannt.
  • Es ist ein Abzieher für den Boden da, mit dem man die Dusche auch wieder anständig hinterlassen kann.

Dass das Wasser dann noch schön warm und mit gutem Druck aus der Leitung kommt, ist dann schon fast selbstverständlich. Ein wirkliches Duschvergnügen ist das!

Faulenzerplan

Ein Vergnügen ist das Wetter gerade leider nicht. Grau und fisselig. Normalerweise hat man dann zwei Möglichkeiten: Fahrtag oder Ruhetag. Und auch wenn es uns weiterzieht, haben wir auch im Hinterkopf, dass wir uns auf dieser Sommerreise gerne auch mal nur dem Nichtstun hingeben wollen. Und wo wäre das angenehmer als auf einem Campingplatz mit guter Ausstattung und zivilen Preisen? Wir bleiben! Und daher passiert außer Abhängen, lesen, kurzer Hunderunde und essen auch nicht viel mehr. Herrlich!

Grillvergnügen

Wir versorgen uns auf dem Campingplatz noch mit den Grillwürstchen, die vom angrenzenden Biobauernhof stammen. Und kriegen für die tiefgekühlte Ware noch einen tollen Tipp, damit wir sie abends essen können: Die Packung einfach 20 Minuten in kaltes(!) Wasser legen und voilà: aufgetaut. Klappt tatsächlich!

Wir setzen uns dann eingemummelt bei nur noch 13° (Petrus will uns echt vereimern…) nach draußen und grillen uns die Würstchen, die hervorragend schmecken. Da können wir uns gleich morgen mit bevorraten.

Hund weg

Als wir abends zur Landzunge, von der man die Brücke nach Møn betrachten kann, aufbrechen wollen, kommt der große Schreck: Mia ist weg! Irgendwie muss sie sich beim Aufbauen der Möbel fürs Grillen aus dem MoMo verabschiedet haben und ist auf Erkundungsgang gezogen. Und wir haben nichts bemerkt. Sie muss also seit vielleicht 2 Stunden weg sein. Ach. Du. Scheisse!

Wir machen uns auf die Suche. Aber wie findet man einen blinden Hund, der gerne auch mal schwerhörig ist und auch leicht dement ist? Annette und ich trennen uns und suchen den Campingplatz in allen Ecken ab, sprechen Leute an, ob sie Mia gesehen haben, leuchten unter die Dauercampwohnwagen. Kein Hund in Sicht.

Die Panik steigt, denn wir haben vielleicht noch eine knappe Stunde, bis es dunkel wird. Ist sie zur Straße gelaufen, wo die Autos mit 80 Sachen vorbeibrausen? Ist sie von einem Steg ins Wasser geplumpst? Hat sie sich ins tiefe Gras gelegt und pennt?

Die Erleichterung ist dann unendlich groß, als mich eine ältere Dänin anspricht, ob ich vielleicht einen Hund suche…? Und tatsächlich, auf dem Grundstück neben ihrem Wohnwagen liegt Mia auf dem Rasen und es sieht aus, als würde sie sich genießerisch den Sonnenuntergang angucken… Aber auch bei ihr ist die Freude groß, als sie meine Stimme hört und wieder weiß, wo sie hingehört. Suppenhuhn!

Sonnenuntergang

Der Regen hat im Laufe des Tages Gottseidank nachgelassen und als die Sonne jetzt untergeht, kann ich doch noch ein paar Langzeitbelichtungen von der coolen Møner Brücke schießen. Eine gute Gelegenheit, um den Puls erst mal runterzubringen…

 

Da zieht wohl gerade mal eine Schlechtwetterfront über uns hinweg. Nichts ist es mehr mit dem Dänensommer. In der Nacht prasselt ergiebiger Regen aufs MoMo und wir drehen uns noch zweimal um, bis das Pladdern endlich weniger wird.

Regenwetter

Wir wägen ab: Wollen wir bei Drinnenhockwetter wirklich nochmal 50€ auf den Tisch legen? Egal wie schön der Platz sonst ist, die Antwort lautet Nein. Wir nutzen aber das Angebot, was mir die freundliche Rezeptionistin gestern gemacht hat. Nämlich, dass wir zwar bis 12 Uhr ausgecheckt sein müssen, aber danach problemlos noch ein Weilchen stehen dürfen. So wird’s gemacht.

Wir holen erst mal Bloggen und Tagebuchschreiben nach und freuen uns darüber, dass es im Laufe des Tages dann doch noch mal freundlicher wird. Sogar ein bisschen Sonne traut sich durch die Wolkendecke.

Ab an die Klippen

Es wird sogar so schön, dass wir gegen drei Uhr beschließen, doch noch mal eine Spazierwanderung zu den Klippen zu machen. Denn es gibt hier sage und schreibe 5 Stellen, an denen man per Treppe zum Fuße der Klippen gelangt. Wir entscheiden uns für die Nördlichste, den Jydeleje Fald.

Wir stiefeln querfeldein durch den Campingplatz Richtung Straße und kommen an einem mit Disteln und Sonnenblumen umrandeten Feldrain entlang. Sieht schön aus!

Der Weg hinüber in die Dünen ist dann gar nicht mal so weit und wir überlegen am oberen Treppenabsatz wirklich nur ganz kurz, ob wir noch mal so viele Stufen runtergehen möchten.

Kurzes Vergnügen

Aber jetzt sind wir ja Profis. Die Treppen nehmen wir im Nu und auch am Fuße der Klippen sind wir erfahrene Wanderer. Dumm nur, dass diesmal das Ende des Weges Richtung Süden bereits nach wenigen hundert Metern gekommen ist.

Es gibt hier zwar einen “Trampel”pfad in die Kreidefelsen, um ein bisschen oberhalb des Wassers noch weiter zu kommen, aber auch hier wird es bald zu unsicher, als dass ich mein Glück überstrapazieren möchte. Denn Erdrutsche sind hier anscheinend an der Tagesordnung und da es reichlich geregnet hat, vielleicht gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Wir kehren also um und es kommt mir so vor, als würden wir die Treppen schon viel leichtfüßiger hinaufgehen. Noch ein paarmal und wir können uns zum Treppenläufer-Marathon (ja, den gibt es wirklich!) anmelden…

 

Einmal durch Møn

Nachdem wir am Campingplatz das MoMo auf Vordermann gebracht haben brechen wir Richtung Westen auf. Die restlichen Treppen müssen bis zum nächsten Mal warten.

Direkt an der Brücke von Møn nach Sjælland soll es ebenfalls einen hübschen Campingplatz geben. Den steuern wir an. Er erweist sich als Platz mit großzügigen Parzellen, wirkt aber ansonsten ein bisschen tot. Vor allem im Vergleich mit dem fröhlich-lebhaften Platz von Møns Klint. Dafür kostet er aber auch nur die Hälfte, was unser Portemonnaie mit Wohlwollen hört.

Toter Campingplatz

Tot könnte man fast sogar wörtlich nehmen. Wir stehen zunächst am Ende des Platzes neben einem schon leicht verfallendem Wohnwagen. Und wir würden uns nicht wundern, wenn am Abend die Kripo anrückte und einen schon fast verwesten Leichnam herausholte. Vielleicht schwirren deshalb so viele kleine Fliegen hier rum?

Wir finden mal lieber eine andere Parzelle, windgeschützt hinter einer Ecke. Dort richten wir uns dann häuslich ein und könnten sogar einen lauschigen Abend vor dem MoMo verbringen, wenn da nicht die doch etwas arg abgekühlte Temperatur von 17° wäre. Ein paar Grad mehr wären dann doch schön.

Spaghetti Bolognese mit Lammhack. Hmmm!

Nanu, ist schon Herbst? Am Morgen ist es so neblig trüb, dass man kaum das andere Ende des Hafenbeckens sehen kann. Lediglich die milden Temperaturen bestätigen uns, dass es Sommer ist. Aber entsprechend träge starten wir in den Tag.

Verschlafenes Nest

Annette übernimmt wieder, und mittlerweile deutlich beherzter, das Steuer. Ich sehe es schon kommen: Am Ende des Urlaubs bin ich meinen Job als Fahrer los. Braucht noch jemand einen Womo-Chauffeur?

In Stubbekøbing parken wir nach Annettes Nysted-Trauma sicherheitshalber am großen Kiesplatz am Hafen und machen uns zu Fuß auf die Suche nach einem Supermarkt. Der darf dann auch gerne was anderes als ein Aldi oder Netto sein, denn die kennen wir ja von zu Hause. Es wird dann ein Fakta und wir stellen fest, dass man dort auch mit einem Ami-Monstertruck noch problemlos hätte parken können. Dafür hat Annette aber auf dem Weg noch ein paar T-Shirts entdeckt, die ihre knapp bemessenen 20 Outfits für die Reise deutlich erweitern. So ein Glück!

Ansonsten kann man über Stubbekøbing eigentlich nicht viel sagen, denn es ist ein echt verschlafenes Nest. Nix los hier. Aber daran haben wir uns in Dänemark ja schon gewöhnt…

Schön auf Møn

Jetzt geht es aber weiter zu einer weiteren Top-Attraktion: Den Kreidefelsen von Møns Klint. Über zwei kleinere Inselchen gelangt man auf die schön Insel Møn. Ob unser Familienname vielleicht aus Dänemark kommt. Wäre Mønsters dann die richtige Schreibweise? Muss ich mal üben…

Auf der Insel führt uns die Margeritenroute wieder gewohnt verlässlich an schönen dänischen Landschaften und Häuschen vorbei. Ich beschließe, das ganze einfach Bollerbø zu taufen…

Für Annette wird es jetzt aber anspruchsvoller. Die Sträßchen werden nicht breiter und der Verkehr nimmt kurioserweise eher zu, je weiter wir ans westliche Ende der Insel kommen. Was ist denn hier los?

Wettermäßig hatten wir auf der Fahrt eher Glück. Die Sonne war herausgekommen und es fuhr sich ganz angenehm durch die sommerliche leuchtende Landschaft, Aber je näher wir dem Westende der Insel kommen um so neblig-trüber sieht der Himmel aus. Und prompt als wir auf die letzten Meilen zu Møns Klint einbiegen fängt es an zu schiffen. Und die asphaltierte Strecke wird auf diesem Stück zu einer lehmig-schotterigen Piste. Mit viel Verkehr, da anscheinend alle Besucher die Klippen fluchtartig zu verlassen scheinen.

Spätzünder-Klippen

Nachdem der Schauer durch ist und wir uns mit Kaffee und Kuchen noch mal gestärkt haben, machen wir uns auf den Weg. Und von wegen, alle Besucher sind weg! Es sind immer noch reichlich viele hier. Vor dem Besucherzentrum ist richtig was los. Aber als wir uns auf den oberen Klippenweg in Richtung Süden begeben, wird die Menschenmenge schnell weniger und schon bald sind wir nahezu alleine.

 

Es geht urig durch einen regennebligen Buchenwald. Von den Klippen sieht man wenig bis gar nichts. Lediglich an einigen Aussichtspunkten kann man erahnen, dass es wohl ganz beeindruckend hoch ist und die Klippen steil abfallen. Aber eben nur erahnen…

Nach einiger Zeit kommen wir an eine Treppe, deren unteres Ende nicht mal zu sehen ist. Aber alle, die sie hinauf kommen, sehen doch reichlich geschafft aus. Scheint anstrengend zu sein. Hinunter geht das ganze locker-flockig und wir wundern uns nur, wie lange es dauert, bis wir endlich unten angekommen sind. Im Infofaltblatt steht etwas von 468 oder 494 Stufen. Ja, was denn nun? Ich hätte jetzt gerne meine Mutter dabei, die das ungewöhnliche Hobby hatte, immer alle Treppenstufen zu zählen, wenn es um lange Treppen ging. Ich bin mir aber sicher, dass es die größere Zahl sein muss…

Wow-Klippen von unten

Als wir schließlich unten angekommen sind, gibt es einen eher schmalen Streifen mit Sand- bzw. meistens Kieselstrand. Und der Blick hinauf ist von hier unten wirklich ehrfurchtgebietend. Mann, ist das hoch!

Aber auch die Kiesel unter uns sind durchaus spannend. Zum einen, weil man auf dem kugelig-rutschigem Untergrund gerne mal umknickt, zum anderen weil es angeblich viele Fossilien geben soll. Und tatsächlich sieht man an vielen schwarzen Steinen merkwürdige Einschlüsse, die vielleicht Fossilien sein könnten. Aber Annette hat mit ihrem gefundenen Dino-Wirbelsäulenknochen den Vogel abgeschossen!

 

Die weißen Kreidefelsen sind übrigens wirklich kreidig. Man kann mit den Fingern an ihnen entlang fahren und hat dann eingekreidete Fingerspitzen. Trotzdem ist das ganze eher hart als weich. Und das ist auch besser so, denn zu Beginn wartet man förmlich darauf, dass das ganze auf einen runterrutscht. Denn an mehr als einer Stelle sieht man, wie zuvor abgebrochene Baumstämme unter einer Kreidesteinschicht verschwunden sind. Gut, dass die Erdrutschsaison eher im Winter und Frühjahr ist!

Kommt die Flut?

Der Weg unterhalb der Klippen ist übrigens erstaunlich schmal. Teilweise bleibt vielleicht noch ein halber Meter zwischen hereinrollenden Meereswellen und den steil aufragenden Klippen. Beängstigend schön!

Wir gehen unverzagt weiter und wundern uns, dass uns schon so lange niemand mehr entgegen gekommen ist. Des Rätsels Lösung: Weil da keiner mehr ist! Denn etwa unterhalb des Besucherzentrums kommen wir an eine Stelle, an der es nur noch durchs Wasser weiter geht. Dummerweise kann man aber nicht absehen, wie lange und wie weit. Und ob man dort wirklich gut gehen kann. Oder kommt vielleicht gerade die Flut?

Wir beschließen, keine unsinnigen Abenteuer zu unternehmen und kehren leicht frustriert um. Wir hätten gerne den Weg bis zum nördlichen Ende des Rundweges gemacht. Gleichzeitig sind wir aber auch verunsichert. Wenn wirklich die Flut käme, könnte es an den schmalen Stellen auch bald zu eng werden, um trockenen Fußes anzukommen. Also lieber mal Gas geben! Zeit für Fotos haben wir aber immer noch…

Mann, ist das steil!

Natürlich kommt keine Flut und wir erreichen den unteren Treppenabsatz ohne Probleme. Außer, dass unsere Schuhe mittlerweile ganz schön eingekreideschlämmt sind.

Aber jetzt geht‘s ans Eingemachte: Denn die 494 Stufen fühlen sich schon bald an wie 944! Gut, dass die Treppenbauer zwischendurch immer kleine Bänke eingerichtet haben, wo man kurz verschnaufen kann. Als wir endlich oben ankommen ist der Puls auf jeden Fall im Kardiotrainingsbereich!

Motivation auf halber Strecke…

Lieblingscampingplatz

Auf dem Rückweg fährt Annette schon deutlich beherzter durch die kurvige Lehmpiste und entdeckt spät ihre Bestimmung: “Ich mache jetzt ein Off-road-Training! Das macht ja richtig Spaß!”

Wir haben schon früh beschlossen, dass wir auf dem gut bewerteten Campingplatz von Møns Klint übernachten wollen. Das gönnen wir uns mal. Und wir sind angenehm überrascht. Ein Platz ganz nach unserem Geschmack. Freundliche Mitarbeiter, deren wichtigste Anweisung lautet: “Keinen Stress!” Sucht euch einfach einen Platz, dann meldet euch irgendwann bis 24 Uhr an, damit ihr Duschkarten bekommt und vor allem “Kein Stress!”

Und als wir durch das Gelände fahren sind wir von der schönen, zwanglosen und doch ordentlichen Anlage angenehm überrascht. Irgendwie scheint jeder sein Fleckchen zu finden und trotzdem wirkt es nirgendwo gedrängt oder voll – obwohl richtig Betrieb ist. Und das Ungewöhnlichste: Wir finden auf Anhieb einen Platz auf den wir uns einigen können und der dann noch fast schon irrsinnig perfekt ist. Dadurch, dass der Campingplatz durch seine terrassenartige Anlage in kleiner Arerale unterteilt ist, wirkt es fast schon heimelig intim.

 

Und auch sonst ist das alles großartig: Es gibt tolle Spielbereiche für die Kinder und sogar einen Extrabereich für Familien mit Kindern, wodurch sich ganz einfach ein ruhigerer Bereich für die Oldies ergibt. Hat dieser Platz also einen Haken? Leider ja. Mit 393 Kronen (also ca. 50€) ist das für uns zwei ein ausgesprochen teures Vergnügen. Aber wir kneifen da jetzt mal die Arschbacken zusammen und machen das einfach…