Liebe auf den dritten Blick

5. September 2022

Morgens frönt Annette erst mal ihrem neuen Hobby: Wild Swimming. Seitdem sie in Irland und Schottland so oft Leute ins eisige Meer hat steigen sehen, ist sie nicht zu stoppen und hat den Sommer über kultiviert, dass sie regelmäßig früh morgens bei uns in der Talsperre schwimmt. Heute ist es jedoch der Scharmützelsee! Dieser hat sogar Seegang und leichte Schaumkrönchen zu bieten, ist aber laut meiner Wildschwimmerin wunderbar erfrischend.

Wild Swimmerin

Auf nach Polen

Der ruhige Platz am Scharmützelsee soll jetzt aber unser letzter Stop in Deutschland gewesen sein. Uns zieht es in Richtung Osten. Eine Tankfüllung hat uns gerade recht gereicht, um in Frankfurt an der Oder über die Grenze zu kommen. Aber jetzt muss erst mal vollgetankt werden. Die polnischen Preise sind mit 8 Złoty (1,68 €) schon sehr einladend. 40-50 Cent pro Liter sparen ist doch mal eine Ansage.

Wir nutzen die Gelegenheit, an einem Autohof auch gleich noch zu ver- und entsorgen. Allerdings kriegen wir auch einen ersten Kulturschock. Denn weder mit Deutsch noch Englisch kann ich hier nach dem Wasseranschluss fragen und mir wird sehr deutlich signalisiert, dass es eigentlich auch niemanden interessiert, ob ich etwas hilflos nach einem Wasserhahn suche. Wir hatten die Polen irgendwie gastfreundlicher in Erinnerung.

Der Weg nach Posen

Wir fahren zurück auf die Autobahn und befinden uns schon bald auf der Mautstrecke. Die ist unfassbar eintönig. Eine breite Trasse, die links und rechts von endlosen Wäldern eingerahmt wird. Zum Fahren sehr bequem, aber fürs Auge sehr langweilig. Aber wir können Strecke machen.

Autobahn Frankfurt Posen

Kurz vor Posen müssen wir dann zahlen. Und, Wunder über Wunder, es sitzt sogar eine ältere Frau am Schalter, die mein euphorisches „dzień dobry“ völlig kalt lässt und nur auf den Zahlbetrag am Display zeigt. Als ich nach Kartenzahlung frage, schüttelt sie nur genervt den Kopf und hält mir wortlos das Kartenterminal hin. Meine Güte, war die schlecht gelaunt!

Wir fahren von der Autobahn ab und wundern uns, wie weit es noch ins Zentrum von Posen ist. Wir waren auf ein Städtchen eingestellt, müssen aber nachher recherchieren, dass es die fünftgrößte Stadt Polens ist. Manchmal wäre ein wenig mehr Reisevorbereitung vielleicht doch sinnvoll…

Wir parken auf der Dominsel, was sich als echter Geheimtipp entpuppt. Denn hier ist nichts los, obwohl man in ein paar Minuten zu Fuß im Zentrum ist.

Alle muffelig?

Dumm nur, dass am bewachten Parkplatz hinter dem Dom ein Parkautomat steht, der nur Münzen nimmt. Denn die haben wir noch gar nicht. Ich spreche einen Gärtner an, ob er mir helfen könne. Aber wieder das gleiche Spiel. Kein englisch, kein deutsch, keine Hilfsbereitschaft. Stattdessen hat man den Eindruck, dass er heilfroh ist, als er sich wieder seiner Gartenarbeit widmen kann. Als wir frustriert zum Umparken wegfahren, blickt er nahezu demonstrativ nicht mal auf.

Wir parken dann am Straßenrand, der auch noch den Vorteil hat, im Schatten zu liegen. Da sich dort ebenfalls nur mit Münzen oder nicht funktionierender Park-App bezahlen lässt, gehen wir bratzig einfach so in die Stadt.

Wojtila
Der ewige Papst

Denn wir wollen ohnehin keinen längeren Stadtbummel machen, sondern eigentlich nur mal einen Eindruck gewinnen, wie es so in Posen ist und nebenbei noch Geld abheben. Auf dem Weg in die Stadt entdecke ich mein neues polnisches Lieblingswort: Fajerwerki!

Fajerwerki

Wir haben aber auch mit unserem Besuch des altstädtischen Rings Pech: Der große zentrale Platz mit den wunderschönen alten Häusern ist eine gigantische Baustelle, weil dort große Tiefbauarbeiten durchgeführt werden. Könnte ohne die Baustelle ein absolutes Highlight sein. Aber so macht es wenig Spaß.

Altstädtischer Ring Posen
Altstädtischer Ring Posen
Altstädtischer Ring Posen

Wir besorgen das Bargeld und wollen uns in einer Bäckerei noch mit den köstlichen polnischen Süßwaren eindecken. Und auch hier wieder das gleiche Spiel: Die Bäckereifachverkäuferin zeigt sich als Weltmeisterin im Kein-Interesse-Zeigen. Unsere Radebrechversuche werden geflissentlich ignoriert und alles an ihrer Körpersprache sagt „Geh mir nicht auf den Sack!“

An der Stelle bin ich echt froh, dass wir auch Polen kennen, die deutlich freundlicher sind. Ansonsten wäre unsere Vorfreude auf die kommenden Wochen schon arg gedämpft. Aber heute ist echt der Wurm drin.

Stop Putler

Schöne Seen

Wir flüchten regelrecht aus Posen und sind gottfroh, als wir die besiedelte Region hinter uns lassen und es ländlicher wird.

An einem See machen wir Kuchenpause mit unserem Einkauf, der dann versöhnlicherweise wenigstens lecker schmeckt. Und auch wenn der See, der unter uns liegt, schön aussieht, taugt uns dieser staubige, hubbelige Platz mit den vielen geschlossenen Verkaufsbuden auf keinen Fall als Übernachtungsmöglichkeit.

Da fahren wir lieber noch ein Stück weiter zum Jezioro Lednica. Das ist dann auch die beste Entscheidung eines eher mühsamen ersten Tages in Polen. Denn hier finden wir genau das, was wir uns von Polen versprochen haben: Einen netten Platz an einem See, der sogar Sandbuchten zu bieten hat. Aber vor allem: eine friedliche, ländliche Abendstimmung mit Stille und einem famosen Sonnenuntergang.

Lednica-See
Lednica-See
Jezioro Rednica

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