Anreise in Häppchen

4. September 2022

Es ist viel passiert. Und auch wieder gar nicht so viel. Es kommt immer auf die Perspektive an.

Unsere ursprüngliche Reiseplanung für dieses Jahr mit Herbst in Lappland haben wir nach der grandiosen Tour auf die Britischen Inseln schon mal über den Haufen geworfen. Hierfür gibt es zwei Gründe. Zum einen waren wir es nach den 2 Monaten in den wunderschönen, aber auch tendenziell feuchten Highlands & Islands ein wenig leid, jeden Abend im MoMo zu verbringen. Klar, von einer Frühjahrstour kann man keine Wunder erwarten. Aber die Vorstellung, häufiger Gelegenheit zu haben, die Kajaks auszupacken oder auch mal einen Abend vor dem Camper und nicht immer nur darin zu verbringen, war schon sehr verlockend.

If you want to give God a laugh, tell him your plans.

Eigentlich hätten wir das auf unserer eigentlich geplanten Tour Richtung Lappland im Spätsommer/Frühherbst sicherlich noch öfter erleben können. Denn nach dem grandiosen Trip im vergangenen Jahr sind wir (wie eigentlich alle Lapplandfahrer) sicher gewesen, dass wir baldigst wiederkommen müssen. Aber da wir gesehen haben, wie sehr die gestiegenen Spritkosten für die Wales/Irland/Schottland-Tour reingehauen haben, war uns bei einer Tour in den hohen Norden etwas unwohl, wieviel man dafür wohl in diesem verrückten Jahr 2022 budgetieren muss.

Auf in den Osten!

Als wir am Loch Katrine das erste Mal in diesem Jahr in die Kajaks steigen konnten, fiel dann bei mir der Groschen. Wo lässt es sich ganz trefflich paddeln und den Spätsommer genießen: Im Osten. Unser Brandenburgtrip im ersten Coronajahr ist uns noch in bester Erinnerung.

Aber ein bisschen weiter darf es dann durchaus noch sein. Und so fiel mir unser allererstes Paddelerlebnis wieder ein: auf der Kruttinna in Masuren haben wir es vor 13 Jahren das erste Mal genossen, durch eine verwunschene Flusslandschaft zu gleiten und die friedliche Natur dort zu bestaunen.

Na klar, da müssen wir unbedingt noch mal hin! Denn auch ansonsten haben wir Polen in bester Erinnerung.

Freundliche Menschen, stille Seenlandschaften, leckeres und preiswertes Essen, tiefe und unendlich scheinende Wälder, goldgelbe Felder, unendlicher Himmel und warmrote Backsteinbauten.

Wie das immer so ist bei uns: Der eine hat die feine Idee und die andere ist auch sofort Feuer und Flamme. Wir wollen also den nördlichen Teil von Polen erkunden und ausprobieren, ob wir es in Masuren auch mal schaffen, einfach längere Zeit an einem Ort zu verbringen. Entschleunigung deluxe soll das Motto sein.

The adventure begins

Sorgen reisen auch mit

Gänzlich unbeschwert ist die Reise natürlich nicht. Der Irre aus Moskau mit seinem Krieg in der Ukraine sorgt dafür, dass wir natürlich die allgemeine Lage beobachten müssen.

Die Zeitenwende bedeutet leider auch, dass man mit völlig bekloppten Aktionen rechnen muss: Würde Putin wirklich Polen oder die baltischen Staaten angreifen? Was, wenn das Atomkraftwerk in der Ukraine zu eine Spielball in diesem Krieg wird und wir ein zweites Tschernobyl erleben?

Wir trösten uns damit, dass wir im Falle des Falles wohl rechtzeitig in Richtung Westen aufbrechen können und dass selbst ein völlig skrupelloser Mensch nicht so dumm sein kann, seinen eigenen Untergang zu forcieren. Obwohl: wir hatten da in Deutschland ja auch mal einen…

Aufbruch

Als wir am 2. September dann endlich wieder ins MoMo steigen, müssen wir uns tatsächlich erst mal ein wenig eingrooven – den Sommer über sind wir erschreckend wenig unterwegs gewesen.

Alles muss erst mal wieder seinen Platz finden. Wir stellen aber erstaunt fest, dass es doch eine gewisse Routine gibt, die sich sofort wieder einstellt, wenn man alles einräumt und wieder auf der Straße ist.

Direkt auf den ersten Kilometern kommt eine Vollsperrung, die uns zu einem lästigen Umweg zwingt. Gut, dass wir am ersten Reisetag nur nach Paderborn wollen, wo wir Freunde besuchen und aufs Feinste beköstigt werden. Ein kalter Schauer läuft uns den Rücken hinunter, als wir die immer noch vorhandene Schäden betrachten, die der Tornado im Mai angerichtet hat, als er genau durch die Straße unserer Freunde gefetzt ist.

Zwei Gesichter

Die deutschen Autobahnen zeigen uns diesmal zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Am Folgetag geht die Fahrt weiter in Richtung Berlin. Und wieder ein fetter Stau bei Herford, dem wir entfliehen, indem wir über die Dörfer in Richtung Hannover fahren. Annette macht sich fleißig Notizen, denn wir können uns gut vorstellen, die Region mal auf einem späteren Trip zu erkunden.

Schloss Hämelschenburg

Erst als wir auf der A2 in Richtung Berlin fahren wird es gechillt. Dreispurig, erstaunlich wenig Verkehr und entspanntes Cruisen. So können wir ein wenig Strecke machen.

Volltreffer

Wir beschließen, uns einen Übernachtungsplatz vor Potsdam zu suchen und landen mal wieder einen absoluten Volltreffer. Nördlich vom Kloster Lehnin finden wir einen Platz am Vogelbeobachtungsturm am Strengsee.

Der Kanal, an dem der Platz liegt, erinnert mich spontan an den Langen Trödel bei Liebenwalde.

Emster

Auch der Vogelbeobachtungsturm am See erweist sich als schöner, wenn auch zugeschissener Ort. Aber was macht das schon, wenn man auf den friedlichen See hinausschauen kann und die Kraniche im Anflug sind…

Am Strengsee
Vogelbeobachtungsturm
Die Aussicht ist super, aber der Platz beschissen…
Am Strengsee
Am Strengsee
Am Strengsee

Binnendüne bei Storkow

Am Sonntagmorgen stehen wir früh auf, um noch ein wenig Strecke zu machen, bevor wir uns mit Annettes Cousine und Familie am Storkower See zu treffen. Dort ist allerdings nicht der See die Attraktion sondern vielmehr die Binnendüne, die es dort gibt. Also so was wie viel Sand, aber kein Meer. Elli ist spontan begeistert und buddelt erst mal begeistert im Sand. Auch ohne Meer ist ihr das gerade recht so.

Binnendüne

Nachdem wir die Düne bestiegen haben, sehen wir sogar einen Zipfel des Sees unter uns. Zumindest also ein bisschen Meeressimulation.

Nachdem wir die Düne einmal umrundet und uns dabei nicht verausgabt haben, kehren wir im Alten Weinberg ein. Das Wetter ist herrlich, sodass man es sich im Biergarten gut gehen lassen kann.

Toffi Chillout
Mit Chillout-Mütze ist Toffi ganz gechillt!

Anschließend machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang zum Strandbad von Storkow, wo wir uns das Treiben auf dem See anschauen können.

Storkower See

Am Scharmützelsee

Die Stunden verfliegen und nachdem wir uns verabschiedet haben, brechen wir zum Scharmützelsee auf, der hier in unmittelbarer Nachbarschaft liegt und den wir vor 10 Jahren mit einem Bunbo, einem Bungalowboot befahren haben. Das ist sowas wie ein Womo fürs Wasser.

Unser Platz für die Nacht am Westufer weckt bei Annette wehmütige Erinnerungen. Dort am Strandbad ist sie damals mit Mia zum Pipi machen auch einmal an Land gegangen. Ein Bootsurlaub mit Hund ist nämlich nur eine mittelgute Idee, wenn man erkennt, dass der Hund ja nicht die Bordtoilette benutzen kann. Also musste Mia immer per Beiboot an Land gebracht werden, wenn wir auf offenem See geankert haben.

Bad Saarow Strandbad

Nachdem wir abends noch das eher lost-place-mäßige Strandbad erkundet haben, heben wir nachher ein Glas in Erinnerung an unsere liebe alte Hundedame. Wir vermissen dich, Mia!

Scharmützelsee

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1 Kommentar

  1. Schön, dass ihr auch wieder unterwegs seid. Eure Berichte sind immer super.
    Gute Fahrt und Reise,
    Gruss, Michael

    Antworten

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