Gap of Dunloe

23. April 2022

So langsam nervt es. Wir können uns nicht entscheiden. Was wollen wir denn jetzt? Gut, schöne Orte sehen, ist ja klar. Aber wo? Wie lange? Und wann?

Wir überlegen morgens ernsthaft, den Ring of Kerry auszulassen und jetzt über das County Clare direkt nach Connemara zu fahren. Warum? Weil wir hungrig nach Neuentdeckungen sind. Die Halbinseln Iveragh (mit dem Ring of Kerry) und Dingle haben wir in der Vergangenheit schon intensiv bereist und wissen, wie schön es dort ist. Nichts Neues also. Andererseits fühlt es sich so an, als würde man bei einem alten Freund vorbeifahren, aber nicht mal eben „Hallo“ sagen. Irgendwie ungehörig.

Stattdessen könnten wir zur Abwechslung mal Connemara mit schönem Wetter erleben. Auch sehr attraktiv! Denn der Wetterbericht für die kommenden Tage ist im ganzen Westen ausgesprochen freundlich.

Wir beschließen, erst mal in Richtung Killarney zu fahren und dort vielleicht einen Abstecher in die Berge zu machen, wenn uns das lohnend erscheint. Anschließend soll es dann weiter nach Norden gehen.

Aber wie das so ist mit unseren Plänen: Sie sind schneller passé als wir gucken können. Denn schon das Teilstück auf der Single-Track-Küstenstraße ist mit den ersten Frühlingstrieben in der Natur wieder eine absolute Augenweide. Wir werden wankelmütig. Ist doch schön hier.

Kenmare River Bay

Shopping in Kenmare

In Kenmare sind wir spontan angetan von der freundlichen Atmosphäre, mit der einen das Städtchen empfängt. Links und rechts sind die Tische und Stühle der Restaurants und Pubs aufgestellt und es fühlt sich mit den frühlingshaften Temperaturen fast mediterran an. Spontan beschließen wir: Kenmare will erkundet werden.

Man merkt, dass die Saison gerade erst beginnt. Es laufen neben uns noch weitere Touristen durch den Ort und man hört deutsche, niederländische und französische Sprachfetzen in der Luft. Alles noch sehr gemäßigt, aber wie uns eine Verkäuferin bestätigt: endlich wieder was los.

Kenmare

Unsere erste Entdeckung ist das französische(!) Café Maison Gourmet mit guten Baguettes und leckerer Quiche, die wir uns sofort als Verpflegung einpacken.

Noch mehr lacht unser Herz dann, als Annette einen Fatface-Shop entdeckt. Die Marke haben wir nämlich erstmals in Oban entdeckt und sind seitdem Fans. Und als wir den Laden verlassen, auch um ein paar Euro ärmer.

Es macht uns richtig Spaß, durch die Läden zu bummeln. Natürlich auch bei den Shops mit den traditionell-irischen Pullovern und Gedöns.

Kenmare
Kenmare

Bevor wir weiterfahren, stärken wir uns noch im Maison Gourmet und können stilecht französisch am kleinen Cafetisch vor der Tür dem Treiben auf der Straße zusehen.

Kenmare

So vergeht die Zeit im Nu und wir sehen unseren morgendlichen Plan immer mehr zerbröseln.

Black Valley

Trotzdem fahren wir frohgemut weiter in den Norden. Bereits kurz hinter Kenmare ändert sich die Landschaft dramatisch. Statt in der lieblichen Küstenregion wähnen wir uns nach Norwegen katapultiert. So karg und majestätisch sind die Berge der Purple Mountains vor uns und so steil geht es auf einmal bergauf.

Purple Mountains
Purple Mountains
Purple Mountains

Auf der Passhöhe von Moll’s Gap gibt es einen Store von Avoca, von denen wir bisher nur wussten, dass sie hauptsächlich Wollprodukte verkaufen. Stellt sich aber raus, dass es auch viele Delikatessen zu kaufen gibt. Unser kuriosester Fund: Die leckeren Orangen-Pepparkakor aus Schweden. Mjam! Aber auch noch ein paar andere Leckereien wandern in den MoMo-Kühlschrank.

Wir haben an Moll’s Gap die Wahl: entweder durch den tollen Killarney-Nationalpark oder durch die Gap of Dunloe, die malerische Schlucht, zu der viele touristische Ausflugsfahrten von Killarney aus starten. Die wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Moll's Gap

Wir wollen uns aber zunächst herantasten. Denn, nach allem, was ich gelesen habe, könnte es dort eng werden. Erst recht, wenn die Touristenbusse noch fahren und entsprechend viele Leute unterwegs sind.

Die Straße dorthin führt uns durch das Black Valley. Auf einer Single-Track-Straße, auf der einem hin und wieder Autos begegnen, fährt man hinunter in das Tal zu Füßen der Purple Mountains. Hier ist vieles noch Gelb, was bald wohl in frischen Grün erstrahlen wird. Trotzdem schön.

Black Valley

Hier finden wir einen himmlisch ruhigen Platz für eine Kaffeepause, an dem man aber auch übernachten könnte. Aber wir haben das Gefühl, dass wir heute noch etwas erleben wollen. Aber gerne mit so wenig Verkehr wie möglich. Wir treffen daher die klügste Entscheidung des Tages. Wir machen uns um halb sechs ein sehr frühes Abendessen mit unseren Einkäufen von Kenmare und Moll’s Gap. Als wir dann nach 18 Uhr weiterfahren, ist nur noch wenig Verkehr unterwegs. Dies wird sich auf der kommenden Strecke als absoluter Segen herausstellen.

Black Valley
Black Valley
Black Valley

Gap of Dunlop

Denn im warmen Abendlicht fahren wir im Back Valley zunächst noch der Sonne entgegen, bevor wir dann steil bergauf in Richtung Norden zu der Schlucht zwischen den Purple Mountains und den MacGillycuddy’s Reeks umschwenken. Ein Warnschild warnt noch mal ziemlich eindringlich vor allem, was auf den kommenden Kilometern passieren könnte. Von einer Gewichts- oder Längenbeschränkung steht dort aber nichts. Also: Auf geht’s!

Gap of Dunloe
Gap of Dunloe
Gap of Dunloe

Es geht ordentlich hinauf und wir lernen einen Blick auf die Lakes of Killarney aus einer neuen Perspektive kennen. Auch schön!

Gap of Dunloe

Erstaunlich schnell sind wir auf der Passhöhe und sehen eine kurvenreiche Strecke hinunter vor uns liegen. Das sieht schon sehr cool aus, wie sich die Straße da durch das enge Tal windet! Und da müssen wir jetzt runter.

Gap of Dunloe

Annette bleibt für ihre Verhältnisse erstaunlich entspannt und unterstützt mich mit ihrer Voraussicht: „Gleich kommt einer!“ Heißt übersetzt: „Ich habe am Horizont in der Ferne ein Fahrzeug gesehen. Bleib bloß jetzt schon stehen. Wer weiß, wann die nächste Ausweichstelle kommt!“

Und der Fairness halber sei gesagt: Eigentlich hat sie damit völlig Recht. Denn es gibt nicht so viele Ausweichstellen, die auch problemlos durch ein Womo genutzt werden können. Es wird ein paarmal schon ein enges Rangieren. Besonders eindrucksvoll sind die Brücken, die nicht nur schmal sind, sondern manchmal auch in einem nahezu rechten Winkel in die Straße eingebaut sind. Da wird es auch mit ordentlichem Ausholen schon reichlich eng. Ich bin froh, dass das MoMo nur 6 Meter lang ist.

Gap of Dunloe

Allen Wohnmobilen über 6 Meter Länge würde ich diese Fahrt wirklich nicht empfehlen. Und tagsüber oder in der Hochsaison muss man dann entweder cool, leidensfähig oder ein Arschloch sein, wenn man diese Strecke mit dem Womo fährt. Denn Staus und Gefluche und im Zweifelsfall auch Macken am Fahrzeug sind dann nicht auszuschließen.

Gap of Dunloe

Außerhalb der Saison am Abend (und wahrscheinlich auch in der Frühe) ist es aber ein absolutes Erlebnis und eine Strecke, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird!

Gap of Dunloe
Gap of Dunloe
Gap of Dunloe
Gap of Dunloe
Gap of Dunloe

Pub oder Ruhe

Wir haben jetzt die Wahl: Entweder bei Kate Kearney’s Cottage auf dem großen Parkplatz stehen oder noch einen Geheimtipp ausprobieren. In der Nähe ist ein aufgegebener Campingplatz, auf dem man aber trotzdem stehen können soll.

Hört sich komisch an, ist aber so. Hat ganz viel von einem Lost Place, ist auch nicht besonders gemütlich, aber für heute soll uns das reichen. Der Platz im Black Valley war definitiv schöner, aber dann müssten wir noch mal durch die Gap of Dunloe fahren…

Lost Campingplatz

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