Soulfood bei Mark

5. Oktober 2021

In der Nacht hat es noch mal ordentlich geschüttet. Und wahrscheinlich auch gestürmt. Aber davon kriegen wir nichts mit, weil das dicke Womo neben uns das alles abfängt. Dankeschön!

Der Morgen ist so sonnig wie man es sich nur wünschen kann. Und es ist wieder Flut. Es wird also nichts mit einem Strandspaziergang, denn der Strand ist auf Handtuchbreite geschrumpft.

Utah Beach
Utah Beach

Stattdessen schmieden wir Pläne, wie es weitergehen soll. Wir haben das große Bedürfnis, endlich mal wieder in Frankreich essen zu gehen. Die Pommes in Herin zählen da nun wirklich nicht. Wir schauen bei TripAdvisor nach und stoßen auf das Un Monde sans Faim was richtig gut bewertet ist und sich von den Aussagen her nach einem eher ungewöhnlichen Restaurant eines sympathischen britischen Kochs mit einer weltweit orientierten Küche anhört. Dem müssen wir auf den Grund gehen!

Sainte-Mère-Église

Da das Restaurant landeinwärts liegt, müssen wir die tolle Küstenstraße, die parallel zum Strand verläuft, leider bald hinter uns lassen.

Utah Beach

Wir kommen durch verschiedene Dörfchen und die granitsteinernen Häuschen lassen schon ein bisschen Bretagne-Feeling aufkommen – auch wenn wir uns hier immer noch in der Normandie befinden.

Sainte-Mère-Église ist im D-Day-Tourismus-Game ganz weit vorne. Diverse Museen rund um die Landungsgeschichten und alte Militärfahrzeuge, wie wir sie hier jetzt schon häufiger gesehen haben. Und als wir in den Ortskern kommen, macht es Klick bei mir: Von dem Ort hast du natürlich schon gehört! Und ihr, liebe Leser, wahrscheinlich auch. Das ist nämlich der Ort, wo ein amerikanischer Fallschirmspringer unfreiwillig am Kirchturm hängen blieb und dem heute noch mit einer Puppe samt Fallschirm an der Kirche gedacht wird. Böse Zungen würden auch sagen: Gutes Marketing…

Kirchturm Sainte-Mère-Église

Essen für die Seele bei Mark

Wir begeben uns zum „Un Monde sans Faim“ und stehen vor einer kleinen Baustelle. Im Türrahmen steht ein Mann, den ich zielsicher als den englischen Chef identifiziere und auf Englisch anspreche. Nein, das Restaurant wäre noch geschlossen. Die Wiedereröffnung (nach einem Jahr!) wäre aber für spätestens in zwei Wochen geplant.

Und wie es der Zufall will, kommen wir einfach nett ins Gespräch über die Covid-Situation in Frankreich und seine Philosophie hinter dem Restaurant und irgendwann auch über Gott und die Welt.

Mark bittet uns auf einmal auf einen Cafe hinein und wir können schon mal einen Blick auf das werfen, was uns (noch) entgeht: ein urig eingerichtetes altes französisches Gebäude mit der typischen gemütlichen Enge. Ein Bereich des Hauptraums ist für eine offene Küche abgeteilt und man kann sich gut vorstellen, dass es hier am Abend sehr gemütlich sein wird. Was vor allem auch an Mark liegt, dem man sofort abnimmt, dass es ihm wichtiger ist, dass sich die Leute wohlfühlen, als dass er viel Geld verdient.

So hat er auch eine erfrischend andere Sichtweise auf die Erinnerungskultur zum 2. Weltkrieg. Es sei halt auch ein gutes Geschäft. Eines, an dem er keinen Anteil haben will. Die lächerlichen Figuren, die martialisch in Uniform und mit schwarzen Streifen im Gesicht Krieg nachspielten, hätten bei ihm Hausverbot. Stattdessen sei seine Beobachtung, dass die Amis immer etwas zu laut wären und die Deutschen im Gegenteil dann immer sehr leise würden – er wäre da eher auf der Seite der Deutschen. Spricht’s und schüttet uns erst mal noch ein Pinnchen Calvados ein. Und daher ein Wort an Peter T., der in den Bewertungen bei Google mutmaßt, dass Deutsche hier nicht willkommen seien: Muss wohl an dir gelegen haben…

Wir kommen hier mittags zwar nicht in den Genuss des angeblich so köstlichen Essens, erhalten dafür aber etwas viel Wertvolleres: eine Stunde Zeit mit einem spannenden und warmherzigen Menschen. Danke, Mark, wir werden auf dem Rückweg aus der Bretagne, wenn du wieder geöffnet hast, gerne noch mal vorbeikommen!

Mark
Mark findet überall Herzen – sogar in der Grillkohle

Besorgungen

Wir trösten unsere leeren Mägen mit einem belegten Baguette aus der Boulangerie und setzen uns auf die Bank vor der Fallschirmspringerkirche. Je länger man hier ist, umso mehr merkt man, dass D-Day hier in erster Linie ein veritabler Tourismusmagnet ist. So gut, wie unsere Lektion in Demut gestern war: Jetzt ist auch mal gut mit Krieg.

Wir fahren also in den nächsten Super-U und machen erst mal ein paar Einkäufe für unsere etwas geleerten Vorratsschränke. Allerdings sind wir etwas enttäuscht: Wir fanden die Super-U’s in der Vergangenheit eigentlich immer schöner als deutsche Supermärkte. Dieser hier ist allerdings eher auf der enttäuschenden Seite. Insbesondere Obst und Gemüse machen nicht den besten Eindruck.

Go west

Wir schenken uns für dieses Mal den nördlichen Zipfel der Halbinsel und fahren hinüber zur Westküste mit den vielen fantastischen Sandstränden. Und in Flamanville gibt es einen Platz an der Steilküste, von dem aus man einen großartigen Blick über Meer und Küstenlinie haben soll. Ein Traum, dort zu übernachten! Solche Aussichten erinnern uns unheimlich an Irland. Eine Verbindung, die wir hier so gar nicht erwartet hätten!

Blick über den Plage de Sciotot

Umso mehr freuen wir uns, als wir dort ankommen: Wir haben den Platz ganz für uns allein. So ein Glück! Aber die Ernüchterung folgt rasch: Es ist heute nämlich recht windig, mit vereinzelten Sturmböen. Und wir werden hier ordentlich durchgerüttelt, obwohl wir das MoMo so geparkt haben, dass es mit dem Heck zum Wind steht. Das wäre keine gute Nacht!

Plage de Sciotot

Leicht frustriert fahren wir weiter. Etwas weiter südlich soll es Stellplätze an den Stränden geben. Vielleicht finden wir ja etwas ohne Sturm.

Und schon bei der ersten Möglichkeit werden wir fündig! Es gibt am breiten Plage Sciotot sogar einen kostenlosen Stellplatz für sechs Womos, auf dem jetzt im Oktober aber nur ein einziges Womo steht. Und wenig weiter die Straße entlang ist sogar ein Parkplatz unmittelbar oberhalb des Strandes – genau das, was wir gesucht haben! Auch hier ist nichts los, sodass wir beschließen, dass wir in der Nachsaison sicherlich kein Verkehrshindernis darstellen oder begehrte Parkplätze wegnehmen, wenn wir uns hier hinstellen. Im Sommer wäre das sicherlich ein No-Go.

Plage de Sciotot

Das raue, raue Meer

Wir sitzen im MoMo während Annette das Essen wärmt und blicken versonnen auf die Wellen, die sich in die Bucht schieben. Der Strandspaziergang ist als Verdauungsspaziergang geplant. Und wieder merkt man, dass wir gezeitenunerfahren sind. Denn vom Strand ist nichts mehr übrig, als wir aufbrechen! Lediglich ein schmaler Streifen oberhalb der Felsen bleibt begehbar.

Plage de Sciotot

Wir lassen uns trotzdem noch den Wind um die Ohren pusten und spüren das salzige Meerwasser in der Luft und auf den Brillengläsern. Nichts schlägt einen Abend am Meer!

Micha am Plage de Sciotot
Plage de Sciotot
Plage de Sciotot
Plage de Sciotot
Plage de Sciotot
Plage de Sciotot
Soulfood bei Mark
Plage de Sciotot

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Der wilde Westen von Mull

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2 Kommentare

  1. Das Titelbild hier gefällt mir ganz besonders gut! Ausgesprochen schön! Wirkt wie ein Gemälde 😍!
    Bonne continuation de votre séjour !

    Antworten
    • Merci Britta! Und das ist “nur” ein Handyfoto von Annette. Aber wir fanden es auch super.

      Antworten

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