Erinnerungen an den Krieg

4. Oktober 2021

Unser Bauernhofplatz erweist sich als Volltreffer. Herrlich ausgeruht und entspannt starten wir in den Tag. Eine echte Stellplatzempfehlung!

Ferme de la Rouge Fosse

Man kann vielleicht an dieser Küste gar nicht vorbeifahren, ohne an den 6. Juni 1944 zu denken. An diesem, den 2. Weltkrieg entscheidenden D-Day landeten die alliierten Truppen in der Normandie. Schon gestern waren mir die amerikanischen Flaggen aufgefallen, die hier überall wehen. Und das in der Grande Nation! Wir gehen der Sache auf den Grund.

Point Du Hoc

Ganz in der Nähe ist die Pointe Du Hoc, eine Gedenkstätte für den 6. Juni, die wir gestern ja nicht erreicht haben. Heute stellt sich heraus: gut so, denn Hunde sind hier nicht erlaubt, da es ein großflächiges Gedenkareal ist, an dem man durchaus eine Stunde verbringen kann, wenn man alle Infos (englisch oder französisch) liest und den Ort auf sich wirken lässt.

Die Pointe Du Hoc ist ein Küstenvorsprung, dessen enorme strategische Bedeutung den Nazis klar war: Von hier konnte man weite Abschnitte der Küste kontrollieren. Entsprechend wurde hier Betonbunker für die Geschütze gebaut, mit denen man die umliegenden Strände bombardieren konnte.

Pointe Du Hoc

Von daher war den Alliierten klar, dass diese Geschützbatterie eine große Gefahr für die landenden Truppen an den Stränden darstellte. In einem buchstäblichen Himmelfahrtskommando wurden amerikanische Ranger mit der Spezialmission losgeschickt, die Pointe Du Hoc von Meer aus zu erobern. Wenn man auf den 30 Meter hohen Klippen steht, kann man sich nicht vorstellen, dass ein Angriff von der Meerseite aus möglich sein soll. Und noch viel weniger, was für einen Mut es benötigt haben muss, sich dieser Herausforderung zu stellen und nicht aufzugeben.

Pointe Du Hoc
Pointe Du Hoc
Pointe Du Hoc

Heute stehen wir hier, blicken über die Klippen auf das friedliche, sonnenbeschienene Meer und können uns das Inferno des 6. Juni nicht mal ansatzweise vorstellen.

Pointe Du Hoc

Von den 225 Rangern, die hier kämpften, sind am Ende nur noch 90 kampffähig. Alle anderen tot oder verletzt.

Erinnerungen an den Krieg

Eine Gedenktafel berührt mich besonders. Exemplarisch für die gefallenen amerikanischen Soldaten werden ein paar von ihnen mit kurzem Begleittext gewürdigt. Walter Geldon hatte am 6. Juni seinen 3. Hochzeitstag. Ich stelle mir vor, wie er morgens aufsteht und sich denkt, dass er an diesem besonderen Tag sicherlich behütet sein wird. Gott und seine Frau werden über ihn wachen. Wenige Stunden später ist er tot. Seine Frau wird 2002 neben ihm in der Normandie beerdigt werden. Was für eine Geschichte! Was für ein Opfer.

Pointe Du Hoc

Dieser Mann und Zehntausende andere sind gestorben, damit Europa und Deutschland von den Nazis befreit werden. Und wenn man diese Geschichte so bedrückend nacherlebt, wird einem wieder mal sehr klar, was für ein Geschenk es ist, dass wir als Deutsche heute hier stehen können und uns nicht alle Welt für immer verflucht.

Utah Beach

Beeindruckt fahren wir weiter entlang der Küstenlinie zum Utah Beach, wo eine weitere Landung der US-Truppen stattfand.

Das Gelände hier ist allerdings deutlich weniger dramatisch als an der Pointe Du Hoc. Hinter den Dünen liegt ein endloser Strand – es ist wohl gerade Ebbe.

Utah Beach

Wir beschließen, dass wir nicht noch das nächste Monument besuchen wollen, sondern lieber mit den Hunden an den Strand gehen wollen. Die mussten schließlich schon lange genug im MoMo ausharren.

Utah Beach

Es ist mittlerweile ein herrlicher Herbsttag am Meer. Weiter Himmel, leichter Wind und salzige Luft. Wir gehen den Strand entlang und genießen die enorme Weitläufigkeit und dass kaum jemand unterwegs ist. Lediglich ein paar Sulkys mit Trabrennpferden und Traktoren sind hier unterwegs.

Utah Beach
Utah Beach
Utah Beach

Als wir zum MoMo zurückkehren, fällt der Museumsbau, der einem im Sand eingesunkenen Bunker nachempfunden ist, wieder ins Auge. Auch hier kann man sich der Geschichte nicht entziehen. Hinter dem Strandaufgang gibt es neben den Monumenten auch Skulpturen, die an die mutigen Soldaten erinnern sollen und ein Landungsboot – unvorstellbar, dass die mit so einem Ding über den Kanal gefahren sind!

Utah Beach
Utah Beach

Strandplatz

Nur wenige Kilometer weiter nördlich finden wir einen tollen Platz an einem Strandaufgang. Wenn nicht bereits ein Womo den Premiumplatz direkt an den Dünen belegt hätte, wäre es perfekt. Aber auch in der zweiten Reihe gefällt es uns so gut, dass wir beschließen, nicht mehr weiterzufahren.

Ein Platz unter weitem Himmel, an dem man die Flut hereinkommen sehen kann. Da wollen wir mal nicht meckern.

Utah Beach
Utah Beach
Utah Beach

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Der wilde Westen von Mull

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1 Kommentar

  1. Auch ich stehe dort jedesmal mit Ehrfurcht, Demut und voller Dankbarkeit. Besucht man vor allem die Kriegsgräber, so ist dies eine Erfahrung fürs Leben.

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