Heimreise in Häppchen

13. August 2021

Donnerstag

Unser Übernach­tungs­platz am Badestrand erweist sich als Volltreffer. Komplett ruhig, mücken­tech­nisch okay und ideal mit den Hunden. Viel besser gehts nicht. Auch die Abfahrt über die reich­lich ausge­wa­schene Schot­ter­piste gelingt mit etwas Schwung und gutem Auge in einem Rutsch. Das hatten wir auch schon anders!

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Restau­rant mit Pippi

Unser Weg führt uns nur wenige Kilometer nach Süden. Denn in Ljungby gibt es das Gastgi­va­re­gården, ein Restau­rant mit ausschließ­li­chem Mittags­tisch, zu sehr zivilen Preisen und von dem alle begeis­tert sind. Was wäre wohl besser geeignet für unsere Henkers­mahl­zeit in Schweden als ein Dagens Rätt?

Heimreise

Obwohl wir denken, dass wir um 12.15 Uhr früh dran sind, sieht es zunächst so aus, als würden wir keinen Tisch mehr bekommen: Eine lange Schlange wartet vor der Tür auf Einlass. Wir reihen uns aber geduldig ein und Stück für Stück geht es vorwärts und es verlassen tatsäch­lich sogar schon die ersten Gäste ihre Tische. Mein ganz persön­li­ches Highlight beim Warten: ein als Pippi Langstrumpf angezo­genes Kind – only in Sweden!

Heimreise

Wir werden ausge­spro­chen freund­lich von einem Philip-Amthor-Double in Empfang genommen, der uns geduldig alles auf Englisch übersetzt und das Proze­dere erklärt. Nachdem wir bezahlt haben, uns am Buffet als Vorspeise mit Suppe und Salat versorgt haben und uns gerade hinsetzen wollen, kommt schon eine Bedie­nung auf die Terrasse: „53!“ — War das nicht die Nummer für unsere Bestel­lung? Tatsäch­lich! So schnell sind wir ja noch nie bedient worden!

Und auch wenn es natür­lich Großkü­chen­di­men­sionen hat: Es schmeckt bedeu­tend leckerer als jedes Kanti­nen­essen – und ist auch hübscher angerichtet. Das war noch mal ein richtiges kleines Highlight am Ende der Schwedenreise! 

Heimreise
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Pause am Stinkestrand

Wir versorgen uns mit letzten Schweden-Essen­tials. Insbe­son­dere das köstliche Knäcke­brot aus Leksand mit Meersalz könnte ich kiloweise mitnehmen. Beste Neuent­de­ckung auf dieser Reise! 

Dann wird es Zeit für die letzten Kilometer in Schweden. Wir fahren bis kurz vor Malmö, wo Annette einen kleinen Parkplatz für eine letzte Fika ausfindig gemacht hat. Wir erinnern uns wieder daran, wie dicht besie­delt und voll es hier im äußersten Süden des Landes ist – größer könnte der Kontrast zu Lappland kaum sein.

Was bei Annettes Recherche leider nicht ersicht­lich (oder eher: erriechbar) war, ist der muffe­lige Algen­ge­stank, der hier über der Küste liegt. Und auch optisch kann der Platz nur bedingt punkten, da er eng ist und der Strand (wenn überhaupt vorhanden) von Algen übersät ist. 

Byebye Schweden, hallo Dänemark

Wir verlassen das Land so, wie wir gekommen sind: über die Öresund­brücke. Und dann ist der Schwe­den­teil der Lappland­fahrt auch schon vorbei. Wir würden lügen, wenn wir sagen, dass wir nicht traurig sind.

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Aber ein bisschen freuen wir uns auch auf unsere Stipp­vi­site in Dänemark. Denn hier wollen wir etwas anders machen als auf der Hinreise. Wir fahren nicht über die zweite große Brücke, sondern über Lolland, von dem wir 2019 ganz entzückt waren.

Und ganz entzückt sind wir nach der langen Zeit in Schweden auch von den Sprit­preisen in Dänemark: 10.10 Kronen für den Liter Diesel. Selbst, als mir einfällt, dass es in Dänemark nicht mehr heißt „durch 10 Teilen“, sondern eher durch 13. Aber 1,30 € ist als Sprit­preis immer noch um Welten schmerz­freier als 1,70 €, wie in den vergan­genen Wochen. In die Sprit­kasse hat diese Reise auf jeden Fall ein ordent­li­ches Loch gerissen.

Sakskø­bing

Wir sind für Dänemark jetzt gar nicht mehr experi­men­tier­freudig, sondern steuern ein Ziel an, was uns von 2019 noch in guter Erinne­rung ist: Der kleine Hafen in Sakskø­bing ist genau das, was wir jetzt haben möchten. Und glück­li­cher­weise sind sogar noch ein paar Stell­plätze frei. 

Freitag

Unglück­li­cher­weise haben wir dann den falschen Platz gewählt. Nachts um halb eins kommt noch ein Womo an, was neben uns einparkt. Und zudem seine Außen­be­leuch­tung einge­schaltet hat, die uns direkt in den Alkoven leuchtet. Puh! Nachdem Annette freund­lich nachfragt, ist zwar schnell Ruhe und Dunkel­heit wieder­her­ge­stellt, aber unsere Nacht­ruhe ziemlich im Eimer. 

Netter Hafen­meister

Reich­lich gerädert wachen wir am nächsten Morgen auf und sind froh über die Möglich­keit, hier mal wieder eine echte Dusche zu nutzen. Denn die ist zwar kosten­pflichtig, aber es gibt die benötigten 5‑Kronen-Stücke dankens­wer­ter­weise aus der Brust­ta­sche des Hafen­meis­ters. Echter Service! 

Krenkerup

Wir treiben es mit der Lange­weile auf die Spitze und besuchen noch einen Ort, den wir aus 2019 in bester Erinne­rung haben: die Brauerei in Krenkerup. 

Wir fahren die paar Kilometer dorthin und sind schnell wieder im entschleu­nigten Lolland-Modus. Diese Landschaft mit den breiten Alleen macht was mit einem.

Als nunmehr alte Hasen bestellen wir uns die Tapas-Platte, die uns so lecker in Erinne­rung geblieben ist. Der einzige Wermuts­tropfen: Ich muss noch fahren und darf kein Bier ordern. Aber davon (und von den dänischen Preisen) abgesehen: Wir kommen gerne wieder!

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Hunde­wald

Eine Beson­der­heit in Dänemark wollen wir auch noch einmal nutzen: den Hunde­wald. Das sind einge­zäunte Auslauf­ge­biete, wo im sonst in Bezug auf Hunde eher strengen Skandi­na­vien die Hunde „offiziell“ frei laufen dürfen. Für unsere Toffi natür­lich ein idealer Übungsplatz.

Wir fahren also in die Klein­stadt Maribo und sind gespannt, wie das wohl wird, wenn Toffi freilau­fend auf andere Hunde trifft. Und machen lange Gesichter, weil hier weit und breit kein Hund zu sehen ist.

Dafür gibt es aber dutzende Mirabel­len­bäume, die ihre reife Last abwerfen. Wir gehen durch ein wahres Meer an (über)reifen Mirabellen und ein bisschen vergoren riecht es auch schon. Könnten sich die Hunde hier besoffen fressen?

Heimreise
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Fähre wie im Flug

Und dann ist diese kurze Dänemark-Episode auch schon zu Ende. Wir fahren nach Rødby, um dort auf die Fähre zu fahren und per Vogel­flug­linie nach Deutsch­land zurückzukehren.

Da wir unseren Brobizz-Sender an der Windschutz­scheibe haben, reihe ich mich brav in die Schlange für die automa­ti­sche Durch­fahrt ein. Gut, da steht etwas von Pkw und von 6 Metern Höchst­länge, aber was soll schon schief­gehen? Wir sind ja 5,99 Meter lang – ohne Fahrrad­träger zumindest…

Aber die Schranke hebt sich nicht wie sonst durch Zauber­hand und wir stehen zunächst etwas ratlos da. Doch zu lang? Zu groß? Des Rätsels Lösung ist dann viel einfa­cher: Man muss auf dem Bildschirm an der Schranke noch ein Ticket wählen. Man muss zwischen einem Economy- oder Normal­ti­cket wählen, was zu diesem Zeitpunkt reich­lich schwach­sinnig ist. Wenn ich da stehe, will ich wohl sofort fahren! Ich wähle das deutlich billi­gere Econo­my­ti­cket, gebe an, dass wir zu zweit sind, höre das Piepen unseres Brobizz und entnehme drei Papierbelege. 

Dann öffnet sich die Schranke und wir reihen uns in eine Schlange Pkws ein. Ein bisschen mulmig wird mir, als ich sehe, dass alle großen Womos in einer gänzlich anderen Reihe stehen. Doch etwas falsch gemacht? Und als es ans Auffahren auf die Fähre geht, wird unsere Schlange ins obere Verla­de­deck einge­wiesen. 3,10 Meter Höhen­be­gren­zung. Aua! 

Aber der Hafen­ar­beiter winkt uns energisch zur Seite und lässt uns bei den Lkws einreihen – so einfach kann man Probleme lösen!

An Bord gewöhnen wir uns schon mal daran, dass es wieder normaler wird, eine Maske aufzu­setzen. Das hatten wir jetzt wirklich ewig nicht (und auch nicht vermisst…)!

Gut Görtz

Da wir wieder in Deutsch­land sind, wollen wir noch ein paar Landver­gnügen-Plätze auspro­bieren. Einer davon ist das Gut Görtz in der Nähe von Grömitz.

Die Zufahrt zu den Stell­plätzen ist durch eine Allee mit tief hängenden Zweigen zwar etwas rustikal, lässt sich aber ohne größere Blessuren bewerkstelligen.

Heimreise

Da wir schon spät dran sind, verschaffen wir uns nur einen groben Überblick über die angeglie­derten Kunst­hand­werker und ziehen uns dann ins MoMo zurück. 

Heimreise
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Ledig­lich für den spekta­ku­lären Sonnen­un­ter­gang lassen wir uns dann noch mal gerne nach draußen locken. Es hat auch was, wieder in Deutsch­land zu sein…

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Der wilde Westen von Mull

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5 Kommentare

  1. Hallo ihr vier 👋
    herzli­chen Dank dass wir bei euch an Bord sein durften 🙏
    Tolle Besatzung
    Tolle Bilder
    Tolle Berichte
    Einfach Spitze 🤩
    Euch einen schönen Sonntag und gute Fahrt nach Hause 👌
    Bis bald mal wieder auf dieser Welle 🌊
    Herzli­chen Gruß
    Werner und Annegret
    Seewolf und Husky

    Antworten
    • Danke­schön! Und euch eine gute Zeit in Skandinavien!

      Wir sind mittler­weile gut wieder angekommen und müssen uns erst mal an den Alltag gewöhnen.

      Liebe Grüße
      Micha

      Antworten
  2. Hallo ihr lieben,
    Sohabe eben den letzten Teil gelesen. Richtig schöne Tour und toll bebil­dert und geschrieben. Wie immer.

    Ich bin nun in Finnland angekommen und sitze gerade an einem See.

    Gruss Volker

    Antworten
    • Finnland haben wir dann ja beim besten Willen nicht auch noch geschafft, aber für nächsten Herbst fest eingeplant.
      Genieße Deine Zeit dort!

      Antworten
  3. Vielen Dank für den tollen Bericht. Wir haben heute Dänemark verlassen, dass uns diesmal so gut gefallen hat, dass wir Schweden gar nicht mehr geschafft haben.

    Viele Grüße von der Schlei, morgen geht es auf die lange Heimfahrt nach Bayern 

    Familie Weber

    Antworten

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