Neue Heimat

4. August 2021

Heute ist ein großer Tag.

An den ersten Tagen der Reise war Annettes großes Vorhaben: „Wenn wir in Schweden snd, dann fahre ich auch mal wieder.“ Als wir dann im einsamen Norden waren, habe ich sie immer mal wieder daran erinnert, aber wir sind irgend­wann so verblieben, dass sie sich schon melden wird, wenn es soweit ist. Und die herrlich einsame Strecke von der norwe­gi­schen Grenze bis hierhin hinter Arjeplog auf der hervor­ra­gend ausge­bauten „weißen“ Straße hat anschei­nend den Ausschlag gegeben. Hier kann doch jetzt gar nichts schief gehen.

Fahrheldin

Annette nutzt den riesigen geschot­terten Stell­platz als Verkehrs­übungs­platz um sich an die Dimen­sionen und das Rangieren ranzu­tasten. Und dann geht es auf die Piste. 

Annette fährt

Aufre­gung! 70 km/h! Schnur­ge­rade! Kein Verkehr!

Unterwegs in Lappland
Unterwegs in Lappland

Aber natür­lich macht sie das ganz souverän und fein und steigert von allein die Geschwin­dig­keit auf die erlaubten 90 km/h und man könnte fast den Eindruck bekommen, dass ihr das Fahren Spaß macht. Als wir kurz vor der E45 sind, hat sie genug für heute. Ich verleihe Annette einen Heldin­nen­orden für das Überwinden ihrer Angst und wir wechseln die Plätze. Und da auf der E45 ähnlich wenig Verkehr herrscht, fahre ich entspannt weiter und kann mir gut vorstellen, dass das Annette auch diese Heraus­for­de­rung in den kommenden Tagen meistern wird. 

Unterwegs in Lappland

Angekommen

Unser Ziel für heute war etwas schwammig. Wir müssen ver- und entsorgen und wollen noch zum Skule­skogen Natio­nal­park an der Ostküste, um danach auf der Autobahn zügig Richtung Süden fahren zu können.

Der erste Camping­platz auf dem Weg ist in Sorsele, einem Städt­chen mitten im lapplän­di­schen Nirgendwo. Wir steuern zunächst den ICA und Systembo­laget an, um unsere Vorräte aufzu­fri­schen. Da unser letzter 5‑Liter-Pack Wein aus Deutsch­land leider ziemlich eklig schmeckt, sehen wir uns mal nach schwe­di­schen Alter­na­tiven um. Die Preise liegen zwar sicher­lich über dem deutschen Niveau, aber nicht in astro­no­mi­scher Höhe. Eher so 1–2 €/Flasche teurer.

Wein in Schweden

Und während wir noch sinnieren, ob wir gleich wieder einen 3‑Liter-Pack kaufen sollen, oder erst mal auf Flaschen umsteigen, spricht uns schon Martin an, um uns zu beraten. Martin ist vor ein paar Jahren aus Deutsch­land nach Schweden ausge­wan­dert und hat sich mit seiner Frau den Traum von der Pferde­farm in Lappland erfüllt. Wir kommen nett ins Gespräch und lernen, dass die Rebsorte Malbec, die uns in Südfrank­reich so gut geschmeckt hat, wohl noch besser in Südame­rika gedeiht und deswegen bei den Weinen aus Argen­ti­nien und Chile eine wichtige Rolle spielt. Da lassen wir uns doch gerne beraten!

Während Annette dann die Vorräte im MoMo verstaut, schaue ich mich etwas rundherum um und verspüre ein seltsam wohliges Heimat­ge­fühl, was man schlecht erklären kann. Ich mag diesen kleinen Ort am Fluss in dieser so typisch schwe­di­schen Landschaft mehr, als sich rein rational erklären lässt. Ich frage Annette, ob wir uns auf jeden Fall mal den Camping­platz angucken und eventuell hier schon Station machen, auch wenn wir heute eigent­lich deutlich länger fahren wollten. Und natür­lich sagt die beste Ehefrau von allen da nicht nein.

Sorsele

Camping zum Wohlfühlen

Der Camping­platz liegt schon mal vielver­spre­chend. Auf einer Insel gelegen ist er praktisch auf allen Seiten von Wasser umgeben. Wäre das hier nicht ideal zum Paddeln? Ja, denn man kann sogar eine Runde um die Insel paddeln!

Wir checken kurz, ob uns auch der Rest gefällt, kommen zu einem klaren Ja und melden uns bei der handfesten deutschen Gastge­berin Sandra, zu der wir direkt einen Draht haben. Und wieder verfes­tigt sich das Gefühl, dass wir hier und heute einfach bleiben müssen.

Wir richten uns häuslich ein und können unser Glück so gar nicht fassen. Das ist alles so perfekt wie für uns gemacht hier!

Sorsele

Endlich aufs Wasser

Dank unserer Lofoten-Pumpe können wir heute endlich, endlich mal mit beiden Booten aufs Wasser. Und, was noch viel besser ist: auf eine richtige Tour. Denn das Umpad­deln der Insel soll in 1–2 Stunden locker zu schaffen sein. Genau die richtige Distanz für uns, da wir seit Branden­burg leider nichts Längeres mehr gepad­delt sind. 

Sorsele

Wie sich das an einem perfekten Tag gehört, sind auch die Windver­hält­nisse ideal. Gestern auf den Uddjaure wollten wir wegen des böigen Windes lieber nicht aufs Wasser. Heute ist es nahezu windstill, als wir in See stechen. 

Annette mit den beiden Hunden macht das ganz hervor­ra­gend. Elli ist ja seit letztem Jahr schon alter Kajak-Hase und auch Toffi hat schnell den Bogen raus, dass es auf dem Wasser gerade mal nicht angebracht ist, das Boot zu verlassen.

Wir sind ganz überrascht, wie schnell die Landschaft links und rechts von uns so gar nichts von Stadt und Zivili­sa­tion hat, sondern wir wirklich das Gefühl haben, durchs einsamste Schweden zu paddeln. Den Anspruch hätten wir jetzt gar nicht gehabt, freuen uns darüber aber umso mehr. 

Sorsele
Sorsele

Auch das Paddeln entlang der Stadt ist schön und wird durch einen Spring­brunnen mitten im Wasser noch versüsst: Regenbogengarantie!

Sorsele
Sorsele

Besser geht nicht

Ganz beseelt kehren wir zum MoMo zurück und freuen uns, dass anschei­nend die schlimmste Zeit der Mücken­plage schon hinter uns liegt. Zwar schwirren einige Knott, die winzigen Kriebel­mü­cken, umher, aber wir werden dank Spray weitest­ge­hend von Stichen verschont. Kein zweites Vildmarks­vägen-Fiasko. Sicher­heits­halber verbringen wir trotzdem die späteren Abend­stunden im MoMo. 

Und während wir die leckere Wein-Empfeh­lung von Martin süppeln und Tagebuch schreiben, bemerkt Annette auf einmal treffend: Das wird jetzt ja fast schon richtig dunkel! Tatsäch­lich sind die langen hellen Nächte jetzt wohl vorbei. Hier oben geht es jetzt stramm auf den Herbst zu!

Schön, dass du ein Stück mit uns mitgefahren bist!

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Der wilde Westen von Mull

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4 Kommentare

  1. Eure Bilder sind so toll, wir müssen dringend mal wieder nach Schweden.

    Liebe Grüße Fam Weber

    Antworten
    • Auf jeden Fall! Ihr werdet es nicht bereuen.
      Liebe Grüße
      Micha

      Antworten
  2. Liebe Anette, lieber Michael
    Wenn immer mein Daten­vo­lumen das zulässt, verfolge ich euch.
    Inter­es­sante Berichte und tolle Fotos, beson­ders mit diesem magischen nordi­schen Licht. Einfach traumhaft.
    Herzliche Grüsse, (momentan aus der Lüneburger Heide)
    Michael

    Antworten
    • Danke, Michael!
      Wenn ihr in der Lüneburger Heide seid, müsst ihr in der Eiche in Ollsen essen gehen! Das ist ein Befehl. 🙂
      Ihr werdet es nicht bereuen. Leckeres Essen und super­netter Service. 

      Liebe Grüße
      Micha

      Antworten

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