Panora­ma­fahrt

31. Juli 2021

Der Wind hat nachts ganz ordent­lich am MoMo gerüt­telt, sodass wir nur mäßig erholsam geschlafen haben. Irgendwie hat es nicht sein sollen mit Fredvang und uns. Pünkt­lich um kurz vor 12 verlassen wir den Platz, bevor der No-no-Camping­platz noch eine Straf­ge­bühr beim Ausche­cken von uns sehen will.

Lofoten

Wir kehren zurück zur E10. Es ist das verspro­chene Grau-in-grau-Wetter, was ja zu einer Norwegen-Reise auch dazuge­hört. Vor Reine genießen wir die Küsten­fahrt durch die eleganten Galerien. So ein halbof­fener Tunnel hat schon was!

Lofoten
Lofoten

Und auch der Himmel zeigt auf einmal ein Stück­chen blau. Mehr als wir erhofft hatten.

Lofoten

Schlemmen bei Anita

In Sakrisøya sehen wir an den Trocken­ge­stellen sogar noch ein paar Dörrfi­sche – die meisten anderen sind bereits abgeerntet. Mann was sehen die schön-gruselig, gruselig-schön aus!

Stockfisch
Stockfisch

Prakti­scher­weise sind sie in der Nähe von Anitas Sjømat — einem schön anzuse­hender Fisch- und Delika­tes­sen­laden für Touristen. Das entnehmen wir zumin­dest den gesal­zenen Preisen, die dort aufge­rufen werden. 

Anitas Sjømat
Anitas Sjømat
Anitas Sjømat

Es gibt alles Mögliche im Sorti­ment, was uns prinzi­piell sehr anlacht. Vor allem, weil der Laden wirklich geschmack­voll gestaltet ist. Unter anderem dürfen wir mal geräu­chertes Walfleisch probieren. Schmeckt tatsäch­lich mehr nach Fleisch als nach Fisch. Da die geräu­cherte Forelle zwar gut, aber nicht besser als bei Bergmans schmeckt und hierfür locker das doppelte kostet, können wir unseren Kaufdrang beherrschen. 

Nicht beherr­schen kann ich mich aller­dings bei der Fisch­suppe. Und Annette bei den Kanel­bolle. Die müssen wir dann doch im Restau­rant probieren. 

Anitas Sjømat

Und die Fisch­suppe ist wirklich eine fette Empfeh­lung. Wenn sie nicht etwas verpfef­fert gewesen wäre, würde sie in meine Top 5 gehören! Die wird beim nächsten Besuch auf jeden Fall wieder geordert.

Und auch Annettes Kanel­bolle ist lecker. Es gab übrigens ausge­spro­chen anspre­chendes Gebäck – unter anderem Macarons(!) mit Lakritz(!!).

Anitas Sjømat

Der letzte Zipfel

Wir befinden uns jetzt auf dem letzten Abschnitt der E10. Man merkt, dass der Verkehr zunimmt. Es ist aber bei Weitem nicht so überfüllt, wie ich das befürchtet habe. Ledig­lich die Parkplätze vor Reine sind überfüllt, sodass wir uns den Besuch für ein späteres Mal aufheben. 

Ähnli­ches befürchte ich ja für den Ort mit dem kürzesten Namen der Welt: Å. Hier am Ende der E10 knubbeln sich bestimmt die Touristen. Aber so schlimm ist es nicht. Vielmehr „behin­dern“ uns die vielen entge­gen­kom­menden Spazier­gänger, ob mit Hund oder Kinder­wagen. Das muss ja meganervig sein, wenn die einzige Spazier­route entlang der Haupt­straße verläuft!

In Å finden wir völlig stress­frei auf einem großen Parkplatz sogar eine spezi­elle Womo-Parklücke. So einen Service hat man selten. Und auch in Å kommen wir eher in eine relaxt-entspannte Atmosphäre als in ein trubeliges Touris­tenört­chen. Die einzigen, die den Frieden hier stören, sind… wir. Denn Toffi kriegt sich mal wieder nicht ein, dass dort auch fremde Hunde sind. So eine Unver­schämt­heit aber auch. Dieser Hund kostet uns echt Nerven.

Lofoten
Lofoten

Museums­schne­cken

Da ist es selbst­ver­ständ­lich, dass wir Nerven­nah­rung benötigen. Und für die ist Å sogar berühmt. Im Museums­café soll es die besten Zimtschne­cken überhaupt geben. Gebacken in der Museums­bä­ckerei. Ich ignoriere den heftigen Preis von 53 Kronen pro Stück und kaufe für jeden eine. Auf dem Aussichts­felsen über dem Hafen von Å werden sie dann stilvoll verspeist. Wir sind uns einig: Die sind schon sehr gut, sehr frisch und wirklich lecker. Ob es jetzt die „Besten“ sind, sei aber gerne dahingestellt. 

Lofoten
Annette und Elli
Kanelbulle in Å

Panorama mit Sonne

Wir haben uns für die Abreise von den Lofoten gegen die eigent­lich „logische“ Fähre von Moskenes (was hier um die Ecke liegt) nach Bodø entschieden. 4 Stunden Fähre allein mit Elli im MoMo scheinen uns für Toffi noch eine zu große Heraus­for­de­rung zu sein. Da scheint uns die zweistün­dige Überfahrt von Svolvaer nach Skutvik doch realis­ti­scher zu sein.

Toffi Knalltüte
Böse sein kann man ihr trotz der Kläfferei nicht lange…

Aber vor allem gewinnen wir durch diese Entschei­dung eine Panora­ma­fahrt der Extra­klasse hinzu. 

Ab jetzt beginnt unsere Rückfahrt und der Abschied von den Lofoten. Und diese bieten noch mal alles auf, um uns nachhaltig zu flashen. 

Lofoten

Zum einen ein deutlich freund­li­cheres Wetter als erwartet. Und mit der Sonne im Rücken werden wir wirklich verwöhnt, was die Ausblicke angeht. Viel besser kann man es auf den Lofoten kaum antreffen. 

Lofoten
Von Annette treffend als die Vater-Mutter-Kind-Häuser getauft

Zum anderen kriegen wir am Strand von Flakstad noch mal heftige Hebriden-Vibes: Der feinsan­dige Strand mit dem smaragd­farben schim­merndem Meer ist schon ein Anblick der Extra­klasse. Und da wir das Riesen­glück haben, am eher kleinen Parkplatz einen Platz zu bekommen, nutzen wir das dann für einen Strand­spa­zier­gang. So schön! 

Annette mit Hunden am Lofotenstrand
Annette am Lofotenstrand
Micha am Lofotenstrand
Toffi am Lofotenstrand
Lofoten

Und richtig schräg ist es dann, wenn ein Womo vor dir parkt, dass genau diesen Ausblick auf sein Heck tapeziert hat…

Aber auch im weiteren Verlauf bekommen wir so einiges an Landschafts­or­gasmen geboten. Was sicher­lich auch erklärt, warum hier kaum ein Womofahrer grüßt. Die meisten gucken einfach nur mit offenen Mündern durch die Front­scheibe. Und manchmal stehen dem Fahrer an den Engstellen Schweiß­perlen auf der Stirn.

Lofoten
Lofoten

Doch nicht auf die Fähre

Als wir bei schönstem Abend­licht in Svolvaer ankommen, reihen wir uns hinter die anderen Womos in die Warte­schlange ein. Aber irgendwas erscheint uns komisch zu sein. 

Des Rätsels Lösung ist dann simpel: Wir haben Samstag. Und da fährt die letzte Fähre bereits um 16.15 Uhr. Wir stehen in der Schlange für die Abfahrt morgen früh. Und jetzt weiß ich auch, was mich vorher gewun­dert hat: Alle anderen Womos waren leer und verlassen. Die feiern wohl ihren letzten Abend auf den Lofoten in Svolvaer.

Wir entscheiden uns dagegen, an diesem eher unwirt­li­chen Fähran­leger zu bleiben und setzen statt­dessen lieber unsere Panora­ma­fahrt fort. Nächstes Ziel: Der Fährhafen von Lødingen, wo man in einer Stunde aufs Festland übersetzt. Denn den Teil der E10, der hinter Fiskebøl kommt, kennen wir ja auch noch nicht. 

Lofoten
Lofoten

Außerdem haben wir noch ein zusätz­li­ches As im Ärmel. Annette hat auf halber Strecke in Hanøy einen Stell­platz an einem Hafen nicht weit der E10 gefunden. Wenn der was taugt, bleiben wir halt noch eine Nacht auf den Lofoten. Es gibt ja Schlimmeres.

Und tatsäch­lich finden wir einen brauch­baren und sehr ruhigen Platz vor. Auch wenn er nicht die spekta­ku­läre Aussicht bietet, die wir uns im Stillen erhofft hatten. Aber nach so einem Overkill an Sinnes­ein­drü­cken tut das auf eine Weise dann auch sehr gut.

Lofoten

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Der wilde Westen von Mull

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