Der Nebelberg

28. Juli 2021

Wir mögen uns so gar nicht von unserem schnuckeligen Campingplatz trennen. Der hat genau die richtige Größe für uns, ist ruhig und unprätentiös und man könnte auch von hier aus noch was unternehmen. Und wenn das hier nicht die Lofoten wären, würden wir wohl noch zwei, drei Tage dranhängen. Aber wir haben ein Fenster von 4 Tagen, wo es hier richtig prächtig sein soll und es gibt noch so viel zu entdecken, dass wir jetzt schon wissen, dass man nicht alles gesehen haben kann. Wir schmieden schon Pläne fürs Wiederkommen…

Kajak-Idioten

Vor der Abfahrt fragt Annette noch mal nach, ob wir das Kajak, was ich gestern 150 Meter zum Strand getragen habe, wieder zum Lagerplatz zurückbringen müssen, oder ob es da für andere Gäste liegen bleiben dürfe. Nein, das müsse schon wieder zurückgebracht werden. Wir schleppen es diesmal also zu zweit zurück und kommen dabei ganz schön ins Schwitzen. Wie habe ich das denn gestern allein geschafft?

Als wir am Lagerplatz ankommen, sehen wir das andere Kajak auf dem Bauch liegen. Es hat ein Rad unter dem Rumpf. Und jetzt entdecke ich auch den Tragegriff am anderen Ende. Es hätte also so einfach sein können! Das kommt davon, wenn man ein Faltboot hat – auf die einfachste Lösung kommt man dann nicht.

Kajak mit Rollen

Auf der E10

Das kann uns aber nicht wirklich die Laune vermiesen, denn dafür ist das Wetter viel zu prächtig. Shorts und T-Shirt sind angesagt!

Austvågøya

Wir fahren weiter die unbelebte Nebenstraße und stellen uns schon auf den Kulturschock ein, der uns an der E10 erwarten wird. Es ist dann aber nur halb so wild. Von den befürchteten endlosen Autokarawanen sind wir noch ein gutes Stück entfernt.

Auch an den Aussichtsplätzen bekommen wir problemlos einen Parkplatz. Man kann aber schon feststellen, dass die Womo-Dichte erstaunlich hoch ist.

Austvågøya
Annette und Micha uf den Lofoten

Stadtbesuch

Wir sind noch unschlüssig, ob wir in der Lofoten-„Metropole“ Svolvaer überhaupt einen Stopp einlegen wollen. Auf Touri-Massen haben wir keine Lust. Aber wir finden es auch spannend, uns mal wieder unter Leute zu begeben. Ich befürchte aber, dass es uns wie in Portree auf der Isle of Skye in Schottland ergehen wird und wir unverrichteter Dinge weiterfahren müssen.

Die Sorge ist aber unbegründet. Völlig problemlos finden wir nicht weit vom Hafen einen Parkplatz am Straßenrand.

Was zunächst eher heruntergekommen und wenig einladend aussieht (vielleicht haben wir im falschen Viertel geparkt?) zeigt sich am Hafen dann erstaunlich hübsch. Anders wäre bei diesem Sommerwetter Deluxe auch komisch.

Svolvaer

Wir sehen viele Touristen, die in Schwimmweste oder sogar Vollneopren auf ihre Abfahrt mit dem Schiff oder Kajak in den Trollfjord warten. Das ist hier die große Nummer: Trollfjord hier, Trollfjord da. Aber immerhin ohne aufdringliche Anquatscher.

Bacalao

Wir trainieren ja gerade mit Toffi, dass es okay ist, wenn man unter Menschen (oder Hunden) ist. Dass man sich da gar nicht aufregen muss. Dass man sich an Elli ein Vorbild in Entspanntheit nehmen kann. Es ist ein mühsames Geschäft.

Heute steht eine weitere Trainingseinheit auf dem Programm. Besuch einer vollen Außenterrasse eines Restaurants, an dem Leute vorbeiflanieren.

Es gibt hier eine skurrile Tischvergabe, bei der ich mich in einer Schlange anstellen muss, um dann den Tisch ganz am Rand zu bekommen, an dem Annette mit den Hunden bereits sitzt. Immerhin ist der Service dann sehr freundlich und ein vielleicht 12jähriges Mädchen, was mitbedient, kümmert sich um Wasser für die Hunde ist erstaunlicherweise schnell Best Friends mit Toffi, die anscheinend völlig baff ist, dass man ihr Gebell freundlich ignoriert und einfach nur streicheln will.

Wir stellen fest, dass unser letzter Restaurantbesuch wirklich ewig her ist und genießen daher die Fischsuppe und das Smørrebröd gleich doppelt.

Essen im Bcalao in Svolvaer

Da ist die Pumpe!

Es entwickelt sich ja auf dieser Reise schon zu einem Running Gag, dass wir keine Pumpe für die Kajaks bekommen. Ich hatte bereits in einem Sportgeschäft nach einer Pumpe gefragt, aber dort nur ein Achselzucken und „Ausverkauft“ als Antwort erhalten. Und den Tipp, es im Sportgeschäft neben dem Hotel mal zu probieren.

Und Wunder über Wunder: Dort gibt es die heiße Ware Doppelhubpumpe gleich mehrfach! Zwar bin ich mir bei den Anschlüssen nicht ganz sicher, erhalte aber die Zusage, dass ich das Gerät umtauschen könne, wenn es nicht passe. Ich ignoriere daher den Freudenhauspreis tapfer und ziehe triumphierend mit der Pumpe unterm Arm davon.

Am Womo machen wir dann den Adapatervergleich, der leider negativ ausfällt. Mist! Aber es gibt ein anderes Adapterstück, auf das unser Anschluss fürs Scubi-Ventil dann doch passt. Wir machen aber sicherheitshalber die Probe aufs Exempel.

Daher packen wir am Straßenrand mal unsere halbe Heckgarage aus, nehmen den Scubi aus dem Packsack und pumpen fernab vom Wasser ein Kajak auf. Die amüsierten Blicke der Passanten sprechen Bände.

Pumpentest

Der Test verläuft zu unserer völligen Zufriedenheit – Hurra! Nur die Abpump-Funktion, die auf der Packung beschrieben ist, scheint unsere Pumpe dann doch nicht zu haben. Es gibt schlicht keinen Anschluss, mit dem man die Luft wieder aus dem Kajak herausbekommt. Gut, dass wir noch die andere Pumpe haben…

Grandiose Küstenstraße

Die E10 lässt sich im weiteren Verlauf viel besser und stressfreier befahren, als ich das befürchtet hatte. Wir fahren an den großartigsten Aussichten vorbei, sehen in der Ferne am Festland die nicht weniger gewaltige Küstenlinie der Ofoten und das Glitzern der Sonnenstrahlen auf dem Meer.

Austvågøya
Austvågøya

An der Abfahrt nach Hennigsvaer sehen wir einen großen Parkplatz, den wir irrtümlich für einen Wanderparkplatz halten. Hier steppt nun wirklich der Bär. Es sind aber keine Wanderer, die hier herumlaufen, sondern Sonnenanbeter. Wir sind nämlich am Karibikstrand von Rørvik gelandet. Aber da dieser Trubel jetzt wirklich nichts für uns ist, bewundern wir den prächtigen, vollen kleinen Strand von oben und fahren weiter.

Austvågøya
Austvågøya

Hebridenstrand

Wir haben nämlich auch heute ein As im Ärmel. Und das heißt Gimsøy. Die kleine Insel zwischen den großen Lofoteninseln Austvågøya und Vestvågøy ist für die meisten nur eine Durchfahrtsstation. Für uns hat sie ein verlockendes Ziel: den Campingplatz unterhalb des Berges Hoven. Die Lage ist schon mal traumhaft: Hinter einem der Berg, vor einem ein feinsandiger Strand, der durchaus auch zu unseren Traumstränden auf den schottischen äußeren Hebriden gehören könnte.

Wir finden einen feinen Platz und richten uns häuslich ein. Es sieht zwar gar nicht so sehr lofotig aus, aber man sieht immerhin von hier aus ein paar gezackte Berge von den Vesterålen am Horizont.

Isländer auf Gimsøy

Auf den Berg

Natürlich wollen wir uns den Ausblick vom Hoven nicht entgehen lassen. Eine einfache Wanderung: 2 Kilometer, die man in einer guten Stunde geschafft haben soll. Was soll da schon schiefgehen?

Hoven-Wanderung

Wir bereiten uns trotzdem gewissenhaft vor: Mehrere Lagen Kleidung, Handschuhe und Mütze, falls oben der Wind pfeift. Ich packe noch die große Fotoausrüstung ein, denn oben vom Gipfel kann man bestimmt tolle Bilder schießen. Und natürlich gehen wir deswegen erst um neun Uhr los, schließlich wollen wir ja die goldene Stunde vor Sonnenuntergang mitnehmen.

Es kommt dann etwas anders.

Nummer Eins: Auf dem ersten morastigen Stück wollen uns die Mücken auffressen. Wir haben aber beide nicht ans Mückenzeug gedacht, weil wir ja auf einen Berg steigen. Da oben gibt’s doch keine Mücken! Da nicht, aber halt unten…

Nummer Zwei: Der Weg ist kurz. Wie schön. Aber deswegen stellenweise auch reichlich unwegsam, rutschig und steil. Einfach ist das nun nicht. Aber vielleicht gilt das auch nur für Ü50. Die jungen Norweger, die uns begegnen, sehen alle fröhlich und vergnügt aus während wir ächzen und uns der Schweiss ausbricht.

Hoven-Wanderung

Nummer 3: Wir hatten uns schon am Strand gewundert, dass an diesem ansonsten wolkenlosen Tag ein paar Wolkenfetzen oben am Hoven zu sehen waren. Aber die sahen so harmlos fadenscheinig aus, dass wir uns nichts weiter dabei gedacht haben.

Aber als wir dem Gipfel immer näher kommen, wird auch die Sicht immer bescheidener. Ein gutes Stück vor der Spitze stehen wir mitten in der Wolke und können so gut wie gar nichts sehen. Das gibt’s doch gar nicht!

Hoven-Wanderung

Annette beschließt, mit den Hunden an einem Aussichtspunkt zurückzubleiben, während ich allein zum Gipfel weitergehe, um noch tolle Fotos zu machen.

Hoven-Wanderung

Aber kurz vor dem Gipfel wird die Nebelsuppe dann wirklich unheimlich. Die Sichtweite wird immer geringer und ich gebe auf. Lieber sicher wieder herunterkommen, als im Nebel auf der Spitze des Hoven zu stehen und auch nichts davon zu haben.

Also steige ich frustriert wieder hinab zu Annette und den Hunden, wo sich ein kleines Guckloch Richtung Meer aufgetan hat. Dieses merkwürdig gold-diffuse Licht hat dann auch seinen Reiz.

Hoven-Wanderung
Hoven-Wanderung
Hoven-Wanderung
Hoven-Wanderung

Auf dem Abstieg bieten sich dann immer mal wieder Gelegenheiten die Landschaft zu bestaunen. Selbst wenn das Wetter einem einen Streich spielt, ist das hier noch reichlich großartig.

Hoven-Wanderung
Hoven-Wanderung
Hoven-Wanderung
Hoven-Wanderung

Und als wir zum Campingplatz zurückkehren, sind wir gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang gekommen. Und als wäre das nicht schon toll genug, stehen jetzt auch noch die Islandpferde des Reiterhofs nebenan auf der Weide und grasen friedlich.

Isländer auf Gimsøy
Isländer auf Gimsøy
Isländer auf Gimsøy

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Der wilde Westen von Mull

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4 Kommentare

  1. Wünschen euch weiterhin viel Spaß und gute Fahrt 👍
    Gibt es in Hov noch das Restaurant .. wollen im September dorthin fahren..mit RM
    Ggf . Aurora Borealis sehen 😉
    Bleibt gesund
    Werner und Annegret

    Antworten
    • Da gehen wir gleich essen. 😋

      Antworten
    • Das Essen war fantastisch!!!😋 Viel Glück mit den Polarlichtern!

      Antworten
  2. Der Nebel verleiht der Landschaft, noch meehr Charakter, einfach herrlich!
    LG
    🙂

    Antworten

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