Nördlichster Busen

23. Juli 2021

Was habe ich das vermisst: Aufwa­chen zu Möwen­ge­schrei! Bei mir ist das aller­dings deutlich entspannter als bei Annette. Die durfte nämlich nachts dreimal mit Toffi raus, welche sich dringend erleich­tern musste: Durch­fall. Annette ist wie gerädert während ich von dem Spektakel kaum etwas mitbe­kommen habe…

Entspre­chend langsam starten wir in den Tag. Und da Annette noch einen Termin für ein Zoom-Meeting als Kinder- und Jugend­coach hat, wird es Mittag, bis wir weiterfahren.

Jävrebodarna

Gib Gas!

Wir haben festge­stellt, dass unsere erste Gasfla­sche leer ist und möchten nun mal probieren, ob das mit dem Gas tanken auch im Ausland problemlos klappt. Überrascht haben wir festge­stellt, dass in Nordschweden das LPG-Tankstel­len­netz ausge­spro­chen dünn ist. So wie in: fast nicht existent. Wir haben aber Glück, dass es im nicht weit entfernten Piteå, was sogar auf der Strecke liegt, eine Gastank­stelle gibt.

Zusammen mit einem alten deutschen VW-Bus fahren wir von der Autobahn ab und biegen zur Tankstelle ab. Ich flachse schon rum: „Die brauchen bestimmt auch Gas.“ Und so ist es dann überra­schen­der­weise auch. Ich habe also ein Versuchs­ka­nin­chen, das ich beobachten kann, wie das hier so läuft.

Bulli und MoMo

Die Zapfsäule ist alters­mäßig sicher noch mal 10 Jahre älter als der Bulli und macht schon sehr merkwür­dige Geräu­sche. Und auch die Aufschrift „Anzeige defekt“ ist nur wenig vertrau­en­er­we­ckend. Es hat den Anschein als würde gar nichts passieren. Aber irgend­wann bewegt sich der Zähler dann doch und das Gas fließt langsam in den Gastank des Bullis. Als ich dann dran bin, ist die größte Schwie­rig­keit die Auswahl des passenden Adapters und das gedul­dige Abwarten, bis das Gas endlich fließt. 

Handabdruck
So sieht eine Hand aus, die seeeehr lange einen Totmann­schalter gedrückt hat…

Pumpen­re­pa­ratur

Wir haben ja auch noch die Reparatur unserer Doppel­hub­pumpe für die Scubis zu erledigen. Aus Öster­sund wissen wir ja jetzt, dass ein Jula dafür ein passendes Geschäft sein könnte. Den gibt es in der letzten Großstadt hier an der Küste, in Luleå.

Wir überlegen kurz, ob wir eine der dort vorrä­tigen 12V-Elektropumpen nehmen sollen, sind aber skeptisch, da die beiden Packungen aussehen, als seien sie schon mal retour­niert worden. Bei Jula gibt es zudem eine genial einfache Funktion: an jedem Preis­schild ist ein QR-Code, der einen in den Online­shop weiter­leitet. Dort kann man dann zum einen mehr Daten sehen und auch Kunden­be­wer­tungen lesen, die in diesem Fall unsere Skepsis bestä­tigen. Funktio­niert wohl, dauert aber ewig.

Eine Ersatz­pumpe finden wir leider nicht im Geschäft, sondern nur im Online­shop. Also wollen wir es mal mit einem Verkleben des Manome­ters probieren. Wir greifen zu einer Heißklebe­pis­tole, die es sogar feminin-anspre­chend in flieder­farben gibt.

Ab zum Busen

Unser Tages­ziel ist die Gegend von Töre, seines Zeichens nördlichster Punkt des Bottni­schen Meerbu­sens in Schweden. Ganz nach Töre fahren wir nicht, sondern biegen kurz vorher in den kleinen Küstenort Siknäs ab. 

Nach dem üblichen Fahren durchs Nirgendwo landen wir in der hübschen Siedlung Siknäs. Dort gibt es einen Hafen und vor allem: einen feinen, eben geschot­terten Stell­platz für Wohnmo­bile. Zusätz­lich noch mit Strom und Wasser, für läppi­sche 100 Kronen.

Siknäs

Was aber die zwei besten Dinge an diesem Stell­platz sind, finden wir im Laufe des Tages dann heraus: Zum einen ist es die herrliche Aussicht auf die Bucht von Töre, zum anderen die paradie­si­sche Stille, obwohl wir hier an einem Freitag­abend am Hafen stehen und ringsum mehrere Häuser in Reich­weite stehen. 

Siknäs
Siknäs
Siknäs

Kajak mit Hindernissen

Nach einer kleinen Fika machen wir uns ans Werk. Das Manometer wird verklebt und ein Scubi zusam­men­ge­baut. Wir pumpen wie die Irren, aber der Druck stagniert bei 0,15 bar. Benötigen würden wir eher das doppelte. Ich lausche am Manometer und anschei­nend gibt es immer noch eine Undich­tig­keit. Erst nach nochma­ligen Kleben ist das Ventil jetzt hinrei­chend dicht und mit viel Einsatz kommen wir auf die 0,3 bar. Bei der anderen Seite stagniert der Druck dann aber bei 0,15 bar – egal, was wir machen. Gelöst ist unser Pumpen­pro­blem also noch nicht.

Aufpumpen
Manometer

Ich beschließe trotzdem, eine Runde aufs Wasser zu gehen. Denn der Wind ist jetzt komplett abgeflaut, das Wasser ist nahezu spiegel­glatt. Außerdem ist das Wasser hier reich­lich flach. Auch weiter draußen scheint es nicht viel tiefer als 1 Meter zu sein. Wenn ich mich also in Ufernähe aufhalte, sollte da nichts schiefgehen.

Und tatsäch­lich hält das Boot mich locker aus und lässt sich auch leidlich gut fahren. Ich drehe zumin­dest mal eine kleine Runde und sehe mir die Landschaft mal vom Wasser aus an.

Siknäs
Siknäs

Endloser Sonnen­un­ter­gang

Als dann nordisch-sommer­lich spät die Sonne unter­geht, ahne ich, was mir blühen wird. Das wird so schön, dass ich heute wieder eine kleine Nacht­schicht beim Bloggen einlegen werde. Aber beim Fotogra­fieren vergeht die Zeit wie im Nu und es wird nicht langweilig – vor allem, weil ich bei den Langzeit­be­lich­tungen dann einfach mal aufs Wasser hinaus­schauen und diese tolle Aussicht in mich aufsaugen kann. Schon wieder so ein schöner Ort, den wir da gefunden haben!

Siknäs
Siknäs

Mein einziges Handicap: Immer wenn ich gerade beschlossen habe, dass es jetzt auch mal gut sein muss, sitze ich vielleicht 15 Minuten im MoMo, schaue hinaus und denke: jetzt ist es ja noch schöner! Gut, dass ich irgend­wann einfach nicht mehr kann…

Siknäs
Siknäs
Nachtrag: Um 0.30 Uhr für dieses Foto auch noch mal raus…

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Der wilde Westen von Mull

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4 Kommentare

  1. Ganz toll, eure Berichte.
    Lese täglich/nächtlich mit, obwohl selbst unter­wegs und eigent­lich mobile Daten sparen muss.
    Gruss, Michael vom mobiblog.ch

    Antworten
    • Mehr Lob geht ja kaum, Michael! Danke­schön, freut mich sehr.

      Antworten
  2. Guten Morgen ihr vier 🙏
    Deine Frau hat unser Mitgefühl…aber..alles wird wieder gut 👍
    Extra Gruß an Sie 🙏
    Danke für diese super Bilder..einfach genial aufgenommen 👌
    Da muss ich noch viel lernen 😉
    Euch weiterhin eine gute Fahrt
    Bleibt gesund
    Husky und Seewolf
    Annegret und Werner
    PS . Unsere beiden Huskies haben uns auch immer auf Trapp gehalten…vermissen Sie immer noch 😂

    Antworten
    • Das glaube ich, Werner. Annette hat eben auch ein paar Tränchen verdrückt, als sie alte Bilder von Mia gesehen hat. Die Hunde sind halt in unserem Herzen…

      Antworten

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