Famoser Mårdselforsen

19. Juli 2021

Ich habe es gestern ja schon angedeutet. Wir werden uns heute vom Inlandsvägen verabschieden und die „Standardroute“ in den Norden verlassen. Anstatt weiter zielstrebig in Richtung Polarkreis zu fahren, wollen wir erst mal einen Schritt zur Seite machen. Es geht in Richtung Osten weiter. Dafür gibt es zwei gute Gründe: Zum einen das etwas bessere Wetter im Osten. Zum anderen fehlt uns auf dieser Fahrt bisher einfach Zeit am Meer. Wir wollen jetzt einfach mal wissen, wie es sich anfühlt, kurz unterhalb des Polarkreises am Bottnischen Meerbusen zu sein.

Aber da die Fahrt an einem Tag etwas sportlich wäre, hat Annette uns einen kleinen Geheimtipp aufgetan: Das Gebiet am Vindelälven, einem der vier unregulierten Flüsse Schwedens, hört sich spannend an. Insbesondere die Stromschnellen am Mårdselforsen sollen sehenswert sein. Nichts wie hin!

Großeinkauf bei Bergmans

Von Werner haben wir noch den dringenden Rat bekommen, bei Bergmans Fisk & Vilt anzuhalten und uns dort mit Fisch- und Wildspezialitäten einzudecken. Die sind nämlich preisgekrönt und hatten sogar den König schon zu Besuch, wie man dort stolz auf Bilder zeigt.

Bergmans

Wir sind froh, dass wir zumindest beim Fisch schon fast ein bisschen Kenner sind und wissen, was wir uns als Nächstes kaufen wollen. Aber wie ist das mit den Wildspezialitäten? Ist varmrökt Älg (warmgeräucherter Elch) besser als kaltrökt Renstek (kaltgeräuchertes Rentier)? Kaufen wir halt beides und probieren…

Vilhelmina

In Vilhelmina stromern wir ein bisschen durch die Stadt, stellen aber vor allem fest, dass viele Geschäfte entweder leer stehen oder aussehen, als seien sie seit 50 Jahren nicht renoviert worden. Das einzige, was uns wirklich gefallen hat, war die Kyrkstad mit schönen Holzhäusern, die offenbar als Jugendherberge/Hostel genutzt werden.

Vilhemina Kyrkstad

Im ICA füllen wir die Vorräte auf und kaufen uns ein „Dagens Lunch“ mit Hühnchen, Kartoffelspalten und Salat, weil es auf einen flüchtigen Blick recht lecker aussah. Das war dann aber leider eine Fehleinschätzung…

Dagens Lunch

Kanada-Feeling

Die RV360, die uns in Richtung Lycksele bringen soll, fühlt sich schon bald sehr nach Kanada an. Wald, Wald, Wald. Dabei aber durchaus sehenswert. Aber auch fernab jeder Zivilisation.

RV360

Wir hatten uns gerade darauf eingestellt, dass wir noch einige Zeit auf diese Weise weiterfahren würden, als plötzlich ein Warnschild kommt: 20 Kilometer Baustelle. Was?! Und diese 20 Kilometer haben es dann wirklich in sich. Zunächst noch alles recht geordnet mit Ampel und sogar mit einem Lotsenfahrzeug: Följ mig! Dieses lotst unsere kleine Kolonne auch brav durch die wirklich schlecht und grob geschotterte Straße, auf der ich einen Balanceakt hinkriegen muss: Nicht zu nah auffahren, damit man keinen Steinschlag abbekommt. Aber auch nicht zu langsam werden, weil man den Eindruck hat, dass man sonst in dem Schotter feststeckt wie in Treibsand. Nicht schön.

Baustelle

Aber auch nach den zwei Baustellen, wo wirklich gearbeitet wird, gilt es noch endlose, miese Schotterstrecke zu erdulden. Selten habe ich es mehr gefeiert, wieder Asphalt unter den Rädern zu haben.

An einem schön gelegenen Parkplatz an einem See machen wir dann erst mal eine hochverdiente Fika, bevor wir uns auf das letzte Stück der Etappe begeben.

Pause

Einsame Attraktion

An der uns schon regelrecht groß vorkommenden Stadt Lycksele (8500 Einwohner…) fahren wir schnell vorbei und können nur mit dem Kopf schütteln, als wir an dem voll besetzten Riesencampingplatz dort vorbeifahren. Das ist ja so gar nicht unseres.

Wir fahren ein kleines Stück in Richtung Norden, bevor wir dann hinter Ruskträsk den Vindelälven überqueren und ihm dann südostwärts folgen, um zum Mårdselforsen zu kommen. Die Strecke lässt sich wunderbar fahren und es wird immer einsamer, je weiter wir fahren.

Ich unke noch rum, dass bestimmt keiner dort sei und was soll ich sagen: Es ist dann auch niemand dort, als wir ankommen. Dass hier dermaßen der Hund begraben ist!

Wir parken auf einem Parkplateau, wo das Parken für 48 Stunden ausdrücklich erlaubt ist und erkunden mal die Umgebung. Schnell ist uns klar: Volltreffer!

Mårdselforsen

Das Gebiet rund um die Stromschnellen des Mårdselforsen ist super erschlossen. Es gibt hier zwei große Hängebrücken über den Vindelälven und noch ein paar kleinere Holzbrücken, die einen über teichartige Stellen ans andere Ufer bringen.

Mårdselforsen

Allerdings haben wir ein Problem: Auf die Hängebrücke trauen wir uns mit den Hunden nicht, da Elli sichtbar Angst davor hat und Toffi einfach noch zu unberechenbar ist. Und die Hunde hinüberzutragen trauen wiederum wir uns nicht. Denn mit einer leichten Höhenangst ist es auch für mich schon eine Aufgabe, über die sanft schwingende Hängebrücke zu laufen, die in der Mitte gerade mal höchstens hüfthoch gesichert ist.

Mårdselforsen

Diese Farben!

Nach dem Abendessen begebe ich mich dann allein auf Fototour über die Brücken und die Stromschnellen. Ich bin wieder mal geflasht davon, dass so eine tolle Anlage hier einfach ohne Eintritt und Absperrungen zugänglich ist.

Mårdselforsen
Mårdselforsen
Mårdselforsen
Mårdselforsen

Als sich dann noch überraschend die Sonne kurz vor dem Untergehen am Horizont zeigt und die Landschaft auch nach dem Untergehen in wunderschön sanfte Farben taucht, bin ich mir sicher: Da haben wir eine richtig gute Entscheidung mit dem Schwenk nach Osten getroffen!

Mårdselforsen
Mårdselforsen
Mårdselforsen
Mårdselforsen

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Der wilde Westen von Mull

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4 Kommentare

  1. Wunderschöne Aufnahmen, gute Beschreibung und ganz super wie ihr mit euren Fellnasen umgeht!
    LG
    Richard

    Antworten
  2. Hey ihr vier 👍
    euch weiterhin eine gute Fahrt 😇
    Tolle Bilder 👍🔝
    Der Neid wird größer 😊😊😉😉😉
    Bleibt gesund 🙏
    Bis bald mal wieder auf dieser Welle 🌊
    Seewolf und Husky

    Antworten
  3. Hallo Michael und Annette
    Danke für euren schönen Reisebericht. Wir sind gerade zurück von 4 Wochen Schwedisch-Lappland und am Mårdselforsen waren wir auch! Bzgl. Baustelle(n) kennt ihr aber schon diese Seite?: https://www.trafikverket.se/trafikinformation/vag/?TrafficType=personalTraffic&map=0%2F511635.52%2F6914740.01%2F&Layers=TrafficSituation%2bRoadWork%2b
    Dort kann man auch den „Schweregrad“ der Baustelle einsehen. Die Kategorie „Heavy“ ist dann meist die Fahrt durch den gefühlten Steinbruch…nebenbei sind auf dieser Superseite auch sämtlich Ver- und Entsorgungsstationen drin.
    Viel Spass noch und gute Reise!
    Grüsse Jörg

    Antworten
    • Jörg, das ist ja ein Supertipp, dankeschön!
      Auch die Infos zur Latrintömming sind wirklich sehr willkommen, weil wir ja gerne freistehen.
      Falls du noch weitere Tipps für den nördlichen Teil hast: Immer her damit!

      Antworten

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