Rogen und Moränen

13. Juli 2021

Die kurzen, hellen Nächte machen mir mehr zu schaffen als gedacht. Immer mehr kommt der Rhythmus von Tag und Nacht ins Wanken — abends gibt es kein wirkli­ches Ende (außer der Müdig­keit) und der Morgen fängt viel zu früh an. Gut, wenn man dann im MoMo langsam auf Touren kommen kann.

Auf der 311

Wir fahren den Foskros­vägen weiter in Richtung Norden. Und bis zum Hüttenort Foskros ist das entspanntes Cruisen. Danach geht die Straße über in eine Schot­ter­piste, die man etwas konzen­trierter fahren muss. Über die angemes­sene Geschwin­dig­keit gibt es da unter­schied­liche Ansichten — wir lassen einen Franzosen mit Hummeln im Hintern gerne vorbei…

Foskrosvägen

Wir freuen uns, dass wir auf der RV311 dann wieder Asphalt unter den Rädern haben. Die Strecke in Richtung Tännäs ist wirklich ein Vergnügen — vor allem, wenn Rentier­herden zu sehen sind.

Rentiere

Rogens Natur­re­servat

Unser Ziel für heute ist aller­dings nicht Tännäs, sondern das Natur­re­servat rund um den See Rogen. Dort kann man eine Wande­rung zwischen den unzäh­ligen Seen der Rogen­mo­räne machen. Das sieht auf der Landkarte schon so abgefahren aus, dass wir uns das mal in echt angucken wollen.

Lupinen

Zunächst wundern wir uns, dass der Parkplatz, zu dem wir fahren, gar nicht kosten­pflichtig ist, wie wir es eigent­lich erwartet hatten. Des Rätsels Lösung ist dann sehr einfach. Wir stehen auf dem „offizi­ellen“ Wander­park­platz des Natur­re­ser­vats, aber eben nicht am Start­punkt der Wanderung.

Rogens Naturreservat

Buckel­piste

Um dorthin zu gelangen müssen wir noch weiter auf der ohnehin nur mittel­guten Schot­ter­piste fahren. Das ändert sich aber schlag­artig, als wir auf die mautpflich­tige 5 Kilometer lange Zufahrt zum Hof Käringsjön abbiegen. 

Die ist dann nämlich katastrophal. 

Scheissweg
Frei übersetzt: “Ganz schön beschis­sene Straße”

Aber auch überaus reizvoll. Denn bereits auf dem Weg gibt es tolle Aussichten zu bewun­dern. Und Annette bewun­dert meine Fahrkünste mit dem braven Nicht-Allrad-MoMo — wer braucht da noch ein offroad-geeig­netes Wohnmobil?

See
tote Birken

Käringsjön

Als wir schließ­lich am Hof ankommen sind wir mehr als verwun­dert, dass hier so viele Pkws stehen. Das hätten wir jetzt wahrlich nicht erwartet! Und vor allem: es gibt keinen Platz mehr fürs MoMo! War es das etwa schon? 

Ich frage einfach beim freund­li­chen Gastgeber Per-Roger Wiberg nach, der mir dann auf deutsch erklärt, dass ich gerne auf dem oberen Parkplatz stehen könnte. Und das Übernachten für 2 Nächte bis Mittwoch würde mich dann bitte 150 Kronen kosten (die Maut soll übrigens 40 Kronen und das Parken 20 Kronen kosten, sind aber in diesem Preis auch schon inklusive). 

Käringsjön
Käringsjön

Begeis­tert sage ich zu, denn an diesem herrli­chen Flecken zu bleiben ist wirklich ein No-Brainer. Ich bin spontan verliebt in den Ort und notiere ihn in Gedanken schon mal für die Großen 12 — und das bereits vor der Wande­rung. Denn ich bin mir sicher: der Rundweg kann gar nicht schlecht werden!

Traum­runde

Direkt zu Beginn macht Annette schon eine bedeu­tende Entde­ckung: Das Plumpsklo hier gehört sicher­lich zu den schönsten, die man sich vorstellen kann — keine Übertreibung!

Plumpsklo deluxe
Plumpsklo deluxe

Aber auch die Wande­rung ist wirklich lohnens­wert. Einen See hat man eigent­lich zu jedem Zeitpunkt in Sicht. Mal zur rechten, mal zur linken.

Rogens Naturreservat
Rogens Naturreservat

Und da, wo der Unter­grund zwischen ihnen zu nass ist, sind Holzstege die Lösung. 

Rogens Naturreservat

Auf den steinigen Moränen­rü­cken zwischen den Seen ist es das für Schweden übliche Wandern über Stock und Stein, bei dem man lieber die Augen auf dem Boden hat, damit man den nächsten Schritt richtig setzt. Anstren­gend, aber auch schön.

Rogens Naturreservat
Käringsjön
Moltebeeren
Die Molte­beeren sind leider noch nicht ganz reif
Rogens Naturreservat
Rogens Naturreservat
Rogens Naturreservat

Vor allem in dieser Landschaft, die wir nahezu ganz für uns alleine haben. Ledig­lich viermal begegnen wir in den fast 4 Stunden anderen Wanderern.

Rogens Naturreservat
Rogens Naturreservat
Rogens Naturreservat

Bei einer dieser Begeg­nungen fängt Toffi erwar­tungs­gemäß wieder an zu bellen. Aber warum ist Annette auf einmal so aus dem Häuschen? Ach so, wegen des Rentieres, was praktisch vor unserer Nase den Wanderweg kreuzt, um zum nächsten See zu kommen!

Rentier
Rogens Naturreservat
Käringsjön

Als wir gegen 20 Uhr doch reich­lich erschöpft zum MoMo zurück­kehren fühlt es sich zeitlich an wie früher Nachmittag, körper­lich aber eher schon wie Mitter­nacht. Zumin­dest Toffi ist am Abend dann so fertig, dass sie, auch als ein kleiner Junge mit seiner Mutter vorbei­kommt, nur noch müde den Kopf hebt, aber zum Aufregen einfach nicht mehr imstande ist. So geht das also!

Käringsjön

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Der wilde Westen von Mull

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3 Kommentare

  1. Wunder­schön habt ihr es dort. Wir sind zwar gerade in Südschweden unter­wegs, aber ich reise auch gerne im Norden mit.
    Danke für die tollen Bilder und den netten Bericht.
    Waltraud

    Antworten
  2. Schööööööööön!

    Bin begeis­tert. Weiter so mit der Fahrt und den tollen Fotos.

    Gruß
    Volker

    Antworten
  3. Hey ….ihr vier 😊
    super Tour 👍
    mehr geht nicht …
    euch weiterhin viel Spaß und bleibt gesund 🙏
    Tolle Bilder…echter Neid kommt auf 😇😉😜😜
    Bis später
    Es ist klasse bei euch an Bord ..sein zu dürfen
    Seewolf und Husky 🤚👍🙏🍾🍾

    Antworten

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