Weniger ist mehr

20. Mai 2021

Wir starten gemütlich in einen richtig perfekten Frühlingstag. Sonne pur, bei Temperaturen knapp unter 20 Grad.

Annette erledigt noch einen geschäftlichen Zoom-Call und für mich ist es mal wieder Gelegenheit, über das schlechte Internet in Deutschland zu schimpfen. Wie kann es sein, dass wir hier in einem Alpental mit anspruchsvoller Topografie eine Mobilfunkverbindung haben, die doppelt so schnell ist wie unser heimisches Festnetz? Aber, wenn ich in Brandenburg ein paar Kilometer von einer Stadt entfernt bin habe ich schon kein akzeptables Netz mehr. Wer war noch mal der Digitalminister? Scheuer? Ach so…

Verzasca reloaded

Wir gehen noch mal mit den Hunden runter zur Verzasca und können uns auch heute wieder für den Fluss begeistern, der mal völlig wild schäumt und wenig später oder früher komplett sanfte Tümpel wie eine Badewanne anbietet.

Verzascatal
Verzascatal

Das mit der Badewanne nimmt eine ältere Dame übrigens wörtlich. Wir beobachten, wie sie ins Wasser gleitet, um dann mit einer GoPro Aufnahmen von einer Ente zu machen, die sich auf einem Stein sonnt. Coole Techie-Oma!

Verzascatal

Wir bleiben dann doch lieber trocken und machen Fotos von Land.

Verzascatal
Verzascatal
Verzascatal
Verzascatal

Pfingsten kommt

Als wir schon alles für die Abfahrt vorbereitet haben, gebe ich unser nächstes Ziel, das Valle Maggia, ins Navi ein. Und bin überrascht, wie lange das dauern soll. Auch die Ausweichstrecke soll ungewöhnlich lange dauern. Hä? Als ich auf der Karte rauszoome, sieht man, dass auch im Maggiatal und im Tal vom Gotthard in Richtung Locarno viel Verkehr sein soll. Es dämmert mir: Der Pfingstreiseverkehr hat eingesetzt. Und im Zweifelsfall bedeutet das fürs Maggiatal, dass eine Stellplatzsuche mächtig Stress bedeutet. Und worauf haben wir gerade überhaupt keinen Bock? Unnötigen Stress.

Wir beglückwünschen uns zu unserer Ersatztoilettenkassette, die im Staufach noch auf ihren ersten Einsatz wartet. Denn das einzige, weswegen wir hier wegfahren müssten, wäre die Toilette. Denn aus Ekel- und Coronagründen haben wir das Dixi-Klo neben dem MoMo mit Verachtung gestraft. Frischwasser kommt vom Brunnen und unser Abwassertank ist auch noch nicht voll. Ein Hoch auf das autarke Leben!

Beschwingt gehe ich zum Restaurant, um wieder meine CampingCard für die Übernachtung zu kaufen. „Gibt’s hier nicht!“, lautet die Antwort. Hm, aber ich hatte die doch gestern genau hier gekauft? Des Rätsels Lösung: Die Parktickets sind ausverkauft. Vielleicht morgen wieder. Da mir das jetzt nicht wirklich weiter hilft, überlege ich schon, wie man 24 Franken in Münzgeld zusammenkriegt. Am Automaten gibt es aber noch den Hinweis auf zwei Apps, mit denen man wohl auch zahlen könne. Aber EasyPark, das ich schon auf dem Handy habe, bietet nur den normalen Parktarif an. Die andere App, Parkingpay, ist im AppStore mies bewertet, kann aber, entgegen der schlechten Bewertungen, genau das, was wir von ihr wollen. 24 Stunden Verzascatal sind gebucht!

Osuratal

Osura

Wir haben noch eine weitere Wanderung vor uns. Genau hier in Brione geht es ins Osuratal. Wenn man so will, die kleine Schwester vom Verzascatal.

Die Wanderung ist denkbar einfach: Hin: bergauf auf einer Straße. Zurück: wieder bergab. Da muss man nicht navigieren.

Osuratal

Trotzdem wird uns die Strecke nicht langweilig. Es geht immer wieder um eine Kurve herum, sodass sich die Aussicht ständig ein wenig ändert. Klar, die schneebedeckten Riesen sieht man immer. Aber mal ist die Osura unter uns komplett versteckt, mal sieht man auch hier das grünlich schimmernde oder weiß tosende Wasser und die rot-grau-braunen Steine daneben.

Osuratal
Osuratal
Osuratal
Osuratal

Was uns heute noch mal richtig bewusst wird, sind die absolut abgefahrenen Frühlingsfarben des Laubs. Hier leuchtet alles in so einem intensiven, strahlend hellem Grün, dass man denkt, die Natur habe es mit der Bildbearbeitung doch ein bisschen arg übertrieben und den Sättigungsregler auf Anschlag gestellt. Ehrlich, jeder Fotograf würde für diese Farben (zurecht) kritisiert: viel zu bunt!

Osuratal

Poolpause

An einer besonders malerischen Stelle machen wir dann eine kleine Rast. Es gibt hier große, badetuchgeeignete Steinflächen, auf denen man sich im Sommer sicherlich herrlich hinfläzen und in der Sonne braten kann. Und zwischendurch im kalten Gebirgswasser eine willkommene Erfrischung erhält. Wirklich super!

Osuratal
Osuratal
Osuratal

Spannend wird es nur, als zwei Ziegen zu uns hinabkommen. Wie sehr würde die ängstlich bellende Toffi sie nerven? Denn von Beeindrucken kann da nicht wirklich die Rede sein… Aber die beiden haben mit dem Fressen genug zu tun.

Osuratal

Rusticos

Entlang des Weges finden wir wieder viele Steinhäuser. Rustico genannt, wie mir unser Leser Werner erklärt hat. Manche etwas heruntergekommen, aber manche auch so schön gelegen, dass man schon verstehen kann, warum man da ein Häuschen haben möchte. Zumindest bei so einem tollen Wetter ist das hier dann wirklich paradiesisch.

Osuratal
Osuratal
Osuratal
Osuratal
Osuratal
Weniger ist mehr

Sonnenabend

Auf unserem Rückweg machen wir noch Station im Dorfladen. Leider werden wir dort aber nicht wirklich fündig mit den Sachen, die auf unserem Einkaufszettel stehen. Das muss dann doch bis morgen warten. Das Gute: Wir haben noch genügend Vorräte, um trotzdem ein leckeres Abendessen zustande zu kriegen. Und so können wir dann draußen beim Abendessen der Sonne beim Untergehen zugucken und hoffen, dass der trübe Wetterbericht für morgen einfach nicht eintrifft.

Schön, dass du ein Stück mit uns mitgefahren bist!

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Der wilde Westen von Mull

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2 Kommentare

  1. hallo zusammen, habe mit Interesse Reise in der Schweiz (Schweiz 2021) gelesen und musste feststellen das ich als Schweizer an Orten die Ihr gesehen habt noch nie war. Euer Bericht ist, da er nicht zu Lang ist und sehr schöne Fotos beinhaltend echt Lesenswert. Danke

    Werner Bachmann

    Antworten
    • Danke, Werner, das höre ich gerne!
      Ich muss sagen, dass gerade mit der letzten Reise unsere Schweiz-Liebe neu entfacht wurde. Nachdem wir sie einige Zeit wegen der üblichen Gründe (auch mit dem Wohnmobil einfach ein zu viel zu teures Reiseland im Vergleich mit dem Rest von Europa) regelrecht gemieden haben, sind wir dieses Mal wirklich sehr angetan gewesen. Unsere durch Corona gut gefüllte Reisekasse hat sich da sicherlich bemerkbar gemacht. 🙂 Wir werden bestimmt wiederkommen!

      Liebe Grüße
      Micha

      Antworten

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