Rosin, Brodowin und Chorin
14. September 2020

Tag Eins der spätsom­mer­lichen Hitze­welle. Auch wenn wir die 30°-Marke hier deutlich verpassen, merken wir, dass es Shorts-Wetter ist. Und wir damit plane­risch mal wieder aufs falsche Pferd gesetzt haben. Alle dicken Thermo­hosen und gefüt­terten Jacken hätten wir für diesen Altwei­ber­sommer getrost zu Hause lassen können. Statt­dessen wird unsere Sommer­kleidung langsam knapp.

Wanderung Brodowin

Am Rosinsee

Wir lassen das MoMo auf der Acker­wiese stehen und machen uns auf zu einer Wanderung durch das Umland des Ökodorfs Brodowin, zu dem auch der Hof Schwal­bennest zählt. 

Wanderung Brodowin

Auf den ersten Metern machen wir uns noch ein bisschen Sorgen. Denn 2 Dorfhunde laufen hinter Elli her, die offen­sichtlich sensa­tionell lecker riecht und folgen uns bis auf den Feldweg. Was, wenn sie einfach immer weiter mitlaufen? Aber nach 200 Metern ist ihnen wohl klar, dass da nichts läuft und sie kehren zurück ins Dorf.

Wanderung Brodowin
Wanderung Brodowin

Wir sind begeistert von der abwechs­lungs­reichen Strecke, die hier als Wanderweg mit schönen Raststa­tionen angelegt wurde. Sanft geschwungene, frisch bestellte Felder wechseln sich mit Blicken auf Seen und Wälder ab. Großartig!

Wanderung Brodowin
Wanderung Brodowin
Wanderung Brodowin

Wir haben die Qual der Wahl, welchen Wanderweg wir an einer Wegga­belung nehmen, treffen aber eine im Nachhinein sehr schlaue Entscheidung. Denn der Weg zum Rosinsee und zurück zum MoMo führt in weiten Teilen durch schattige Wäldchen. Und die können wir, bereits durch­ge­schwitzt, gut gebrauchen!

Rosinsee
Rosinsee
Rosinsee
Elli appor­tiert ja gerne — wenn da nur nicht das Wasser wäre…

Der See ist fast schon typisch Brandenburg. Man nehme Wald, viel Schilf, ein paar tote Bäume im Wasser und jede Menge Ruhe: fertig. Und uns gefällt’s.

Der Waldweg auf dem Rückweg ist fast ebenso typisch: Uraltes Kopfstein­pflaster, dass immer wieder hervorlugt, aber schon sehr abgenudelt ist. Im Wald empfindet man das dann einmal mehr als kleine Zeitreise.

Ökodorf

Wir kommen ziemlich platt am MoMo an, da die Hitze sich beim Wandern dann doch bemerkbar macht. Ich kaufe im Schwal­bennest noch 2 Stücke Rhabar­ber­streu­sel­kuchen und frage, ob wir das Landver­gnügen um eine Nacht erweitern können. Für 10 € sei das kein Problem, wird mir gesagt. Und wir denken: 10 €, um ohne irgend­welche Leistungen auf einem Acker zu stehen? Och nö, lass mal. 

Wir fahren weiter durchs friedens­be­wegte Brodowin, was wirklich ausge­sprochen buller­bümäßig daher kommt. Von außen: eine absolut heile Dorfwelt. 

Brodowin

Im örtlichen Hofladen füllen wir noch mal unsere Vorräte auf und fahren wieder mal durch eine wunder­schöne Buchen­wald­strecke weiter zum Kloster Chorin.

Historic Brandenburg

Da es schon später Nachmittag ist, ist auf dem großen Besucher­park­platz nicht mehr viel los. So recht mag ich mir nicht vorstellen, dass es hier wirklich mal voll sein könnte. Und kurzzeitig überlegen wir, ob wir über Nacht bleiben. Denn von 20 bis 8 Uhr ist das Parken kostenfrei und eine Tages­karte kostet 3 €. Aber da der Platz jetzt auch nicht sooo hübsch ist, werden wir nach der Besich­tigung des Klosters weiterfahren.

Chorin
Chorin

Wir gehen die paar Schritte neben der Straße zurück zur ehema­ligen gotischen Zister­zi­en­ser­abtei. Als wir brav den Eintritt bezahlen, kriege ich einen Schreck – nur noch eine Stunde Zeit. Wird das reichen? Es reicht. Denn das Gelände ist nicht so groß wie anfangs noch gedacht. Und wir haben sogar doppeltes Glück. Zu dieser späten Stunde sind wir dort praktisch allein und das Sonnen­un­ter­gangs­licht ist einfach herrlich zum Fotografieren.

Chorin
Chorin
Chorin
Chorin
Chorin
Chorin
Chorin
Chorin
Chorin
Chorin
Chorin

Und nachdem wir die Anlage wieder verlassen haben, gibt es noch einen kleinen Bonus. Denn frei zugänglich finden wir an der linken Seite des Klosters noch das Pfortenhaus und hinter dem Kloster­komplex einen kleinen Friedhof mit teilweise sehr alten Gräbern. Und überhaupt hat uns das alles hier sehr an Historic Scotland erinnert. Ein altes Gemäuer, was fein, aber nicht übermäßig instand gehalten wird, sodass man immer noch das Gefühl vermittelt bekommt, dass das hier wirklich, wirklich alt ist. 

Chorin
Chorin
Chorin
Amtssee
Chorin

Imbiss am Kanal

Als Nächstes machen wir Station am Oder-Havel-Kanal bei Ebers­walde. Dort soll es Stell­plätze direkt am Kanal geben. Und einen Imbiss praktisch vor der Haustür. Hört sich verlo­ckend an, denn nach dem vollen Tag sind wir etwas platt. In der Realität sieht es nicht ganz so gut aus, wie auf den Fotos. Denn den Verkehr von der Haupt­straße kriegt man hier laut mit und auch das Umfeld am Festland ist nicht gerade das, was wir attraktiv finden. 

Brücke Eberswalde

Aber der Imbiss hat geöffnet, die Preise sind sehr zivil und die Wirtsfrau ist freundlich. Für die Mahlzeit reicht es. Auch wenn man sich inmitten von stier­na­ckigen, durch­tä­to­wierten Leutchen in Camou­flage-Kleidung nur so mittelwohl fühlt. 

Kanal ohne Leute

Ein paar Kilometer weiter, unweit vom Schiffs­he­bewerk Nieder­finow, finden wir dann einen deutlich ruhigeren Platz am Kanal. Zwar führt auch hier die L291 auf der anderen Kanal­seite entlang und bringt etwas Autolärm mit sich, dafür haben wir aber einen Platz direkt am Kanal für uns allein. Fast schon wieder ein bisschen unheimlich. Aber eben auch unheimlich schön.

Brücke Oder-Havel-Kanal
Kanal bei Nacht
Kanal bei Nacht

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