UM-Wege
9. September 2020

Wir haben unsere übliche Reise­ge­schwin­digkeit erreicht. Wer schon länger mitliest, weiß, dass das langsam bedeutet. Im heutigen Falle vielleicht sogar schne­cken­langsam.

Mein Rücken zwingt uns dazu, heute mal einen Gang runter zu schalten. Denn er hat sich von der Kajaktour noch nicht völlig erholt und signa­li­siert mit den Schmerzen, dass er es heute mal ruhig angehen möchte.

Wir brechen erst gegen Mittag auf und kaufen im Bio-Hofladen der Stolzen Kuh ein. Auch hier gibt es eine Kasse des Vertrauens, in die wir gut einzahlen, um uns leckere Produkte mitzu­nehmen. Schön, dass das hier auch funktioniert.

Anger­münde

Unser Weg führt uns in die Stadt. Denn unser Bargeld­be­stand ist gefährlich in Richtung Null gewandert und wir möchten doch für weitere Hofläden gewappnet sein!

Anger­münde wartet mit einer Beson­derheit auf. Es gibt hier doch tatsächlich einen zentralen Wohnmo­bil­stell­platz, der nichts kostet. Zwar ohne Entsorgung, aber ansonsten kann man da nicht meckern. Klein, aber fein. 

Angermünde

Überhaupt ist Anger­münde anscheinend eine überra­schend moderne Stadt mit einem rührigen Tourismus-Management. Überall finden sich Wegweiser, um sich in der Altstadt zu orien­tieren, es wirkt alles sehr adrett und mit gut gemachten Flyern werden die Höhepunkte der Region vorge­stellt. Und wir stellen fest, dass uns das sehr anspricht. Spätestens beim Thema Genuss­wandern haben sie uns. Wobei: Mit dem kältesten Ort in Brandenburg zu werben muss man wirklich wollen…

Angermünde

Kultur­zentrum Klosterkirche

Anger­münde hat, genau wie unsere Heimat­stadt Lennep, auch eine Kloster­kirche, die als Kultur­zentrum genutzt wird. Aber der Unter­schied ist beträchtlich. Während unsere heimische Kloster­kirche eher dem Motto „klein, aber fein“ frönt ist die Kloster­kirche in Anger­münde mächtig groß und wirkt mit den hohen roten Backstein­mauern zunächst mal gar nicht so einladend. Vor dem Gebäude findet die Glaziale Brandenburg statt. Was kein Treffen vom Haarausfall bedrohter älterer Männer ist, sondern vielmehr ein Bildhau­er­treffen, in dessen Rahmen mehrere Bildhauer vor dem Kloster an ihren Werken arbeiten.

Klosterkirche

Im Kloster selber gibt es nicht nur den großen Veran­stal­tungsraum, sondern auch noch die sehens­werten Decken­ma­le­reien in der Sakristei und sogar ein Museum mit einer Ausstellung hiesiger Künstler.

Klosterkirche
Klosterkirche
Klosterkirche

Blumberger Mühle

Es gibt hier anscheinend mehrere versteckte Juwelen, die es zu entdecken gilt. Vom Weltna­turerbe des Buchen­walds von Grumsin haben wir noch nie etwas gehört. Hört sich vielver­spre­chend an!

Wir beschließen, dass wir uns in der Gegend wohl ein paar Tage aufhalten werden. Das werden jetzt, angelehnt an das Ucker­marker Autokenn­zeichen UM unsere UM-Wege.

Und der Erste führt uns zur Blumberger Mühle, dem NABU-Natur­er­leb­nis­zentrum an den Fisch­teichen. Wir freuen uns schon mal, dass es hier kostenlose, aber schön schattig gelegene Womo-Stell­plätze gibt. Zwar ohne alles, aber dafür sehr schön im Grünen. Und wenn nicht gerade ein Zug vorbei­fährt, auch himmlisch still.

Blumberger Mühle

Auf dem Gelände der Mühle ist es dann recht einsam. Außer uns läuft vielleicht noch eine Handvoll Leute hier herum – was eigentlich sehr schade ist, da das Gelände wirklich schön angelegt ist. 

Blumberger Mühle
Blumberger Mühle
Blumberger Mühle
Entdeckt ihr das Eichhörnchen?

Gut, vom Blick auf die Fisch­teiche hatte ich mir etwas mehr versprochen, aber vielleicht ist das zu einer anderen Zeit attrak­tiver. Dafür wissen wir jetzt, dass es Wollschweine gibt, Schafe nicht immer Schafe sind und dass Annettes Adler­augen kein Frosch im Schilf entgehen kann. Ich wäre an ihnen einfach vorbeigelaufen…

Blumberger Mühle
Blumberger Mühle
Schaf
Einfach nur ein Schaf? Nein: Ein Skudde!
Blumberger Mühle
Frosch
Frosch

Wir beschließen, dass das hier ein guter Ort zum Übernachten ist und bleiben einfach hier. Nur das geplante Grillen müssen wir noch verschieben. Abends kommen doch tatsächlich noch mal ein paar Regen­tropfen vom Himmel!

2 Kommentare

  1. Oh, ihr wart an meiner Mühle 😉- gute Reise noch !

    Antworten
    • Wir haben natürlich auch sofort an dich gedacht! 🙂

      Antworten

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