Durch die Polder
6. September 2020

Heute ist Frühauf­ste­her­tag für unsere gebuchte Kanutour. Nicht nur für uns, sondern auch für die Berli­ner Verwandt­schaft, die schon um halb sechs raus muss. Respekt!

Durch die Polder

Um 8 Uhr geht die Tour durch die Schwed­ter Polder los. Da vor den flachen Gewäs­sern und versteck­ten Stöcken im Wasser gewarnt wird, lassen wir die Scubis mit ihren Luftkam­mern lieber in der Heckga­rage und setzen uns in ein Doppel­ka­jak mit festem Rumpf. Wie sich später heraus­stellt, ist das zwar schlau, aber auch ein leich­tes Handi­cap…

Origi­nal Ucker­mark

Unser Tourguide hat origi­nal Ucker­mar­ker Tempe­ra­ment. Da ist alles seeehr bedacht und langsam. Jedes Wort wird abgewo­gen und nur das nötigste wird auch gesagt. Aber bei mir macht es irgend­wie auch Klick und ich verstehe Angela Merkel auf einmal viel besser. Gemes­sen an diesem doch recht gebrems­ten Tempe­ra­ment ist sie ein regel­rech­tes Kommu­ni­ka­ti­ons­wun­der. Für diesen Menschen­schlag ist die Wendung “mit stoischer Ruhe” erfun­den worden.

Was unser Tourguide aber auch mitbringt ist der trockene Humor der Kanzle­rin. Und wer schon mal einen Auftritt des Satiri­kers Nico Semsrott gesehen hat, wird unwei­ger­lich an ihn erinnert. Der selbst­er­nannte Demoti­va­ti­ons­trai­ner fügt in seine Sätze auch gerne ein „Genau.“ ein, als müsste er sich selbst verge­wis­sern, dass das, was er eben gesagt hat, auch richtig ist. Oder ein „So.“, das klingt, als müsste er sich selber ermah­nen, mal weiter­zu­re­den.

Unflot­ter Zweier

Unser Zweier-Kajak bringt ungeahnte Probleme mit sich. Und das recht heftige Gewicht von weit jenseits der 30 Kilo ist noch das Geringste. Das stört nämlich nur bei den 3 Umtra­gun­gen, wo wir den Kajak über den Deich hieven müssen.

Wesent­lich hefti­ger erwischen uns die irgend­wie gefühlt viel zu kurzen Paddel und die Koordi­na­tion, die man zu zweit hinle­gen muss. Wir torkeln auf dem ersten Teilstück wie Besof­fene nach dem 10. Schnaps über die Fried­richstha­ler Wasser­straße. Und das Peinli­che ist, dass sich das bis zum Ende nicht wesent­lich ändert. Wir sehen aber das Positive: Was ein Glück, dass wir uns leichte Einer-Kajaks gekauft haben!

Durch die Polder
Durch die Polder

Gemei­ner Wasser­farn

Nach der ersten Umtra­gung kommt der wirklich spannende Teil der Tour. Wir biegen ab in die Schwed­ter Polder und kämpfen uns auf schma­len Wasser­stra­ßen vorwärts. Solange man links und rechts noch Platz zum Einste­chen der Paddel hat, ist das ein wunder­ba­res Natur­er­leb­nis. Wenn man durch eine komplett von Wasser­farn bedeckte Wasser­ober­flä­che fahren muss, wird es abenteu­er­lich. Das ist dann nämlich so, als würde man sich durch dicke Melasse hindurch­ar­bei­ten. So ähnlich muss sich Treib­sand anfüh­len…

Durch die Polder
Durch die Polder

Eng und schmud­de­lig

An manchen Stellen wird es dann haarig. Wir fahren durch schmale Passa­gen, die links und rechts von Schilf einge­fasst sind. Und das Schilf hier besteht wirklich aus harten Schilf­roh­ren, die gegen die Paddel klackern und ein geziel­tes Fahren nicht leich­ter machen. Aber solange man nicht von einem Schilf­rohr geschla­gen wird, ist alles machbar.

Durch die Polder

Entner­ven­der sind da schon die Wasser­pflan­zen, die wir uns regel­mä­ßig ins Boot schleu­dern. Der Kajak sieht schon nach kurzer Zeit aus als hätten wir einen Tarnkurs bei der Bundes­wehr gebucht.

Durch die Polder

Wunder­welt

Was hinge­gen ganz großar­tig ist, ist die komplett neue Sicht­weise auf die Landschaft. Da wir oft nur Schilf rechts und links von uns sehen, ist die Überra­schung groß, als uns auf einmal eine Kuh über den Rand anschaut. Da sind ja große Wiesen und nicht unend­li­che Weiten mit Schilf!

Durch die Polder

Und ganz skurril wird es, als wir vor uns mehrere Tiere das Wasser durch­schwim­men sehen. Für Otter irgend­wie zu groß — also müssen es doch Biber sein? Unser Führer aber weiß Bescheid: Nein, die hatten Ohren. Es waren also Wildschweine, die da zügig vor uns das Weite gesucht haben. Wie schnell die schwim­men können!

Durch die Polder

Halbzeit

Nach einiger Zeit gibt es doch tatsäch­lich einen kleiner Anleger, wo wir die Boote vertäuen und Pause machen können. Elli ist sicht­lich erleich­tert, dass sie mal wieder festen Boden unter den Füßen hat und nimmt gerne die Gelegen­heit wahr, ein ums andere Mal hinter Stöck­chen herzu­lau­fen. Und wir haben Zeit, mal die Glieder zu strecken und uns zu stärken. Denn es ist gerade mal Halbzeit.

Durch die Polder

Schmer­zen

Der zweite Teil der Tour führt uns noch einmal durch eine tolle Auenland­schaft hinüber zur Alten Oder. Aber mein Rücken und meine Arme melden sich das erste Mal und finden es gar nicht mal so gut, dass die längere Tour 11km dauert. Auf dem Papier sah das absolut harmlos aus. In der Reali­tät kann ich mich, als wir nach 6 Stunden am Wasser­sport­zen­trum ankom­men, nur noch einge­schränkt bewegen. Aua!

Durch die Polder
Durch die Polder

Den Nachmit­tag verbrin­gen wir dann mit unserem Besuch vor dem MoMo und ruhen uns aus. Aber je später der Abend wird, um so mehr tut alles vom Nacken bis zur Körper­mitte weh. Komischer­weise nur bei mir und so gar nicht bei Annette. Gut, dass sie vor mir geses­sen hat — sonst hätte ich glatt die Idee haben können, dass sie die Hände in den Schoß gelegt hat und sich ledig­lich von mir hat kutschie­ren lassen!

Double Rainbow

Am Abend werden wir dann noch von einem plötz­li­chen Regen­guss überrascht — der stand doch gar nicht im Wetter­be­richt! Aber wenn er dann so einen farbin­ten­si­ven Regen­bo­gen an den Himmel zaubert, soll mir das recht sein!

Abendstimmung am Kanal
Abendstimmung am Kanal

Und fast noch besser ist der kitschig rote Abend­him­mel, den wir beim Sonnen­un­ter­gang geboten bekom­men. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt kaum noch bewegen kann und möchte, flitzt Annette nach draußen, um das mit dem Handy zu fotogra­fie­ren. Sag noch mal einer, mit einem Handy könne man keine tollen Fotos machen!

Abendstimmung am Kanal
Abendstimmung am Kanal
Abendstimmung am Kanal
Abendstimmung am Kanal

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