Weiße Stadt
4. August 2020

Huch! Wir hatten ganz vergessen, dass es in Norwegen auch im Sommer nachts schon mal kalt wird. Anscheinend sind wir hier in einem Kälteloch: 7° zeigt das Thermo­meter morgens. Das Gute daran: Es war eine klare Nacht und morgens scheint die Sonne.

Auf unserer Weiter­fahrt treffen wir noch mal auf den Tovdal­selva. Treue Leser werden sich erinnern: Das ist der Fluss, der aus dem Rjukan­fossen im Tovdal gespeist wird. Wir genießen ein letztes Mal auf dieser Reise einen wilden Fluss und enge Sträßchen. Denn ab Birkeland wird die Landschaft zusehends lieblicher und die Straßen breiter.

Bevor wir ans Meer fahren, wollen wir noch mal entsorgen. Sicher ist sicher. In Birkeland gibt es eine skurrile Station, die den anscheinend doch recht dummen Durch­schnitts-Womofahrer ans Händchen nimmt, damit er alles richtig macht. Deutlicher kann man das nicht signa­li­sieren, oder?

Tømme
Tømme

Das ist aber voll hier!

Heute machen wir Ernst und fahren wirklich nach Lillesand ans Meer. Von dem, was wir gelesen haben, könnte das am ehesten unserer Art von Hafen­stadt entsprechen. Wir sind gespannt. Denn wir haben auch gelesen, dass man besser früher als später am Womo-Stell­platz am Hafen sein sollte, wenn man dort noch einen Platz kriegen will.

Die Anfahrt zum Stell­platz führt einen mitten durch die schmalen Sträßchen des Ortes. Gut, dass an jeder Kreuzung Wegweiser stehen, sonst würde ich davon ausgehen, dass das Navi mal wieder spinnt und mich durch eine Fuzo lotsen will.

Am Stell­platz sind wir aus zwei Gründen bass erstaunt: Vor uns kommen 2 Wohnmobile an, die sich aber dann auf einem als reinem Wohnmobil-Parkplatz (ohne Übernachtung) gekenn­zeich­neten Randstück platzieren. „Glück gehabt!“ denkt der Micha und fährt forsch zu den bereits dort stehenden Fahrzeugen, um einen Super­platz für das MoMo zu finden. Aber denkste, alles ist um kurz nach 12(!) voll besetzt. Und wie sich rausstellt sind die anderen Fahrzeuge am Rand quasi in Warte­schleife falls doch noch jemand wegfährt. D’oh!

Der zweite Grund für unser Erstaunen ist, dass es hier so was wie einen Platzwart gibt, der auch noch fließend deutsch spricht und uns schel­misch fragt, ob wir vielleicht einen Platz suchen würden? Er macht uns keine Hoffnung darauf, dass das klappt, aber auf unsere Frage, ob wir vielleicht hier irgendwo auch noch parken könnten, um uns die Stadt wenigstens anzusehen, dreht er freundlich ab und sagt nur „Folgt mir!“, um uns an einen kleinen Rasen­fleck am Rand zu lotsen, wo das MoMo perfekt geparkt ist.

Lillesand

Lecker Essen

Und da wir ja immer extremst flexibel sind, streichen wir mal schnell die Übernachtung und das geplante Abend­essen am Hafen und erkunden die Stadt bei Tage. Und das stellt sich als sehr gute Entscheidung heraus.

Lillesand

Wenn es ein perfektes Wetter für eine Hafen­stadt­be­sich­tigung gibt, dann muss es wohl dieses sein. Strahlend sonnig, nur ein paar Wölkchen am Himmel, eine sanfte Brise und angenehmste Tempe­ra­turen.

Lillesand

Unser Plan war es eigentlich, abends im Hos Oss Essen zu gehen, weil wir doch etwas weniger frischen Fisch gegessen haben als wir vor dem Urlaub gedacht hätten.

Aber es spricht nichts dagegen, das auf ein Mittag­essen vorzu­ziehen, oder? Noch dazu bei perfekten Bedin­gungen. Also setzen wir uns hin, gucken Leute und Hafen und freuen uns auf Moules Frites (die hier sehr gut sein sollen) und ein Skagen-smørbrød.

Hos Oss

Beides ist dann auch so gut wie erhofft und wir stellen fest, dass es nach dem Smørrebrød in Gjøv erst das zweite Mal ist, dass wir auf dieser Reise auswärts essen. Aber immerhin haben wir beide Male den richtigen Riecher gehabt. Empfehlung!

Hos Oss

Stadt­bummel

Auch einen Stadt­bummel haben wir ewig nicht gemacht (und auch nicht wirklich vermisst). Das letzte Mal eigentlich in Løkken. Denn in Risør war a) Sonntag und b) Abend. Das gilt nicht. Apropos Risør: Wahrscheinlich bin ich da ein wenig ungerecht, aber wenn ich mir eine weiße Stadt in Norwegen aussuchen müsste, wäre das sicherlich Lillesand. Risør hat wahrscheinlich mehr Reiche und Schöne zu bieten, aber mehr Charme hat meiner Meinung nach Lillesand mit seinem bogen­för­migen Hafen und der netten kleinen Einkaufs­fuß­gän­gerzone. Aber vielleicht ist das auch alles Quatsch und Risør hätte mir bei diesem tollen Wetter genauso gut gefallen.

Lillesand
Lillesand
Lillesand
Lillesand
Lillesand
Lillesand
Lillesand
Lillesand

Planlos

Nachdem wir in Lillesand einmal auf und ab gegangen sind, wird es Zeit für die Weiter­fahrt. Wir könnten uns vorstellen, einen guten Platz in den Schären zu nehmen und dort den Rest des Tages zu verbringen.

Schären

Wir probieren den Platz an der Svennevig Bru aus und sind überrascht, wie voll es hier schon ist. Bei einer Tasse Kaffee und einem Eis disku­tieren wir darüber, ob wir hier bleiben wollen. Die Aussicht auf das Wasser spricht sehr dafür, der eher ungemüt­liche Platz direkt neben der Straße eher dagegen.

Annette an den Schären

Loipen in Dømmesmoen

Wir hatten gelesen, dass es in Dømmesmoen noch einmal gute Möglich­keiten zum Wandern, eine dicke Eiche und viele Blumen im Hagebruks­museum und sogar Ibsens Kräuter­garten (der Dichter wollte wohl mal Apotheker werden) geben soll. Kann man sich ja mal angucken.

Wir parken auf einem großen, leeren Parkplatz hinter dem Kräuter­garten neben einem Fußballfeld. Das könnte auch ein lauschiger Übernach­tungs­platz sein!

Dømmesmoen
Dømmesmoen

Zunächst aber gehen wir mal auf eine komplett wider­sprüch­liche Wanderung. Wider­sprüchlich, weil es mal total nett und schön ist, dann aber wieder eher für unsere mittler­weile verwöhnten Norwegen-Augen unter­wäl­tigend. Eine gute Sache ist, dass es ein Loipen­wan­derweg ist. Wie wir seit Brokke wissen, heißt das, dass wir beden­kenlos auch mal wieder unsere blinde Mia mit auf eine längere Runde nehmen können.

Auch die Natur­stein­mauer gefällt uns – fast so, als wären wir plötzlich in Schottland gelandet!

Dømmesmoen

Was leider nicht so toll ist, sind die massiven Baumro­dungen, die immer ziemliche Lücken in der Landschaft hinter­lassen. An einer Stelle sieht es aus, wie neuerschlos­senes Bauland, das zukünftig bebaut werden soll. Wogegen ja nichts zu sagen ist. Aber auch hier gilt: Wir sind halt etwas verwöhnt…

Dafür ist die Natur da, wo sie intakt ist, nach wie vor einfach schön und wir genießen noch einmal unseren letzten Sonnentag. Denn der Wetter­be­richt sagt für unseren letzten vollen Norwe­gentag leider noch einmal, dass es regnen soll.

Dømmesmoen
Dømmesmoen
Dømmesmoen

Schreck in der Abend­stunde

Wir erklären unseren Parkplatz neben dem Fußballfeld zum Nacht­quartier, da er offen­sichtlich so aussieht, als würde es hier nun wirklich niemanden stören, wenn man eine Nacht dort steht.

Falsch gedacht. Als wir schon in Richtung Feier­abend unterwegs sind, sieht Annette einen Hunde­s­pa­zier­gänger grimmig entschlossen mit gezückter Kamera auf das MoMo zukommen. Ich spreche ihn an, ob das hier verboten sei oder ob er eine Alter­native wüsste, aber bis auf ein böses „You can’t stay here!!“ ist aus ihm nichts rauszu­kriegen.

Gut, dass es in Norwegen im Sommer lange hell ist. Die Sonne ist zwar schon unter­ge­gangen, aber bis zum nächsten Platz, den wir bei Park4night finden, müssten wir es noch beim restlichen Tages­licht schaffen.

Fjære Kirke

Es kommt dann aber sogar noch besser. Auf dem Weg kommen wir an der Fjære Kirke vorbei. Davor gibt es einen großen, asphal­tierten Parkplatz, wo bereits ein anderes Womo steht. Wir stellen uns (in gebüh­rendem Abstand) dazu und hoffen, dass wir nicht noch einmal vertrieben werden.

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