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1. August 2020

Eine merkwürdige Nacht liegt hinter uns. Irgendwo auf dem Camping­platz wurde gefeiert. Sehr lauthals. Auch noch um 3 Uhr nachts. Zu unserem Glück so weit weg, dass wir nicht bei jedem „Hey!“ senkrecht im Bett stehen, aber auch so, dass man nicht wirklich ruhig schläft. Wir wissen schon, warum wir gerne irgendwo im Nirgendwo stehen.

Neset Camping

Entspre­chend verschlafen und spät kommen wir in die Gänge. Dabei steht doch heute eigentlich eine coole Wanderung auf unserem Programm. Hinauf zum Årdals­knapen, einem Berg oberhalb des Camping­platzes. Wir wollen noch einen zweiten Linde­knuten entdecken.

Etwas zu steil

Es startet ideal. Die Wanderung beginnt direkt am Camping­platz, sodass wir das MoMo nicht mal bewegen müssen. Aber dann geht es sofort steil bergauf. Also: steil. Und das ganze verbunden mit dem norwe­gischsten aller Wege: Stock, Stein, steil, schmal. Puh!

Wir kommen schon auf den ersten 500 Metern ganz schön aus der Puste.

Wanderung Årdalsknapen

Nachdem wir uns noch mal 500 Meter weiter nach oben gearbeitet haben, kommen wir an eine Stelle, die kribbelig ist. Feuchte, glitschige Felsen oder matschiger Waldboden und steile Schritt­folgen. Kann man machen. Muss man aber nicht. Denn bis hierher hat uns der Weg nicht wirklich begeistert und die Vorstellung, dieses steile Stück zum Schluss nach einer ordent­lichen Wanderung mit Pudding­beinen noch zu machen, reizt uns jetzt auch nicht wirklich. Wir kehren um.

Wanderung Årdalsknapen

Schöne Aussicht

Für den Rückweg wählen wir eine etwas weniger steile Variante, die 300 Meter südlich des Camping­platzes auf den See trifft. Und schwupp­diwupp sieht es wieder anders aus. Der Weg ist bei Weitem nicht so unwegsam und wir können sogar ein kleines Picknick machen und den Blick auf Camping und See genießen. Reicht uns.

Neset Camping

Als wir am See ankommen, studieren wir das Wander­schild und können nur bestä­tigen: sehr anspruchsvoll.

Wanderung Årdalsknapen
Wanderung Årdalsknapen

Abfahrt

Von dem knappen Stündchen sind wir trotzdem gut durch­ge­schwitzt. Nachdem wir uns noch mal geduscht haben, brechen wir unsere Zelte am Byglandsfjord ab.

Neset Camping

In Evje frönen wir noch mal unserer Sport-Outlet-Sucht und frischen unsere Vorräte auf. Für uns schließt sich hier ein Kreis, denn vor einer guten Woche sind wir hier auf dem Weg ins Kvindesdal schon mal vorbei­ge­kommen. Ein sicheres Zeichen, dass sich die Reise dem Ende nähert.

Drifter

Wir sind auf der Suche nach einem Platz für die kommende Nacht, der ungefähr auf halber Strecke Richtung Lillesand liegt. Denn in Lillesand und den anderen Orten am Meer in Richtung Langesund soll es noch ein paar Tage Sommer geben. Richtung Westen: eher nicht so.

Heute wollen wir noch nicht ganz so weit kommen. Wir fahren die sehr entspannte FV 9 entlang mehrerer Seen Richtung Süden. Auf Höhe von Skarpengland biegen wir ab und finden immer häufiger die merkwür­digen kreis­runden oder wellen­för­migen schwarzen Spuren auf der Fahrbahn.

Drifting

Das Driften, bei dem dieser schwarze Reifen­abrieb entsteht, gehört in Skandi­navien irgendwie zur Folklore dazu. Immer wieder sieht man die Spuren auf der Straße. Aber so extrem und gehäuft wie gerade hier haben wir es noch nie gesehen. Da gibt es regel­rechte Pirou­et­ten­kreisel oder sehr gleich­mäßige Schlan­gen­linien. Es hat fast schon etwas Kunst­volles. Wer sich für so was inter­es­siert: Besser (und häufiger) als hier in Skarpengland wird es wohl nicht mehr.

Drifting

Seecamping

Hinter Skarpengland wird die Straße zu einsam, dass sich das Driften hier wohl nicht mehr lohnt. Wir werden aber mit einer wieder etwas anders ausse­henden Landschaft belohnt. Alles wirkt hier etwas beschau­licher und nur noch gezähmt wild. Aber es ist immer noch unver­kennbar Norwegen.

Bjønndalen

Wir landen schließlich auf dem Bjønn­dalen Camping­platz. Der Kontrast zum Platz in Neset könnte gar nicht größer sein. Statt des großen Byglandsfjord gucken wir auf den sehr übersicht­lichen, aber trotzdem schönen See Løynings­vannet. Statt Asphalt haben wir Gras unter den Rädern. Statt Trubel, Party und Kinder­ge­jauchze gibt es gerade mal 20 Plätze. Und die Wahrschein­lichkeit, dass wir hier eine Mutter wie am Sandkasten in Neset sagen hören „Claude-Jean-Pierre, das machen wir nicht, mit der Schippe auf den Kopf hauen!“ ist auch eher gering.

Bjønndalen
Bjønndalen

Trotz fehlendem Luxus fühlen wir uns wohl. Anscheinend sind diese kleinen, familiären, beschau­lichen Plätze eher was für uns. Und als ich abends beim zahnre­du­zierten, freund­lichen Platzwart Alf unsere 150 Kronen bezahle, fühlt sich das sehr nach guter alter Zeit an.

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