Durchs Kvines­dal
23. Juli 2020

Unsere Glücks­strähne setzt sich fort. Heute hat der Wind nachge­las­sen und ein Frühstück im Freien ist nicht nur möglich, sondern Pflicht.

Norwegen

Wir kosten unsere Zeit auf dem Camping­platz bis mittags aus und genie­ßen auch heute noch mal die Stille und das entspannte Leben hier. Nach der Ver- und Entsor­gung geht es dann los.

Wasserversorgung

Wohin, wohin?

Wir sind ein bisschen zerris­sen. Einer­seits haben wir mit unserer „unbekannte Orte auskundschaften“-Strategie Blut geleckt. Anderer­seits gibt es ja westlich und nördlich von uns ebenfalls richtig tolle Orte zu sehen. Und drittens versu­chen wir auch den Wetter­be­richt ein bisschen mit einzu­be­zie­hen. Denn das Wetter wird wohl ab der kommen­den Woche deutlich schlech­ter. Und dann will man nicht unbedingt im Fjord­land sein, wo sich der Regen gerne abreg­net.

Wir entschei­den uns für einen Mittel­weg. Wir wollen uns in Richtung Küste bewegen, aber auch noch ein Tal erkun­den, dass sich für uns vielver­spre­chend anhört: das Kvines­dal.

Achter­bahn

Auf dem Weg dorthin fahren wir über die RV42, eine der sekun­dä­ren Verbin­dungs­stra­ßen, wo es sich gut und (für norwe­gi­sche Verhält­nisse) flott fahren lässt. Was man auf der Karte nicht sieht: wie es perma­nent auf und ab geht. Also nicht hubbe­lig mal so, mal so. Sondern: richtig den Berg rauf und dann, gerne auch mal steil, wieder runter. Das Spiel wieder­holt sich mehrmals, bis wir dann ins Kvines­dal abbie­gen.

See

Das haben wir uns ausge­guckt, weil in einem Reise­füh­rer stand, dass es eine abenteu­er­li­che Strecken­füh­rung gibt (sehr gut!) und zum anderen, weil am Ende, im Ort Knaben, ein aufge­ge­be­nes Bergwerk steht, was ganz pitto­resk ausse­hen soll.

Jette­gry­tene mal wieder

Kurz nachdem wir ins Tal einge­fah­ren sind, finden wir an einem wunder­ba­ren See einen schönen Platz für eine Kaffee­pause. Die können wir auch ganz gut brauchen, bevor wir uns ins Tal begeben.

Spiegelung

Dort gibt es mal wieder Gletscher­töpfe, oder wie wir Norwe­ger sagen: Jette­gry­tene. Diesmal sehen die Auswa­schun­gen jedoch ganz anders aus als in Sild. Die Becken sind eher breit als tief und liegen auf der anderen Seite des an uns vorbei­schäu­men­den Flusses. Aber sehr fotogen sind sie trotz­dem. Und Annette und Elli natür­lich auch…

Jettegrytene Netland
Jettegrytene Netland
Jettegrytene Netland
Jettegrytene Netland
Jettegrytene Netland
Annette und Elli
Annette und Elli
Annette und Elli

James Bond lässt grüßen

Im weite­ren Verlauf teilt sich die Straße. Die RV465 führt links der Kvina vorbei, hat aber auch ein Warnschild: 3,70 Meter Höhen­be­gren­zung und 2,40 Meter Breiten­be­gren­zung. Wir folgen mal lieber der Alter­na­tiv­route rechts des Flusses und sehen nach ein paar Kilome­tern auch den Grund: Es gibt eine gar nicht mal so vertrau­en­er­we­ckende schmale Brücke, die diese Beschrän­kung notwen­dig macht. Die müssen wir doch auf dem Rückweg dann mal auspro­bie­ren!

Knaben

Am Weges­rand sieht man immer mal wieder die Kvina, die mal ruhig, mal steinig sprudelnd zu Tale fließt.

Und am Talende sind wir dann platt. Ein richti­ges Ferien­dorf steht hier! Wären die Häuser hier nicht typisch skandi­na­visch, würden wir fast glauben, wir seien in einem Skige­biet in den Alpen. Sessel­lift, Stausee und jede Menge Ferien­häu­ser. Alles da.

Und dann ist da noch das Bergwerk. Es thront oberhalb des Dorfes und unter­halb sieht man eine richtig große Sanddüne. Es ist ein so abgefah­re­ner Anblick, dass es mit ein bisschen Make-up die perfekte Location für den nächs­ten James-Bond-Bösewicht wäre.

Unser Problem ist nur: damit hätten wir hier nicht gerech­net. Es gibt sogar so was wie einen Camping­platz, aber der ist erkenn­bar für Winter­cam­ping gemacht und im Sommer eine so hässli­che Schot­ter­flä­che, dass man da nicht wirklich stehen will. Und in der Nähe der Häuser Freiste­hen ist ein No-go. Wir kehren also dem Ort wieder den Rücken und müssen uns neu orien­tie­ren.

Knaben

Rückweg mit Aussicht

Als Erstes probie­ren wir jetzt mal die Überfahrt über die schmale Brücke aus. Ich warte ein bisschen darauf, dass der Spiegel „plöp“ macht, aber es passt – vielleicht an jeder Seite 2 Zenti­me­ter Platz müssen ja auch reichen…

Brückenschilder
Brücke über die Kvina
knapp

Unter­wegs halten wir immer mal wieder an, um Fotos zu machen oder einen Platz auf Freisteh­mög­lich­keit zu checken.

Spiegelung
See
Kvina

Aber irgend­wie haben wir diesmal kein Glück. Wir beschlie­ßen daher, nach Kvines­dal zu fahren, wo es einen Stell­platz im Zentrum geben soll. Der entpuppt sich dann aber als schnö­der Parkplatz, auf dem die Womo-Plätze alle verge­ben sind. Und so schön ist er nicht, dass wir uns als Alter­na­tive, wie schon einige andere Womos, auf eine reguläre Parkflä­che stellen.

Fjord­blick

Einen Pfeil haben wir noch im Köcher. Wenn wir der FV551 folgen, soll es noch einen Platz mit Aussicht auf den Fedafjord geben. Probie­ren wir aus! Es geht auf einer abenteu­er­li­chen Straße mal wieder gut bergauf. Urig norwe­gisch! Als wir an dem Parkplatz ankom­men steht dort schon ein deutsches Pärchen mit seinem gelb-weißen VW-Bus. Das MoMo passt aber noch in Nicht-Kuschel­ab­stand dahin­ter. Und da die Aussicht wirklich nicht schlecht ist, freuen wir uns über unseren Schlaf­platz für die angekün­digte Regen­nacht.

Ausblick Fedafjord

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dänemark/Norwegen Sommer 2020
Am Ende der Mole

Am Ende der Mole

Wir haben nachts ein Problem zu lösen. Gegen Abend hatte sich zuvor ein merkwürdiges, regelmäßig quietschendes Geräusch eingestellt. Mal etwas lauter, mal etwas leiser. Aufgrund des aufs MoMo-Dach prasselnden Regens konnten wir es aber nicht genau lokalisieren. Kommt...

Paddella­by­rinth

Paddella­by­rinth

Unser kleiner, beschaulicher Campingplatz liegt in der Sonne, doch irgendwas stimmt nicht. Irgendwann kommen wir drauf: Es fehlt hier die morgendliche Betriebsamkeit, die auf einem Campingplatz ab Mitte des Vormittags einsetzt. Hier: Fehlanzeige. Man hört und sieht...

Linde­knu­ten

Linde­knu­ten

Diesmal werden wir nicht vertrieben. Und unser Weg führt uns erst mal nur ein paar Kilometer weiter. Aber es sind Kilometer, die es in sich haben. Wir fahren nämlich auf die Mautstraße Hillestadheia, die sich nicht mal einen Kilometer entfernt in mehreren Serpentinen...

Vertrei­bung aus dem Paradies

Vertrei­bung aus dem Paradies

Hach, was ist das toll hier! Die Nacht war unbeschreiblich ruhig. Aber auch kalt. 10° zeigt das Thermometer an. Jedoch scheint die Sonne und als wir endlich aus den Federn kommen ist sie schon so stark, dass wir in der Sonne frühstücken können. Was ein Luxus!...

Gletscher­töpfe

Gletscher­töpfe

Gleich um die Ecke von unserem Stellplatz in Randvik gibt es die Jettegrytene auf Sild. Nein, das ist kein speziell norwegisches Fischgericht. Sondern vielmehr sogenannte Gletschertöpfe, Überbleibsel aus der letzten Eiszeit, die kreisrunde Kessel ins Gestein gefressen...

Insel mit Gestrüpp

Insel mit Gestrüpp

Heute brechen wir unsere Zelte am Nomevann ab. Denn so schön wie es hier war: wir wissen ja, dass es in Norwegen noch so ein, zwei schönere Ecken geben wird. Und eine davon soll an der Südküste liegen. Denn der Wetterbericht hat für heute und morgen ein Regengebiet...

Paddel­glück mal zwei

Paddel­glück mal zwei

Das ist aber schön hier am Nomevann. Zwar ist es heute nicht mehr so sonnig wie zuvor aber immer noch freundlich. Wir überlegen, wie es weiter gehen soll. Mit unseren ersten Paddelversuchen waren wir hier so happy, dass wir jetzt auch einmal etwas mehr als nur planlos...

Sonni­ges Willkom­men

Sonni­ges Willkom­men

Unser letzter Morgen in Dänemark beginnt früh. Und wegen der üblichen Fähre-nicht-verpassen-Sorge und spätem Blogschreiben auch unausgeschlafen. Sind wir ja gar nicht mehr gewöhnt! Der Campingplatz liegt morgens um 7 Uhr noch in tiefstem Schlummer, obwohl es schon...

Dänemar­gue

Dänemar­gue

Unser letzter Tag in Dänemark! Das Wetter spielt mit und wir sind lange unschlüssig, was wir machen sollen. In der näheren Umgebung haben wir das wichtigste abgeklappert. Jetzt stellt sich die Frage: Meer oder Inland? Was sollte man noch gesehen haben? Da kann man...

Himmels­glei­ter

Himmels­glei­ter

Der heutige Tag wird laut Wetterbericht zum Vergessen. Regen, Regen, Regen. Aber ganz so schlimm kommt es dann doch nicht. Zwar werden wir schon nachts vom heftigen Regen kurz wach. Aber als wir morgens aufwachen, ist es dann schon wieder trocken. Und so wechselt sich...

Düne mit Leucht­turm

Düne mit Leucht­turm

So langsam lässt der stürmische Wind nach. Und ich finde, dass es T-Shirt-Wetter ist. Zumindest in der Sonne. Von Annette ernte ich da nur einen ungläubigen Blick während sie sich in ihre Daunenjacke kuschelt. Dänemark macht mich also zum Wikinger. Ha! Ab aufs Rad...

Windpus­teri

Windpus­teri

Es bleibt weiter windig. Und damit auch frisch. Wir fallen diesmal nicht darauf rein, uns vom strahlenden Sonnenschein täuschen zu lassen und frühstücken dann doch lieber im MoMo. Im Verlauf des Vormittags wird es dann aber doch so schön, dass man sich in...