Gletscher­töpfe
19. Juli 2020

Gleich um die Ecke von unserem Stell­platz in Randvik gibt es die Jette­grytene auf Sild. Nein, das ist kein speziell norwe­gi­sches Fisch­ge­richt. Sondern vielmehr sogenannte Gletscher­töpfe, Überbleibsel aus der letzten Eiszeit, die kreis­runde Kessel ins Gestein gefressen haben.

Und um die Ecke heißt in Norwegen natürlich: fahren. Denn obwohl sie vielleicht 5 Kilometer Luftlinie entfernt sind, fahren wir eine halbe Stunde dorthin. Eine Runde um den Fjord, bitte. Auf der Strecke merken wir wieder, dass wir uns in Südnor­wegen befinden. Für norwe­gische Verhält­nisse und einen Sonntag richtig viel Verkehr, sodass man auf der engen Straße schon gut zirkeln muss, damit das passt. Und am eigent­lichen Wander­park­platz ist alles besetzt – gut, dass wir zuvor eine komplett freie Parkbucht gesehen hatten, zu der wir dann zurück­fahren.

Famili­en­ausflug

Ich hatte eigentlich ein bisschen darauf speku­liert, dass bei diesem bedeckten, leicht regne­ri­schen Wetter nicht sehr viele Leute die kurze Wanderung zu den Jette­grytene machen würden. Ich hätte nicht falscher liegen können. Zum einen war es wohl für den Durch­schnitts­nor­weger stink­nor­males Wetter und zum anderen mit einem Sonntag der ideale Tag für einen Famili­en­ausflug. Und der wird hier mit Kind und Kegel gemacht. Kinder im Alter ab einem guten Jahr aufwärts klettern munter durch die Felsen­land­schaft. Größte Bewun­derung zollen wir einem blinden(!) Mädchen, dass sich mit seinem Stock vortastet und von seiner Mutter über den unweg­samen Pfad durch Wald und Felsen gelotst wird.

Jettegrytene Sild

Coole Aussicht

An den Jette­grytene angekommen, wird mir relativ schnell klar, dass ich meinen Plan mit Langzeit­be­lich­tungen wohl in der Pfeife rauchen kann. Ich starte zwar einen Versuch, gebe aber bald schon auf.

Jettegrytene Sild
Jettegrytene Sild
Jettegrytene Sild
Jettegrytene Sild

Denn es handelt sich hier um einen großen und einen etwas kleineren Gletschertopf, die beide von Leuten umlagert werden. Zunächst nur von einer Familie, aber als wir gehen, ist es regel­recht voll und es ist ein fröhlicher Arsch­bom­ben­wett­bewerb im Gange.

Jettegrytene Sild
Jettegrytene Sild

Die Aussicht auf das ganze Spektakel ist dann am Ende auch das, was den Besuch für uns auszeichnet. Was kann man schon gegen gute Stimmung an einem beson­deren Ort am Meer haben?

Jettegrytene Sild
Schärenblumen

Auf dem Rückweg sammeln wir noch ein paar Himbeeren, stärken uns vor der Weiter­fahrt mit einer Himbeer­dick­milch und plaudern nett mit dem Pärchen, die hinter uns mit ihrem Woelcke Autark Runner XL geparkt hatten. Schickes Fahrzeug!

Spekta­kuläre Entsorgung

Wir bleiben unserem Zickzackkurs treu und verlassen die Küste schon wieder. Für morgen ist gutes Wetter angesagt und ich habe einen einsamen See im Hinterland ausfindig gemacht, an dem es wirklich schön sein könnte. Paddeln und ein entspannter Chilltag hören sich verlo­ckender an als Sight­seeing in norwe­gi­schen Städten. Und zum Meer kommen wir garan­tiert bald zurück!

Die Strecke in Richtung Åmli ist schon ein kleiner norwe­gi­scher Traum. Immer wieder Seen rechts oder links von uns, von steilen Felswänden begrenzt und zwischendrin ein rot-weißes Häuschen. Wir kommen sogar durch eine Ortschaft namens Vassenden und passen­der­weise fängt es hier auch an zu schütten wie aus Kübeln. So ein Name verpflichtet halt!

In Åmli gibt es eine Entsor­gungs­station, wo sich die Meinungen im Internet teilen: Man kann alles erledigen, nix klappt, Frisch­wasser ja, Grauwasser nein. Wir hoffen, dass es so schlimm nicht wird.

Es wird nicht schlimm, aber nun ja, nennen wir es mal ungewöhnlich. So eine Station haben wir nämlich bisher noch nie gesehen. Es gibt zwar die Säule, an der man, wie sonst auch, alles erledigen kann. Aber alles ist immer etwas anders gelöst als sonst wo. Es gibt nämlich einen zentralen Schalter, den man für jeden Vorgang (Toilette, Grauwasser, Frisch­wasser) in eine andere Stellung bringen muss. Und einen Druck­knopf, der dann auch noch betätigt werden will. Aber so weit, so gut. Kann man ja schaffen.

Entsorgung

Was dann aber wirklich eine höchst ungewöhn­liche Konstruktion ist, ist die Grauwas­ser­ent­sorgung. An einem langen Röhren­schlauch ist am Ende eine Art Kupplung montiert. Es ist nur völlig unklar, wie diese denn am Womo befestigt werden soll. Ich habe aber auch hierzu eine Lösung: Wir haben ja für solche Fälle einen Schlauch mit Bajonett­ver­schluss im MoMo, der auch tatsächlich auf den von der Kupplung befreiten Entsor­gungs­schlauch passt. Zumindest relativ gut… Und dann wird das Grauwasser tatsächlich auf Knopf­druck abgepumpt. Hurra! Zumindest so lange, bis auch nach dem fünften Knopf­druck immer noch nicht alles Wasser abgepumpt ist. Angeblich soll die Pumpe 53 Liter pro Pumpvorgang schaffen. Aber 250 Liter fasst unser Grauwasser nun wirklich nicht!

Entsorgung

Entnervt schließe ich den Grauwas­serhahn des MoMos und entferne unseren Schlauch wieder vom Pumpschlauch. Und wenn man jetzt den Grauwas­ser­schlauch einfach in den Toilet­ten­schacht hält? Aber der liegt 5 Zenti­meter höher als unser Schlauch und meine Versuche scheitern kläglich. Immerhin bekomme ich den Bajonett­schlauch ohne größere Sauerei entfernt und kann ihn noch mit klarem Wasser ausspülen. Aber als ich dann den Pumpschlauch elegant mit dem Fuß wegschieben möchte, schwappt die darin verbliebene Brühe über meine Schuhe. Erwähnte ich, dass ich Crocs anhatte…? Bei der Inspektion des Grauwas­ser­tanks ergibt sich später, dass die Pumpe wohl doch funktio­niert hat, nur einfach seeeehr langsam gearbeitet hat. Immerhin ist der Tank leer und wir können beruhigt und voll versorgt weiter fahren.

Entsorgung

Herrliches Gjövdal

Kurz hinter Åmli biegen wir ins Gjövdal ab. Die Strecke gefällt uns ausge­sprochen gut. Wir haben hier das erste Mal das Gefühl, dass wir wirklich im einsamen Norwegen unterwegs sind. Und das, obwohl wir gerade mal 70 Kilometer von der Küste entfernt sind!

Am Onevatn biegen wir links in einen Feldweg ein und sind gespannt wie ein Flitze­bogen, was uns am Ende erwartet. Wir glauben bis zum Schluss nicht, dass es wirklich der angekündigt einsame Platz am See sein würde. Aber es stimmt! Hinter einer letzten Kurve befindet sich auf einmal eine größere Fläche, auf der wir einsamst und doch unmit­telbar am See stehen können. Großartig!

Onevatn
Hosenständer
Auch die Hose muss nach der Entsorgung getrocknet werden…
Onevatn

Die einzigen Menschen, die wir für den Rest des Tages sehen, sind ein Vater, der mit seinem Sohn auf einem roten Boot zum Angeln über den See schippert und Angler, die abends einmal kurz vorbei­kommen. Ansonsten ist es hier so friedlich wie nur irgendwas.

Der Wetter­be­richt stimmt mal wieder auf die Minute: Es wird immer freund­licher und bei unserem abend­lichen Grillen ist der Himmel über uns auf einmal blau.

Onevatn
Onevatn
Mezzocorona
Irgendwie ja passend: Wein aus Mezzo­corona. Hatte ich beim Kauf gar nicht gesehen.
Onevatn

Das ändert sich dann erst wieder gegen Abend als die Nebel­schwaden schon über den See ziehen. Da sorgen ein paar harmlose Wolken in Richtung Sonnen­un­tergang für tolle Farben am Himmel und auf dem See. Wir sind angekommen.

Onevatn
Onevatn

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