Eierku­chen mal anders
27. Mai 2020

Nach der zweiten Nacht brechen wir unsere Zelte in Ründe­roth ab. Es geht weiter. Unser nächstes Ziel hat den freund­li­chen Namen Lieber­hausen. Ein paar Kilometer östlich und oberhalb der Agger­tal­sperre gelegen.

Wanderfertig

Wir parken an der Fried­hofs­ka­pelle und machen uns start­klar. Mia nehmen wir auf Touren, die länger als 2 Stunden sind, aus Alters­gründen lieber nicht mehr mit. Sie ist zwar noch erstaun­lich rüstig und speziell heute auch durchaus inter­es­siert, mitzu­kommen, aber das dürfte dann einfach zu anstren­gend für sie werden. Wir sind wirklich froh, dass sie so fried­lich das macht, was sie momentan ohnehin am liebsten tut: sich irgendwo hinfläzen und schlafen. Und da sie ja blind ist, müssen wir nicht mal ein schlechtes Gewissen haben, dass wir alle Verdun­ke­lungen zu machen und nur die Dachfenster aufma­chen. So bleiben die Tempe­ra­turen im MoMo für sie auch in den kommenden Stunden angenehm.

Bunte Kerke

Schon nach wenigen Metern haben wir eine erste Attrak­tion erreicht. Die bunte Kerke in Lieber­hausen ist eine mittel­al­ter­liche Kirche, die für ihre bunten Fresken berühmt ist. 

Bonte Kerke

Und die sind in der Tat sehens­wert. Sehr mittel­al­ter­lich, aber toll restau­riert. Definitiv einen Besuch wert, auch wenn die Corona-Warnung gerade von Tourismus abrät.

Bonte Kerke innen
Wandmalerei Bonte Kerke

Typisch Bergisch

Lieber­hausen befindet sich am östli­chen Rande des bergi­schen Landes. Kurz vor Sauer­land. Und auf der weiteren Wande­rung sehen wir hier noch mal die typisch bergi­sche Landschaft. Ständig geht es auf und ab, über Felder und durch Wälder. 

Heuernte

Apropos Wald: Auch heute sehen wir wieder hautnah, was der Borken­käfer angerichtet hat. Auf der einen Weges­seite ein gerodeter Fichten­wald, auf der anderen Seite ein toter Wald, der noch gerodet werden wird. Ein trauriger Anblick! Wir sind froh, dass wir auf dem weiteren Weg durch einen Misch­wald laufen, der auch wieder grün ist.

Tote Fichten

Rengser Mühle

Wir sind schon neugierig auf unseren Zwischen­stopp in der Rengser Mühle.

Rengser Mühle

Nicht nur, weil sie landschaft­lich schön in einer Senke liegt, sondern weil es hier eine kulina­ri­sche Beson­der­heit gibt: den Eierku­chen. Nur ist hier Eierku­chen nicht nur eine andere Bezeich­nung für Pfann­ku­chen. Sondern quasi eine hausei­gene Kreation. 

Eierkuchen mit Speck

Es handelt sich um einen Doppel­de­cker-Pfann­ku­chen, gefüllt mit Eischnee. Und wahlweise in süß (mit Zucker) oder in herzhaft (mit Speck). Der Kellner rät uns dringend dazu, uns einen Eierku­chen zu teilen. Ein guter Rat! Denn so einen Oschi alleine schafft man nicht unbedingt. Die Bilder lassen das ganze eher kleiner aussehen, als es in Wirklich­keit ist. 

Eierkuchen mit Zucker

Das sieht dann etwas skurril aus, als es aufge­tischt wird: Eine Hälfte mit krossem Speck, die andere Hälfte mit einer Tonne Zucker bestreut. Wir sind am Ende froh, dass wir dem Rat gefolgt sind, dazu Preis­sel­beeren zu bestellen. Denn die passen tatsäch­lich erstaun­lich gut zu beiden Teilen und machen den Eierku­chen ein bisschen inter­es­santer. Denn, so ehrlich muss man sein: Der sieht bedeu­tender aus, als er dann schmeckt. Er ist zwar einwand­frei zubereitet, aber ein fluffiger Pfann­ku­chenteig und nach nichts schme­ckender Eischnee sind jetzt nicht sooo aufre­gend. Sicher­lich eine kulina­ri­sche Kurio­sität, die man mal essen kann, aber wie Annette schließ­lich treffend urteilt: „Das hat schon seinen Grund, dass man den nur hier zu essen bekommt…“

Rund um die Aggertalsperre

Unser Weg führt uns dann entspannt weiter zur Agger­tal­sperre. Die hatten wir auf der Hinfahrt schon traum­haft grün strahlen sehen. Sah ein bisschen aus, als könnte das auch in Kanada sein!

Aggertalsperre
Wanderweg Aggertalsperre
Leider versteckt sich die Talsperre weitest­ge­hend hinter dem dicht­be­wach­senem Ufer 

Die Realität ist dann nicht ganz so grandios wie ein kanadi­scher Natio­nal­park. Denn auch hier kann man die kaputten Waldschneisen mehr als deutlich sehen und der riesige Forst­bagger mit seinem Stamm­korb sieht auf dieser Fläche fast verloren aus.

Holzernte

Wir versu­chen, noch das Beste draus zu machen. Bei einem Baumstumpf sehen wir an der Schnitt­fläche, dass da jemand einen Stein drauf geworfen hat. Gar nicht so leicht! Wir geben nach mehreren Fehlver­su­chen auf. Denn selbst wenn man die Fläche trifft, springt der Stein einfach wieder hoch und verschwindet im Dickicht. Das muss echt ein Kunst­schuss gewesen sein!

Zielwerfen

Steiler Abschluss

Bis hierhin war es eher ein ausge­dehnter Spazier­gang als eine Wande­rung. Das dicke Ende kommt dann am Schluss. Denn wir müssen von der Höhe der Agger­tal­sperre wieder nach Lieber­hausen hinauf zum MoMo. Und das sind dann noch ein paar Höhen­meter in der Sonne, die uns verschwitzt am Wohnmobil ankommen lassen. Da tut dann der Kaffee im MoMo vor der Heimfahrt doppelt gut!

Kapelle Lieberhausen

Ein unerfreu­li­ches Erlebnis haben wir dann nur noch auf der Rückfahrt. In Wipper­fürth gibt es eine V+E am Stell­platz Ohler Wiesen. Wir freuen uns, dass wir kurz vor Zuhause noch mal Toilette und Grauwasser quitt kriegen. Aber anschei­nend ist hier irgendwo eine versteckte Kamera instal­liert. Denn auf dem fetten Wasser­schlauch für das Nachspülen der Toilet­ten­kas­sette liegt ein Wasser­druck wie auf einem Hochdruck­rei­niger an. Was zur Folge hat, dass man die Kassette unmög­lich spülen kann, ohne die Reste aus dem Inneren nach Außen zu blasen. Buchstäb­lich: Was eine Scheiße! Das sind dann die unange­nehmen Seiten des trendigen Vanlife, von denen keiner gerne redet…

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