Corona-Restau­rants
13. Mai 2020

Heute ist Radfahrtag!

Wir haben festge­stellt, dass Höxter, unser angepeiltes nächstes Ziel, auch mit dem Fahrrad erreichbar wäre. Warum also das MoMo bewegen, wenn wir doch genau so gut auf dem Weser­radweg unterwegs sein könnten?

Aufbruchstimmung

Annette unterhält sich bei der morgend­lichen Hunde­runde mit einer Einhei­mi­schen, die empfiehlt, auf der westlichen Weser­seite zu radeln, die deutlich schöner sei. Dem Rat folgen wir doch gerne!

Weser­radweg

Wir überqueren den Fluss über die einzige Auto-/Fahr­rad­brücke für die kommenden 20 Kilometer (die Brücke in Bever­ungen ist gesperrt) und landen auf dem Weser­radweg. Der wird uns jetzt auf den kommenden 22 Kilometern nach Höxter bringen.

Blick von der Brücke

Unterwegs bewundern wir noch die Überreste des Atomkraft­werks Würgassen, das nun noch als Zwischen­lager dient. Wenn ihr uns also zukünftig trefft und für leicht verstrahlt haltet: das AKW ist schuld!

AKW Würgassen

Der Vorteil von einem (belie­bigen Fluss­namen hier eintragen)-Radweg ist, dass sich die Anstrengung in Grenzen hält. Denn Steigungen sucht man weitest­gehend vergeblich. Dumm nur, wenn man (natürlich nur durch Corona, hüstel…) untrai­niert ist und noch dazu einen Hunde­hänger hinter sich herzieht. Dann fühlt sich auch eine 0,5%-Steigung schon bösartig an…

Aber ansonsten gefällt uns der Radweg sehr. Das breite Wesertal wirkt beruhigend und bietet trotzdem genug zu sehen, damit es nicht langweilig wird. Vor allem die rostige Eisen­bahn­brücke der Sollingbahn ist ein dankbares Fotomotiv.

Brücke Sollingbahn
Brücke Sollingbahn Detail

Corona-Restaurant Nummer 1

Wir (und vor allem unsere Hintern) freuen uns, als Höxter schließlich vor uns auftaucht. Man hatte uns schon viel Gutes über die dortigen Fachwerk­häuser erzählt. Um so überraschter waren wir, als wir zunächst frei Schnauze in den Ort hinein fahren und eine eher nicht so gut gealterte 80er-Jahre-Archi­tektur und Wasch­beton rund um die Kilia­ni­kirche sehen. Da sind wir wohl falsch abgebogen…

Strullenkrug

Aber wie es der Zufall will: Wir stehen wenig später vor dem ersten Restaurant, was auch tatsächlich geöffnet hat. Dem Strul­lenkrug. Wir opfern uns gerne für die Wissen­schaft und können jetzt mitreden, wie ein Restau­rant­besuch in Corona-Zeiten aussieht:

  • nur mit Maske eintreten
  • Hände desin­fi­zieren
  • abwarten, bis man zum Tisch geführt wird
  • Kontakt­daten auf einem Formular eintragen
  • die Speise­karte ist ein laminiertes Din-A4-Blatt (damit es leicht desin­fi­ziert werden kann)

Das hört sich alles zunächst mal abtörnend an. Aber wenn das alles erst mal erledigt ist, stellt sich immer mehr das gewohnte Ausgeh­er­lebnis ein. Denn die Masken dürfen am Tisch abgelegt werden — lediglich das Service­per­sonal kommt mit Maske zum Tisch. Und den größeren Abstand zu den Nachbar­ti­schen empfanden wir eher als größere Intim­sphäre denn als störend. Das werden unsere Gastgeber sicherlich anders sehen…

Bratkartoffeln

Wir freuen uns, dass wir überhaupt wieder irgendwo Einkehren können und hoffen, dass alle Betreiber einen langen Atem haben und auch entspre­chende Unter­stützung bekommen. Denn wir fanden es bewun­dernswert, wie gut und freundlich wir trotz der (vor allem für die Gastgeber) unerfreu­lichen, aber notwen­digen Auflagen empfangen wurden.

Verstecktes Fachwerk

Entspre­chend gestärkt machen wir uns auf die Suche nach den versteckten Fachwerk­häusern. Nicht, dass wir nach Hause fahren und uns anhören müssen, dass wir wesent­liches verpasst hätten!

Markt Höxter
Fachwerk Höxter 5
Fachwerk Höxter

Es stellt sich heraus, dass wir ganz nah an der Fuzo sind und sich dort auch wirklich aufwändig restau­rierte Fachwerk­fas­saden finden lassen. Das Problem: Bei vielen von Ihnen befindet sich im unteren Bereich ein eher subop­ti­maler Mieter, der das Bild ein bisschen ruiniert. Ein „Mäc Geiz“ mag wirtschaftlich Sinn machen. Touris­tisch ist er eher ein Abtörner…

Fachwerk Höxter 2

Auch der modern gestaltete Markt­platz wirkt wie gewollt, aber nicht gekonnt. Hat ungefähr das Flair einer Verwal­tungs­vorlage für den Passier­schein A38. Da wurde aber wirklich konse­quent an Grün und Bäumen gespart! Der wird in 30 Jahren ähnlich schlecht gealtert sein wie die Achtziger-Jahre-Häuser, die wir zuvor gesehen haben.

Und so irren wir etwas ratlos durch die Höxtersche (oder Höxte­raner?) Innen­stadt, ohne, dass wir ein Gefühl für diese Stadt kriegen. Denn alles, was an wirklich tollem Fachwerk zu sehen ist, wird irgendwie durch dass Umfeld sofort wieder entzaubert. Und diese Mischung aus großar­tiger Restau­rierung einer­seits und hässlicher restlicher Archi­tektur anderer­seits hinter­lässt bei uns eine Emotion nahe an der Nulllinie.

Fachwerk Höxter 4
Fachwerk Höxter 3

Cafe Heimisch

Aber ein Highlight haben wir dann noch. Ein richtig fettes sogar! Und das haben wir Annettes Trüffel­schw­einnase zu verdanken. Sie hat tatsächlich das Talent, Läden zu entdecken, an denen ich eher achtlos vorüber gegangen wäre. Und in Höxter ist dies das Cafe Heimisch. Wir überlegen nur kurz, ob wir so kurz nach dem Restau­rant­besuch schon wieder einkehren sollen. Aber ein Kaffee vor der Rückfahrt macht doch total Sinn!

Kaffee Heimisch

Einge­richtet ist es in dem, was man am ehesten Vintage-Look nennen könnte. Apfel­grüne 50er-Jahre-Sessel und Massiv­holz­tische mit Metall­so­ckeln. Und in ein paar Ecken noch ein Nieren­tischchen. Und eine schnu­ckelige Kinder­spielecke mit Schau­kel­pferd, welche leider in Corona-Zeiten verrammelt ist.

Corona-Spielecke

Da wir ja nun seit heute Mittag Corona-Gastro­nomie-erfahren sind, erledigen wir alle Schritte wie lässige Profis: Maske auf, Desin­fi­zieren, Kontakt­daten eintragen. Die sehr sympa­thische Chefin Lilli lässt uns die freie Platzwahl — wir sind die einzigen Gäste. Auch sie hat heute den ersten Öffnungstag nach der zweimo­na­tigen Schließung.

Karte Heimisch

Das mit der Speise­karte ist hier anders gelöst. Alles steht an großen Tafeln angeschrieben. Und als Special gibt es Bubble-Waffeln, die wie Eiswaffeln gerollt und wohl ein heißer Trend aus China sind. Hm, China? Da sehen die Bubbles plötzlich wie kleine Corona-Viren aus…

Wir nehmen neben einem Kaffee zwei süße Waffeln und sind damit bestens bedient. Doch noch ein versöhn­liches Ende für unsere Beziehung zu Höxter!

Juli-Waffel Heimisch
Paulpelz Heimisch

Rückweg mit Nerven­kitzel

Es macht Spaß, die Strecke, die man nun schon kennt, zurück­zu­fahren. Man hat auf diese Weise ein paar Fixpunkte, anhand derer man sich die Strecke einteilen kann. Sehr angenehm!

Pause an der Weser 2

Ein solcher Fixpunkt ist zum Beispiel die kleine Perso­nen­fähre in Wehrden. Auf dem Hinweg haben wir uns noch gefragt, wo sich denn das Boot versteckt hat, dass die Leute ans andere Ufer bringen soll. Jetzt sehen wir bei unserer Pause, dass der Fähran­leger ein paar Meter flußauf­wärts liegt und die Fähre durchaus in Betrieb ist. Manchmal muss man einen Ort zweimal besuchen…

Pause an der Weser

Auf der Weiter­fahrt merken wir dann doch die gefahrene Strecke in den Beinen. Blöd nur, wenn man dann um zehn vor sechs auf die Uhr guckt und feststellt, dass es bis zur Fähre direkt an unserem Stell­platz noch deutlich mehr als ein Kilometer ist. Denn der Fährmann macht um 18 Uhr Feier­abend…

Gierfähre Würgassen
Auf der Gierfähre

Aber natürlich kommen wir recht­zeitig an und können dann, noch einmal maskiert, übersetzen. Und es ist wirklich eine coole Fährüber­fahrt, die wir so noch nicht hatten. Denn die Fähre hier ist eine Gierseil­fähre, die einzig die Strömung des Flusses nutzt, also komplett motorfrei betrieben wird. Aber das Beste ist, dass wir quasi mit Betreten des anderen Ufers wieder am MoMo angekommen sind. Feier­abend!

Fährüberfahrt

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