Das Seuchenjahr
22. März 2020

Eigentlich wäre dies hier jetzt der Beginn eines tollen Reise­be­richts.

Wir hatten alles bestens geplant: 2 Monate Schottland und Irland. Mit dem neuen MoMo. Alles nachholen, was wir im letzten Jahr in Schottland nicht sehen konnten und als Tüpfelchen auf dem i anschließend noch ein Besuch unserer Herzens­insel Irland, die wir jetzt auch schon seit 17 Jahren nicht mehr bereist haben. Ein Reiseplan, der unser Herz höher schlagen ließ und mit einer riesigen Vorfreude verbunden war. Ziele wurden ausge­kund­schaftet, Reise­führer durch­forstet, das MoMo für die große Fahrt vorbe­reitet.

Dass das Ganze jetzt wegen der Corona-Krise aber so was von gecancelt ist, ist heute für niemanden mehr eine Überra­schung. Aber die Entwicklung der vergan­genen Monate war dann doch so außer­ge­wöhnlich, dass ich finde, dass man das ruhig mal in einem Blogbeitrag verwursten kann. Was soll man auch sonst mit einem Reise­be­richtsblog machen, der in den kommenden Monaten wohl kaum durch neue Reise­be­richte glänzen kann… Aber der Reihe nach:

Renovie­rungs­ar­beiten

Ich hatte mir für das Winter­halbjahr ein komplettes Redesign des Momoblogs vorge­nommen. Aufge­räumter, besser lesbar, besser struk­tu­riert, besserer Überblick über die Reisen durch den Einbau von Landkarten und Übersichten.

Es hat Spaß gemacht, da etwas wachsen zu sehen und zu knobeln, wie man bestimmte technische Probleme lösen kann. Das Ziel: Vor der großen Schott­land­fahrt im März sollte alles fertig sein und das neue System an den Start gehen. Und mit dem Divi-Builder und WordPress-Hosting bei Raidboxes (Affiliate-Links, durch die wir einen kleinen Bonus bekämen) habe ich dann sogar noch genau das gefunden, was ich gerne hätte. Ich war begeistert und konnte Anfang März tatsächlich das Momoblog 3.0 veröf­fent­lichen (nach der 1.0 in einer Squarespace-Version in 2015 und dem Wechsel zu einer WordPress-Version mit dem Enfold-Theme seit 2017).

Reise­vor­be­reitung am Blog: Erfolg­reich abgeschlossen!

Mia-Sorge

Unsere alte tüddelige Hundedame machte uns pünktlich zum Jahres­beginn 2020 große Sorgen.

Wir verbrachten den Jahres­wechsel das erste Mal in Zoute­lande, auf Zeeland, im Süden der Nieder­lande. Und bei einem der vielen herrlichen Strand­spa­zier­gänge hat sich dann ein fettes Lipom (Fettge­schwür) am rechten Vorderlauf geöffnet und entzündet. Nicht schön. Wir befürch­teten schon das Schlimmste und trösteten uns damit, dass Mia auf jeden Fall ein tolles Hunde­leben mit uns gehabt hat. Gemeinsam mit unseren tollen Tierärztin und regel­mä­ßigem Verbinden kriegten wir das aber in den Griff.

Ende Januar dann der nächste große Schreck. Beim morgend­lichen Aufstehen war Mia noch wacke­liger als sonst schon und konnte beim Gassi­gehen nur noch wie ein betrun­kener Zecher vor sich hin torkeln. Auch jetzt machten wir uns wieder auf das Schlimmste gefasst. Aber auch diesmal konnte unsere Tierärztin ein kleines Wunder vollbringen: Es war ein Schlag­anfall, dessen Auswir­kungen aber mit entspre­chender Medikation weitest­gehend wieder zurück­gingen. Wir hatten es kaum für möglich gehalten…

Und im Februar dann der größte Schock: Mia hatte sich in einem unbeob­ach­teten Moment den Verband um den immer noch lädierten Vorderlauf wegge­schoben und ihre schon weitest­gehend verheilte Wunde wieder aufge­knabbert. Es sah verheerend aus. Und wieder mal konnte unsere Tierärztin ein kleines Wunder vollbringen. Denn jetzt war die OP zum Entfernen des Geschwürs unumgänglich — bisher hatten wir darauf verzichtet, weil eine Vollnarkose in Mias Alter ein nicht unerheb­liches Risiko birgt. Und unsere zähe alte Dame kämpfte sich auch durch diese Geschichte hindurch!

Und dafür, dass wir uns in den letzten Monaten schon dreimal von ihr emotional verab­schiedet hatten, ist sie momentan fast schon fitter als im vergan­genen Jahr! Wir waren uns sicher, dass ihr auch der Trip nach Schottland und Irland mit den tollen Stränden noch viel Spaß gemacht hätte.

Da kommt mir doch die Galle hoch!

Und auch mir hat das Jahr 2020 schon übel mitge­spielt. Mitte Februar kriegte ich das erste Mal heftige Bauch­schmerzen. Magen­schmerzen, um genau zu sein. So stark, dass ich Samstag abends in die Notauf­nahme fuhr. Dort wurde mir eine Magen­schleim­haut­ent­zündung diagnos­ti­ziert. Dass die so heftig weh tun kann! Ging dann aber recht schnell wieder weg und ich hatte es schon abgehakt. Eine Woche später waren wir im Restaurant und ich kriegte wieder genau die gleichen heftigen Magen­schmerzen. Diesmal noch mit heftigem Erbrechen. Fisch­ver­giftung mit Magen­schleim­hau­tenzündung? Nicht schön. Aber auch davon erholte ich mich nach ein paar Tagen.

Wiederum eine Woche später ging es mir dann aber so richtig dreckig. Wieder gleiche Symptome. Nur, dass mich diesmal Annette zum Hausarzt brachte und ich mich kaum aufrecht halten konnte. Und unser freund­licher Hausarzt ließ dann nach einer Ultra­schall­un­ter­su­chung keine Zweifel aufkommen: „Von ihrer Galle dürfen Sie sich heute dann wohl mal verab­schieden.“ Diagnose: Vergrö­ßerte entzündete Galle mit Steinen. Nix Gastritis. Krankenhaus und OP.

Und diese Diagnose im Krankenhaus bestä­tigte sich spätestens dann, als der Oberarzt mir zur Diagnostik beherzt seinen Zeige­finger in die Galle drückte — ich kam mir vor wie Majestix in Asterix und der Arver­ner­schild

Ich staunte nicht schlecht, als ich nach der OP ein Tütchen mit meinen Gallen­steinen vorfand. Ca. 50 Stück und die größten davon so groß wie ein 5ct-Stück. Kein Wunder, dass das weh tat!

Aber auch zu diesem Zeitpunkt, Anfang März, waren wir noch optimis­tisch. Denn von der OP ab waren es noch 14 Tage bis zu unserer geplanten Abfahrt nach Schottland. Und von Corona­krise war im Krankenhaus auch noch nichts zu spüren. Also Glück im Unglück? Gerade noch recht­zeitig unters Messer gekommen?

Der Corona-Hammer

Auch eine Woche vor der geplanten Abfahrt waren wir optimis­tisch. Ich war auf dem guten Weg der Besserung.

Und wären das einsame schot­tische Hochland oder die endlosen Sandstrände der äußeren Hebriden nicht der perfekte Ort, um von dem ganzen Virus-Gedöns nichts abzube­kommen? Hörte sich für uns an wie ein ausge­sprochen kluger Plan. Zwei Monate in das weniger dicht besie­delte Schottland (zur Not halt ohne Irland) und wenn wir wieder nach Hause kommen, müsste doch das Schlimmste schon vorbei sein.

Jetzt, wo ich das schreibe, kommt mir das schon komplett irre vor. Dass man sich das Ausmaß und die Wucht der Pandemie nicht mal ansatz­weise vorstellen konnte. Das komplette Verstummen eines gesell­schaft­lichen Lebens. Das hilflose Stehen vor leeren Regalen mit so selbst­ver­ständ­lichen Sachen wie Nudeln und Klopapier. Schlange stehen am Super­markt mit Einlass­kon­trolle. Dass wir „social distancing“ im MoMo quasi aussitzen wollten.

Aber wie hätte unser Leben ausge­sehen, wenn die Pandemie das schot­tische Hinterland mangels Infra­struktur vielleicht viel härter trifft als eine deutsche Großstadt? Was, wenn wir selber erkranken (und wenn es nur so etwas „harmloses“ wie eine Galle ist…) und es keine hinrei­chende Versorgung mehr gibt? Was, wenn es einfach keine Fähre mehr zurück auf den Kontinent gibt?

Letzten Endes sind wir froh, dass uns mit den immer stärkeren Reise­ein­schrän­kungen und ‑warnungen die Entscheidung fast schon abgenommen wurde. Und 2 Tage nach unserer geplanten Abfahrt wurde dann auch der Fährbe­trieb von Amsterdam nach Newcastle einge­stellt. Wahrlich keine gute Zeit für Wohnmo­bi­listen.

Always look on the bright side…

Sind wir enttäuscht, dass jetzt bereits (nach der schon im vergan­genen Herbst kurzfristig geplatzten Schott­land­reise) zum zweiten Mal eine große Reise ins Wasser fällt? Natürlich. Sehr sogar.

Aber auf eine merkwürdige Weise sind wir trotzdem zufrieden damit, was wir haben. Wir richten es uns nun in den kommenden Wochen hier zuhause gemütlich ein. Und haben uns vorge­nommen, all die Dinge, die man sonst im Haus „demnächst mal machen“ müsste, einfach in Angriff zu nehmen. So aufge­räumt wie in den kommenden Wochen war unser Haus dann wohl noch nie… Und vielleicht entwi­ckele ich mit der Zeit ja sogar eine gewisse Begeis­terung für die ungeliebte Garten­arbeit…

Wir machen das Beste aus dem, was wir jetzt haben und wissen unsere schöne Reiselust dann irgendwann in den kommenden Monaten oder auch erst im kommenden Jahr wahrscheinlich um so mehr zu schätzen.

Bleibt gesund und haltet es mit Marc Aurel:

Man sucht Zurück­ge­zo­genheit auf dem Lande, am Meeresufer, auf dem Gebirge, und auch du hast die Gewohnheit, dich danach lebhaft zu sehnen. Aber das ist bloß Unwis­senheit und Schwachheit, da es dir ja freisteht, zu jeder dir belie­bigen Stunde dich in dich selbst zurück­zu­ziehen. Es gibt für den Menschen keine geräusch­losere und ungestörtere Zufluchts­stätte als seine eigene Seele, zumal wenn er in sich selbst solche Eigen­schaften hat, bei deren Betrachtung er sogleich vollkommene Ruhe genießt, und diese Ruhe ist meiner Meinung nach nichts anderes als ein gutes Gewissen. Halte recht oft solche stille Einkehr und erneuere so dich selbst.

Marc Aurel. Selbst­be­trach­tungen.

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