Schiefe Türme
30. November 2019

Wir sind wahre Glücks­pilze! Das Wetter meint es sehr, sehr gut mit uns — vor allem für den November. Kaum Wolken am Himmel und strahlend kaltblau. Ein toller Start in den Tag!

Schiefer Turm No. 1

Unser erstes Ziel ist der schiefe Turm von Midlum.

Nicht ganz so schick wie sein berühmter Namens­vetter in Pisa, dafür aber deutlich geneigter: Angeblich 6,74° — in Pisa sind es „nur“ ca. 4°! Das ganze wird aller­dings dadurch etwas geschmälert, dass die stählernen Stütz­pfeiler die Neigung etwas entzaubern. Durch die eher quadra­tische Form des Glocken­turms wirkt es auch nicht so spekta­kulär wie in Italien. Und ich stelle fest, dass stürzende Linien beim Fotogra­fieren auch mal anders nerven können: Der Turm sieht nämlich in der Realität deutlich schiefer aus als auf den Fotos. Man sollte also auf jeden Fall selber hinfahren, wenn man das volle Programm erleben will!

Zudem haben wir das Glück, dass das Licht einfach fantas­tisch ist: Eine Regen­wolke zieht an uns vorüber und sprenkelt uns auch ganz leicht, sorgt aber vor allem für großartige Stimmung!

Schiefer Turm No. 2

Wir verlassen das ruhige Rheiderland, unter­queren die Ems bei Leer und steuern in Richtung Emden. Aber anstatt in die Ostfrie­sen­me­tropole Emden zu fahren biegen wir an der Autbahn­aus­fahrt lieber rechts ab. Zum nächsten schiefen Turm. In Suurhusen. Hier ist der Neigungs­winkel „nur“ 5,2°, sieht aber aufgrund des deutlich höheren Turms gleich beein­dru­ckender aus. Und auch hier das gleiche Spiel: Sensa­tio­nelles Licht, aber so wirklich geben die Bilder die wahre Schiefe nicht wieder. Zweite Hinfah­remp­fehlung!

Greetsiel

Nur wenige Kilometer weiter und wir kommen in Greetsiel an. Eines von den vielen …sielen an der ostfrie­si­schen Küste. Und sicherlich nicht das schlech­teste! Wir parken das MoMo am großen und zu dieser Jahreszeit leeren Parkplatz an der Doppel­wind­mühle.

Wir flüchten zunächst mal vor einem Schauer in eines der vielen Touris­ten­ge­schäfte und gucken uns an, was hier so alles an den Mann und die Frau gebracht werden soll. Wir lernen, dass es jede Menge Ostfrie­sen­krimis gibt und Leucht­türme und Seehunde wirklich immer gehen. Und echte Treib­holz­stücke als Skulptur direkt ein kleines Vermögen kosten können. Den üblichen T‑Shirt und Andenkenkram gibt es natürlich ebenso. Aber zumindest meist noch in der eher geschmack­vollen Variante. Und ich gebe zu: Den kleinen nachge­bauten gelb-roten Pilsumer Leuchtturm könnte ich mir schon gut im Vorgarten vorstellen…

Teeze­re­monie

Nachdem der Regen durch­ge­zogen ist, streifen wir durch die Gassen und versuchen, ein Gefühl für das Städtchen zu kriegen. Auf jeden Fall gibt es hier viele Boutiquen und Einkehr­mög­lich­keiten.

Und am Hafen treffen wir sogar schon auf den Nikolaus! Oder ist das der Sinter­klaas aus Holland, der hier Urlaub macht?

Der Hafen von Greetsiel liegt toll im Abend­licht. Da machen sich die Fotos fast von alleine. Wobei: Abend­licht? Ich gucke auf die Uhr und stelle fest, dass es gerade mal drei Uhr ist! Verflixter Winter! Aber für uns ein klares Signal, dass jetzt Teezeit ist.

Von außen lacht uns das is Teetied mit seiner „Ossi-Torte“ an. Also: Ossi wie Ostfriesland…

Und von innen ist alles eine kleine Zeitreise: alte Möbel, uralte Fotos an den Wänden und aus den Lautspre­chern dudelt Richard Clayderman in Dauer­schleife. Ich hab das mal für euch gegoogelt: „Dolannes Melodie“, was genau das Stück ist, was man (neben „Ballade pour Adeline“) im Kopf hat, wenn man mit dem Namen Clayerdman noch was anfangen kann… Und spätestens nach der dritten Runde ist das echt entnervend!

Die Ossitorte hat es dann in sich: die Spezia­lität daran sind in Rum einge­legte Rosinen. Und ich würde sagen: Die haben ordentlich im Rum gelegen! Und dazu natürlich wieder Ostfrie­sentee. Und ich übe fleißig, die Sahne so geschickt und vorsichtig in den Tee gleiten zu lassen, dass man die schönen Feuer­werks­wölkchen sieht, die dadurch entstehen.

Ab an den Deich

Als wir die Teestube verlassen wird es schon dunkel. Wir sehen gerade noch die letzten Fitzel der Sonne und müssen uns jetzt sputen.

Südlich vom Pilsumer Leuchtturm gibt es einen riesigen Parkplatz an dem man frei stehen kann. Den steuern wir an.

Und obwohl die Sonne schon unter­ge­gangen ist und die Industrieanlagen/Windpark vor Eemshaven in den Nieder­landen nicht ganz so pittoresk sind: Die Farben und die Weite des Blickes über das Meer sind schon ganz schön schön! Hier bleiben wir.

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