Runder Abschluss
24. Oktober 2019

Manchmal muss man einfach Glück haben. So wie wir heute. Aber der Reihe nach.

Wir warten morgens darauf, dass endlich der verspro­chene Sonnen­schein Einzug hält. Denn zunächst ist es, ähnlich wie gestern, grau und bedeckt. Aber irgendwas ist anders. Die Sonne kämpft sich heute wirklich durch und am frühen Vormittag hat sie gewonnen. T‑Shirt-Wetter! Da hätten wir jetzt echt nicht mehr mit gerechnet!

Beste Nachricht des Tages

Die beste Nachricht des Tages erhalten wir am Telefon. Unsere Freunde von Vodafone rufen wegen der Daten­we­ge­la­gerei von der Schweizer Grenze zurück. Der geneigte Leser mag sich erinnern: 595€ stehen als Zusatz­kosten auf meiner Mobilfunk-Abrechnung, weil sich das Tablet im Grenz­be­reich ins Schweizer Mobil­funknetz einge­bucht hat.

Und der nette Mensch vom Rekla­ma­ti­onsteam kommt mit der erfreu­lichen Nachricht um die Ecke, dass die Zusatz­kosten komplett ausge­bucht werden. Ich hatte mich ja schon mit einem Lehrgeld von 59,50€ (EU-Deckelung für Roaming­kosten) angefreundet, aber dass das jetzt sogar komplett kostenfrei bleibt, ist ja mehr als erfreulich! Als Begründung führt er an, dass wir ja in der Tat keine Info-SMS erhalten hätten und deswegen auch nichts hätten anders machen können.

Und so sehr wie ich zuvor auf Vodafone geschimpft habe, so sehr ziehe ich jetzt meinen Hut für eine zumindest im Nachgang absolut kunden­freund­liche Handhabung der ganzen Angele­genheit. Wenn ein Anbieter ein Problem so gut löst, sollte man das auch honorieren. Insofern also:

Vodafone? Unter Umständen dann doch vielleicht mal wieder…

Dornrös­chendorf

Wir machen uns auf eine Wanderung in den Dornrös­chenort Dörrenbach. Zunächst durch die Kurstadt Bad Bergzabern, die uns nicht ganz so trutschig wie Bad Dürkheim vorkommt, sondern schon etwas mehr Charakter hat. Aber vielleicht liegt das auch nur an unserer Tagesform und den nicht unangenehm die Stimmung drückenden AfD-Nasen.

Man beachte den passend platzierten Wasser­spender…

Der Weg nach Dörrenbach ist dann noch mal typisch Pfalz: Weinberge und Wald. Nur der Ort selber ist dann merkwürdig: Wir finden zunächst keine Einkehr­mög­lichkeit. Und das in der Pfalz! Auch die netten Einhei­mi­schen, die wir um Rat fragen, haben da keinen guten Rat. Zu essen gibt es hier und heute nix. Ups! Aber immerhin ein Winzer rettet die Ehre des Ortes: Im Weingut Oerther kriegen wir bei den sehr netten Winzers­leuten immerhin etwas zu Trinken. Und Schorle und „Neuer Wein“ gehen ja immer!

Zurück über den Berg

Das mit dem Dornrös­chen­zu­stand soll sich im kommenden Jahr wohl ändern, wenn die Rathaus­stube mit neuem Pächter öffnen soll. Es wäre dem Ort mit seinen netten Fachwerk­häuschen zu gönnen — denn touris­tisch lohnt er sich schon. Und wir stellen verblüfft fest, dass wir vor 2 Jahren sogar schon mal hier durch­ge­fahren sind und den Stell­platz prima fanden. Annette hat da aller­dings das deutlich bessere Gedächtnis als ich…

Auf dem Rückweg gucken wir uns noch die Kolmerberg­ka­pelle an, die aller­dings einge­rüstet ist. War jetzt nicht ganz so lohnenswert.

In Bad Bergzabern gönnen wir uns dann noch ein Eis — wahrscheinlich das letzte das Jahres. Denn auch die Eisdiele liegt in den letzten Zügen: Wie mir der Kellner erzählt, machen sie am Ende des Monats Winter­pause und daher gibt es von den 30 Eissorten nur noch 12… Lecker ist es trotzdem. Und wir bewundern sehr die Zweijährige von drei kleinen Kindern, die alle eine Kugel Erdbeereis spendiert kriegen. Sie verliert mit Eistüte in der Hand das Gleich­ge­wicht, fällt hin und kann wirklich kunstvoll das Eis so hochhalten, dass das Eis in der Waffel bleibt. Muss man auch erst mal schaffen!

Wein ohne Probe

Als wir beim Weingut Hitziger ankommen, sind wir von der Wanderung dann doch geschafft. Aber wir wollen ja noch etwas weiter nach Burrweiler, wo ich in der Burrweiler Mühle sicher­heits­halber einen Tisch für unseren letzten Abend reser­viert habe.

Aber vom jetzigen Weingut möchten wir auch etwas mitnehmen — nur das mit dem Probieren ist etwas schwierig, wenn man dann noch Auto fahren will. Also schnüren wir uns ein Degus­tier­paket zum Zuhause-Probieren. Teilweise nach Beschreibung, teilweise auf Empfehlung hin. Da hat man dann auch noch was von der Reise, wenn man schon lange wieder Zuhause ist. Gefällt uns!

Perfektes Ende

Nachdem wir uns wieder durch abenteu­erlich enge Dörfer gequetscht haben, kommen wir bei „unserem“ Weingut Eberle in Burrweiler an. Aber dort machen wir erst mal ein langes Gesicht: Alle Stell­plätze belegt. Wir müssen weiter­ziehen. Der Juniorchef gibt uns aber denn Tipp, es mal dem Namens­vetter Bernd Eberle zu versuchen. Und wir haben Glück: Bei ihm finden wir einen Platz. Und zwar einen richtig guten! Der Blick über die Weinstöcke in die Rhein­ebene ist von hier aus fast noch schöner und auch Herr Eberle erweist sich als sehr lieber Gastgeber. Auch wenn wir mit seiner Pfälzer Mundart schon zu kämpfen haben — manchmal weiß man da echt nicht, ob das jetzt noch Deutsch oder eine Fremd­sprache ist…

Wir sind auf jeden Fall hochzu­frieden und bereiten uns auf den Abschluss­abend der Reise vor. Und auch hier zeigt sich ein kleiner Vorteil des „neuen“ Stell­platzes: Wir sind näher an der Burrweiler Mühle und haben es also nicht so weit bis zum Abend­essen.

Und eben jenes ist dann für uns noch mal ein echtes Highlight auf dieser genuss­in­ten­siven Reise. Der Herbschd-Deller (für Norddeutsche ohne Konso­nan­ten­schwäche: Herbst­teller) ein echter Volltreffer, der mit seinen Aromen den Herbst wirklich perfekt einfängt und auch Annettes Metzger­teller sah mehr als lecker aus. Und den Gewürz­tra­mi­ner­brand und den Pfälzer Gin, die wir zum Verdauen bestellen, wollen wir morgen beim Weingut Heußler direkt auch noch in unsere Vorrats­kammer aufnehmen: So lecker!

Herbschd Deller

Herbschd Deller

Metzgerteller

Metzger­teller

Nur eine Sache werde ich in Deutschland nicht mehr verstehen. Auf der gesamten Reise habe ich, wo immer es ging, mit der Apple Watch bezahlt. Funktio­niert problemlos, erspart mir den Gang zum Geldau­to­maten und das Herum­ge­krose mit Kleingeld. Und mit dem fröhlichen „Pling!“ macht es fast schon Spaß, sein Geld loszu­werden.

Wie gesagt, überall problemlos. Nur in Deutschland gilt eisern der Wunsch nach Barem oder, gerne schon mit einem gequältem Blick, der EC-Karte. Und auch heute Abend wieder: „Bar oder EC“. Ich sehe das moderne Karten­le­se­gerät mit dem Kontaktlos-Symbol und sage erfreut „Oh, dann geht das ja doch mit der Uhr!“, halte diese an das Symbol und „Pling!“ ist bezahlt. Was der Kellner dann weniger gut fand. Denn er hat die Vorgabe, Kredit­karten abzulehnen (nichts weiter ist halt eine Zahlung mit der Apple Watch) und muss das jetzt der Chefin verkli­ckern.

War mir dann fast ein bisschen peinlich, aber diese schon religiöse Ablehnung von Kredit­karten in Deutschland ist schon echt merkwürdig. Wieso kann ich in Dänemark ein Eis oder ein Brot mit Karte zahlen und in Deutschland bricht das Geschäfts­modell eines Ladens zusammen und man nagt am Hungertuch, wenn man Kredit­kar­ten­ge­bühren tragen muss. Kann mir das mal jemand erklären…?

Aber abgesehen davon: Ein perfekter letzter Reisetag, den wir dann im MoMo ausklingen lassen.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Jura Herbst 2019 | Pfalz
Shopping und Wandern

Shopping und Wandern

Wir verlassen unseren Stellplatz in Hornbach ungewöhnlich früh. Denn wir haben einen ausgefuchsten Plan gefasst. In den Vormittagsstunden wird es noch eher trüb sein. Also wollen wir diese Zeit nutzen, um im Outlet in Zweibrücken noch dies und das und jenes zu...

Hundert Kreis­ver­kehre

Hundert Kreis­ver­kehre

Heute wollen wir Turckheim (oder auf Deutsch: Türkheim) bei Tag erkunden. Erste Überraschung: Der Gusseisen-Topfspezialist Staub, den wir erst kürzlich entdeckt haben, hat hier anscheinend sein Stammwerk. Wer darauf steht, kann hier das komplette Sortiment besichtigen...

Der Regen folgt uns

Der Regen folgt uns

Die Nacht ist dann weitestgehend ruhig. Nur das Glockengeläut vom Kirchturm neben uns ist morgens um 6 Uhr eindringlich. Wir wollen zurück nach Port Lesney, weil wir uns schon auf Croissants und Pain au chocolat aus der Boulangerie gefreut hatten. Einzige Problem: Die...

Seentour, die Zweite

Seentour, die Zweite

Das Schlimmste haben wir wettermäßig hinter uns. Und nicht nur das: Es ist morgens trocken und eher freundlich. So kann man den Tag doch beginnen! Wir beschließen, dass wir die 3-Seen-Runde von gestern noch einmal versuchen wollen. Dafür hat es uns schon bei...

Landunter am See

Landunter am See

Puh, hat das in der Nacht geplästert! Zwischendurch prasselte der Regen so sehr aufs MoMo, dass wir uns fast schon an das Unwetter in Torla erinnert fühlten, bei dem MoMo I ziemlich ramponiert wurde. Aber heute und hier ist es dann am Ende doch nur ein heftiger Regen...

Quellen­fondue

Quellen­fondue

Wir starten auch für unsere Verhältnisse langsam in den Tag. Es ist halt grau und trüb und lockt so gar nicht nach draußen. Aber immerhin ist es weitestgehend trocken. Herrlichster Herbst Als wir dann losfahren sind wir geflasht. Denn obwohl es trüb ist, haben wir...

Aussichten und Lecke­reien

Aussichten und Lecke­reien

Wir sind überrascht, wie schwach besucht unser Belvédère ist. Den ganzen Vormittag über kommt nur ein Auto vorbei. Ansonsten haben wir den Platz für uns. Die Aussicht ist auch heute noch schön. Wir haben aber gesehen, dass es noch einen zweiten Aussichtspunkt gibt:...

Jabbadabba-Doubs

Jabbadabba-Doubs

Eine herrlich ruhigen Nacht am Lac des Brenets. Also, vorher und nachher ist es wieder der Doubs. Aber der verwandelt sich zwischendurch immer wieder gerne mal in einen kleinen See, wie wir heute lernen dürfen. Es ist fantastisch neblig-mystisch. Man kann schon...

Regen und Daten­schreck

Regen und Daten­schreck

Manchmal muss man den Profis einfach glauben. Der Wetterbericht ist geradezu beängstigend korrekt. Zunächst ist es nur grau, aber pünktlich zum Vormittag gesellt sich dann noch Dauerregen dazu. Naja, machen wir uns halt einen gemütlichen Tag im MoMo. Ist doch auch...

Doubs, Doubs, hurra

Doubs, Doubs, hurra

Unseren Château-Stellplatz verlassen wir fast schon eine wenig wehmütig. Es war schön hier. Deshalb haben wir auch noch einen Großteils des Morgens einfach mit dem Genießen des weiterhin sonnigen Wetters verbracht. Aber dann heißt es doch: Aufbruch....

Goldenster Oktober

Goldenster Oktober

Wir wachen auf und strahlen. Denn wir gucken hinaus über die sanft-hügelig wirkende Landschaft des Jura und schauen der Sonne beim Aufgehen zu. Herrlich friedlich hier! Jagdfieber Wir starten mit einem tollen Ausblick beim Frühstück in den Tag und sehen plötzlich ein...

Juchu Jura

Juchu Jura

Das war eine ruhige Nacht. Und mit dem Vorteil, dass man am Morgen bei der Boulangerie erst mal lecker Baguette, Croissant und Pain au chocolat kaufen kann. Ein Tag, der so gut beginnt, kann doch gar nicht schlecht werden! Waldseen mit Überraschung Denn das Wetter...