Der Regen folgt uns
21. Oktober 2019

Die Nacht ist dann weitest­gehend ruhig. Nur das Glocken­geläut vom Kirchturm neben uns ist morgens um 6 Uhr eindringlich.

Wir wollen zurück nach Port Lesney, weil wir uns schon auf Crois­sants und Pain au chocolat aus der Boulan­gerie gefreut hatten. Einzige Problem: Die Baustelle von gestern ist in vollem Betrieb. Und auf einmal steht da ein “Route barée”-Schild auf der Straße. Hä? In die andere Richtung war doch gestern auch kurz hinter unserem Nacht­platz die Straße gesperrt! Sind wir jetzt gefangen in Buffard?

Ich beschließe, es einfach mal zu probieren. Aber ein paar Meter in die Baustelle hinein steht ein LKW, der gerade beladen wird. Straße dicht. Als ich schon wenden will fährt ein Liefer­wagen an uns vorbei in Richtung Port Lesney. Und wie durch ein Zauberwort macht der LKW Platz für ihn. Nichts wie hinterher! Ich quetsche das MoMo milli­me­ter­genau am Laster vorbei und wir sind durch!

Frust­früh­stück

In Port Lesney dann die Überra­schung: Der Pegel der Loue ist wider Erwarten deutlich gesunken! Also alle Aufregung umsonst. Da hätten wir auch locker stehen bleiben können. Grmpf.

Annette stiefelt zur Bäckerei los, um uns wenigstens mit Lecke­reien vom Boulanger zu versorgen. Nach kurzer Zeit kommt sie mit leeren Händen wieder: Es ist ja der verflixte Montag, an dem in Frank­reich so viele Geschäfte einfach geschlossen bleiben. Nochmal: Grmpf.

Wir frühstücken also ohne frisches Brot, sondern mit dem alten Baguette, was Annette gestern in Vorfreude auf den Bäcker schon mal in den Tiefkühl gepackt hat. Der Omnia backt es zwar ordentlich auf, aber dasselbe wie frisch ist es dann doch nicht.

Ab nach Norden

Wir gucken auf den Wetter­be­richt und der sieht für den eigentlich geplanten Besuch von Besançon nicht so vielver­spre­chend aus. Wir verschieben ihn also auf ein (baldiges) nächstes Mal. Wir sehen, dass der Wetter­be­richt für heute nichts Gutes vorhersagt. Also brechen wir unsere Zelte im Jura ab und möchten lieber auf dem Heimweg noch ein kleines “Best-of” bzw. Revival einlegen. Eine Station im Elsass kann im Herbst doch gar nicht falsch sein. Und heute den Regentag für ein bisschen Strecke zu nutzen kann ja auch nicht so verkehrt sein!

Wir fahren also durch die Jura-Landschaft und kommen wieder zum Doubs zurück — der ist hier ja unver­meidlich. Und auch der Doubs ist reichlich mit Wasser gesegnet. Das müssen vorgestern wahre Regen­massen gewesen sein, die runter­ge­kommen sind!

In L’Isle-sur-le-Doubs finden wir dann endlich sogar noch im Inter­marché die Pâte à Tartiner von Gavottes, die Annette über alles liebt. Der Tag ist gerettet!

Hier machen wir dann auch eine Mittags­pause und bestaunen am Doubs den Unter­schied zum Sommer 2017. Damals fast ausge­trocknet, heute mehr als reichlich Wasser führend!

Heute und…

…im Sommer 2017!

Es wird nicht besser

Wir fahren brav Richtung Norden, aber der Regen folgt uns quasi auf dem Fuße. So langsam geht uns das graue Wetter auf die Nerven! Im Elsass bringen uns zumindest die gelben Hänge der Weinberge auf fröhli­chere Gedanken. Eine gelbe Landschaft!

Wir steuern den Camping­platz in Turckheim an. Der heißt zwar Le Médiéval, ist aber durchaus zeitgemäß. Wir gönnen uns mal den Luxus einer langen ausgie­bigen Dusche und gucken ansonsten in den wolken­ver­han­genen Himmel.

Flop total

Als wir dann abends in den Ort gehen, setzt sich unsere Pechsträhne fort. Zwar ist Turckheim, wie irgendwie alle elsäs­si­schen Städtchen ein puppen­stu­ben­schnu­cke­liges Fachwerk­städtchen, aber der Montags­fluch gilt auch hier. Alles wirkt wie ausge­storben und die einzigen zwei Restau­rants, die wir finden, sind complét — vollbe­setzt. Frustriert machen wir uns dann halt im MoMo einen Grünkohl­e­intopf warm und köpfen ein Bierchen aus dem Jura.

Und um den gebrauchten Tag dann komplett zu machen, telefo­niert abends um halb elf eine Italie­nerin anscheinend mit einem Dosen­te­lefon mit Lautsprecher in beein­dru­ckender Lautstärke — wahrscheinlich kann der ganze Camping­platz die Unter­haltung mithören. Wir wissen schon, warum wir in der Regel lieber irgendwo in the middle of nowhere stehen…

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