Seentour, die Zweite

Das Schlimmste haben wir wettermäßig hinter uns. Und nicht nur das: Es ist morgens trocken und eher freundlich. So kann man den Tag doch beginnen!

Wir beschließen, dass wir die 3-Seen-Runde von gestern noch einmal versuchen wollen. Dafür hat es uns schon bei schlechtem Wetter zu gut gefallen, als dass wir es nicht noch mal probieren wollten.

Und es ist eine wunderbare Herbstlandschaft, die da vor uns liegt. Alles schon in den gedeckten Farben des Spätherbstes, aber wenn die Sonne dann mal doch durch die Wolkendecke kommt, immer noch wunderschön.

Die riesigen Pfützen vom Vortag sind noch nicht viel kleiner geworden. Aber immerhin ist der Weg jetzt gut begehbar. Wir sind auf jeden Fall gewillt, unseren voraussichtlich letzten vollen Tag im Jura zu genießen. Denn wir wollen uns ab morgen langsam aber sicher auf die Heimreise machen.

Wir wandern von einem See zum nächsten und finden immer wieder die Kombination von neuem See mit Herbstlandschaft ganz formidabel.

Umrundung mit Hindernissen

Im Örtchen mit dem malerischen Namen La Fromagerie machen wir eine Rast im L’eolienne, einem kleinen Restaurant. Da uns eher nach einer Erfrischung als nach einem kompletten Essen ist (das Fondue wirkt noch nach…), gibt es Bier, bzw. Rosè und eine Käseplatte, die wir uns teilen. Interessanterweise mit Käseeis – hatte ich auch noch nie. Und die Meinungen gehen auseinander: Annette ist gepflegt angeekelt (“geht gar nicht!”) während ich es durchaus lecker finde. Mal was anderes!

Auf dem Rückweg zum MoMo müssen wir uns dann durch die Spätfolgen des gestrigen Dauerregens durchkämpfen. Denn der Weg ist teilweise buchstäblich überflutet. Will heißen: Der Bach neben uns ist so weit über die Ufer getreten, dass er auf dem Wanderweg weiterfließt. Über Wassermangel müssen die hier gerade wohl nicht klagen.

Entsorgungsnöte

Eigentlich wollten wir nach der Wanderung noch zu den Cascades du Hérisson fahren. Dann aber nur zum Aussteigen-Weggucken-Weiterfahren. Wie wir dann vor Ort feststellen ist das nicht ganz so einfach. Denn zum einen gibt es sage und schreibe 7 Wasserfälle, zum anderen muss man wohl bei den meisten erst mal ordentlich bergab (und wieder bergauf). Wir beschließen, dass wir das beim nächsten Mal, dafür aber gründlich machen werden.

Denn ein anderes Problem brennt uns unter den Nägeln. Unsere Toilettenkassette ist nämlich fast randvoll. Nicht schön. In vielerlei Hinsicht… Aber das kurioseste ist, dass wir im Wohnmobil-Paradies Frankreich in der näheren Umgebung einfach keine Entsorgungsstation finden können!

Wir müssen also unsere Route ein bisschen nach der Scheisshaus-Entleerung richten. Nicht schön, aber was soll man machen… Erst in Champagnole werden wir vor dem Camping de Boyse fündig. Was eine Erleichterung!

Perfekter Plan B

Annette hat uns einen schönen Stellplatz oberhalb von Poligny ausgesucht. Beim Croix du dan soll man einen tollen Ausblick auf die sternförmig aufgebaute Stadt haben.

Auf dem Weg machen wir noch in einer Fruitière Station, um Mitbringsel zu kaufen. Die arme Frau, die im Laden alleine bedienen muss, ist fleißig am Käseschneiden und -verpacken, aber wenn man sieht, welche Mengen an Comté manche Leute kaufen, kann man nur noch staunen. Und sich hinten in der Schlange einreihen und geduldig warten.

Als wir am Croix du dan eintreffen stellen wir drei Dinge fest. Es ist gut besucht – anscheinend ein beliebter Sonntagnachmittag-Ausflug. Und die Aussicht hinunter ins Tal und weit in die Landschaft ist großartig. Aber leider auch: Hier fängt es gleich an, kräftig zu regnen… Wir machen erst mal eine Kaffeepause. Aber da das Wetter nicht besser wird, überlegen wir, ob es noch Alternativen geben könnte.

Candlelight-Dinner

Als ich noch mal auf die Karte gucke, macht es Klick! Denn eine halbe Autostunde entfernt liegt Port Lesney. Und den Ort kennen wir mittlerweile ja schon gut. Das ist der Ort, wo wir im Sommer die Leute im Flüsschen haben planschen sehen. Und wo wir dieses Frühjahr auch wieder an der pittoresken Brücke gestanden haben.

Aber vor allem: Wo es das schnuckelige Bistro auf der Ecke gibt, wo wir bisher nie einen Platz gekriegt haben. Und was ein stilvoller Ort für uns wäre, unseren 30-jährigen Kennenlerntag zu feiern. Wir finden ja immer gerne Gründe zum Feiern, aber das ist doch mal wirklich ein Anlass!

Wir fahren die paar Kilometer nach Norden, kommen an der Brücke an und sind erst mal völlig platt: Das ist aber ganz schönes Hochwasser, was die Loue da mit sich bringt! Höchstens noch 2m zwischen Brücke und Fluss. Und auch die Auen, die wir als durchaus üppig in Erinnerung haben, sind völlig überschwemmt. Wenn das so weiter regnet, müssen wir uns fast schon sorgen, dass die Loue vollends über die Ufer tritt und das MoMo unter Wasser setzt!

Aber ein bisschen Zeit haben wir wohl noch und die wollen wir nutzen. Wir machen uns also dem Anlass angemessen chic und gehen die paar Schritte zum Bistro hinüber. “Bonsoir!” Oh, nicht reserviert? Da müssen wir aber erst mal gucken… Und das, obwohl wir die ersten Gäste sind und der Laden nicht gerade klein aussieht! Es findet sich dann aber doch recht flott ein Tisch für uns und es war wohl mehr Show als ein ernsthafteres Problem, denn es ist auch am fortgeschrittenen Abend weit davon entfernt, vollbesetzt zu sein.

Unsere Restaurantwahl ist dann auch im Weiteren ein voller Erfolg. Leckere französische Küche mit dem gewissen Etwas. Nur bei der Vorspeise patzt unser Kellner bzw. die Küche: Man bekommt kunstvoll einen Teller mit den Grundzutaten serviert, zu dem dann eine Veloute aus einer Karaffe dazu gegossen wird. Aber irgendwas ist da schief gelaufen, denn bei meinem Teller fehlen die Muscheln und bei Annette die Maronen. Und eine Fischsuppe mit Maronen und eine Kürbissuppe mit Muscheln sind zwar auch kreativ, aber nicht das, was wir bestellt haben. Als der Garçon dann im zweiten Anlauf demonstrativ alles richtig macht, müssen wir alle grinsen. Und köstlich war es dann auch noch!

Ein gelungener Abschluss für unseren Jura-Trip! Denn ab morgen geht es häppchenweise wieder nach Hause.

PS Kleiner Schreck in der Nachtstunde

Kurz vor Mitternacht. Ich bin gerade dabei, Annette, die schon halb schlummert, in den Alkoven zu folgen. Es klopft an die Tür. Was ist das denn? Polizei?

Nein, es ist ein mitternächtlicher älterer Hundespaziergänger, der sich anscheinend Sorgen um uns macht. Wenn ich ihn richtig verstehe, weist er uns darauf hin, dass die Loue gerade extremes Hochwasser führe und er nicht wüsste, ob das für uns ein sicherer Platz für die Nacht sei. Ich bedanke mich und wir halten Kriegsrat. Hat es nicht den ganzen Abend durch wieder ordentlich geregnet? Ist der Pegel wirklich noch mal gestiegen? Was würde passieren, wenn das Wasser der Loue den kleinen “Deich” hinter dem MoMo durchweicht hat? Werden wir dann weggeschwemmt? Wollen wir das Risiko eingehen?

Wir entscheiden uns dafür, unsere Zelte abzubrechen. Aber wohin? Einfach irgendwo am Straßenrand? Bei Dunkelheit immer ein schwieriges Unterfangen. Wir entscheiden uns für einen Platz im Nachbarort Buffard, den wir bei Park4night finden. Was wir da noch nicht wissen: In Buffard wird die Durchgangsstraße neu gemacht und man fährt nicht nur durch die völlige Dunkelheit sondern auch noch durch eine reichlich holprige Baustelle. Aber der Platz gegenüber der Auberge ist dann als Notlösung ganz akzeptabel – und definitiv nicht mehr in Reichweite des Flusses. Puh!

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