Aussichten und Leckereien

Wir sind überrascht, wie schwach besucht unser Belvédère ist. Den ganzen Vormittag über kommt nur ein Auto vorbei. Ansonsten haben wir den Platz für uns.

Die Aussicht ist auch heute noch schön.

Wir haben aber gesehen, dass es noch einen zweiten Aussichtspunkt gibt: den Belvédère de Renédale. Der liegt einen halbstündigen Marsch entfernt, den wir, mittlerweile wohltrainiert, natürlich locker angehen.

Wir begutachten schon mal die Auberge du Moine, die am Straßenrand gestern regelmäßig angekündigt wurde. Wer sich „in the middle of nowhere“ halten kann, kann doch so schlecht nicht sein, oder?

Fliegenpilzweg

Der Weg zum Aussichtspunkt ist dann hubbeliger also erwartet. Wir haben diesmal Mia dabei, die sich wieder mal mehr als achtbar schlägt. Wenn ich blind unterwegs wäre, würde ich ja etwas vorsichtiger sein. Aber unsere alte Dame hat entweder Gottvertrauen oder Todessehnsucht, so flott wie sie an der Leine zieht! Gut, dass ich schon eine gewisse Fertigkeit im Blinden-Hund-Führen entwickelt habe…

Hubbelig heißt bei diesem Weg allerdings auch abwechslungsreich. In einem kleinen Wäldchen gibt es sogar eine Fliegenpilzkolonie. Aber auch Steine und Wurzeln stehen auf dem Pflichtprogramm.

Die Aussicht finden wir dann wirklich grandios – fast noch schöner als an unserem vorigen Belvédère, da man hier noch weiter in die tiefe Schlucht der Loue blicken kann. Mit den Herbstfarben und den fallenden Blättern ein wildromantischer Anblick. Der Weg hat sich gelohnt!

Schlemmeressen

Auf dem Rückweg zum MoMo kommen wir an der Auberge vorbei. Und diesmal machen wir Ernst. Annette klärt noch kurz ab, ob die Hunde mit rein dürfen (dürfen sie!) und dann haben wir die Qual der Wahl: Menu? Einzelgerichte? Und was versteckt sich hinter den Bezeichnungen? Sooo gut ist unser Französisch dann doch nicht…

Diese fluffigen Kälber lagen direkt vor der Auberge – so weiche Kühe hatten wir auch noch nie!

Da wir von unserem Menu in Belleherbe noch etwas traumatisiert sind und die Qualität des Essen nicht wirklich einschätzen können, hat Annette als Idee die goldene Mitte: Wir teilen uns einen gemischten Charcuterie-Teller zur Vorspeise und auch die Hauptgerichte werden geteilt. Deal!

Der Kellner hat einen herben Charme und lässt uns mit unserem Bröckchen-Französisch ein bisschen zappeln, streut selber aber immer auch ein paar deutsche Brocken ein. Wir sind uns aber sicher, dass er einen eher westfälischen Einschlag hat…

Das regionale Essen steht hier wirklich hoch im Kurs und das merkt man an den frischen und leckeren Produkten. Die Wurstplatte ist einfach köstlich – ich würde jede Variante sofort beim Metzger ordern, wenn ich nur wüsste wie genau der einzelne Aufschnitt hieße. Das einzige, was wir sicher identifizieren ist die lokale Spezialität „Saucisse de Morteau“, eine in der Tat sehr leckere Wurst, die leicht erwärmt serviert wird.

Aber auch unsere Hauptspeisen sind Knüller: „Crôute forestière aux morilles, pain beurré“ entpuppt sich als eine Art Pilzragout (mit Morcheln) mit geröstetem Brot. Mjam.

Noch einen Tacken besser schmeckt mir dann das „Filet de truite pané au Comté“, ein butterzartes Forellenfilet, dass mit einer sensationellen Comté-Kruste überbacken ist. Zum Niederknien köstlich!

Ab zur Quelle

Solchermaßen gesättigt und beglückt können wir entspannt weiter reisen. Und zwar nur ein paar Kilometer weiter. Zur Quelle der Loue, die wir eben noch vom Belvédère aus bestaunt haben.

Dort herrscht tote Hose. Buchstäblich eine Handvoll Autos auf dem Parkplatz. Die Leute im Touri-Shop langweilen sich bestimmt zu Tode! Denn es scheint hier im Sommer durchaus lebhafter zuzugehen. Heute, mit dem immer trüber werdenden Wetter nicht so sehr.

Wir gehen die paar Minuten hinunter zur Quelle und sind von der für den Herbst immer noch beeindruckenden Wassermenge, die hier einfach so aus dem Fels herausspringt, beeindruckt. Auf Bildern wird das schäumende Wasser bei voller Pulle im Frühjahr gezeigt – wir sind noch mehr beeindruckt!

Einkauf und Seeblick

Da wir bereits gestern so gut in der Fruitière eingekauft haben, machen wir direkt noch einmal dort Station. Diesmal für ein bisschen Wurst, von der wir hoffen, dass sie so gut schmecken wird wie auf unserem Charcuterie-Teller.

Bis jetzt haben wir vom angekündigten Regen so gut wie nichts abbekommen. Das ändert sich aber jetzt. Das Regengebiet hat endgültig auch unsere Region erreicht. Wir fahren weiter bis an den Lac de Saint-Point. Dort gibt es in Saint-Point-Lac (echt fantasievoller Name…) einen Womo-Stellplatz, der vorbildlich angelegt ist. Direkt am See, befestigter Untergrund und gute Ent-/Versorgung. Nehmen wir. Und zahlen auch die 10€ Stellplatzgebühr, obwohl die Schranke, die sonst den Zugang regelt, weit geöffnet ist. Wahrscheinlich interessiert es kein Schwein, dass wir das tun, aber es fühlt sich einfach besser an.

Und als dann die Sonne untergeht, am anderen Seeufer die Lichter blinken und der Regen gegen das Wohnmobil prasselt, fühlen wir uns sauwohl im gemütlich warmen MoMo.

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