Aussichten und Lecke­reien
17. Oktober 2019

Wir sind überrascht, wie schwach besucht unser Belvédère ist. Den ganzen Vormittag über kommt nur ein Auto vorbei. Ansonsten haben wir den Platz für uns.

Die Aussicht ist auch heute noch schön.

Wir haben aber gesehen, dass es noch einen zweiten Aussichts­punkt gibt: den Belvédère de Renédale. Der liegt einen halbstün­digen Marsch entfernt, den wir, mittler­weile wohltrai­niert, natürlich locker angehen.

Wir begut­achten schon mal die Auberge du Moine, die am Straßenrand gestern regel­mäßig angekündigt wurde. Wer sich „in the middle of nowhere“ halten kann, kann doch so schlecht nicht sein, oder?

Fliegen­pilzweg

Der Weg zum Aussichts­punkt ist dann hubbe­liger also erwartet. Wir haben diesmal Mia dabei, die sich wieder mal mehr als achtbar schlägt. Wenn ich blind unterwegs wäre, würde ich ja etwas vorsich­tiger sein. Aber unsere alte Dame hat entweder Gottver­trauen oder Todes­sehn­sucht, so flott wie sie an der Leine zieht! Gut, dass ich schon eine gewisse Fertigkeit im Blinden-Hund-Führen entwi­ckelt habe…

Hubbelig heißt bei diesem Weg aller­dings auch abwechs­lungs­reich. In einem kleinen Wäldchen gibt es sogar eine Fliegen­pilz­ko­lonie. Aber auch Steine und Wurzeln stehen auf dem Pflicht­pro­gramm.

Die Aussicht finden wir dann wirklich grandios — fast noch schöner als an unserem vorigen Belvédère, da man hier noch weiter in die tiefe Schlucht der Loue blicken kann. Mit den Herbst­farben und den fallenden Blättern ein wildro­man­ti­scher Anblick. Der Weg hat sich gelohnt!

Schlem­mer­essen

Auf dem Rückweg zum MoMo kommen wir an der Auberge vorbei. Und diesmal machen wir Ernst. Annette klärt noch kurz ab, ob die Hunde mit rein dürfen (dürfen sie!) und dann haben wir die Qual der Wahl: Menu? Einzel­ge­richte? Und was versteckt sich hinter den Bezeich­nungen? Sooo gut ist unser Franzö­sisch dann doch nicht…

Diese fluffigen Kälber lagen direkt vor der Auberge — so weiche Kühe hatten wir auch noch nie!

Da wir von unserem Menu in Belle­herbe noch etwas trauma­ti­siert sind und die Qualität des Essen nicht wirklich einschätzen können, hat Annette als Idee die goldene Mitte: Wir teilen uns einen gemischten Charcu­terie-Teller zur Vorspeise und auch die Haupt­ge­richte werden geteilt. Deal!

Der Kellner hat einen herben Charme und lässt uns mit unserem Bröckchen-Franzö­sisch ein bisschen zappeln, streut selber aber immer auch ein paar deutsche Brocken ein. Wir sind uns aber sicher, dass er einen eher westfä­li­schen Einschlag hat…

Das regionale Essen steht hier wirklich hoch im Kurs und das merkt man an den frischen und leckeren Produkten. Die Wurst­platte ist einfach köstlich — ich würde jede Variante sofort beim Metzger ordern, wenn ich nur wüsste wie genau der einzelne Aufschnitt hieße. Das einzige, was wir sicher identi­fi­zieren ist die lokale Spezia­lität „Saucisse de Morteau“, eine in der Tat sehr leckere Wurst, die leicht erwärmt serviert wird.

Aber auch unsere Haupt­speisen sind Knüller: „Crôute fores­tière aux morilles, pain beurré“ entpuppt sich als eine Art Pilzragout (mit Morcheln) mit gerös­tetem Brot. Mjam.

Noch einen Tacken besser schmeckt mir dann das „Filet de truite pané au Comté“, ein butter­zartes Forel­len­filet, dass mit einer sensa­tio­nellen Comté-Kruste überbacken ist. Zum Nieder­knien köstlich!

Ab zur Quelle

Solcher­maßen gesättigt und beglückt können wir entspannt weiter reisen. Und zwar nur ein paar Kilometer weiter. Zur Quelle der Loue, die wir eben noch vom Belvédère aus bestaunt haben.

Dort herrscht tote Hose. Buchstäblich eine Handvoll Autos auf dem Parkplatz. Die Leute im Touri-Shop langweilen sich bestimmt zu Tode! Denn es scheint hier im Sommer durchaus lebhafter zuzugehen. Heute, mit dem immer trüber werdenden Wetter nicht so sehr.

Wir gehen die paar Minuten hinunter zur Quelle und sind von der für den Herbst immer noch beein­dru­ckenden Wasser­menge, die hier einfach so aus dem Fels heraus­springt, beein­druckt. Auf Bildern wird das schäu­mende Wasser bei voller Pulle im Frühjahr gezeigt — wir sind noch mehr beein­druckt!

Einkauf und Seeblick

Da wir bereits gestern so gut in der Fruitière einge­kauft haben, machen wir direkt noch einmal dort Station. Diesmal für ein bisschen Wurst, von der wir hoffen, dass sie so gut schmecken wird wie auf unserem Charcu­terie-Teller.

Bis jetzt haben wir vom angekün­digten Regen so gut wie nichts abbekommen. Das ändert sich aber jetzt. Das Regen­gebiet hat endgültig auch unsere Region erreicht. Wir fahren weiter bis an den Lac de Saint-Point. Dort gibt es in Saint-Point-Lac (echt fanta­sie­voller Name…) einen Womo-Stell­platz, der vorbildlich angelegt ist. Direkt am See, befes­tigter Unter­grund und gute Ent-/Versorgung. Nehmen wir. Und zahlen auch die 10€ Stell­platz­gebühr, obwohl die Schranke, die sonst den Zugang regelt, weit geöffnet ist. Wahrscheinlich inter­es­siert es kein Schwein, dass wir das tun, aber es fühlt sich einfach besser an.

Und als dann die Sonne untergeht, am anderen Seeufer die Lichter blinken und der Regen gegen das Wohnmobil prasselt, fühlen wir uns sauwohl im gemütlich warmen MoMo.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Jura Herbst 2019
Aufbruch mit Hinder­nissen

Aufbruch mit Hinder­nissen

Es läuft alles etwas holprig. Wir haben noch dies und das zu erledigen, bevor wir endlich loskommen. Eigentlich hatten wir darauf spekuliert, dass das MoMo, welches wir nach dem langen Wochenende in der Pfalz nicht völlig leergeräumt haben, praktisch startklar ist. Es...

Stadttag in Nancy

Stadttag in Nancy

Das Wetter lädt so gar nicht zu der Wanderung ein, die wir uns gestern noch vorgestellt haben. Denn die Wolken hängen tief und wir würden im Zweifelsfall durch das feuchtnasse Wolkengedöns laufen anstatt uns an der Sonne zu freuen. Also fahren wir weiter. Es hakelt...

Juchu Jura

Juchu Jura

Das war eine ruhige Nacht. Und mit dem Vorteil, dass man am Morgen bei der Boulangerie erst mal lecker Baguette, Croissant und Pain au chocolat kaufen kann. Ein Tag, der so gut beginnt, kann doch gar nicht schlecht werden! Waldseen mit Überraschung Denn das Wetter...

Goldenster Oktober

Goldenster Oktober

Wir wachen auf und strahlen. Denn wir gucken hinaus über die sanft-hügelig wirkende Landschaft des Jura und schauen der Sonne beim Aufgehen zu. Herrlich friedlich hier! Jagdfieber Wir starten mit einem tollen Ausblick beim Frühstück in den Tag und sehen plötzlich ein...

Doubs, Doubs, hurra

Doubs, Doubs, hurra

Unseren Château-Stellplatz verlassen wir fast schon eine wenig wehmütig. Es war schön hier. Deshalb haben wir auch noch einen Großteils des Morgens einfach mit dem Genießen des weiterhin sonnigen Wetters verbracht. Aber dann heißt es doch: Aufbruch....

Regen und Daten­schreck

Regen und Daten­schreck

Manchmal muss man den Profis einfach glauben. Der Wetterbericht ist geradezu beängstigend korrekt. Zunächst ist es nur grau, aber pünktlich zum Vormittag gesellt sich dann noch Dauerregen dazu. Naja, machen wir uns halt einen gemütlichen Tag im MoMo. Ist doch auch...

Jabbadabba-Doubs

Jabbadabba-Doubs

Eine herrlich ruhigen Nacht am Lac des Brenets. Also, vorher und nachher ist es wieder der Doubs. Aber der verwandelt sich zwischendurch immer wieder gerne mal in einen kleinen See, wie wir heute lernen dürfen. Es ist fantastisch neblig-mystisch. Man kann schon...

Quellen­fondue

Quellen­fondue

Wir starten auch für unsere Verhältnisse langsam in den Tag. Es ist halt grau und trüb und lockt so gar nicht nach draußen. Aber immerhin ist es weitestgehend trocken. Herrlichster Herbst Als wir dann losfahren sind wir geflasht. Denn obwohl es trüb ist, haben wir...

Landunter am See

Landunter am See

Puh, hat das in der Nacht geplästert! Zwischendurch prasselte der Regen so sehr aufs MoMo, dass wir uns fast schon an das Unwetter in Torla erinnert fühlten, bei dem MoMo I ziemlich ramponiert wurde. Aber heute und hier ist es dann am Ende doch nur ein heftiger Regen...

Seentour, die Zweite

Seentour, die Zweite

Das Schlimmste haben wir wettermäßig hinter uns. Und nicht nur das: Es ist morgens trocken und eher freundlich. So kann man den Tag doch beginnen! Wir beschließen, dass wir die 3-Seen-Runde von gestern noch einmal versuchen wollen. Dafür hat es uns schon bei...

Der Regen folgt uns

Der Regen folgt uns

Die Nacht ist dann weitestgehend ruhig. Nur das Glockengeläut vom Kirchturm neben uns ist morgens um 6 Uhr eindringlich. Wir wollen zurück nach Port Lesney, weil wir uns schon auf Croissants und Pain au chocolat aus der Boulangerie gefreut hatten. Einzige Problem: Die...

Hundert Kreis­ver­kehre

Hundert Kreis­ver­kehre

Heute wollen wir Turckheim (oder auf Deutsch: Türkheim) bei Tag erkunden. Erste Überraschung: Der Gusseisen-Topfspezialist Staub, den wir erst kürzlich entdeckt haben, hat hier anscheinend sein Stammwerk. Wer darauf steht, kann hier das komplette Sortiment besichtigen...

Shopping und Wandern

Shopping und Wandern

Wir verlassen unseren Stellplatz in Hornbach ungewöhnlich früh. Denn wir haben einen ausgefuchsten Plan gefasst. In den Vormittagsstunden wird es noch eher trüb sein. Also wollen wir diese Zeit nutzen, um im Outlet in Zweibrücken noch dies und das und jenes zu...

Runder Abschluss

Runder Abschluss

Manchmal muss man einfach Glück haben. So wie wir heute. Aber der Reihe nach. Wir warten morgens darauf, dass endlich der versprochene Sonnenschein Einzug hält. Denn zunächst ist es, ähnlich wie gestern, grau und bedeckt. Aber irgendwas ist anders. Die Sonne kämpft...