Doubs, Doubs, hurra

14. Oktober 2019

Unseren Château-Stellplatz verlassen wir fast schon eine wenig wehmütig. Es war schön hier. Deshalb haben wir auch noch einen Großteils des Morgens einfach mit dem Genießen des weiterhin sonnigen Wetters verbracht. Aber dann heißt es doch: Aufbruch.

Kantinen-Restaurant

Nachdem wir uns in Sancey-le-Long noch mal bestens ver- und entsorgt haben fahren wir nur ein paar Kilometer weiter. Annette hat im Nachbarort Belleherbe ein Restaurant ausfindig gemacht, was ein Mittagsmenu anbietet. Für 13€. Und da wir in Frankreich gerne Essen gehen ist das La Clé des Champs ja wie gemacht für uns.

Wir kommen uns noch etwas verboten vor, als wir schon um kurz vor 12 Uhr auf der Matte stehen und nach dem Menu fragen. Ja, klar, das wäre auch das einzige, was man mittags anbiete. Kein á la carte. Ist uns ja recht! Wir nehmen auf der Terrasse Platz und sind bass erstaunt, dass nur wenige Minuten später nahezu alle Plätze gefüllt sind. Denn offensichtlich ist es ein beliebter Mittagsstop für die örtlichen Bauarbeiter und Handwerker, die hier ihre Mittagspause verbringen. Ein gutes Zeichen!

Naja. Dachten wir zunächst. Das Essen ist dann aber auch eher wie in einer Kantine angerichtet. Speise auf den Teller, fertig, der nächste bitte. Und geschmacklich ist das dann okay, aber auch nicht mehr. Und die Seniorchefin hat auch einen eher rustikalen Charme. Auf Annettes Frage, was denn das Haupgericht wohl sei (Fleisch mit Sauce und Reis) antwortet sie einsilbig „veau“ (Kalb). Erst als wir zusätzlich zum Dessert noch einen Café bestellen, wird sie etwas freundlicher. Aber man kriegt halt das, was man bezahlt. Ein 4-Gänge-Menü für 13€ kann halt keine haute cuisine mit Top-Service sein. Wir würden aber trotzdem eher nicht wiederkommen…

Route barrée

Als wir in Richtung Osten zum Fluss Doubs weiterfahren wollen, ist die Straße gesperrt: Route barrée. Ich beschließe, einfach der ausgeschilderten Umleitung zu folgen. Wie sich später herausstellt ein Umweg von ca. einer halben Stunde! Das hätte man auf eigene Faust vielleicht doch schneller hingekriegt…

Aber immerhin ist die Landschaft schön und abwechslungsreich. Und wir lernen noch ein bisschen mehr vom Gebiet des Franche-Comté kennen. Es geht hier beständig bergauf und bergab – teilweise auch kräftig!

Hinter Saint-Hippolyte fahren wir hinauf und hinauf und hinauf. Aber wir wollen doch zum Doubs, der liegt doch unten im Tal? Und je kürzer die Strecke zum Zielort wird, um so mehr wird uns klar: Da geht es gleich ordentlich bergab!

Endlich wieder Schweiz

Der Weg führt uns nämlich zum Ausgangspunkt einer tollen Wanderung durch die Schlucht entlang des Doubs nach Goumois. Einem Örtchen, dass es gleich zweimal gibt: einmal auf der französischen Seite, dann nochmal auf der Schweizer Seite.

Wir bereiten uns gewissenhaft vor: Ausweise? Check! Tierausweis für Elli? Check! Aber als wir die Brücke in die Schweiz überschreiten, folgt die Ernüchterung: Das interessiert hier keine Sau. Kein Schlagbaum. Und auch das Zollbüro ist verwaist. Ist ja auch besser so…

Als wir die vertrauten Schweizer Wanderwegweiser sehen, freuen wir uns auf eine schöne Wanderung. Und wir werden nicht enttäuscht! Es ist eine abwechslungsreiche Strecke, die uns zunächst auf der Schweizer Seite Richtung Süden bringt.

Dazu trägt natürlich das famose Oktoberwetter bei. Hoch oben bringt die Sonne die Herbstfarben der Bäume zum leuchten. Und wir wandern unten durch eine famos bemooste Baum- und Steinlandschaft. Die Bilder geben nur einen Bruchteil des Zaubers dieser Strecke wieder. Selber nachlaufen wird sehr empfohlen!

Flusszauber

An einer Engstelle des Doubs ist das Restaurant du Theusseret gelegen. Sieht alles sehr nett und einladend aus, auch wenn das Haus mal einen Anstrich brauchen könnte.

Aber wir sind zum einen noch satt und zum anderen durch die Route Barrée zuvor etwas spät dran. Eine kurze Einkehr zum Trinken haben wir daher für den Wendepunkt der Tour in La Goule vorgesehen. Dumm nur, wenn da (anders als im Internet recherchiert) das böse Fermé-Schild steht…

Wir lassen uns die Stimmung dadurch aber nicht vermiesen. Denn die Landschaft bleibt weiter wunderschön und auf der französischen Seite wird alles noch ein bisschen uriger. Mit Wasserfall, sich bergauf und bergab windendem Wanderweg und sogar Leitern – gut, dass wir Mia nicht mitgenommen haben!

So langsam verzieht sich die Sonne auch in die höheren Regionen und vom Fluss zieht es feucht-kühl auf den Wanderweg hinüber. Und Annette ist sich todsicher, dass sie mehrfach auch einen Eisvogel über die Wasseroberfläche flitzen sieht. Für meine langsamen Augen reicht es nur für den Fischreiher und den Kormoran, die faul im Fluss stehen…

Eine wirklich tolle Strecke, die man hier auf 13km mal wieder größtenteils für sich alleine hat! Als wir am MoMo ankommen, gucken wir in den blauen Himmel und sind uns todsicher, dass der für den kommenden Tag angekündigte Dauerregen nur fake news sein kann. Das schöne Wetter kann doch nicht auf einmal vorbei sein!

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