Les Hautes Roches

Goldenster Oktober

Wir wachen auf und strahlen. Denn wir gucken hinaus über die sanft-hügelig wirkende Landschaft des Jura und schauen der Sonne beim Aufgehen zu. Herrlich friedlich hier!

Jagdfieber

Wir starten mit einem tollen Ausblick beim Frühstück in den Tag und sehen plötzlich ein paar Hunde über die Wiese flitzen. Und Männer mit neonorangenen Westen. Und wir hören Böller. Es ist Jagd! Wir verfolgen das Treiben auf den Wiesen vor uns, stellen aber fest, dass unsere Sensationslust wohl nicht befriedigt wird. Hier ist wohl nur der Rand des Jagdgebietes, wo man aufpasst, dass das (angeschossene) Wild nicht entfleucht. Spannend ist es aber trotzdem, zu gucken, wie die Jäger mit Stöcken auf die Büsche schlagen, um eventuell untergeschlüpfte Tiere aufzuscheuchen. Und wenn man nach einem Schuss eine besonders aufgeregte Hundemeute bellen hört, kann man sich vorstellen, dass da wohl gerade ein Tier sein Leben ausgehaucht hat.

Privatkonzert

Aber als wäre das noch nicht genug, geht die Show bald weiter. Nachdem die Jäger das Weite gesucht haben, kommen auf einmal viele Autos hintereinander an, parken auf dem Parkplatz hundert Meter weiter und die Insassen bauen sich neben der Marienstatue auf. Das örtliche Harmonieorchester spielt auf!

Zunächst irritiert es uns, dass immer das gleiche Stück gespielt wird. Aber mit dem x-ten Durchgang bleibt einem die wehmütig-majestätische Melodie dann doch in den Gehörgängen kleben.… Ein junger Mann hat seine Kamera auf einem Stativ aufgebaut. Ob hier gerade ein YouTube-Clip für das Orchester gedreht wird?

Tolle Wanderung

Eine zeitlang haben wir auf einmal einen dritten Hund. Einer der Jagdhunde beschließt, dass er es bei uns auch ganz schön findet. Er hat einen Funksender mit langer Antenne an. Ob er dann per Fernsteuerung zurückgerufen werden kann?

Uns gefällt es mittlerweile so gut hier, dass wir beschließen, es ruhig angehen zu lassen und noch eine Nacht hier zu verbringen. Annette muss zwar ein bisschen gebremst werden, weil sie schon andere tolle Sachen in Aussicht hat, aber auch sie ist von der Idee schnell begeistert.

Wir haben die Auswahl zwischen Wanderung „1“ oder „5“. Wir entscheiden uns gegen den historischen Weg von Belvoir und für „Les Hautes Roches“, zu den hohen Felsen. Was eine gute Entscheidung!

Denn wir finden hier einen äußerst abwechslungsreichen Weg vor, der uns nur auf den ersten und letzten Metern über Asphalt führt. Ansonsten ist praktisch alles dabei: Wald, Kuhweide, Alm. Und das alles im steten Wechsel, so dass es einem auch nicht langweilig wird.

Und vor allem die hohen Felsen sind wirklich sehenswert. Ich bin fast schon ein wenig enttäuscht, dass sich nicht noch ein paar Kletterer in der steilen Wand befinden. Das müsste doch ein Paradies für Kletterer sein!

Und gut, dass ich die Hinweisschilder am Wanderparkplatz abfotografiert habe. Denn heute lernen wir, dass das Wanderzeichen „gelb-blau-parallel“ den Weg zeigt, und gelb-blau-überkreuz bedeutet, dass man sich auf dem Holzweg befindet(mauvaise=schlecht). Was eine geniale Idee, an einer Kreuzung auch mal wie bei einer Schnitzeljagd zu markieren, wo es definitiv nicht weitergeht!

Windiger Nachmittag

Der letzte steile Anstieg bringt uns dann noch mal gehörig ins Schwitzen. Denn heute ist wirklich der vorletzte richtig warme Tag des Jahres. Weit über der 20°-Marke! Für morgen ist es ähnlich schön angekündigt und ab dann decken wir den Mantel des Schweigens über den Wetterbericht…

Und daher wollen wir den Sonnenschein einfach noch mal genießen. Die eigentlich geplante Schlossbesichtigung wird als dann doch nicht so wichtig eingestuft und stattdessen setzen wir uns an die zum Stellplatz gehörende Picknickbank, trinken Sirop, später Bierchen und freuen uns des Lebens. Die einzige Überraschung ist der doch ausgesprochen starke (aber warme) Wind, der uns fast die Trinkbecher vom Tisch weht!

Gegen Abend kommt noch eine Familie aus Australien vorbei. Die Kinder haben große Hundesehnsucht, weil sie ihre Hunde von Zuhause vermissen. Da ist Elli genau der richtige Kandidat! Und wir bewundern die ausgedehnte Reise der Australier: Seit Anfang September hier und „home for Christmas“ – die machen es richtig!

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