Insel­flucht
26. Juli 2019

Wir schlafen wie die Steine und freuen uns erst mal über die leckeren Frühstücks­brötchen, die ich vom Markt mitbringe. Urlaubs­stimmung!

Und die setzt sich auch fort, als wir durchs gemüt­liche Städtchen mit den Stock­rosen neben den Hausein­gängen bummeln. Annette kann ihre Brille noch mal richten lassen und würde glatt zu dem freund­lichen Optiker wechseln, wenn er nicht so verflixt weit von zuhause entfernt wäre.

Die deutsche Ferien­insel

Vergnügt starten wir in Richtung Norden. Durch die weite, weizen­be­feldete norddeutsche Landschaft steuern wir Fehmarn an. Wir sind noch unschlüssig, ob wir direkt durch­fahren, oder uns vielleicht sogar ein paar Tage zum Erkunden der Insel nehmen. Soll schließlich auch schön sein.

Die Fahrt über die Brücke hinüber auf die Insel ist auf jeden Fall toll. Die glitzernde, mit Segel­booten übersäte Ostsee links und rechts bei strah­lendem Wetter sieht schon toll aus.

Mann, ist das voll hier

Wir steuern Burg, den Hauptort der Insel an und sind erst mal überrascht. So eine große Stadt mit einer Zufahrts­straße mit Indus­trie­ge­bietscharme hatten wir nicht erwartet. Der eigent­liche Ort mit seinem hubbe­ligen Kopfstein­pflaster ist dann charmant aber auch voll. Also: richtig voll. So wie viele-Menschen-auf-einem-Fleck-voll.

Wir fahren staunend hindurch und steuern erst mal den Burger Hafen in Burgstaaken an. Die explizit ausge­wie­senen Womo-Stell­plätze sind ja prima, werden aber zu einem guten Teil von PKWs zugeparkt. Immerhin haben wir Glück, dass einer davon seinen Platz räumt und uns sogar noch sein Parkticket überlässt. Da kann man ja nicht so wirklich meckern…

Wir drehen eine kleine Runde durch das Hafen­gebiet und fremdeln doch beträchtlich. Denn das Areal mit seinen großen Getrei­de­silos und den 80er-Jahre-Gebäuden hat nicht so wirklich Charme. Es gibt wenig, was uns dort anspricht. Also: weiter­fahren.

Voll heißt voll

Wir vermuten schwer, dass die Camping­plätze hier alle voll sind. Aber auf einem Bauernhof müsste es doch garan­tiert noch ein Fleckchen für ein kleines, autarkes Womo geben? Wir steuern den Bauernhof Kleingarn an und sind ganz angetan von dem hübschen Weiher und dem gekiesten Platz vor dem Bauernhaus. Und da es kurz nach Mittag ist, müsste es doch mit dem Teufel zugehen…

Es geht. Es sei alles picke­pa­ckevoll. Wahrscheinlich auch auf der ganzen Insel. Und unsere Nachfrage, ob wir zur Not einfach auf dem Kiesplatz stehen dürften, scheitert an unseren Hunden. Also Hunde gingen ja schon mal gar nicht. Hrmpf.

Hafen mit Charme

Wir wollen unseren begin­nenden Fehmarn-Frust mit einem Fisch­brötchen besänf­tigen. Von denen soll es nämlich leckere im nahege­le­genen Hafenörtchen Orth geben.

Der urige bärtige Parkwächter mit nordisch-trockenem Gemüt lässt uns für 2€ statt für 4€ parken als wir ihm erzählen, dass wir eigentlich nur für ein Fisch­brötchen da sind. Nett!

Auch in der Hafenbude Kap Orth steppt der Bär. Die Gäste werden netter­weise vor der Bestellung darauf hinge­wiesen, dass es mindestens 45 Minuten dauert, wenn sie ein Teller­ge­richt bestellen… Unsere Fisch­brötchen gehen dann aber doch etwas schneller. Und sind schon mal ein deutlicher Fortschritt gegenüber dem Mittelmaß von Sierksdorf.

Im Meer wird standup-gepaddelt und gekitet, was das Zeug hält. Die artis­ti­schen Luftsprünge der Kiter sehen schon beein­dru­ckend aus!

Uns gefällt die Atmosphäre in Orth schon deutlich besser als in Burgstaaken. Aber was soll man machen, wenn die Insel einen nicht haben will? Also buchen wir die Fähre nach Dänemark in der Hoffnung, dass es dort etwas leerer sein wird.

Turbo­fähre

Die Fahrt nach Puttgarden machen wir durch die nordwest­lichen Dörfer, die uns richtig gut gefallen. Aber jetzt ist die Entscheidung halt schon gefallen. Dänemark ruft! Und Fehmarn im Sommer haben wir abgehakt, aber für außerhalb der Hochsaison zumindest mal im Hinterkopf.

Das Prozedere an der Fähre ist dann wirklich beein­dru­ckend schnell und profes­sionell. Obwohl reichlich Autos auf die Fähre wollen, funktio­niert das ganze super­schnell und unkom­pli­ziert. Wenn man mal davon absieht, dass wir uns in der Extra-Schlange für Fahrzeuge unter 6 Metern falsch einordnen, weil die nur für PKWs gilt… Aber von unserer Ankunft am Fährter­minal bis zur Abfahrt der Fähre vergehen vielleicht gerade mal 20 Minuten. Respekt!

Wir sind dann fast etwas verwundert, dass wir auf dem Panora­madeck noch zwei Stühle kriegen und uns einfach so in die Sonne brezeln können. Zusammen mit dem Fahrtwind zwar eine gefähr­liche Kombi­nation, aber wir kommen sonnen­brandfrei davon.

Und was bei der Auffahrt auf die Fähre so super geklappt hat, wird dann an der dänischen Grenze zur Gedulds­probe. Denn bei der Einreise gibt es tatsächlich Kontrollen! Zwar nur stich­pro­ben­artig, aber für uns ist das von einem EU-Land in das nächste trotzdem eine Überra­schung. Da waren die ja selbst in England flotter!

Herrliche Unauf­ge­regtheit

Dänemark begrüßt uns mit breiten Straßen, auf denen nicht viel los ist. Denn den Fährverkehr lassen wir vor uns und als wir in Richtung Osten abbiegen, gehört uns die Straße alleine. So muss das sein!

Nach dem vollen Fehmarn mit seinen engen, baumbe­stan­denen Straßen und reichlich Verkehr kommen wir uns hier wie in einem Sanatorium vor. Weite Landschaft mit sanften Schwüngen und jeder Menge Kornfelder. Nicht besonders spannend, aber wunderbar entspannend.

Feine Bucht

Als wir von der Haupt­straße in Richtung Stubberup abbiegen jauchzen wir bei manchen schnu­cke­ligen Häuschen auf. Wahlweise reetge­deckt oder buntes pastel­liges Fachwerk. Oder beides. Das ist echt eine dänische Idylle, die wir hier vorfinden!

Im Minihafen von Stubberup gibt es dann einen kleinen Parkplatz an einer Hecke, auf den das MoMo wunderbar passt. Hier bleiben wir!

Beim Spaziergang entlang des Wasser entdecken wir noch einige schnu­ckelige Häuschen. Hier ein Ferien­häuschen zu mieten muss auch absolut entspannend sein! Wir haben wirklich den Eindruck, dass der Urlaub hier so richtig anfängt.

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