Here comes the rain again
18. Mai 2019

Das haben wir nicht kommen sehen.

Regen. Regen. Regen.

Grau. Grau. Grau.

Ohne Inter­net­wet­ter­be­richt hat uns das kalt erwischt. Nachdem wir in den letzten Tagen wirklich sonnen­ver­wöhnt waren, ist es uns gar nicht in den Sinn gekommen, dass es in Schottland ja durchaus auch mal regnen kann. Aber es hat auch sein Gutes. Denn so haben wir die letzten Tage damit verbracht, uns über die tolle Landschaft zu freuen und nicht schon bei den Gedanken an das schlechte Wetter der kommenden Tage zu verzweifeln.

Wir machen also das beste aus dem stoischen Trommeln der Regen­tropfen auf das MoMo-Dach. Gemüt­licher Morgen und irgendwann dann doch aufbrechen, wenn der Regen heller wird.

Calgary Beach

Über die sich abenteu­erlich bergauf und bergab windende Single-Track-Road fahren wir in Richtung Tobermory. Es ist hier so herrlich grün und verwun­schen, dass wir uns an Irland erinnert fühlen.

Numme­rierte Schafe!

Als wir dann einen Pass mit steilen Kurven hinter uns haben, taucht vor uns der tolle Strand von Calgary Beach auf. Selbst bei diesem trüben Wetter atembe­raubend schön.

Unten am Strand gibt es einen Parkplatz mit Toilet­ten­häuschen, der aber eine besondere Form der Womover­hin­derung bietet: Die Zufahrt ist so verengt worden, dass vielleicht noch ein Kasten­wagen, aber nichts größeres mehr durch­kommt. kurz darauf gibt es aber einen größeren Parkplatz mit (leider geschlos­sener) Eisbude, an dem keinerlei Womoverbote bestehen. Uns ist es recht.

Denn trotz des Tröpfel­regens machen wir uns auf dem Weg zum Pier, an dem man angeblich auch Otter beobachten könnte. Bei uns sind es aber nur die unver­meid­lichen Schafe und Wasser­lilien.

Ein Stück weit die Straße hinauf soll es einen Skulp­tu­ren­garten und dahinter ein Café geben. Wir gehen über die Wiese links der Eisbude und denken, dass wir schon bald auf die erste Skulptur stoßen werden.

Spot the deer!

Aber das einzige, was wir finden, ist ein Reh, das schnell das Weite sucht. Und auf einer Anhöhe haben wir das erste mal seit 4 Tagen wieder 4G-Internet. Zivili­sation! Aber keine Skulp­turen. Statt­dessen sind wir gut durch­nässt und freuen uns über ein bisschen Wärme, Scones und Carrot Cake im Carthouse Café. Die Skulp­turen sparen wir uns für besseres Wetter auf…

Tobermory, Insel­haupt­stadt mit ohne Charme

Unser Plan ist es, auf dem Camping­platz von Tobermory Strom zu tanken und ein bisschen durch die Stadt zu bummeln. Aber als wir den Camping­platz sehen, sind wir doch etwas ernüchtert. Direkt an der Straße und nicht besonders gepflegt wirkend. Das hatten wir uns anders vorge­stellt. Also doch lieber weiter? Wir haben ja noch die Empfeh­lungen für den neuen Camping­platz in Pennygown und der Platz in Crannich aus dem Mull-Prospekt sieht ja auch schöner aus als das hier. Also weiter!

Tobermory empfinden wir dann irgendwie zwiege­spalten. Und vielleicht ist es ja auch nur das Wetter. Aber bis auf die wirklich hübsche bunte Häuser­front am Hafen und ein paar nette Shops, insbe­sondere Tobermory Chocolate, hat uns die Stadt nicht wirklich gekriegt. Alles hat irgendwie eine leicht ranzige Patina, ist aber noch nicht im Stadium von „so kaputt, dass es wieder gut ist“.

Skurriles Erlebnis im Coop: Wir kaufen nur ein paar Sachen ein und legen unsere Sachen aufs Laufband an der leeren Kasse. Daraufhin werden wir freundlich darauf hinge­wiesen, dass es eine „1 queue“-policy gebe und wir uns doch bitte hinten anstellen mögen. Und tatsächlich: Am anderen Ende des engen(!) Shops sehen wir jetzt Leute, die eine Schlange bilden, um sich dann wieder an die Kassen zu begeben. Da das alles aber nicht wirklich durch­dacht und gekenn­zeichnet ist und der Raum dafür auch nicht gebaut wurde, wird es wahrscheinlich jeden Tag Dutzende Male passieren, dass Leute sich falsch anstellen. Und man mehr Zeit mit der Korrektur als dem Kassieren verbringt…

Immerhin stimmt aber die Empfehlung, dass es im Fish&Chips-Wagen am Anleger wirklich leckere Fish&Chips gibt. Wobei wir beide den Fisch besser als die Pommes fanden. Und die Möwen, die uns beim Essen argwöh­nisch beäugen, ob was für sie abfällt, scheinen uns bis zum MoMo zurück zu verfolgen…

Stell­platzjagd

Es soll jetzt für uns ganz unkom­pli­ziert weiter gehen. Landschaft genießen, Camping­platz aufsuchen, ausspannen. Bis auf ersteres kommt aber alles ganz anders.

Der Blick hinunter auf den Sound of Mull ist grandios. Leider können die Handy­fotos die grandiose Licht­stimmung mit düsterem Himmel und hellglän­zendem Meer nicht wieder­geben. Wunder­schön. Ebenso wie die plötzlich zweispurige Straße — das ist ja ein wahrer Geschwin­dig­keits­rausch!

Und auch als wir auf Meereshöhe ankommen werden die Fotomotive nicht weniger. Ein paar Schiffs­wracks liegen fotogen am Wegesrand.

Kurz danach dann die Entscheidung: in die Berge nach Crannich oder am Loch bleiben und nach Pennygown? Wir entscheiden uns für Luxus mit dem flamm­neuen Stell­platz am Meer. Aber als wir dorthin kommen, sind wir erst mal ernüchtert. Der Platz wirkt noch eher wie ein Neubau­gebiet, in dem schon mal die Plätze vorbe­reitet sind. Schön ist hier wirklich noch gar nichts (außer vielleicht den modernen Facilites). Und es kommt noch schlimmer: Plätze mit Strom gebe es leider gar keine mehr: fully booked! Und das war eigentlich unser Haupt­grund, den Platz aufzu­suchen!

Aber wir haben ja noch Plan B: Der Stell­platz in Crannich. Das liest sich ja auch alles gut. Dann eben wieder ein paar Meilen zurück fahren und ins Inland. Wieder vorbei an unseren Schiffs­wracks. Und dann into the middle of nowhere. Ruppelig, Single-track of course. Und ein Tor vor dem Stell­platz, das man zu Fuß öffnen muss.

Und natürlich, der geneigte Leser ahnt es schon: alle 6 Plätze fully booked… Auf mein „It‘s only May!“ antwortet der nette Betreiber nur mitleidig grinsend „best season!“ Schade, der Platz hatte was!

Jetzt ist guter Rat teuer. Auf Mull gehen uns die schönen Optionen aus. Also noch eine Nacht ohne Strom zu tanken? Müsste gehen. Dann ab aufs Festland. Wir steuern die Fähre von Fishnish nach Lochaline an.

Und haben Glück: Denn wir kommen um 19 Uhr auf die letzte Fährüber­fahrt des Tages. Als einziges Auto neben einem fröhlichen Radfahrer, der die Bordcrew wie alte Freunde begrüßt — was sie wahrscheinlich auch sind…

Rauhe Morvernhalb­insel

Es ist unser Glück, dass es hier im Norden noch so lange hell ist. So können wir jetzt verschiedene Stell­platz­ideen abklappern. Und die Fahrt durch die urwüchsige Morvern-Halbinsel ist ein echtes Erlebnis. Wunder­schöne karge und doch abwechs­lungs­reiche Landschaft.

Wollen wir direkt im Fährort Lochaline an einem zugewach­senen Aussichts­punkt stehen? Nö.

Am Loch Arienas sieht es gewaltig gut aus. Aber als wir aussteigen, fallen innerhalb kürzester Zeit die Midges über uns her. Mistviecher! So schnell kann man ja gar nicht wieder einsteigen, dass man die nicht ins Womo bekommt! Also wieder nix.

Wir landen schließlich am Pass Richtung Liddesdale und können in den Wolken sogar den Loch Sunart ausmachen. Wild, urig, schön. Und keine Midges.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schottland Frühling 2019
Fish&Finish

Fish&Finish

Unser letzter Tag auf der britischen Insel ist schnell erzählt. Wir haben den Vormittag genüsslich mit Frühstück und Tagebuch (online und offline) vertrödelt. Den spätestens Check-out auf dem Campingplatz haben wir um 11.57 Uhr locker um 3 Minuten zu früh umschifft....

A church, two castles and Fawlty Towers

A church, two castles and Fawlty Towers

Hui, das war eine stürmische Nacht! Am späten Abend kam der angekündigte Wind mit Sturmböen. Und unser MoMo bietet da genug Angriffsfläche! Aber es ist dann auch irgendwie so als würde man sanft in den Schlaf gewiegt. Wenn nur die Geräusche nicht wären. Denn der Wind...

Grau zu Blau

Grau zu Blau

Och nööö. Schon wieder Regen. Und beim ersten Spaziergang mit den Hunden schießt Annette zwar schwer stimmungsvolle Bilder in Variationen von grau, aber das ist nicht das, was wir uns für den letzten Tag in den Highlands gewünscht haben. Priory mit Priority Unseren...

Zu-spät-Tag

Zu-spät-Tag

Der Regen ist über Nacht heller geworden. Es ist nahezu freundlich. Wir fahren weiter zum Castle of Aaaaarrrrrrggghhh. Zumindest Monty-Python-Fans wissen jetzt Bescheid. Schottland-Kenner würden jetzt eher vom Castle Stalker sprechen. Eine Wasserburg, wo auch mal...

Landunter

Landunter

Der Wetterbericht hat nicht gelogen. Grau in grau. Trüb. Feucht. Mehr als feucht. Nass. Igittwetter. Für uns steht eine folgenschwere Entscheidung an: Wollen wir, wie geplant, bis Sonntag auf Syke bleiben und dann in zwei längeren Etappen nach Newcastle zurück? Oder...

Fünfzig

Fünfzig

Wir müssen uns mal wieder den Wecker stellen, um die Fähre nach Skye nicht zu verpassen. Denn die fährt schon zu gottloser Zeit um 7.15 Uhr los. Und da man 45 Minuten vor Abfahrt da sein muss, weil sonst der Platz vergeben werden kann, machen wir das ganz gewissenhaft...

Goodbye, Hebrides!

Goodbye, Hebrides!

Die Nacht war wieder mal eisig. Von den Temperaturen her könnte es gerne mal 5 Grad mehr sein. Denn wir schielen immer noch auf unseren Gasvorrat. Auch wenn wir heiztechnisch sehr sparsam unterwegs sind, wird das noch eine enge Kiste. Momentan sieht es dennoch eher...

Strand­nirvana

Strand­nirvana

Um es mal direkt vorwegzunehmen: Ja, wir wissen, dass wir uns komplett unglaubwürdig machen, wenn wir heute schon wieder vom „schönsten“ Strand reden. Und wahrscheinlich wird es uns hier auf den Hebriden sogar noch ein paar mal passieren, dass wir wieder so in...

Fotogra­f­en­traum

Fotogra­f­en­traum

Das Wetter hat sich wieder beruhigt. War ja auch wirklich nicht schön die letzten beiden Tage! Am Morgen zeigt sich der blaue Himmel noch etwas zaghaft. Das Wetter weiß noch nicht so recht wo es hin will, gibt sich aber deutlich Mühe. So sehr, dass wir gegen Mittag zu...

Sturm­strand

Sturm­strand

Der Tag fängt so an, wie der gestrige geendet hat. Grau und trüb. Mann, ist das trostlos! Aber wir hatten uns ja an unserem Übernachtungsplatz eine kleine Spazierwanderung ausgesucht, die man auch bei dem schwachen Nieselregen getrost machen kann. Die Cladh Hallan...

Trübtag

Trübtag

Auf den Wetterbericht ist Verlass. Für heute war vorhergesagt, dass es Katzen und junge Hunde regnen würde und so ist es dann auch. Es ist so trüb, dass es uns nicht mal reizt, noch mal zu den tollen Stränden zu gehen. Wir gucken uns lieber aus dem MoMo die Kühe an,...

Traum­strände

Traum­strände

Heute gibt es eine MoMo-Küchenextravaganz. Annette macht uns ein schottisches Frühstück. Mit Rührei. Tomate. Bacon. Und Haggis! Letztere hatten wir uns bei der Räucherei in Glenuig gekauft und sind gespannt, ob sie so gut schmecken wie sie gekostet haben. Und sind...