Castletag
11. Mai 2019

Der erste Morgen mit strah­lendem Sonnen­schein. Herrlich!

Da wir aber schon wieder eine sehr kalte Nacht hatten, checke ich mal unsere Gasflasche, wie viel wir verbraucht haben. Und falle fast vom Hocker. Die erste Flasche soll schon zur Hälfte leer sein! Das könnte aber ein kurzer Urlaub werden. Und natürlich frage wir uns, wie das kommen kann. Denn wir haben bewusst wenig geheizt und Heizung/Warmwasser lieber einmal zu viel abgestellt. Sehr ungewöhnlich. Wenn es jetzt nicht rasch wärmer wird, kriegen wir spätestens nach 2 Wochen ein Problem. Schlecht, wenn man eigentlich 4 Wochen weg sein will… Mal gucken, wie wir das Problem lösen.

Stirling Castle

Leicht unent­spannt fahren wir nach Stirling und müssen erst mal auf andere Gedanken kommen. Die Parkplatz­suche klappt schon mal problemlos. Auf der steilen Zufahrts­straße hoch zum Castle finden wir einen perfekten Bezahl­park­platz. 2£ für 2 Stunden: Sollte nach unseren bishe­rigen Erfah­rungen locker reichen.

Routi­niert stellen wir uns an der Kasse als „member“ vor, erhalten unsere Audio­guides und schlendern hinein. Und das Castle hier ist dann schon eine andere Hausnummer als die bishe­rigen Sehens­wür­dig­keiten. Sowohl die Touris­tenzahl, als auch der Aufwand für die Insze­nierung ist deutlich höher als bei unseren zuvor besuchten Sites. Gut, dass wir in der Vorsaison sind. Im Sommer müssen sich die Leute hier tottreten!

Als wir von den Burgmauern die vor uns liegende weite Ebene mit teilweise noch schnee­be­deckten Bergen der Highlands im Hinter­grund betrachten, hören wir plötzlich einen sehr lauten Schrei. Bald darauf wieder. Ich tippe auf entweder eine Militär­wach­ab­lösung oder den sehr ungehal­tenen Vater eines ungezo­genen Jungen. Es ist dann aber nur ein Tourguide, der sehr anschaulich eine Belagerung des Castles nachspielt: „Boom!“

Und auch in den Gemächern wird nachge­spielt: Ladies in feinen Gewändern erklären, was in den Räumen zu sehen ist und es zeigt sich: Einhörner waren in Schottland schon früh trendy.

Beein­dru­ckend sind auch die leuchtend bunt bemalten Holzschnit­ze­reien, die in einigen Räumen an Wand und Decke hängen. Für die Portraits an der Decke soll der Künstler pro Nase 5 Wochen gearbeitet haben. Respekt!

Mit der Besich­tigung sind unsere 2 Stunden wie im Fluge vergangen — hier kann man echt Zeit verbringen!

Doune Castle

Und es wird langsam langweilig.

Also vielleicht für den Leser, aber nicht für uns. Denn nach dem Castle ist vor dem Castle. Direkt um die Ecke gibt es das Doune Castle (gesprochen: Duhn), was Schau­platz für die Ritter der Kokosnuss von Monty Python, die erste Folge von Game of Thrones und die Serie Outlander nach den Gabaldon-Büchern war.

Der Knüller hier: Der Audio­guide wird von Terry Jones aus der Monty-Python-Truppe gesprochen. Und der macht seinen Job absolut fantas­tisch. Absolute Empfehlung!

Das Castle ist leider an vielen Stellen zu Renovie­rungs­zwecken einge­rüstet. Insofern wird der „authen­tische“ Eindruck etwas getrübt. Aber im Inneren ist dann vor allem die unter­haltsame Audio­führung hilfreich. Besonders beein­dru­ckend ist die Küche, mit der bestimmt 5 Meter breiten Feuer­stelle, wo dann schon mal ein ganzer Ochse am Spieß gegrillt wurde.

Konse­quentes Design… (gesehen auf dem Besucher­park­platz)

In die Trossachs

Jetzt hat es sich aber ausge­castlet. Wir sind jetzt wirklich reif für mehr Natur und weniger Historie. Und die Trossachs, das Gebiet nordöstlich vom Loch Lomond, scheinen hierfür wie gemacht.

Die Straßen werden hinter dem Einfallsort in die Region, Callander, richtig kurvig, hügelig und schmal. Und da uns anscheinend alle Wochen­end­aus­flügler entge­gen­kommen, muss man schon gut gucken, wie man fährt.

Wir haben beschlossen, heute mal einen BritStop zu machen. BritStops ist die britische Variante von France Passion. Also kostenlose Unter­kunft bei einem Gastgeber, der Bauer, Winzer oder Gastronom ist.

Unser erster Versuch ist die Trossachs Woolen Mill hinter Callander. Da ich stur nach Navi fahre, den ich mit der briti­schen Postleitzahl gefüttert habe, fahren wir gekonnt daran vorbei. Und wenden kann ich dann auf der engen Straße erst nach ein paar Kilometern bei der nächsten Kreuzung.

Im zweiten Anlauf landen wir dann aber doch da, wo wir hin wollen. Der dortige Stell­platz ist aber lediglich der Parkplatz an der „Haupt­straße“. Könnte nachts zwar ganz okay ruhig sein, aber schön ist anders.

Immerhin komme ich aber jetzt auch zu einem Kaschmir­pulli. Denn ich habe Annette in den letzten Tagen doch etwas um das kuschelig warme Stöffchen beneidet. Und als wir dann noch ganz geschäfts­tüchtig einen 20%-Discount-Gutschein zugesteckt bekommen, musste ich halt zuschlagen…

Der nächste Britstop ist im Örtchen Brig o‘Turk in Richtung Loch Achray. Diesmal ein „lively country pub“, das Byre Inn. Ganz so lebhaft ist es am frühen Abend aber noch nicht. Der Parkplatz ist weitest­gehend frei und auch als wir am frühen Abend dort essen gehen, ist es übersichtlich gefüllt.

Scallops mit Black Pudding und Erbsen­püree

Das Byre Inn punktet dann mit einer sehr abwechs­lungs­reichen Playlist, die von Iggy Pop über Nena bis zum Radetz­ky­marsch reicht. Und mit den Scallops, die wir uns als Vorspeise teilen, stimmen wir uns schon mal aufs Meer ein.

Fotospa­ziergang

Da es nach dem Abend­essen immer noch hell ist, machen wir einen Abend­spa­ziergang zum Loch Achray. Über eine kleine malerische Stein­brücke gelangt man zum Weg, der einen zum See bringt.

Und dort kann man dann noch den letzten Sonnen­strahlen beim Unter­gehen zugucken und Schott­land­feeling tanken.

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