Mit dem Rad durch die Probstei
14. Oktober 2018

Heute wollen wir es noch mal wissen: Ab aufs Fahrrad!

Die Route tüftelt sich fast von selber aus. Erst mal auf dem autobahn­ähnlich breit ausge­bauten Radweg zwischen Deich und Strand mit Rückenwind in Richtung Westen brausen.

Man merkt, dass Sonntag ist. Es ist deutlich mehr los als noch am Freitag, aber ohne dass man von Touris­ten­massen sprechen könnte. Immer noch sehr entspannt.

In Heidkate biegen wir dann landein­wärts ab und fahren über einsame Straßen in verlassen wirkende, aber propere Dörfer, die mittler­weile anscheinend zum großen Teil aus Ferien­woh­nungen und ‑häusern bestehen.

Auch an der Krokauer Mühle, im Reise­führer als großes Touris­tenziel beschrieben, herrscht tote Hose. Nix mit Einkehr­mög­lichkeit. Fahren wir halt ins nächste Dorf mit einer Gaststätte mit dem charmanten Namen „Der alte Auf“. Müsste das nicht eher die oder das heißen? Ist aber auch egal, denn: Betriebs­ferien. Mmpf.

Sehr nett sind die gelegentlich am Wegesrand zu findenden Stroh­skulp­turen. Mal ein Strohhaus, dann ein überdi­men­sio­nales Stroh­te­lefon, aber den Vogel hat für uns eine Stroh-Minnie-Maus abgeschossen — stilecht mit Stern vom Walk of Fame. Zu sehen in Passade am Passader See. Aber auch hier: alles dicht, keine Saison mehr.

Café Unter­ir­distan

Aber beim Hotelcafé Fischer­wiege steht immerhin die Tür offen. Vielleicht kriegen wir ja hier eine Stärkung? Ich gehe zum Fragen hinein und kriege die patzige Antwort „Sie sehen doch, dass die Tür offen ist. Dann haben wir wohl geöffnet.“ Hui, die Dame des Hauses hat aber Haare auf den Zähnen! Und auch unsere Frage nach angebo­tenen Speisen und Getränken beant­wortet sie nicht gerade einladend. Eher so, als wären wir lästige Schmeiß­fliegen, die man jetzt gerade nicht so gut brauchen kann. Aber da wir ja wissen, dass es ringsum nicht mehr viel geben wird, bestellen wir Schorle und Kuchen.

Der Kracher ist aber dann Annettes Erlebnis, als sie nach Wasser für die Hunde fragt, da ein Wassernapf auf der Treppe steht. Ob sie das Wasser aus der Gießkanne daneben nehmen könne? „Ist Dünger drin.“ „Ja, aber ich hätte gerne Wasser…?“ „Dann bringen Sie mir halt den Napf!“ Als sie dann erstaun­li­cher­weise sogar den Wassernapf an den Tisch bringt, gibt es noch barsche Anwei­sungen: „Den stellen sie nachher aber schön wieder auf die Treppe!“

Für diesen herzlichen Service hat die Dame es sich aber sowas von verdient, dass ich ein großzü­giges Trinkgeld von 0€ gebe…

Hügeliges Auf und Ab

Auf dem Rückweg geht es dann durch goldenstes Oktober­wetter und auf größten­teils leeren Straßen zurück. Obwohl es hier ja eher flach ist, machen mir der Gegenwind und der Hunde­an­hänger ganz schön dicke Beine. Oder ist es doch das mangelnde Training? Hintern und Beine sind auf jeden Fall bei der Rückkehr erst mal bedient.

Von der See an die Seen

Unser Plan für morgen steht schon länger fest: Wir wollen mal wieder Kanu fahren! Und das soll man auf der Schwentine, dem längsten Fluss der Region, hervor­ragend können. Leider (bzw. Gottseidank) habe ich gesehen, dass in Preetz, was wir eigentlich ansteuern wollten, der Kanuverleih Montags und Dienstags geschlossen ist.

Na, egal, dann fahren wir halt nach Plön. Da kann man auch paddeln und der dortige Camping­platz hat auch einen Kanuverleih und einen unschlag­baren Namen: Spitzenort!

Als wir dort auf dem vor der Schranke liegenden Stell­platz ankommen, sind wir schon mal beein­druckt: 12 einzelne, kreis­förmig angelegte Stell­plätze mit Full-Hookup. Das Prinzip von Frisch- und Abwasser direkt am Platz kennen wir eigentlich nur aus den USA und vom Camping­platz in Sestri Levante in Italien. Toll! Nicht so toll sind der Schatten und der fehlende Seeblick, die doch eher engen (aber okayen) Stell­plätze und vor allem die Straßen­ge­räusche, die sich doch mehr oder weniger störend bemerkbar machen.

Also gucken wir mal, wie der Rest des Platzes aussieht. Und finden, dass er seine Top-Bewer­tungen redlich verdient hat. Top Lage, top Plätze, top sanitäre Einrich­tungen. Und daher zahlen wir dann (trotzdem zähne­knir­schend) den Aufpreis von 9€ für einen Stell­platz auf dem „echten“ Camping­platz. Wer sich solche Mühe mit dem Instand­halten einer schönen Anlage gibt, darf auch mehr verlangen.

Einen Wermuts­tropfen gibt’s dann aber doch noch für uns: „Kanuverleih? Nein, die Saison ist vorbei. Ich habe mit den anderen Verleihern gesprochen und hier in der Region macht keiner mehr was.“ Das ist jetzt nicht die Auskunft die wir haben wollten…

Abends sitzen wir dann fast in erster Reihe am See, sehen der Sonne beim Unter­gehen zu und schmeißen unsere Einkäufe vom Metzger Muhs auf den Grill.

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