Durch die Aareschlucht

Unseren Platz müssen wir früh verlassen – die Vorbereitungen für das Festival laufen auf Hochtouren! Schweizerisch korrekt weist uns unsere Platzwartin um halb zehn darauf hin: „Sie missbrauchen das jetzt schon ein wenig, dass sie noch bis heute bleiben dürfen.“ Okay, wir haben verstanden!

Da unsere Familienfeier erst am Nachmittag beginnen soll, haben wir noch reichlich Zeit, bis wir im Kanton St. Gallen sein müssen. Und da wir noch nie in der Aareschlucht waren und nebenan auch noch der berühmte Reichenbachfall ist, machen wir einen kleinen Abstecher dorthin.

Wir fahren zum Osteingang und freuen uns, dass wir abseits der Saison dort mit dem MoMo gut parken können, obwohl es gar nicht so viele Parkplätze gibt. Und noch viel weniger, die für Wohnmobile geeignet sind! Denn unserer Meinung nach ist es dramaturgisch deutlich toller, von Ost nach West zu gehen! Aber der Reihe nach…

Einmal durch die Schlucht

Wir ersparen uns und Mia die Durchquerung der Schlucht, da wir nicht wissen, wie eng es dort ist und wie gut gesichert der Weg für Hunde ist. Generell sei es jedoch kein Problem mit Hunden dort durchzugehen, wie uns die ausgesprochen nette Frau an der Kasse erklärt.

Also geht es zu dritt los! Zunächst wirkt das ganze noch nur so mittelspektakulär. Man geht hinab bis zum Fluß. Wenn hier nach der Schneeschmelze mehr Wasser durchrauscht, kann man bestimmt schon mal nasse Füße bekommen!

Die Aare ist noch recht breit und auch die Sonne kommt noch gut in die Schlucht. Aber mit jedem Schritt weiter werden die Felswände an den Seiten steiler und das Tal enger. Und an den Engstellen rauscht es schon heftig. Gut, dass der Weg jetzt wieder ein bisschen höher geführt wird – sonst würde man wahrscheinlich einfach mitgerissen.

Und das ständige Wechseln zwischen Enge und Weite und zwischendurch eingestreuten Tunneln, Illuminationen und Wasserfällen machen das ganze wirklich zu einer abwechslungsreichen Geschichte.

Und wie gesagt werden die außergewöhnlichen Stellen von Ost nach West immer mehr, so dass wir am plötzlich erreichten Ende den Eindruck haben, wirklich mit dem Besten aufgehört zu haben. Sehr empfehlenswert!

Tipp für die Hochsaison wäre es, dass Womo am Westeingang abzustellen, da dort mehr und großzügigere Parkplätze zur Verfügung stehen. Dann eine Wanderung zum Osteingang und durch die Aareschlucht zurück.

Wir verzichten heute aber auf die Wanderung, da mein Knie etwas Faxen macht und nutzen das im Eintrittspreis inkludierte Bahnticket, um wieder zurück zu kommen. Der Clou dabei: Nein, nicht, dass die Bahn überpünktlich kommt – die Haltestelle am Osteingang ist einmalig skurril: Alle müssen in der Bahn vorne aussteigen, weil sich nur hier eine Tür in der Felswand(!) öffnet, durch welche die Haltestelle verlassen wird. Und alle, die hier auf den Zug warten, stehen nicht am Gleis, sondern einfach vor dieser Tür, die sich nur öffnet, wenn ein Zug angehalten hat. Crazy!

Auf Sherlock Holmes’ Spuren

Für uns geht es weiter zum Reichenbachfall. Berühmt, weil er a) toll aussieht und b) von Arthur Conan Doyle als Szenerie für den letzten Sherlock Holmes-Fall verwandt wurde. Der liegt nur einige Kilometer weiter südlich von Meiringen und ist entweder mit einer Bahn oder aber mit dem MoMo zu erreichen. Wenn man kleine, enge und steile Straßen mag. Mag ich. Und Annette hat zumindest nicht laut „nein“ gesagt.

Wir parken auf dem Restaurantparkplatz oberhalb des Falls und setzen uns pflichtschuldigst zum Verzehr auch erstmal dorthin. Und sind dann überrascht, dass uns die Bedienung nicht sagen kann, wie man zur von hier sichtbaren Aussichtsplattform für die Kaskaden des Wasserfalls kommt. „Da bin ich noch nie gewesen.“ D’oh!

Wir versprechen, ihr zuzuwinken, wenn wir dort angekommen sind und brechen auf. Und ihren Reiz hat dieser besondere Wasserfall wirklich durch seine 7 Kaskaden, wo das Wasser in kleinen Pools Verschnaufpausen macht, um dann die nächste Klippe eindrucksvoll hinabzufallen. Und da das ganze auch noch toll angelegt ist (Wasserüberquerung inklusive) sind wir auch mit diesem Sightseeing absolut zufrieden.

Wir stellen nun aber fest, dass wir schon ganz schön spät dran sind: Jetzt heißt es weiterfahren nach Hemberg! Und da die Familienfeier dann auch Familienfeier sein darf, endet unser Schweiz-Reisebericht an dieser Stelle mit ein paar Bildern von der wunderbaren Säntisregion, die wir dort noch auf einer Wanderung bewundern durften. Die Schweiz ist schon echt ein Kracher!

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