Revival-Wanderung
18. September 2018

Wir haben die Qual der Wahl.

Denn wir stellen fest, dass wir so schnell hier gar nicht weg wollen. Zu viele Erinne­rungen wollen aufge­frischt werden. Nach Tschingel, wo wir einmal einen herrlichen Sommer­monat verbracht haben? Zum See und mit dem Schiff auf die andere Seite fahren? Nach Thun, einen Stadt­bummel machen?

Da wir herrlichstes Wander­wetter haben, fällt die Wahl auf keine dieser verlo­ckenden Alter­na­tiven, sondern auf den Weg zur Grönhütte, in Richtung Justistal. Eine Wanderung, die wir schon oft gemacht haben. Und jetzt halt endlich mal wieder!

Zunächst ist es ganz schön schweiß­treibend. Denn es geht entlang der Straße gut bergauf und wir haben hier wirklich einen Altwei­ber­sommer aus dem Bilderbuch. Die Sonne strahlt, aber in den schat­tigen Passagen ist es dann perfekt tempe­riert. Nicht zu kühl, nicht zu warm.

Obwohl die Strecke durch die Grön mautpflichtig ist, herrscht ein regel­mä­ßiger Verkehr. Das haben wir anders in Erinnerung! Aber vielleicht liegt es auch daran, dass das Vieh nicht mehr zu Fuß von den Almen abgetrieben wird, sondern per Verladung in einen Anhänger trans­por­tiert wird…

Am Picknick­platz auf halber Strecke stärken wir uns und genießen einmal mehr den fantas­ti­schen Ausblick, an dem man sich einfach nicht sattsehen mag.

Käse vom Erzeuger

Lustig ist, dass man Wege völlig anders in Erinnerung haben kann, als sie es tatsächlich sind. Für mich war dies eine Wanderung mit einem steilen Anstieg, wo man dann aber noch ein längeres Stück ebenerdig bis zur Grönhütte laufen muss. In der Realität sieht es so aus, dass man eigentlich stetig bergauf geht und erst, wenn man die Hütte schon sehen kann, ein kurzes Stück ebenerdig verläuft.

An der Hütte ist keine Einkehr­mög­lichkeit, aber man kann immerhin Justis­taler Käse erwerben. Und da lassen wir uns doch nicht zweimal bitten. Ein bärtiger Schweizer Almwirt wie aus dem Bilderbuch nimmt uns mit in seine Käserei und lässt uns kosten. Lecker!

Unsere Bedenken, dass der Käse den Rückweg nach Sigriswil nicht in fester Form überlebt, kann er zerstreuen. Denn der Mutschli, den wir auch noch kaufen, wird sogar bei eher warmen 20° gelagert um zu reifen. Da werden ihm die Tempe­ra­turen von heute auch nicht schaden.

Zwei Picknicks

Als wir schwitz­ge­badet am MoMo ankommen, machen wir es uns an der Picknickbank neben dem Fußball­platz gemütlich und legen erst mal ein Kaffee­päu­schen ein und gucken den Leuten zu, die über die Brücke kommen und gehen.

Nach unserem grandiosen Sonnen­un­tergang von gestern haben wir Lust auf mehr. Daher packen wir uns alle Köstlich­keiten ein, die wir heute und gestern gekauft haben und machen uns auf den Weg zur Panora­ma­aus­sicht von gestern.

Und während wir der Sonne beim Unter­gehen zuschauen, können wir es uns nach Herzenslust bei Hobelkäse und Konsorten gut gehen lassen. Da macht es dann auch nichts aus, dass es diesmal nur einen ganz unspek­ta­ku­lären Sonnen­un­tergang ohne Himmels­spek­takel gibt.

Wir gucken dann halt runter auf den See und folgen mit unseren Blicken den tutenden Schiffen und der Eisenbahn, die hier wirklich wirkt, als säßen wir im Miniatur-Wunderland in Hamburg…

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