Drive-In-Strand
19. Mai 2018

Wir wachen früh auf und sind uns einig: Bloß schnell ein Käffchen trinken und dann sehen, dass wir Land gewinnen — so einen Fahrtag wie gestern wollen wir nicht noch mal haben.

Lediglich ein kurzer Stopp an einer Bäckerei ist gestattet, wo wir uns aber immerhin mit leckeren Backwaren und einem Friesen- und Butter­kuchen für den Nachmittag versorgen.

Och nööö

Aber kaum befinden wir uns wieder auf der Autobahn, es ist kurz vor acht, stehen wir auch schon wieder im Stau. Das macht echt keinen Spaß!

Immerhin kommen wir gut durch den Elbtunnel, aber dahinter wieder: Stau. Und auch im weiteren Verlauf werden die A7 und ich keine Freunde.

Am Wardersee hinter Neumünster ist dann der Ofen aus. Für die Strecke, die man in 2,5 Stunden zurück­legen kann, haben wir 4 Stunden gebraucht. Während ich im Alkoven noch mal kurz die Augen zumache, zaubert Annette ein Frühstück, bei dem wir unsere Optionen prüfen.

Einfach hier in Schleswig Holstein bleiben? Eigentlich eine gute Idee, aber das Wetter ist hier nieselig fies. An der Nordsee soll zumindest die Sonne scheinen! Also beschließen wir, frisch gestärkt, weiter zu fahren. Die 2 Stunden schaffen wir jetzt auch noch!

Hej Danmark

Und siehe da: Auf einmal fluppt es deutlich besser. Die Staus werden kürzer und als wir in Dänemark die Autobahn verlassen und auf die Landstraße Richtung Westen wechseln, wird es nicht nur ruhiger, sondern sofort auch sonniger. Gute Entscheidung!

Wir erfreuen uns an den netten roten Bauern­höfen entlang der Strecke und freuen uns auf Insel und Meer. Wir sind gespannt, was Rømø zu bieten hat.

Leider voll

Der hochge­lobte Stell­platz Oasen sieht dann auch in Natura so gut aus wie erwartet. Gut angelegt, großzügig und sauber. Dumm nur, dass direkt am Eingang das handge­schriebene Schild „Alle Plätze voll“ aufge­stellt ist… In der stillen Hoffnung, dass es nur für einen der insgesamt 3 Plätze mit 170(!) Stell­plätzen gilt, klappern wir die anderen auch noch ab, werden aber dafür nicht belohnt. Dass es an Pfingsten voll würde, war uns ja klar, aber dass wir um 15 Uhr schon nix mehr kriegen, ist schon bitter…

Party­meile

Nach einem Anruf im Camping­platz Lakolk bin ich erleichtert, dass es kein Problem sein soll, einen Platz ohne Strom­an­schluss zu kriegen. Nix wie hin, denn näher am Strand ist er wohl auch noch!

Als wir in Lakolk ankommen, sind wir von der Größe der Anlage überrascht. Boah, sieht das hier profes­sionell aus! Ich springe schnell hinein und buche direkt für 2 Nächte. Die 500 Kronen sind für einen Platz ohne Strom gerade noch an unserer Schmerz­grenze. Erst nachher merke ich, dass der Umrech­nungskurs nicht wie in Schweden 10:1 ist, sondern 10:1,34 — ich habe also gerade eben ca. 34€/Nacht für einen no-thrills-Platz bezahlt. Stramm!

Immerhin erweist sich der Stell­platz am äußersten nordöst­lichen Rand des Platzes als gute Wahl. Zwar ist er äußerst knapp bemessen und man steht den Nachbarn quasi schon im Vorgarten, aber zumindest ist es kein Matschloch. Denn als wir bei einer ersten Platz­runde zu Fuß am Waschhaus ankommen, kommen uns bereits 2 gröhlende volltrunkene Jugend­liche entgegen. Und die lauten Beats, die uns aus der Party­meile für das Jungvolk entge­gen­schallen, lassen uns schnell flüchten. Wo sind wir denn hier gelandet?

Autostrand

Nachdem wir uns den Kuchen als Belohnung für die Ankunft einver­leibt haben, geht es endlich ans Meer. Und in der Tat: der Strand ist groß und weit. Und befahrbar. Und daher platt. Ein komisches Gehgefühl. Aber der Anblick von Dünen, Sand und Meer passt halt immer. Und die Muscheln sind hier dann halt etwas, hm, kleiner…

Auch noch in unmit­tel­barer Nähe zum Wasser haben es sich die Leute neben ihrem Fahrzeug gemütlich einge­richtet. Kaum zu glauben, dass die am Abend alle weg sein werden! Denn über Nacht gilt ein strenges Parkverbot.

Bein unserem ausgie­bigen Spaziergang (Platz gibt es ja genug) stellen wir irgendwann verwundert fest, dass es außer uns so gut wie niemanden gibt, der hier zu Fuß lang läuft. Ist ja auch verständlich, wenn man es so komfor­tabel mit dem Auto haben kann. Aber für mich fehlt dadurch auch etwas vom Strand­feeling. So ein bisschen ist das wie ein Drive-In-Strand. Ich weiß noch nicht, ob das so meins ist…

Unent­schlos­senes Wetter

Als wir wieder zurück am MoMo ankommen, setzen wir uns noch für einen kurzen Moment und zum Abend­essen draußen an den Tisch. Das Verflixte ist nur: Mit Sonne ist das wunderbar und schön, aber sobald die Sonne mal hinter einer Wolke verschwindet, wird es durch den Wind empfindlich kühl. Aber da alle Wetter­be­richte uns ab morgen für den Rest des Urlaubs schon fast unver­schämt gutes Wetter vorher­sagen, sind wir mal frohen Mutes.

Abends gehen wir noch mal kurz Richtung Strand, da die kugelrote Sonne uns noch einmal heraus­lockt. Und siehe da: Es sind tatsächlich die meisten Womos und PKWs verschwunden…

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