Crap Time

Wir werden wirklich schon besser mit der Jetlagverarbeitung. Heute klappt das mit dem Schlafen schon besser und wir sind pünktlich nach dem Frühstück in der Lobby für unseren gebuchten Early-Bird-Transfer zur Womovermietung.

Wer nicht da ist? Der Shuttlebus. Nach einer Dreiviertelstunde sind wir uns sicher, dass da keiner mehr kommt und als nach einer weiteren halben Stunde niemand auf unsere Beschwerde antwortet, nehmen wir auf eigene Faust ein Uber, um zu unserem Womo zu kommen.

Verlass auf Saeid

Wir entscheiden uns Gottseidank für ein Uber-XL, indem wir unsere ganzen Koffer unterbringen können. Und auf der Fahrt unterhalte ich mich nett mit Saeid, der aus dem Iran kommt und über Dubai nach Kalfornien gelangt ist. Wir quatschen über sein Leben als Uberfahrer, was wegen der großen Konkurrenz mitterweile nicht mehr lustig ist, und über Fußball, da er sich als fundierter Kenner der Bundesliga zu erkennen gibt. Und überhaupt sei Deutschland sein Lieblingsland, weil er dort so großartige Erfahrungen mit der Hilfsbereitschaft der Deutschen gemacht habe. Und es hört sich nicht so an, als würde er jedem Fahrgast das gleiche über seine Nation sagen.

Der Knaller passiert aber zum Schluss. Denn wir haben vor lauter Aufregung tatsächlich meinen Fotorucksack im Auto vergessen und er kommt noch mal extra zurück, um ihn uns wiederzubringen. Klasse Typ!

OMG

In der Station setzt sich dann das Elend mit unserem Vermieter fort. Zwar sind alle ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, aber in der Praxis halt auch wenig hilfreich. Der Station Manager Tom ist komplett überfordert, weil er 2 Stationen (Phoenix und LA) betreut und angeblich nicht damit hinterher kommt, alles zu kontrollieren. Seine deutsche Mitarbeiterin kann außer freundlich sein auch nicht wirklich viel. Nicht mal einen Rückruf an meine deutsche Rufnummer kriegte sie auf die Kette, weil sie die falsche Ländervorwahl gewählt hat…

Und auch wenn ich weiß, dass amerikanische Womos eher rustikal gestrickt werden, bin ich von der Qualität des Ausbaus echt entsetzt. Vieles wirkt so dermaßen billig oder undurchdacht konstruiert, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Und vieles ist schlicht und einfach nicht vorbereitet. Da sind die zwei fehlenden Schrauben an der Mikrowelle noch das kleinste Problem.

Dafür, dass Best Time uns als „Premium-Vermieter“ verkauft worden ist, ist das ein absolutes Armutszeugnis. Nothing special here.

Nach etlichen Nacharbeiten (Dumpen(!), vergessene Convenience Kits, fehlende Stühle, wackeliger Tisch) rollen wir bereits entnervt erst gegen 13 Uhr vom Hof. Geplant war 10 Uhr…

Nachdem wir 20 Minuten auf dem Highway unterwegs waren, wirft Annette einen Blick nach oben stößt einen Fluch aus: „Da ist ein fettes Loch im Alkovendachfenster!“ Ja nee, is klar…

Bevor wir wieder zurückfahren, eine Reparatur abwarten und der Tag endgültig zum Teufel ist, schlagen wir unsere bewährte Torla-Reparatur vor: Mit Panzertape abdichten und gut ist. Regnen soll es ja voraussichtlich in den nächsten Tagen nicht… Wird uns von der nun wirklich am Boden zerstörten deutschen BestTimerin auch so gestattet.

Best Time? Crap Time!

Großeinkauf mit Folgen

Also fahren wir zum nächstgelegenen Vons und erledigen neben dem Duct-Tape-Kauf auch gleich noch unseren Großeinkauf. Was wir haben, haben wir. Aber bis wir alles beisammen haben, dauert es auch hier wieder ewig, so dass wir erst gegen viertel vor 4 weiterkommen.

Und wo landet man um 16 Uhr in LA? Natürlich im Stau… Und zwar fett. Alles, was man über die schrecklichen Staus in LA gehört hat, stimmt. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass es auch so weit außerhalb des Zentrums noch so derbe ist. Also: Wir reden hier von 100km vom Zentrum entfernt…

Geistercampground

Als wir dann endlich relaxter unterwegs sind, kommt sogar ein bisschen Urlaubsstimmung auf. Durch die Ödnis des amerikanischen Hinterlands zu fahren, hat immer etwas.

Mittlerweile ist es natürlich so spät, dass unser eigentliches Ziel, die Alabama Hills, in unerreichbarer Ferne liegt. Also kundschaften Annette und Sofie die Geisterstadt von Calico als mögliches Ziel aus, da es hier auch einen Campground gibt.

Und im schönen warmen Licht der untergehenden Sonne kommen wir genau rechtzeitig an. Sofie klärt noch mal telefonisch für uns ab, welches die korrekten Plätze für unsere Bedürfnisse sind und schließlich finden wir uns an einem Platz mit gelber Stange wieder, die den Stromanschluss signalisiert.

Und wenn der ganze Ärger nicht gewesen wäre, wäre das eine richtig schöne, entspannte Sonnenuntergangsstimmung geworden.

So aber verschieben wir das unbeschwerte Abenteuerfeeling mal lieber auf morgen…

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