Grandiose Strände und große und kleine Städte
13. Oktober 2016

Was ein Luxus! Im Osten die Sonne über den Klippen aufge­hen und im Westen Meer, Ginster und Heide in sanftes Morgen­licht getaucht sehen. Viel besser kann ein Tag nicht begin­nen.

Wir fahren die Küste entlang und wollen eigent­lich bis Erquy fahren, um dort das Cap zu erwan­dern. Aber schon am ersten Traum­strand auf der Strecke werfen wir diesen Plan über Bord und genie­ßen den Dank der Ebbe riesig breiten Strand, den wir, mal wieder, praktisch für uns alleine haben. Und Mia flitzt natür­lich wie immer wie ein Dilldopp hin und her, vor und zurück. So viel Platz!

Auch am Cap d’Erquy sind wir die einzi­gen, die dort parken. Schade, dass Übernach­ten für Womos dort expli­zit verbo­ten ist. Ansons­ten wüssten wir schon unseren nächs­ten Stell­platz…

Denn die Aussicht von hier ist noch ein Stück­chen grandio­ser als an unserem Parkplatz am Cap Frehel! Da wir nun wissen, dass wir nicht ewig hier bleiben, schnü­ren wir halt die Wander­schuhe und nehmen so viel wie möglich von dieser Landschaft in uns auf. Aller­dings gut einge­packt, denn der Wind hier oben pustet schon ganz ordent­lich, so dass vom strah­len­den Sonne­schein nicht mehr viel Wärme übrig bleibt. Aber trotz­dem ist es ein Genuss, sich unter diesen Bedin­gun­gen durch­pus­ten zu lassen!

Auch hier führt der Weg uns wieder zu einem Traum­strand. Wenn dies überhaupt möglich ist: Noch breiter und noch einsa­mer! Da müssen wir runter und die ersten sein, die dort Spuren hinter­las­sen. Kaum vorstell­bar, dass bei Flut anschei­nend der ganze Strand unter Wasser liegt! Aber die Wasser­li­nie an den umlie­gen­den Felsen und auch der makel­los glatte Zustand des Sandes lässt kaum einen anderen Schluss zu.

Von diesem Highlight wandern wir zum Ort und der Bucht von Erquy. Dort liegen unter uns die Schiffe wahlweise im Schlick oder schon im Wasser und man hört das sanfte Klingeln der Wanten, die gegen den Mast der Segel­boote schla­gen. Ein fried­li­ches Bild bietet sich uns da unten.

Wir wandern etwas oberhalb der Bucht an den 2 Lacs Bleu vorbei, die eine Laune der Natur oberhalb des Meeres in den Felsen hat entste­hen lassen. Zwar nicht so spekta­ku­lär blau, wie ich insge­heim erhofft hatte, aber immer­hin sehens­wert.

Nach dieser Überdo­sis Natur sind wir bereit für etwas Abwechs­lung: In Saint Brieuc soll es einen Shop von “free” geben, wo wir hoffen, endlich mal an die Simkarte fürs Bloggen zu kommen. Was aber auch heißt: Großstadt. Und: Parkplatz­not. Den im Womofüh­rer empfoh­le­nen Parkplatz steuern wir an, stellen aber fest, dass er gar nicht mehr existiert: Großbau­stelle! Aber nach etlichem Umher­kur­ven (unter anderem durch eine Fuzo.…) finden wir schließ­lich einen gar nicht mal so schlech­ten Platz am Straßen­rand. Vielleicht, weil gegen­über vom Sexshop so häufig Autos kommen und gehen?

Unsere Simkarte kriegen wir schließ­lich von einem erstaun­lich engagier­ten und sogar englisch sprechen­den Verkäu­fer: 50GB fr 30€ — nimm das, SFR! Wer diese Anspie­lung nicht versteht möge den Bericht vom vergan­ge­nen Jahr lesen…

Saint Brieuc reißt uns jetzt nicht so völlig vom Hocker, hat aber immer­hin eine Kathe­drale mit schön bunten Kirchen­fens­tern. Ansons­ten sind wir aber froh, als wir uns wieder auf der Landstraße stadt­aus­wärts befin­den…

Ganz ohne Stadt geht es heute aber dann doch nicht. Denn um unsere mittler­weile doch recht leeren Akkublö­cke aufzu­la­den müssen wir das MoMo mal wieder eine Nacht an den Strom hängen. Zu diesem Zwecke ist norma­ler­weise ein Camping­platz das Mittel der Wahl. Dumm nur, wenn fast alle Camping­plätze Ende Septem­ber schon den Betrieb einge­stellt haben! Wir finden aber einen vielver­spre­chen­den Platz in Moncon­tour, was aber nicht an unserer gelieb­ten Küste liegt, sondern etwas landein­wärts. Aber wir finden, dass ein mittel­al­ter­li­ches Städt­chen ja auch inter­es­sant sein kann.

Und tatsäch­lich ist der Camping­platz sehr gepflegt und schön angelegt. Die freund­li­che Platz­war­tin, die schon auf dem Absprung ist, nimmt sich noch die Zeit, uns mit Prospek­ten zu versor­gen. Ansons­ten, wenn’s recht ist, würde sie gerne morgen früh ab 9 wieder für uns da sein. Wir sollten uns einfach einen Platz aussu­chen. Und die Auswahl ist riesig: Wir sind nämlich die einzi­gen Gäste…

Nachdem die Strom­ver­sor­gung geklärt ist und ein erster Abbau der aufge­stau­ten Blogbei­träge zur Zufrie­den­heit erledigt ist, machen wir uns auf in die Stadt, von der wir nur wenig wissen, außer dass sie mittel­al­ter­lich urig sein soll und es ein Restau­rant namens “Le Chaudron Magique” geben soll.Oh ja, Zauber­kes­sel und Gallien hört sich gut an!

Im sehr überschau­ba­ren Stadt­kern finden wir dann auch die heilige Dreifal­tig­keit von Boulan­ge­rie, Bouche­rie und Patis­se­rie ergänzt mit Schuh­ge­schäft, Friseur und Optiker. Beson­ders gut gefal­len uns die Schil­der, die über jedem Geschäft prangen. Das ganze erinnert uns, vielleicht auch wegen des kalten Windes, sehr an die Szene­rie aus dem Film “Choco­lat”, denn auch die Händler in ihren jewei­li­gen Geschäf­ten sehen so unnach­ahm­lich und typisch franzö­sisch aus, dass man sie für einen Film nicht besser casten könnte.

Der “Zauber­kes­sel” hat geschlos­sen, so dass wir uns ein anderes Restau­rant aussu­chen müssen. Wir entschei­den uns für eine Crepe­rie, die von außen sehr nett aussieht.

Jedoch herrscht drinnen eine eher bedrü­ckende Stimmung. Die einzi­gen Gäste, ein älteres Ehepaar, sprechen kein Wort mitein­an­der. Keine Hinter­grund­mu­sik. Und der seeehr reser­vierte Kellner drückt uns missmu­tig und stumm die Karte in die Hand. Haben wir da was falsch gemacht? Aber wir machen einfach das beste draus und sind nach dem köstli­chen Galet­te/­Crêpe-Menu so weit, dass wir sogar den sehr ungesprä­chi­gen Garcon in ein kleines Gespräch über seine Hunde verwi­ckeln können. Manch­mal braucht es nur ein bisschen Zeit…

Und wie es der Zufall will, ist der eisige Wind auf unserem Nachhau­se­weg komplett verschwun­den und wir genie­ßen die mondbe­schie­ne­nen alten Gemäuer auf dem Weg zum MoMo.

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