Wettent­spannen
9. Oktober 2016

Pünktlich zum Sonnen­aufgang werden wir wach. Aber wir sind doch etwas erstaunt, dass die Uhr schon 8.20 Uhr anzeigt. Klappt gut mit dem entspannen!

Unsere Fahrt Richtung Westen geht gemächlich weiter. Denn nach einer Stunde lädt uns das schnu­ckelige Örtchen Veules-les-Roses zu einem Zwischen­stopp ein. Annette hat nämlich heraus­ge­funden, dass dort der kürzeste Fluss Frank­reichs zu finden ist. Knapp über 1000m ist aber auch wirklich kurz! Aber zunächst führen wir mal wieder das Bauern­stück “Wir fahren mit dem MoMo in eine hutzelige Altstadt und wundern uns, dass wir kaum durch­kommen” auf. Das Navi führt uns brav bis zu einer Straße, die nur für Anwohner freige­geben und dazu noch reichlich eng ist. Das wollen wir lieber mal nicht auspro­bieren… Das Dumme ist nur: Auch die Alter­na­tiv­strecke aus der Stadt wieder heraus ist mehr als reichlich eng. Wir trauen uns todes­mutig und passen so gerade durch — ein etwas größeres Schlacht­schiff als das MoMo kapitu­liert an dieser Stelle, wie wir später bei unserem Spaziergang durch den Ort feststellen. Denn auf einer deutlich angeneh­meren Umgehung finden wir dann doch noch den sehr großen Graspark­platz oberhalb der Klippen und machen uns auf den Weg.

Veules ist wirklich ein sehr pitto­reskes Örtchen mit vielen schönen alten Gebäuden und einem nett angelegten Weg der einen vom Strand zur Quelle des Flüss­chens und wieder zurück führt. Machen wir natürlich und legen einen Fotostop nach dem anderen ein. Alles sehr fotogen hier!

Nach einem Minie­inkauf beim Bäcker und im lokalen Tante-Emma-Laden kehren wir zurück zum MoMo und genießen die Nuss-Karamell-Tartelets und freuen uns schon mal auf den Cidre am Abend vor, der natürlich erst mal in den Kühlschrank wandert.

Unser nächstes Ziel Etretat streifen wir zunächst und fahren dran vorbei zum Leuchtturm am Cap Antifer etwas südlich. Das Cap hatte ich mir etwas touris­ti­scher und besser erschlossen vorge­stellt. Statt­dessen scheint hier alles verriegelt und verrammelt zu sein und auch der Schot­ter­park­platz wirkt etwas verwahrlost. Auch die Wanderwege, die hier losgehen sollen, existieren nicht mehr. Statt­dessen ist rund um den Leuchtturm alles mit Stachel­draht gesichert, damit niemand auf den Gedanken kommt, doch den Weg um den Leuchtturm Richtung Etretat zu nehmen.

Da es durch unseren Abstecher zuvor schon früher Nachmittag ist, beschließen wir, nicht mehr den kompletten Weg nach Etretat zu machen, sondern einfach so weit Richtung Norden entlang der Klippen zu laufen, dass wir noch im Hellen wieder zurück sein werden. Und was für eine gute Entscheidung das ist!

Schon nach kurzer Zeit kommen wir an einen extrem steilen Strand­abgang über gefühlte 1000 Treppen­stufen. Hätten wir uns mit Zeitdruck wahrscheinlich gespart. Aber jetzt machen wir einfach mal den Abstecher hinunter zum Kiesstrand. Und bis auf ein paar Angler haben wir diesen Abschnitt unter den mächtigen Klippen für uns alleine.

An der Stelle, wo reichlich Felsbrocken vom letzten größeren Abbruch liegen, lassen wir uns nieder und genießen den Ausblick, das Spielen mit den unfassbar glatten Steinen und die Sonne. Und Mia genießt das Stöbern nach irgend­etwas undefi­nier­baren, was sie unter den Kieseln erstöbert. Muss aber lecker sein…

Nachdem wir die Stufen schließlich wieder hinauf gekeucht sind (sagte ich, dass sie steil sind?) geht es direkt munter weiter hinauf durch engste Brombeer­he­cken­pfade. Aber auch hier lohnt sich die Anstrengung: Der Ausblick auf den nächsten Strand­ab­schnitt ist wieder mal grandios. Auch hier bleiben wir einfach etwas länger sitzen und genießen die prächtige Aussicht auf weiße Klippen mit Kiesel­strand.

Den Rückweg treten wir schließlich durchs Hinterland an und sind uns bei der Punkt­landung zum Sonnen­un­tergang am Leuchtturm einig: So schnell sind wir bisher noch nie in den entspannten Urlaubs­rhythmus gekommen!

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